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Alt 16.05.2020, 22:01   #1
Sir Alottafind
Heerführer

 
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Ammonitensuche in einem verteufelten Graben...

...in Form eines recht tief einschneidenden Baches bzw. Rinnsales in einem Waldstreifen.

Vor gut dreissig Jahren, wenns reicht, war ich das letzte Mal dort, als tatsächlich junger Pursche. Schon damals gabs diese fieselnden Mückenschwärme unter den ausgeschwemmten Baumwurzeln, und wo ausgerechnet dort die fundführenden Schichten zu finden sind. Mein Ohrinneres scheint für das Gefleuch von besonderem Interesse zu sein, absolut nervig. Dummerweis sind keine stinkigen Rauchwaren zur Abwehr dabei.

Gestern nun versuchte ich das Finderglück (aber auch um zu sehen, wie sich die in meiner Erinnerung sehr schöne Gegend und die Dörfer so entwickelt haben). Und damals wie heut geht einem das Wort 'Vietnam' durch den erhitzen Schädel. 'Grüne Hölle' ging auch noch. Da schlapft man mit nagelneuen Gummistiefeln der Größe 48 (stahlkappiges Markenprodukt, 30 Prozent billiger, plus Einlegesohlen und aus der baywa) langsam den Bachlauf lang und sucht das Bett nebst Ufer nach freigespülten Ammoniten ab.
Die Tageszeit ist gut gewählt, da spiegelnde Wasseroberfläche kein Suchen zuließe. Immer wieder liegen gestürzte Bäum quer, gern paarweis, über die man hangeln darf oder die man über den beidseitig steilen Hang hoch umgehen muss. Brennesseln, anderes Grünzeug, davon dicht bewachsener bewegter Schmierboden.... da keucht der ältliche Fossiliennostalgiehunter.

Es dauert nit lang, und ein winzeliger rumliegender Ammonit gerät ins Blickfeld. Ein paar Meter weiter dann lass ich mich an einem Tonschieferaufschluss nieder, und beginne mit dem Schweizer Armee Schanzpickel. Zwei, drei Piekser später lugt bereits ein hübscher Ammorücken raus, den ich ruckzuck endberge. Mittlerweile liege ich bequem langgestreckt und barfüssig in kühlem Tondreck, damit ich was seh (Gleitsichtbrillenmangel) in der Tonwand. Gleich kommt der nächste Fund, diesmal eingebacken in eine harte Linse. Der wird todsicher verschenkt, denn die Präparierarbeit mag ich nimmer machen. Was ich nicht erwartet habe, war der Fund eines Paars schön erhaltener Krebstierärmchen. Schön detailreich, sehr weiß, ziemlich empfindlich. Werd ich nach dem Trocknen wohl mit Sekundenkleber oder verdünntem Uhu hart infiltrieren.

Du verfällst recht bald in den altbekannten Suchermodus Zeitegal+Fokussierung. Registriert man gar nicht, dass man schon zwei Stunden im Modder liegt, und pötzlich realisiert man das ziemliche Abbauloch. Man kommt wieder zu sich... . Bin zufrieden mit dem Gefundenen, und verteil es schon in Gedanken an diverse Zielpersonen. Sollen die den Suchvirus doch auch kriegen. Pack meinen Ranzen und zieh den Bachlauf recht müdgearbeitet weiter. Weiter hinten sollten größere Platten mit anderen Ammoniten liegen, aber die Stufen von damals sind weg. Statt dessen ist von links der matschige Hang seit damals runtergetrieben, und hat mir einen wunderschönen Grabstein, wohl eher Gedenkstein in den Weg gelegt. Weil das Ding recht schrankmäßig aussieht, schwarz, und die große Frakturschrift, ich dachte erst an einen Tresor. Die Majuskeln gekonnt und aufwendig gearbeitet. Leider kann man kaum mehr was entziffern. Der wahrscheinlich zugehörige schwarze polierte und verzierte Sockelstein (händisch absolut unbewegbar) liegt gleich daneben, und noch irgendein Stein. In diesem Hang, da gäbs sicher noch mehr zu ergraben.

Ich mach gschwind meine Bilder, damit die bildgierigen lauffaulen SDEler auch was zum Schauen haben, geh zurück und wander einen zweiten Bachlauf nach. Die Hoffnung auf weitere Funde erfüllte sich leider nicht, mir ging aber ohnehin die Puste aus. Mir lief dann noch ein gräuliches fuchsgesichtiges Viech nach, was mich alsbald veranlasste, kräftig Kommnichtnäherlärm zu veranstalten. Seltsamerweis hockte beim Ankommen beim Auto dann ein Fuchs vor diesem, der sich aber trollte. Trolle, Feen, Zauberfüchse, respektive verwunschene Principessas in solcherlei Gestalt...... bin halt einfach ein gefühlloser Klotz, dass ich immer nix draus mach.

Schöner Tag. Auch wenn ich meinen Zigarettenanzünder auf einem Stein neben dem Autostandplatz vergessen hab. Bin aber ziemlich sicher, das zur holländischen Schulferienzeit im Sommer wiedergekehrt wird, zumals in der näheren Umgebung hübsche bauliche Riesensachen und einen KFC gibt.


Die Bilder sind noch nicht importiert, und grad hab ich mich gähnend entschlossen, dass diese später folgen. Nach dem Nachmittag Holzfällern und Tomatenhausbauen heute steh ich von meiner Couch heut nicht mehr auf.
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Wenn Dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus!
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