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Alt 19.10.2018, 20:23   #29
2augen1nase
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Ja Jörg, das mauere ich alleine - und ganz ehrlich: das ist mir auch lieber so.

Als wir das Gesims gemauert haben letztes Jahr, war ja ein erfahrener Maurer dabei. Dem musste ich ständig auf die Finger guggen damit das ja auch wieder so wird wie es früher war und das obwohl der wirklich ein richtig guter Maurer war. Der machte halt viel aus Erfahrung die mir fehlt - deswegen versuche ich das vielleicht auch ein wenig zu gut zu machen...

Mein Helfer hat alle Hände voll zu tun: Steine schneiden, Steine schleppen, Mörtel schleppen - im Grunde macht der alles rund ums Material damit ich nur noch den Mörtel anmischen und die Steine vermauern muss. Der hat also auch einen gehörigen Anteil an der Sache

Zum Verband:

Der Verband war früher anders, da der Schriftzug nur 1 Stein dick war (25cm). Das hat der Statiker für "nicht rechenbar" befunden und festgelegt, dass der Giebel im mittleren Feld 1,5 Steine dick sein muss, also in der Theorie 38 cm und in der Praxis zwischen 38 und 39, da die Steine unterschiedlich lang sind.

Im Anhang mal ein Bild der Rückseite wie das früher mal aussah. Über lange Strecken Kopfverband - der aber nach vorne nie so verzahnt war wie nach hinten, da vorne sich durch die Schrift ja eine ganze Menge Kreuzfugen ergeben. Beim Abbau hat man schnell gemerkt, dass dort sehr viele halbe Steine verbaut waren. Wäre der Giebel wieder so aufgebaut worden wie früher, dann hätte ich zumindest Edelstahlspiralanker in die Fugen eingelegt um einen besseren Verband zu erreichen. Im Grunde hielt der alte Giebel nur durch den straffen Mörtel, nicht durch den Verband. Das erklärt auch, warum das eingestürzte Dach einen Teil des Giebels so easy ausheben konnte - es war halt kein richtiger Verband gemauert.

Die Entscheidung zu einem rückseitigen Blockverband kam wie folgt:

Kreuzverband wäre zwar prinzipiell haltbarer + schöner, macht aber den ohnehin schon aufwendigen Mauerverband noch aufwendiger. Beide Verbände geben mir die Möglichkeit zumindest einzelne Binder aus dem Schriftfeld im Wechsel nach hinten zu verzahnen. Das ist zwar fachlich auch nicht ganz korrekt, da die Fugen dann nicht mehr sauber durch das Mauerwerk laufen und es ab und an Versprünge gibt (also die vertikalen Fugen meine ich, die sollten ja möglichst immer gerade durch die Wand gehen), aber damit bekomme ich wenigstens eine schöne Verzahnung mit dem Schriftfeld hin. Da es sich um einen reinen Ziergiebel handelt der nur sich selbst halten muss, hoffe ich, dass das nicht so schlimm ist. Bei tragenden Wänden wär das sicherlich problematischer.

Ähnlich habe ich auch das Anbinden der Pfeiler gelöst. Ich habe alle 2-3 Schichten innerhalb des Mauerwerks einen Läufer gesetzt, so dass die Pfeiler gut mit dem Schriftfeld verzahnt sind. Ohnehin sind bei der Variante die Pfeiler eh nur noch Schmuck, da die Wand ja genau so dick ist wie die Pfeiler - statisch spielen die also keine Rolle mehr - jedenfalls nicht so wie früher.

Bei dem Versprung zwischen Pfeiler und Schriftfeld habe ich versucht, die Steine zum Teil 45° zu hacken und wenigstens ein bisschen überzahnen zu lassen. Das war früher auch schon so gemacht und hat den Vorteil, dass zumindest die kleinen Quartiere dadurch nochmal richtig gut gehalten werden, da die quasi hinter den Nachbarstein greifen.

Das Problem bei dem Ding ist einfach, dass man es nicht wirklich "richtig" machen kann. Selbst der Altbestand war reines Gebastel und beim Abbau hatte ich den Eindruck, man hat das Ding einfach aus Resten gebaut.

Da der Altbestand aber über 100 Jahre gehalten hat, denke ich, dass das was ich da mache auch irgendwie funktionieren wird.


Zum Abdecken:

Momentan rutsche ich da auf Knien rum, mauere im Sitzen und muss meine Füße auf dem Gesims abstellen können. Da ist ein Brett nur im Weg und fällt wohl auch ständig runter - und da ist schon genug durch die Lücken des Gerüstes gekracht. Es ist kein Aufwand den Kalkmörtel nach Feierabend abzukratzen und ein wenig nachzuwaschen, zumal ich auf dem Gesims ohnehin später noch einen Glattstirch aufbbringen muss, damit dort sauber verblecht werden kann.

Abends wird das frische Mauerwerk immer mit Folien abgedeckt und diese mit Steinen beschwert. Das hat sich beim Gesims schon bewährt, macht keinen allzu großen Aufwand und reicht auch zu.

Verfugen will ich mit dem Reinkalkmörtel (übrigens: 8,40€ / Sack netto) und da will ich dann das gesamte Mauerwerk mit feuchtem Malervlies abdecken. Der Reinkalk braucht je nach Wetterlage mehrere Wochen Nachbehandlung - steht auch explizit auf dem Sack. Ist ein wenig Mehraufwand, aber was solls.

Zu den Kosten schreibe ich gerne mal was - aber jetzt gibts erstmal essen bei mir

@ Lucius: Sackpreis TKM 5,92€ netto



EDIT: Hab noch ein Bild gefunden wo man den einbindenen Läufer ganz gut erkennen kann.
Angehängte Grafiken
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