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fleischsalat 14.07.2013 18:24

Steinzeitliche Harpune
 
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Petri Heil!

Hier seht Ihr die Herstellung einer Harpune aus Holz und Flint.

Nach einer Anfrage von AndiObb habe ich mich mal wieder ein bisschen mit der Steinzeit beschäftigt. Ich muss zugeben, dass meine Fertigkeiten in Punkto Flint leider ein bisschen eingerostet waren. Und die Herstellung einer solchen Harpune ist bei weitem nicht so einfach, wie man annehmen sollte...

Harpunen sind seit dem Paläolithikum (Altsteinzeit) belegt und dienen dem Fang größerer Fische und Meeressäuger (z.B. Robben).
Im Gegensatz zum Fischspeer (für kleinere Tiere) saß die mit Flintklingen besetzte Spitze lose im Schaft und trennte sich nach dem Eindringen in den Körper des Tieres ab. Die Spitze ist mit einer ausreichend langen Schnur gesichert, die ein Bergen der Beute möglich macht.
Die Rückseite der Flintklingen wirkt hierbei wie ein Widerhaken.
Neben Harpunenköpfen, die aus zwei verschiedenen Materialien bestehen (Hybrid), sind auch solche aus Geweih und Knochen bekannt. Sicher gab es auch hölzerne Spitzen.


Zuerst braucht man einen Stock aus Hartholz. Dieser wird dann auf die nötige Länge gebracht und Entrindet.
Sobald die Rinde entfernt ist, spitzt man beide Seiten leicht an.

fleischsalat 14.07.2013 18:28

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Sind beide Seiten angespitzt, beginnt man, die grobe Form herauszuarbeiten. Die am hinteren Ende befindliche konische Verdickung sorgt für einen sicheren Halt der Spitze im Schaft, ermöglicht aber gleichzeitig, dass sich die Spitze nach dem auftreffen ablösen kann.
Wenn die Form soweit stimmt, glättet man die Spitze im vorderen Bereich.

fleischsalat 14.07.2013 18:33

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Als nächstes kümmert man sich um den Punkt, an dem später die vorderste Klinge angebracht wird.
Auch hier wird wieder etwas angespitzt, danach wird eine Kerbe eingesägt.
Wenn die hölzerne Spitze nun soweit fertig ist, kann man mit der Herstellung der Flintklingen beginnen. Hierzu werden zuerst mittels Schlagstein größere Abschläge von der Flintknolle abgeschlagen. Mit Geweihwerkzeugen erfolgt dann der nächste Schritt- Das Herstellen von kleinen, flachen Abschlägen.

fleischsalat 14.07.2013 18:39

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Aus den „Flakes“ werden dann mittels Geweihstab (Druckstabtechnik) die einzelnen Klingen herausgearbeitet. Wie ihr seht, hat die Spitze für ganz vorne eine etwas andere Form.
Wenn die Klingen fertig sind, wird das Holz an den Stellen ausgekerbt, an denen später die Klingen eingeklebt werden sollen.
Die Kerben werden mit Birkenpech (http://schatzsucher.de/Foren/showthread.php?t=76794) gefüllt, das man hier am besten mit einem Span auftragen kann.

fleischsalat 14.07.2013 18:45

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Sind alle Punkte mit Pech versehen, erwärmt man es wieder vorsichtig (Das Holz soll ja nicht ankokeln) und setzt die Klingen ein. Überschüssiges Pech kann man mit feuchten Fingern recht gut händeln und so die Optik noch ein bisschen verfeinern.
Wenn die Spitze fertig ist, kommt der Schaft an die Reihe. Hierzu braucht ihr zuerst einen langen, möglichst geraden Stock, der dick genug ist, den Harpunenkopf aufzunehmen.
Der erste Arbeitsgang am Schaft ist wieder das Entrinden.

fleischsalat 14.07.2013 18:49

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Dann höhlt man den Schaft an der Vorderseite konisch aus. Es macht durchaus Sinn, hier Holunderholz zu nehmen, da es bedingt durch das Mark im Inneren bereits ein relativ großes Loch hat. Den Rest kann man vorzüglich mit einer kleinen Flintklinge erledigen.
Zwischenduch sollte man immer wieder prüfen, ob und wie die Spitze schon im Schaft sitzt. Es sollte nur so wenig wie möglich herausgearbeitet werden.
Der Schaft wird vorn und hinten mit Schnur gegen auseinandersplittern gesichert.

fleischsalat 14.07.2013 18:54

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Um die Wicklung beständiger zu machen, kann man sie mit Birkenpech (http://schatzsucher.de/Foren/showthread.php?t=76794) oder Sehenwachs (http://schatzsucher.de/Foren/showthread.php?t=74988) behandeln. Ich habe mich in diesem Fall für Wachs entschieden.

Wenn diese Arbeiten erledigt sind, wird an der Spitze eine starke und ausreichend lange Schnur befestigt und die Spitze in den Schaft eingesetzt.

Fertig!

fleischsalat 14.07.2013 19:38

Noch ein wichtiger Hinweis am Rande: Der Fischfang mittels Harpunen ist in Deutschland NICHT erlaubt!

BastiSDL 14.07.2013 19:59

Wieder einmal eine extrem geniale Arbeit! Die Bilder und die Beschreibung sind klasse - sehr anschaulich regt irgendwie zum Nachmachen an (wenn ich handwerklich nicht so ungeschickt wäre :rolleyes:)
*die ersten Flintabschlag- und Retuschenversuche hinter mir habend*

AndiObb 14.07.2013 23:20

Hallo Jan,

super dass Du es in die Tat umgesetzt hast, schickes Teil :yeap

Bin gespannt auf die nächsten Berichte. Und wenn ich mal wieder über was stolpere... :D

Viele Grüße
Andi


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