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Schneewolf 02.08.2016 00:59

Wüstung
 
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Hallo,

ich weiß das es gewagt ist mit nur einem Bild aufzutauchen und eine Frage zu stellen, aber eventuell geht es trotzdem.

Auf diesem Bild befindet sich eine Wüstung, leider weiß niemand etwas genaues. Ich möchte nun versuchen diese zu finden und zu erfassen bevor es jemand schafft alles wegzuräumen :)

Sind aus eurer Sicht hier Anhaltspunkte für eine Vermutung?

Es ist relativ ebenes Gelände, nur zum Graben (kleiner Bach) hin läuft dort das Gelände leicht abschüssig herunter.

Beste Grüße :)

chabbs 02.08.2016 08:12

Wenn Du willst, kann ich Dir anhand z.B. der Urkatasterdaten gerne weiterhelfen- aber m.E. braucht man zwingen die Flurnamen. Ergänzen kann man ab und an ganz gut mit der Bodenkarte. Aber ansonsten sieht man Wüstungen seltenst im Lubi.

Hast Du das Urkataster vorliegen?

Schneewolf 03.08.2016 12:49

Nee leider nicht...Wo bekomm ich denn sowas her? Ich habe mich nie groß damit befasst, bin sozusagen noch neu auf dem Gebiet.

chabbs 03.08.2016 12:59

Das eigentliche "Urkataster" gibt es natürlich nur in (ehem.) preussischen Gebieten. Aber irgendwo müssen alte Katasterkarten angefertigt worden sein. Die ältesten (genauen) Karten einer Gegend, mit Höfeverzeichnis, Flurnamen etc.

Und die Flurnamen sind erst mal das wichtigste, neben Höfeverzeichnissen und am besten noch Abgabepflichten der alten Höfe. Aber ab da wird es sehr kompliziert, weshalb die Flurnamen meist auf den ersten Blick schnell helfen können.

Oft haben die Bauern noch irgendwo alte Handrisse ihrer Landflächen, oft auch mit Flurnamen, oder sie kennen die Bezeichnung.

Ansonsten ab zum Katasteramt und Fragen stellen. http://www.lgln.niedersachsen.de/startseite/

Welche Flurnamen dann mit Wüstungen zusammenhängen ist komplexer, aber grob gesagt gibt es Hinweise, wie: Olden Hof, wüsten Hof, Woorth/Wurth/Wort usw. usf. - manchmal gibt es aber auch nur Querverweise, wie Langenkamps Wiesken, wobei es aber keinen sichtbaren Hof Langenkamp mehr gibt.

Das mal so als Schnellkurs.

Schneewolf 03.08.2016 13:17

Achso...Ja die Flurnamen habe ich alle.

Die meisten stehen ja in der Braunschweigischen Landesaufnahme von 1763, aber auch in der Karte die hier liegt ist alles verzeichnet.

Leimbrink, Lindenbreite, Lange Äcker, Pfingstanger, Kurze Wenden, Mausebreite, Bocksbreite und Klenkenbreite.

Das wars.
Auch im weiteren Umkreis nichts dolles. Aber die Wüstung liegt definitiv in diesem Gebiet. Es existiert ja Unmengen an MA-Keramik. Blöderweise sind die schriftlichen Sachen nicht vorhanden. Die sind in den Jahrzehnten weggekommen. Mein Archi hat damals nur noch mit dem herrn sprechen können, der die Keramik gesammelt hat. Und der hat ihn in dieses Gebiet verwiesen und meine am Bachlauf links und rechts.

Dummerweise ist der verändert worden. (ist nur ein gaaanz kleines Bächlein, mehr ein Wassergraben).

chabbs 03.08.2016 13:21

Lange Äcker ist schon mal gut- relativ sandiger Boden? Die ollen Höfe liegen unterm Esch. Und das ist meist an den langen Äckern.

Ansonsten echt im Schnelllauf einfach nachdem es abgeregnet ist über den Acker und Scherben kartieren... dann findest Du die Hotspots.

Die ganzen Breeden sind erst später dazugekommen, meist nicht so sandig wie die langen Felder. Und daher nicht ganz so optimales Siedlungsgebiet.

Wie heißen die Höfe in der Gegend? Ist da irgendwas bei, das auf -trup, dorp, o.ä. lautet. Oder Lütke und Große und einer der beiden fehlt? Sowas in der Art?

dcag99 03.08.2016 13:37

zuersteinmal sollte man ein paar wichtige grundfakten kennen:

Wüstung bedeutet nicht immer gleich was großes. auch ein größerer hof kann "wüst" gefallen sein und ältere dörfer waren auch gern mal nichts anderes als 3-4 höfe in einem zusammenschluss.

oft kann daher auch gar nicht der genaue ort der wüstung deklariert werden (da die höfe gern mal auseinander standen) und unterlagen aus den jeweiligen jahrgängen nicht immer genau waren. ( 1/2h nordöstlich von x)


2. bessere flurnamen gibts auch (zumindest in BW) gerne auf hochwasserkarten!

3. prüf mal nach oberamt berichten (gabs sowas bei euch auch?)

4. scherben/andere funde könnten ja auf umliegende felder verteilt worden sein durch mist (wir hatten das letztens doch erst in unserem privatgespräch), so dass der eigentliche hof nur schwer lokalisiert werden kann. evtl. durch eine Häufung.

da wäre auch interessant seit wann die fläche wieder landwirtschaftlich beackert wird.

ich wünsche natürlich viel erfolg bei der suche :)

Schneewolf 03.08.2016 16:13

Der Boden ist schon recht fein, aber von sandig weit entfernt.

Also Fakt ist, das diese Wüstung schon etwas größer war. Ich weiß zum Beispiel das die Flur von Oesxxxx (Name der Wüstung) so groß war, das nach deren Aufteilung 2 Ortschaften die unter der Herrschaft von Heinrich II. dem Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel wieder neu gegründet wurden ihre eigene Gemarkung um mehr als Hälfte vergrößern konnten.
Die beiden benachbarten Ortschaften wurden in den Hussitenkriegen platt gemacht und lagen seither wüst.
Somit war die Gemarkung für ein paar Höfe doch recht gewaltig, zumal der Ort sehr oft in alten Urkunden erwähnt wurde als Grenzort zwischen zwei Grafschaften/ Herrschaftsgebieten.

Also auf den langen Äckern konnte ich keine MA-Scherben finden.

Ein paar vereinzelte in der Spitze des großen Feldes auf dem GE-Ausschnitt. Die Masse der mittlerweile 5 Schuhkartons ( Größe passt in etwa) stammt wohl laut mündlicher Aussage von beiden Seiten des Grabens.
Aber ich kann dort einfach garnichts finden, auch nichts neuzeitliches, obwohl das Gebiet garnicht so weit ab liegt.

Beackert wurden die Felder zumindest seit dem frühen 18.Jahrhundert. Vorher weiß ich nicht, auch wenn einige kleine Wiesen klare Strukturen von Wölbäckern aufweisen.

dcag99 03.08.2016 16:44

wie schauts aus mit aufschüttungen?

die erfahrung durfte ich erst machen. da war auf einer flur (einer ehemaligen Wüstung) deutliche Aufschüttungen. Daher gabs auch nur Müll (dosen etc) zu finden und sonst nix. war nirgendwo vermerkt.. ein Gespräch mit einem über 80Jährigen (der etwas Neugierig war, was ich da so mache) brachte das dann ans Licht.

chabbs 03.08.2016 17:34

Aufschüttungen sind fies. Bei uns sind es noch häufiger die Entsandungen, die nerven.

Im Übrigen ist es nicht ungewöhnlich, dass man nicht jedes Jahr was findet. Manchmal kommen jahrelang nur Scherben, anderswo nur Funde und keine Scherben, anderswo ist sogar komplett ein paar Jahre nix zu finden... und dann geht es los.

Man braucht Geduld und Demut in der Wüstungsforschung.


Manchmal hat man übrigens Glück, sofern das Gelände reliefiert ist, wenn man nach Podien sucht. Also terrassenförmige Strukturen im Acker.

Meiner Erfahrung nach sind die wenigsten Wüstungen (und Höfe) direkt am Bach zu finden. 50-100 Meter respektvoller Abstand vor dem Wasser, auf leichten Erhebungen... da kann man gut fündig werden. Die Bachaue war gelegentlich hichwassergefährdet, der Boden zu nass für Vorratsgruben.


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