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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bergbau in Heißen - Geschichte und Geschichten


ruine13
17.10.2006, 14:45
Auf den allerletzten Drücker :

Am 12.10 2006 begann die Ausstellung "Bergbau in Heißen - Geschichte und Geschichten" im Rhein-Ruhr-Zentrum Mülheim. Sie endet leider schon diesen Freitag (20.10.). Bis 22 Uhr ist wohl jeweils ein Ansprechpartner vor Ort.

Es werden historische Bilder rund um den Bergbau in Heißen, Werkzeuge und Modelle gezeigt und Geschichten über den Alltag erzählt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird Frank Niehusmann ein Audio-visuelles Konzert unter dem Titel "Untertagemusik Nr. 2" an drei verschiedenen Tagen durchführen (...leider auch schon vorbei, das war Donnerstag bis Freitag. Hätte ich gerne gehört)

Vielleicht interessiert es ja jemanden, ich werde auf jeden Fall die Woche noch nach der Arbeit hinfahren.

Gruß

Markus

masterTHief
17.10.2006, 18:12
Hallo Ruine13,

bitte berichte dann mal ein wenig, sitze in München, bin aber in Frohnhausen aufgewachsen und nach meiner Erinnerung stand die "Rosenblumendelle" so auf der Stadtgrenze und der Bergbau interessiert mich noch heute.
Danke

masterTHief

alterbergbau
18.10.2006, 18:42
steht nicht das RRZ selber auf einem Zechengelände. Jedenfalls sind paar alte abgedeckte Schächte da irgendwo vergraben.

ruine13
18.10.2006, 22:02
Ich habe es dann heute kurz geschafft, mir wenigstens die Exponate anzusehen. Die Vorträge liefen leider alle zu früherer Stunde. Für einen kleinen Überblick über den Bergbau in Heissen hat es dann aber doch gereicht.

steht nicht das RRZ selber auf einem Zechengelände. Jedenfalls sind paar alte abgedeckte Schächte da irgendwo vergraben.

Auf dem Gelände des RRZ befand sich die Zeche „Humbold“.
1855 wurde Schacht Franz abgeteuft, nachdem vorher bereits in Stollen abgebaut wurde.
1865 übernimmt sie die Zeche „Hammelsbeck“. In diesem Jahr fördern 280 Beschäftigte ca. 50.000 t Kohle aus etwa 180 m Tiefe.
1898 geht sie in den Besitz des Mülheimer Bergwerk-Vereins über.
1900 Herstellung eines Durchschlags mit „Rosenblumendelle“ und „Hagenbeck“ (Essen-Frohnhausen)
1906 Herstellung eines Durchschlags mit „Wiesche“.
1913 Höchste Fördermenge von 218.071 Tonnen.
1929 wird die Förderung eingestellt. Der Schacht „Franz“ bleibt als ausziehender Wetterschacht für „Rosenblumendelle“ in Betrieb.
1973 wird auf dem Gelände das Rhein-Ruhr-Zentrum errichtet.

ruine13
18.10.2006, 22:13
„Rosenblumendelle“

1641 Erste Erwähnung des Bergwerks „Rosidell Kohlwerk“
um 1750 Die Zeche Rosendelle nimmt mit einem rund 300 Lachter langen Stollen die Förderung auf.
1800 Abteufen eines Schachtes.
1817 Schließung des Schachtes wegen Problemen mit der Wasserhaltung.
1841 Zusammenschluss mehrerer kleiner Bergwerke zur „Vereinigte Rosenblumendelle“
1857 Teufbeginn für einen neuen Schacht (Rosenblumendelle 1)
1897 Abteufen von Rosenblumendelle 2.
1901 Abteufen von Rosenblumendelle 3 („Kronprinz“)
1928/1929 Durchschläge zu „Humboldt“ und „Hagenbeck“
1952 Durchschlag zu „Wiesche“
1966 Stillegung

ruine13
18.10.2006, 22:14
Noch ein paar historische Bilder von "Rosenblumendelle".

ruine13
18.10.2006, 22:18
Noch ein paar Bilder der Ausstellung. Die Grubenlampen-Sammlung war schon nett...

ruine13
18.10.2006, 22:21
Und die letzten fünf.
Die Ausstellung läuft noch zwei Tage, wer also Interesse hat...

Gruß

Markus

Deistergeist
18.10.2006, 22:33
Sehr schön, DANKE!

masterTHief
19.10.2006, 07:06
Hallo Ruine 13,

beim nächsten Besuch in Essen werde ich einen Abstecher nach Frohnhausen und Heissen machen.
Danke für die Infos und Deine Mühe.
Daß eine Verbindung zu "Hagenbeck" bestand, war mir unbekannt.
Habe meine Jugend im Schatten des Förderturmes von "Hagenbeck" verbracht (der ja jetzt wohl auch nicht mehr steht) und denke gerne an die Zeit zurück.

Gruß

masterTHief

ruine13
19.10.2006, 10:04
Hallo masterTHief,

wenn du dir die Relikte in Heissen ansehen willst, kannst du dich ganz gut nach dem Rad-Rundweg richten:

http://www.muelheim-ruhr.de/rad-rundweg_bergbau_heissen1.html

Gruß

Markus

masterTHief
19.10.2006, 18:49
Prima, danke für den Tipp!

masterTHief

ing
19.10.2006, 23:52
Glückauf miteinander, mich würd mal interssieren wie man sich die Untertagemusik Nr.2 vorzustellen hat. Wird da vielleicht zum Klang des Abbauhammers Kohlen- und Steinstaub ins geneigte Auditorium gepustet??
gruss ING

sepp
21.10.2006, 06:31
Gibt es eigentlich eine Massenproduktion von Fahrmarken der Rosenblumendelle?
Die sind mir jetzt schon öfter untergekommen,ich hab auch eine und kenne zwei Leute,die die unabhängig und aus verschiedenen Quellen bekommen haben.

ruine13
21.10.2006, 10:27
Glückauf miteinander, mich würd mal interssieren wie man sich die Untertagemusik Nr.2 vorzustellen hat.

"Untertagemusik": noise music, elektronische Musik, musique concrete, industrial sounds, Geräusche-Montage: Klänge aus 1000 Metern Tiefe aus den Steinkohlen-Revieren unter dem Ruhrgebiet, digital editiert, komponiert, montiert, mittels analoger Tonbandmaschinen zu live-Performances präpariert, Präsentation als Remix-Klanginstallation (CD-Player mit Auto-Repeat, Stereo-Verstärker/Lautsprecher) "auch" möglich. "Untertagemusik" ist komponierte Geräusche im Grenzbereich zwischen "Musik" und "Hörspiel". - "Frank Niehusmann sammelt seit Jahren Klänge und Geräusche unterschiedlichster Art. In "Untertagemusik" sind Aus-Schnitte dieses Klang-Archivs zu hören: Original-Klänge aus 1000 Metern Tiefe, Bergbau-Geräusche. Als Instrumente im Konzert dienen zwei Tonbandmaschinen: ein herkömliches Tonband mit den vorbereiteten/editierten Klängen, Tönen und Geräuschen - und eine (ebenfalls analoge) 8-Spur-Maschine, auf der eine (leere/aufnehmende) Tonbandschleife kreist. Wie ein DJ mixt Niehusmann Schnitte, Fragmente und Passagen in den Kreislauf der 8-Spur-Schleife, wodurch ein dichtes, rhythmisches Geflecht von Klang-Schnitten und Geräusch-Kombinationen entsteht."

Untertagemusik 1 kann man sich hier anhören/runterladen:

http://www.the-virtual-mine.net/sound/nihusmann_ganz.mp3

Wie gesagt, hätte ich SEHR gerne gehört/gesehen.

steht nicht das RRZ selber auf einem Zechengelände. Jedenfalls sind paar alte abgedeckte Schächte da irgendwo vergraben.

Der abgedeckelte Schacht soll da wohl nicht vergraben sein, sondern noch sichtbar im RRZ liegen. Schacht 2 ist im Industriegebiet wohl ebenfalls noch sichtbar. Muss ich mir mal ansehen, habe ich auch gestern erst erfahren.

Gruß

Markus

ruine13
05.11.2006, 19:35
Weiter geht's.

Da habe ich euch doch glatt die Zeche "Wiesche" unterschlagen.

um 1700 - Beginn des Abbaus in Stollen
1809 - Abteufen des Schachtes "Friedrich". Förderung mitels eines Pferdegöppels, das Wasser wird mittels Dampfmaschine gehoben.
1814 - Abteufen des Schachtes "Wilhelmine"
1822 - Auffahren des "Wiescher Erbstollen"
1828 - Abteufen des Schachtes "Emilie"
1861 - Inbetriebnahme der ersten Brikettfabrik im Ruhrrevier
1880 - Stillegung und Verfüllung des Schachtes "Friedrich"
1898 - Abteufen von Schacht "Wiesche 2"
1899 - Baubeginn der Siedlung "Mausegatt"
1951/1952 - Durchschlag zu "Rosenblumendelle". Schächte "Emilie" und "Wiesche 2" werden nur noch zur Wetterführung und Seilfahrt genutzt.
1960 Schließung und Verfüllung der Schächte.

Die beiden verfüllten Schächte sollen noch sichtbar sein, ich habe aber leider keinen der beiden gefunden.

1-4 Alte Ansichten der Zeche "Wiesche"

ruine13
05.11.2006, 19:41
1-3 Grubenlok in der Mausegattsiedlung
4 Geleucht im Schaukasten
5 Denkmal in der Siedlung. Unser alter Bergmann war damit nicht zufrieden. "Wat stelln die da fürn schmales Hemd hin, sowat dürres gabet da nich". Er bringt mir die Tage noch Originalaufnahmen von damals mit.

ruine13
05.11.2006, 19:47
Weiter geht's in das Industriegebiet "Rosenblumendelle".

1 - Lore auf einem Parkplatz
2 - Seilscheibe
3 - "Glück auf!" an einer Hauswand
4-5 - Grubenlok

ruine13
05.11.2006, 19:52
Die letzten Bilder:

1 - Imbiss am Förderturm
2-4 - ehemalige Zechengebäude
5 - passt eigentlich nicht hier her, da es ein paar Meter weiter in Essen ist. Trotzdem schön.

Hoffe, es hat gefallen.

Gruß

Markus

masterTHief
05.11.2006, 19:59
Herrlich, ruine13,

vielen Dank für diese schönen Impressionen.

masterTHief

Deistergeist
05.11.2006, 21:30
DANKE!

ruine13
05.11.2006, 21:51
Nach Schließung der Zechen wurde dann auch die Güterbahn überflüssig. Wenn man sich die Reste der Rosenblumendelle ansieht, bietet sich ein Spaziergang vom Stellwerk aus an. Nichts spektakuläres, aber ich liebe diese Spaziergänge über die toten Gleise. Das abzweigende Gleis auf dem vierten Bild führte ehemals zur Zeche "Humboldt" in Essen.

Gruß

Markus

ruine13
10.09.2007, 21:13
Wegen des großen Erfolges wird die Ausstellung nächsten Monat in erweiterter Form wiederholt. Werde ich mir wohl noch einmal ansehen.

Gruß

Markus