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Alt 13.05.2020, 11:19   #1
goldspy
Geselle

 
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Der geheime Schatz der alten Dame

Liebe Schatzsucher!, ...möchte Euch nun ein weiteres Erlebnis aus meiner „Entrümplerzeit“ erzählen...

Diese Geschichte liegt nun auch wieder ein paar Jahre zurück. Begonnen hat sie mit der Bekanntschaft einer alten Dame in einer Bäckerei mit Café.
Eines Tages war sie plötzlich da, sehr gepflegt, elegant gekleidet, vielleicht 160cm groß, saß sie auf dem Barhocker bei einer Tasse Café und zwei Croissants.
So saß sie da, die kleine Frau mit ihrem roten Hut, aß ihre Croissants, während sie tief in ihrer Zeitung versunken war. Jeden Tag.
Eines Tages saßen wir zufällig nebeneinander und so kamen wir ins Gespräch. Wir verstanden uns auf Anhieb und so ergab es sich, daß wir uns fast jeden Morgen gemeinsam zum Frühstück trafen.
Ich kannte die kleine Dame vom Sehen her, sie schien irgendwo in meinem Viertel zu wohnen. Aufgefallen war sie mir nur, weil sie stets einen scheinbar recht schweren Rollkoffer hinter sich her zog.
So auch jetzt wieder. Bei jedem Frühstück war auch der Rollkoffer dabei - und - erstaunlicherweise jedesmal ein anderer.
Aus Höflichkeit habe ich sie nie darauf angesprochen, mir kam das nur sehr merkwürdig vor.
Wir haben nie gemeinsam zu Ende gefrühstückt, nach etwa 30 Minuten habe ich mich von ihr verabschiedet, um meiner Arbeit nachzugehen.
Eines Tages hatte ich ein größeres Zeitfenster.
Und da saß sie wieder, die alte Dame. Doch etwas war heute anders..., zwei Rollkoffer standen neben ihr.
Ich wusste wie schwer ihr Rollkoffer war. Zum Café musste man zwei Stufen bewältigen. Kürzlich blieb sie mit ihrem Rollkoffer hängen und verlor ein Rad. Ich kam ihr zu Hilfe und konnte kaum glauben, wie schwer dieser Hackenporsche war. Geschätzte zwanzig Kilo - mindestens!! Ich montierte das Rad, sprach sie aber nicht auf das Gewicht an. Und heute hatte sie zwei dabei!!
Sie schien etwas in Eile zu sein, nur ein Croissant, die Zeitung nur überfliegend.
Ein lauter werdendes Rumpeln machte sich breit, die Straßenbahn war im Anmarsch. Da sah ich die alte Dame erstmals in Hektik. Sie hüpfte vom Hocker schnappte ihre Rollkoffer und versuchte, die Trambahn zu erreichen. Doch mit dem enormen Gewicht und ihren zierlichen Handgelenken war dies ein aussichtloses Unterfangen. Ich zog ihr die Trolleys zur Haltestelle und erfuhr währenddessen, daß es zu den Schließfächern am Hauptbahnhof gehen sollte. Gesagt, getan. Die nächste Tram kam.
Dort angekommen, traf mich fast der Schlag. Sie öffnete ihre Handtasche, entnahm eine transparente Plastiktüte gefüllt mit 1- und 2- Euromünzen und bestückte damit insgesamt 7(!!!!) große Schließfächer auf Bodenniveau. Ich konnte es kaum fassen, so viel Geld und das jeden Tag!
Und dann die Überraschung! Da standen sie, all die Trolleys, in jedem Fach zwei Stück, in manchen sogar noch zusätzlich Tüten und Taschen...
Selbst jetzt fehlen mir dazu fast die Worte.
Angesichts der immensen, monatlichen Kosten, bot ich ihr an, mich um eine günstigere Möglichkeit in meinem Lagerkomplex zu kümmern.
Einen Monat später hatte sie dann eine kleine Lagerbox. Ich hatte noch zwei Stahlregale übrig und so konnte sie all ihre Trolleys für 60.-€ monatlich unterbringen. Beleuchtet, beheizt und mitten in der Stadt!
So ging das zwei Jahre, bis...
Tja, eines Tages sprach mich die Lagerleitung an, Frau X habe ihre Miete noch nicht bezahlt. Ich war sehr überrascht.
Von der alten Dame wusste ich, daß sie öfters nach Hamburg fuhr, um Freunde zu besuchen. Vielleicht war sie dort erkrankt, konnte mir eigentlich nur diese Variante vorstellen. Laut Lagerleitung bezahlte sie immer bar, überpünktlich. Ich legte ihr die Miete aus.
Im Café war sie nicht zu sehen, normalerweise sagte sie mir immer Bescheid, wenn sie mal wieder nach Hamburg-Altona verreisen wollte, um ihre alten Freunde zu besuchen. Dann kam der zweite Monat, wieder kam die Lagerleitung, wieder legte ich die Miete vor. Ich wurde unruhig.
Irgendwas stimmte nicht.
Wo sie privat wohnte, wusste ich. Des Öfteren habe ich sie mit meinem Auto zuhause abgesetzt. So zum Beispiel fast jeden Donnerstag, nachdem ich sie vom Biomarkt mit ihren Äpfeln vor der Haustür abgesetzt habe.
Auf mein Klingeln keine Reaktion. Zufällig war der Postbote im Nachbarhaus. Ich wartete ein paar Minuten und ging dann mit ihm gemeinsam ins Gebäude. Ein wunderschönes, altes Herrenhaus mit prächtigem Treppenhaus. Etage für Etage stieg ich empor, bis zum 4. Stock. Da fand ich ihren Namen, eine alte Tür, das obere Viertel schön verglast mit Briefkastenschlitz - da stand er „XX“.
Ich war erstaunt, erwähnte sie doch einmal, daß sie Angst vor Einbrechern hätte. Aus diesem Grund habe sie immer einen aufgespannten Regenschirm vor der Tür, um eventuellen Gaunern ein Dasein vorzutäuschen.
Und tatsächlich, der Regenschirm lehnte aufgespannt am Türrahmen. Erstaunt war ich deshalb, weil durch die Briefkastenklappe ein ungehinderter Einblick in den Flurbereich möglich war. Sie hatte keinerlei Maßnahmen durch eine von innen angebrachte Sichtblende unternommen.
Doch gleichzeitig traf mich der Schlag. Zeitungen bis unter die Decke gestapelt, der Teppich übersät mit Silberringen, Kugelschreiberminen, Teile von Armbanduhren, Steinketten und diversen Pappschachteln. Ich konnte es nicht glauben. Diese elegante Dame, immer etwas geheimnisvoll, in einer solchen Wohnung? Ich klingelte... nochmal... keine Reaktion. Ich rief ihren Namen... Nichts.
Hm... was soll ich machen... Vielleicht war sie ja gar nicht mehr in Hamburg-Altona... Also rief ich das nächste Krankenhaus an. Es lag nur wenige Straßenzüge weiter. „Nein, eine Frau XX sei hier nicht, man könne mir aber eine Zentralnummer der Feuerwehr geben, die mir dann wiederum sagen könne, ob ein Einsatz in dieser Wohnung stattgefunden habe. Ich war überrascht über die Offenheit, hat man doch schon bei kleineren Angelegenheiten oftmals keine Auskunft bei Behörden Aufgrund des Datenschutzes erhalten.
Die Auskunft der Feuerwehr war negativ, also kein Einsatz. Da war mir klar, daß etwas passiert sein musste und wählte die 112.
Schon von Weitem waren die Martinshörner zu hören, ein lautes Poltern schwerer Stiefel erfüllten das Treppenhaus. Und dann standen sie alle da. Feuerwehr, Polizei, Sanitäter, Gerichtsmediziner und Polizisten in zivil. 11 Mann plötzlich vor mir, in voller Ausrüstung. Habe mit vielleicht 5 Leuten gerechnet, aber 11...??
Ruckzuck war die Tür auf. Nur Einer ging rein, mehr ging nicht, zu voll war der Flur. Nach vielleicht 20 Sekunden kam er wieder raus. Sie lag im hinteren Raum, wohl schon seit 8 Wochen tot...
Nun ging alles seinen Weg. Ich war wie gelähmt, musste mit den Tränen kämpfen. Hätte nicht gedacht, daß es mir doch so nah geht. Wurde noch vor Ort verhört, gottseidank sehr einfühlsame Beamte.
Die Bergung dauerte 3 Stunden, so eine Nachbarin am nächsten Tag. Der Zeitungsmüll betrug fast 8 blaue Papiercontainer voll, jetzt gestapelt im Treppenhaus auf drei Etagen.
Ich legte einen Strauß Blumen, meine Visitenkarte und ein Kärtchen mit geschriebenen, gemeinsamen Erinnerungen vor der Wohnungstür ab.
Kurz danach meldete sich bei mir das Hausbesitzer-Ehepaar. Sie kannten mich vom Sehen, setzte ich doch Frau XX fast jeden Donnerstag vor ihrer Haustür ab.
Sie fragten mich, ob ich die Wohnung entrümpeln wolle, da der Bruder das Erbe ausgeschlagen hätte.
Im ersten Moment hatte ich daran kein Interesse, da ich mir vorgenommen hatte, niemals bei Freunden und Bekannten die Wohnung zu entrümpeln. Doch nach einigem Überlegen entschied ich mich doch dafür. Zu geheimnisvoll erschien mir diese Frau, immer umgeben von Rätseln. Auch ihre Geschichten klangen fantastisch, die rätselhaften Reisen nach Hamburg und Afrika, ihrem VW Cabrio und ihrem früheren Privatcoiffeur, obwohl sie selbst nie einen Führerschein gemacht hatte. All das war doch zu spannend, um es für immer unbeantwortet zu lassen. Und so nahm ich den Auftrag an.
Etwa vier Wochen später rückte ich an, in voller Montur, mit Sack und Pack.
Ich rechnete ab jetzt mit allem Möglichen und Unmöglichen - und so sollte es auch kommen...

Teil 2 folgt in Kürze mit Fotos...

Geändert von goldspy (13.05.2020 um 11:45 Uhr).
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Alt 13.05.2020, 12:18   #2
U.R.
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Könnte aus einem Roman sein...
... eine Superinteressante Geschichte, .......mach hin mit den neuen Buchstaben, ....und nicht wieder Jahre vergehen lassen....!,
....habe auch schon mein Alter...........





Bis hier hin, schon mal Danke...
__________________
Der sicherste Weg Geld zu verbrennen ist,......Kohle davon zu kaufen!
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Alt 13.05.2020, 13:10   #3
jabberwocky6
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Wann geht es weiter? Ein paar Absätze würden übrigens die Lesbarkeit erhöhen. Nette Story bislang!
jabberwocky6 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.05.2020, 14:02   #4
goldspy
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Smile

...Danke für den Tip, werde noch ein paar Absätze zufügen!
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Alt 13.05.2020, 14:23   #5
Crysagon
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Hui, vielen Dank für Teil 1 ! Bin gespannt
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Alt 13.05.2020, 15:54   #6
erich 1964
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Hallo Thomas...und schreib bitte auch wie es mit der Bernsteinzimmergeschichte weitergegangen ist. Da hast du doch auch eine auf Lager.
Gf erich
__________________
Das Leben ist das, was man mit seinen Gedanken daraus macht!
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Alt 13.05.2020, 16:22   #7
goldspy
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Hi Erich!, habe diese Dame komplett aus den Augen verloren. Aufgrund ihres damals schon betagten Alters, gehe ich davon aus, daß sie zwischenzeitlich verstorben, oder in eine Pflegeeinrichtung gekommen ist...
Das Bernsteinzimmer hat mich noch nie so wirklich interessiert, zu viele haben sich da reingekniet und sind mir mit ihrem Wissen ( außer dem Hinweis der alten Dame) um Längen voraus. Ich gönne Ihnen den Fund.
Bin gerade an einer ganz anderen Geschichte dran, wird alles dagewesene um Längen toppen. Leider sind mit durch Corona gerade die Hände gebunden. Habe nun dieses Vorhaben zusammen mit meiner Freundin auf 2022 verlegt...
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Alt 13.05.2020, 19:11   #8
Robbells
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Detektor: nun ja ...ja auch ich hab einen MD 3009...
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Ich bin begeistert!

Tolle Geschichte..bin auf die Fortsetzung gespannt.

Gruß Robbells
__________________


++++Fotowettbewerbsgewinner Februar 2019 und Januar 2020 ++++
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Alt 13.05.2020, 19:17   #9
Deistergeist
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Beiträge: 16,947

__________________
S. J. Petrow war ein Oberstleutnant a. D. der Sowjetarmee. 1983 verhinderte er das Auslösen eines Atomkriegs.

DER TERMIN Weihnachten 2020 : 27.-29.11.2020
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Alt 10.08.2020, 14:52   #10
Hempf
Heerführer

 
Benutzerbild von Hempf
 
Registriert seit: Dec 2007
Ort: Franken
Detektor: XP Orx
Beiträge: 1,376

Wow, ich war ja jetzt schon lange nicht mehr aktiv..
Aber da will man tatsächlich wissen, wie es weitergeht :-)
__________________
Gruss Hempf
Hempf ist offline   Mit Zitat antworten
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