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Alt 21.05.2023, 02:34   #1
2augen1nase
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The AI stone carver

Tja ihr Lieben - ich habe es vor einiger Zeit mal irgendwo erwähnt, versprochen, dass ich etwas dazu schreibe - und es dann in all dem Trubel vergessen

Aber jetzt!

Vor einiger Zeit wurde ich über eine Facebook-Gruppe auf Tim Fu aufmerksam - ein Architekt aus Kanada, der bei Zaha Hadid Architects in London arbeitet (kennt der ein oder andere vielleicht) und der sich sowohl beruflich als auch privat sehr viel mit künstlicher Intelligenz befasst - allerdings eher so in Richtung Entwurfsmethode.

KI ist ja derzeit in aller Munde und wird sehr kontrovers diskutiert - ich halte mich da zurück, da ich das ganz nüchtern sehe: es ist nicht mehr und nicht weniger eine neue Technologie...

Wie dem auch sei - frech wie ich bin habe ich ihn einfach angemailt und gefragt ob er Lust auf ein Projekt hätte, er fand den Vorschlag toll und schlug vor eine kleine Serie zu machen. Zu Beginn steht nun also ein "kleines" Projekt, was ganz aktuell auch noch bis zum 30.Mai in Venedig auf einer Ausstellung im Palazzo Albrizzi zu sehen ist. Die Ausstellung wird von der Itsliquid Group veranstaltet und läuft parallel zur Architektur-Biennale in Venedig.

By the Way: mein Ursprungsgedanke war eher die Gestaltung der Mittelwand meines Hinterhauses - aber das ist zu wenig "offiziell". Um ehrlich zu sein: Mir war anfangs gar nicht bewusst, auf was ich mich da so richtig einlasse und was das für Wellen schlägt. Ich wollte ja eigentlich nur ne hübsche Mittelwand haben

Sei es drum, Tim verfasste ein kleines Manifest als Guideline für das Projekt:


"The A.I. Stone Carver

"The A.I. Stone Carver" is a series of work that explores an antithetical approach to the relationship between machine and the craftsman. Instead of the typical paradigm of human-ideation to machine-fabrication, we reverse this relationship and allow machine-ideation followed by human-fabrication.
In this series, we explore the latent space of diffusion A.I. models reenvision classical architectural elements through a new lens of futurist design narrative. Then, a computational model is developed to finetune and rationalize the geometry for production. And lastly, we reincorporate the element of human touch, through skilled stone carving, creating a machine-driven concept that features human craftsmanship."



Kurz und knapp übersetzt: Wir drehen den klassischen Entwurfs- und Fertigungsprozess in dem Projekt kurzerhand auf den Kopf


Ich will gar nicht allzu viel schreiben dazu, man kann sich ja vorstellen, dass da einiges an Kommunikation gelaufen ist, alles per Mail und einem Drive-Ordner, nur ganz zu Anfang gab es mal eine Videokonferenz... Tja...und nun steht das Ding in Venedig...ich kann es immer noch kaum glauben


10 Tage habe ich an dem Stück gehauen - so lange war ich zuletzt mit meinem Meisterstück befasst.


Nun gut - es folgen ein paar Bilder.

Bild 1 zeigt den Entwurf wie er aus der KI herauskam
Bild 2 ist das von Tim erstellte 3d Modell

Die restlichen Bilder zeigen wie ich an dem Stück arbeite, im Hintergrund sieht man die Zeichnungen die ich als einzige Grundlage hatte.

Die Folie hat mir Tim aus einem Vortrag zur Verfügung gestellt und sagt eigentlich alles über das Projekt aus - kurz und bündig.


Fotos aus Venedig habe ich noch nicht, aber er hatte am Freitag dort eine Veranstaltung und ich denke er wird sich auch erstmal wieder "sortieren" müssen. Sobald ich was habe, liefere ich das hier nach.


Zugegeben - dieser Post ist ein wenig "holprig" weil nicht ganz vollständig - aber: sofern Fragen offen sind, kann man das ja auf den folgenden Seiten einfach klären

Das ist vermutlich das weltweit erste handwerklich gearbeitete Steinmetzstück auf Basis eines KI Entwurfs - schon verrückt...
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Alt 21.05.2023, 10:52   #2
oliver.bohm
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Talking

...



Und du bist nicht in der Lagunenstadt?
Angst vor vollen Auftragsbüchern jenseits der tektonischen Verwerfungslinie...?
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Gruß Olli
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Alt 21.05.2023, 11:13   #3
Sorgnix
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Mal zuerst das Grundsätzliche zu "neuer Technik".

Ob nun vorher locker oder auch verbissen gesehen - man wird sich davor kaum schützen können.
JEDE technische Errungenschaft setzt sich durch - so sie was "bringt". Und wem sie was bringt.
Die Frage ist halt immer, wer "wem" ist ...

Auch bei der Atombombe hatten einige der Entwickler Probleme mit den - vor Entwicklung/Einsatz - vermeintlichen
Auswirkungen auf die Welt ...
Wer oder was sich selbst in diesem Fall durchsetzte, sehen wir ja.
Wobei auch 80 Jahre nach Beginn der Arbeiten daran darüber keine Einigkeit herrscht ...


KI steht auch erst am Anfang.
Den einen fällt sofort "Terminator" in allen Teilen ein, anderen Star Trek, mit allen Annehmlichkeiten ...
Die Realität wird sich wohl in der Mitte einpendeln.
OHNE negative Aspekte wird das auf jeden Fall nicht enden. Weil auch das scheinbar ein
Naturgesetz für jede technische Errungenschaft ist ...


Zum Thema direkt:

Tja,
handwerklich eine schöne Arbeit
... aber das Du nicht in Venedig weilst, empört dann doch.
Da ernten jetzt doch nicht andere die Lorbeeren ...


Auf dem Flyer steht
Zitat:
Human ideation >> Maschine fabrication (durchgestrichen)

gewandelt in:

Machine ideation >> Human fabrication

Nun, ob das die Lösung für die Zukunft ist, möchte ich bezweifeln.
Natürlich immer ein ehrenwerter Grundsatz.
Mit dem man auch die Menschen fangen kann ...

Die Frage wird sein, wie das in der Praxis endet ...
Es wirkt auf den ersten Blick ja fast wie eine Rückbesinnung, wenn der Mensch wieder "fabrizieren" soll ...

... und das DENKEN läßt er sich jetzt auch noch abnehmen???


Es mag vielleicht sein, daß wir uns von Maschinen jetzt sogar die Denkarbeit abnehmen lassen.
Das macht der Computer ja schon lange - siehe Bereich Statik. Man gibt nur noch die
Maße ein, das statische System - die langwierige Rechenarbeit macht der Apparat.
Es endet da, das der "Zahleneingeber" meist gar nicht mehr weiß, um was es überhaupt geht ...
"von Hand" zu rechnen, kriegt da kaum einer noch hin ...

Und jetzt wird es z.B. in der kreativen Architektur genauso??
Ich lasse mir von der Maschine den Entwurf machen?

Meine Prognose:
Unter dem Strich verlieren wir dann noch mehr Kompetenz, verlassen uns auf "Elektro" ...
(... die MASSE verliert an Kompetenz. In einer Schar der "Wenigen" konzentriert sich dann das "Wissen", die Macht ...)



Zitat:
... rationalize the geometry for production ...
Also DAS machen wir doch schon seit Generationen. Die Architektur hat an Formenvielfalt verloren,
weil (die Masse) der Planer nur noch mit Lineal und rechtem Winkel arbeiten können.
Details? Gestaltung? Man vergleiche Architektur, Formenvielfalt und Details von z.B. einem Römischen Tempel,
Gebäuden der Renaissance oder dem Kölner Dom - mit dem Bundeskanzleramt ...

DAS ist der Weg der "Rationalisierung" ...
Die Einsparung von Aufwand und Mühe ...
Auch Einsparung von Geld? Eher weniger - in Summe wandert das nur in andere Bereiche bzw. Taschen ...


In meinen Augen heißt der negative Aspekt der KI für den Baubereich auch nur:

Mehr Theorie, Planung und Papier (und digitaler Müll), mehr Geld, mehr Honorar - und das wirkliche Handwerk fällt hinten runter ...


Dieses Beispiel ist für mich nun nicht unbedingt ein Beleg für "die Geometrie rationalisiert für einfachere handwerkliche Produktion" ...

Till, Du bist der Fachmann. Das Ding läßt sich nun einfacher "handwerklich" herstellen? Gar komplett maschinell?
Mag sein.
In Masse kommt für mich da auch nur wieder eine rationalisierung von Geschmack und Detail raus.

Und am Ende fehlt noch immer jemand wie Du, der das handwerklich auch MACHEN kann!

Auf der Seite des Handwerks fehlen weiterhin die Fachkräfte ...
Auf der Seite der Planung bekommen wir dann noch mehr Fachkräfte dazu, die statt mit den Händen
zu arbeiten lieber für andere "denken". Und dafür Geld haben wollen.
Und natürlich "Aufsicht" über die Handwerker führen möchten ...
Eine weitere Verlagerung von produktiver Arbeit zu nichtproduktiver Arbeit


Unter dem Strich zahlt dann einer noch immer die (mehr und mehr steigende) Gesamtrechnung. Der Kunde ...


... das wird sich wohl erst ändern, wenn die KI ganzheitlich eingesetzt wird.
Z.B. von der Schreibung des Energieeinsparungsgesetzes, über die Entwicklung und Produktion der Wärmepumpe.
Mit dem krönenden Abschluß der Arbeiten durch die Montage der WP durch einen Roboter ...
Der Rest der arbeitenden Bevölkerung darf dann halt komplett daheim bleiben ...

In der Nebenrolle dann noch ein KI-geführter Kunstautomat, der die Geldscheine dafür malt ...

=>


Was hätte z.B. ein Kallikrates aus dem antiken Griechenland zu solch technischer Errungenschaft gesagt?
Ein Architekt, der im zarten Alter von 21/22 Jahren den Auftrag für die Errichtung des
Tempels der Nike auf der Akropolis erhielt ...
Da hatte der seine Ausbildung zur Fachkraft schon lange hinter sich ...
Und wie hätte das Ding am Ende ausgesehen, mit "rationalize the geometry for production" ?



Jörg
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Alt 21.05.2023, 11:39   #4
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Ein wenig kürzer und etwas humoristischer meine langen Auslassungen auf den Punkt gebracht:

=> über die Überflüssigkeit des einzelnen Menschen im Kapitalismus

von Matthias Egersdörfer.
Kabarettist mit Brachialgewalt ...

Man bedenke:
Diese Voraussicht hat der vor 10 Jahren schon gehabt ...
Und zum großen Teil läuft es scheinbar darauf hinaus ...
Über die Schlußsequenz wird sicher noch jemand einen Film drehen - mit FSK 18 ...



Jörg


Um beim eigentlichen Thema zu bleiben:
Till, ich würde lieber mehr Arbeiten von MENSCHEN bewundern - als Arbeiten von Computern ...
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Alt 21.05.2023, 13:32   #5
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Wenn Du die KI mit einem „Steinmetz-Roboter“ kombinierst, musst Du nur noch Feinarbeiten machen. Ist wohl die Zukunft.
Hier die Firma bei mir „um die Ecke“ https://www.ardmediathek.de/video/ma...XgvbzE4NTQ5MDg
Das sieht schon beängstigend aus.
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Alt 21.05.2023, 15:41   #6
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Cool

Tolles Projekt, Respekt!
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"The Man Who Saved the World" -S. J. Petrow-

Queen. Their classic line-up was Freddie Mercury (lead vocals, piano), Brian May (guitar, vocals), Roger Taylor (drums, vocals) and John Deacon (bass).
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Alt 21.05.2023, 23:59   #7
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Die Lorbeeren und das Wesen...

Ja - zunächst mal herzlichen Dank für die "Likes" und Anregungen


Zu den Lorbeeren:

Ich wurde zwar eingeladen daran teilzunehmen, aber es gibt persönliche Gründe, weswegen ich mir das "erspart" habe - und: ich brauche die Art von Trubel auch nicht und bleibe da gerne ein wenig im Hintergrund. Mir reicht es schon völlig aus, dass ich das Projekt überhaupt bewältigt habe und ich fiebere ehrlich gesagt schon dem zweiten Projekt entgegen - denn: es ist ja eine Serie angedacht und da gibt es tausend Ideen an denen man weiterarbeiten kann.

Tim hat mir heute Bilder von der Ausstellung geschickt - ich finde das Stück ist gar nicht so gut präsentiert, aber irgendwie ist es doch auch ganz witzig, dass sogar die Botschafterin von Kanada sich dort mit Tim getroffen hat um sich das anzusehen (Tim kommt ursprünglich von dort). Ich glaube (und hoffe), dass es ihm auf seinem Weg sehr helfen wird und ich finde es auch wichtig, dass er die Erfahrung macht, dass es sowas (richtiges Handwerk) halt auch noch gibt - denn wir sind noch lange nicht so weit, dass man alles "einfach so" auf Knopfdruck machen kann. Noch bewegen wir uns da in einem sehr begrenzten Raum - und deswegen sieht die heutige Architektur ja auch aus, wie sie aussieht.

Wie gestern schon geschrieben: ich habe vieles weggelassen, auch, weils teilweise einfach noch nicht spruchreif ist.

Was mir persönlich bei dem Projekt wichtig ist, dass man gezielt mit dem handwerklichen noch was aus den Entwürfen herauskitzeln kann - leider war das Objekt einfach zu filigran um da wirklich tolle handwerkliche Oberflächen zu schaffen - aber das ist ja hoffentlich erst der Anfang.

Du darfst übrigens nicht den Fehler machen und 1:1 übersetzen - denn auch wenn das im Kern zwar richtig ist, ist hier was anderes gemeint.

1.: es war mir nicht möglich Tim den Begriff "steingerecht" (materialgerechtes Gestalten" zu erklären - der Entwurf war also ganz und gar nicht "rationalisiert und angepasst"

2.: Mit dem Satz ist in der Tat etwas ganz anderes gemeint, was sich so aber für den Laien nicht gleich erklärt:

Die KI "spuckt" Bilder aus. Nicht mehr, nicht weniger. Spätestens seit MC Escher ist wohl bekannt, dass Bilder auch eine gute Lüge sein können - und zumindest ein Teil der Entwürfe die da rauskamen sind in 3D so nicht abbildbar. Im Endeffekt liefert die KI also nur eine Inspiration, die Arbeit das im CAD aufzubauen ist schon enorm und natürlich müssen da auch Anpassungen gemacht werden.

Zum Thema Fräsen: Klar - es geht viel in der Maschinenwelt - aber es wird keine Maschine geben, die das Teil perfekt ausspuckt - es bleibt immer ein Rest an Handarbeit - auch sehr gut im Beitrag von Samson zu sehen.

Was die Maschine niemals können kann, das sind handwerkliche Oberflächen. Es gibt keine Maschine, die scharrieren oder spitzen kann - es gibt Fräsen, das ist aber nicht das gleiche. Und genau da sehe ich sehr viel Potential bei dem Projekt, unter anderem, weil man eben in der modernen Architektur dann auch mal von dem "glattgebügelten" Oberflächen wegkommen kann. Wenn man es kann

Ich sehe das so: Ich habe die Möglichkeit da jemanden zu inspirieren und anzuregen - und das ist jemand, der Teil eines Teams ist, die weltweit wirklich großartige Architektur bauen.

Ein weiterer Gedanke den ich bei dem Projekt habe: Naturstein als Alternative zu Beton einsetzen - gerade in Zeiten des Klimawandels wird man zwangsläufig irgendwann den Einsatz von Beton reduzieren müssen - und was nützt die schönste Architektur, wenn sie nicht mehr gebaut werden kann?

Ich sehe mich bei der ganzen Geschichte nur als ganz kleine Figur, die ein paar Anregungen liefert - eben in der Hoffnung an der richtigen Stelle die richtigen Leute mit meinen Ideen zu "infizieren". Und zugegeben - da ist eine Ausstellung am Rande der Biennale in Venedig scherlich eine wirklich tolle Möglichkeit - wobei das Tim´s Ausstellung ist - ich habe nur ein kleines Teil abgeliefert.

Das Feedback ist jedenfalls gut - Tim sagt, viele seien beeindruckt davon und KI wird für viele dadurch greifbarer.

Klar - man kann unheimlich viel Mist damit machen (und das wird auch gemacht) aber - man kann auch unheimlich geiles Zeug damit machen und nur weil man sich heute seine Inspiration nicht mehr unbedingt aus dem Kräutergarten holt, heißt das ja noch lange nicht, dass diese Art der Inspiration schlechter ist. Es kommt eben darauf an, wofür man das nutzt und wie man damit arbeitet.

Übrigens: es ist nicht gesagt, dass dadurch die Leute verblöden. Die KI zu nutzen setzt schon auch ein wenig Können und Wissen voraus - zumindest in diesem Bereich.


Vielleicht bringt es ja auch alles nix und die Welt geht unter - dann hab ich aber mir aber immerhin noch bewiesen, dass ich noch was kann. Das ist quasi das zweite Meisterstück...
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2augen1nase ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 22.05.2023, 01:41   #8
Sorgnix
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Danke für die lange Erklärung!


Dazu ein paar kurze Anmerkungen meinerseits.
kurz! ( )
zum Ende größtenteils ohne Smileys - weil die Anzahl nicht ausreicht ...


Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
Zu den Lorbeeren:

Ich wurde zwar eingeladen daran teilzunehmen, ...
Ungeachtet Deiner Beweggründe für das Fernbleiben - ich hoffe doch mal, daß eine Einladung
auch als "Einladung" läuft. Sprich, ich bin EINGELADEN. Fahrtkosten und Unterkunft inclusive ...
Das bloße Hinfahren und Stößchen mit Sekt und Häppchen, um den Raum zu füllen, hat für mich
in einem Fall mit solchem Einsatz wenig Wert ...


Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
Ich glaube (und hoffe), dass es ihm auf seinem Weg sehr helfen wird und ich finde es auch wichtig, dass er die Erfahrung macht, dass es sowas (richtiges Handwerk) halt auch noch gibt - ...
Deine Selbstlosigkeit in allen Ehren - aber ich hoffe mal, daß das DIR auch helfen wird ...


Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
1.: es war mir nicht möglich Tim den Begriff "steingerecht" (materialgerechtes Gestalten" zu erklären - der Entwurf war also ganz und gar nicht "rationalisiert und angepasst"

... so endet es immer, wenn ein Praktiker einem Theoretiker etwas nahe bringen will ...
Und daran hakt es aber auch gewaltig. Das scheint ein "Entwurfsarchitekt" zu sein.
Da ist es immer schön, ne schön aussehende Bude zu entwerfen - Geld spielt dann selten
eine Rolle - und mit der Detail- und Ausführungsplanung dürfen sich dann andere quälen ...
Die Lorbeeren kassiert aber der Entwerfer ...

Ja, da sind wir wohl einig.
Aktuell fährt der Bau auf "BIM" ab. Building Information Modelling. Der Bau soll Digital werden ...
Einerseits schön. Alles geplant. 3D. Du kannst durch das Gebäude wandeln, siehts, wo sich ne Wasserleitung mit ner Lüftungsleitung ins Gehege kommt, erkennst, ob der Wanddurchbruch an der richtigen Stelle sitzt, die Tür im Raum auch richtig wirkt ...
Alles nett und schön. Nur halt kann nichtmal die Hälfte der beteiligten Ingenieure aktuell was damit anfangen ...

Und das beste ist: Da sind einige dann der Meinung, mal eben die Dateien per Mail der
talentieren ausländischen Fachkraft aufs Handy zu senden und dann im Glauben ins Bett
zu gehen, daß das jetzt alles wunderbar klappt ...

Ein Scheiß ...

Das schrieb ich weiter oben schon - da entsteht eine Schere zwischen den Disziplinen.
Als ich vor 40 Jahren lernte, da hingen überall Schilder mit "Das Team vom Bau" ...
Ein gehörig Teil der Beteiligten heute fühlt sich vielem zugehörig - aber mit Sicherheit nicht den
auf der Baustelle tätigen Handwerkern ... DA krankt es.


Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
Die KI "spuckt" Bilder aus. Nicht mehr, nicht weniger. - ... - und zumindest ein Teil der Entwürfe die da rauskamen sind in 3D so nicht abbildbar. Im Endeffekt liefert die KI also nur eine Inspiration, die Arbeit das im CAD aufzubauen ist schon enorm und natürlich müssen da auch Anpassungen gemacht werden.
zu dem Punkt bitte die Auslassungen oben drüber mit zuzählen.


Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
Ich sehe das so: Ich habe die Möglichkeit da jemanden zu inspirieren und anzuregen - und das ist jemand, der Teil eines Teams ist, die weltweit wirklich großartige Architektur bauen.
Zum Team sagte ich schon oben was.
Du kannst es bei jeder Grundsteinlegung sehen, bei jedem Richtfest und bei der Einweihung:
Die, die sich für den Bau die Hände schmutzig gemacht haben, die das Ding mit Schweiß - und manchmal
auch Blut - hingestellt haben, die stehen bei solchen Anlässen ganz weit daneben ...
Wenn überhaupt eingeladen ...
Bei solchen Büros und Architekten geht es im Normafall darum, sich ein Denkmal zu setzten.
WER es wirklich setzt, ist mehr oder weniger egal ...
Je größer das Projekt, desto abgehobener die "Spitze".

Ich darf das aus Erfahrung sagen - ich habe die letzten 8 Jahre 5 Buden mit jenseits 40 Mio Projektsumme hingestellt ...
Der Bauarbeiter war bzw. wurde da erst als wichtig angesehen, wenn die verdaddelten Termine mit
"Druck" und Mehrarbeit aufgeholt werden mußten ...


Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
Ein weiterer Gedanke den ich bei dem Projekt habe: Naturstein als Alternative zu Beton einsetzen - gerade in Zeiten des Klimawandels wird man zwangsläufig irgendwann den Einsatz von Beton reduzieren müssen - und was nützt die schönste Architektur, wenn sie nicht mehr gebaut werden kann?

Nun, da hoffen wir mal, daß das die Bauwirtschaft in Dubai, Singapur, China und Indien AUCH so sieht ...

So der Naturstein in der Lage ist, die Lasten abzuleiten, die der Beton schafft, dann schön!
Wie man mit Naturstein "groß" bauen kann, kann man ja in Ägypten sehen. Die Hütten da
stehen auch nach 4.000 Jahren noch. Nachhaltig eben.
Die Frage ist allerdings, ob die MENGE an Stein für heutige Zwecke auch zur Verfügung steht ...
Ich sehe da die Klebstoffindustrie schon wieder Sonderschichten fahren, damit die passionierten
Weltenretter sich mit Großgebinden eindecken können ...


Unter dem Strich unterstütze ich Deinen Traum vom Naturstein!!
Denn die Architektur gewinnt damit.
Genauso, wenn wir wieder mehr mit "richtigen" Steinen bauen. So wie Du aktuell mit den
Vollsteinen im Format NF.
Weniger mit den heutigen Knäckebrot-Klippen von Wienerberger, die auch in Milch schwimmen ...


Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
Ich sehe mich bei der ganzen Geschichte nur als ganz kleine Figur, die ein paar Anregungen liefert - eben in der Hoffnung an der richtigen Stelle die richtigen Leute mit meinen Ideen zu "infizieren". Und zugegeben - da ist eine Ausstellung am Rande der Biennale in Venedig scherlich eine wirklich tolle Möglichkeit - wobei das Tim´s Ausstellung ist - ich habe nur ein kleines Teil abgeliefert.

Ja, die kleinen Teile ...
Anhand des Bildes kannst Du sehen, für wen das da wichtig ist ...
Die Abteilung "Stößchen" steht da auf dem Parkett. Die, die in das fertige Gebäude einziehen.
Es muß Design haben. Gut aussehen. Kann auch gern teuer sein.
Profane Handwerker stören da nur ...

Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
Das Feedback ist jedenfalls gut - Tim sagt, viele seien beeindruckt davon und KI wird für viele dadurch greifbarer.
Gut!
Ich hoffe, daß das für die, die damit dann Hand in Hand arbeiten sollen auch so ist


Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
Übrigens: es ist nicht gesagt, dass dadurch die Leute verblöden. Die KI zu nutzen setzt schon auch ein wenig Können und Wissen voraus - zumindest in diesem Bereich.
Sagte ich oben auch schon.
Die, die direkt damit arbeiten, entwickeln, die müssen zwangsläufig was können!
Auf der anderen Seite wird aber auch ein gehörig Maß an Wissen damit wegrationalisiert ...
Für die kleinen Details und den Endschliff der Oberfläche, da darfst Du dann wieder ran ...
Die Frage ist, ob Dich das als Handwerker noch zufrieden macht.


Zitat:
Zitat von 2augen1nase Beitrag anzeigen
Vielleicht bringt es ja auch alles nix und die Welt geht unter - dann hab ich aber mir aber immerhin noch bewiesen, dass ich noch was kann. Das ist quasi das zweite Meisterstück...

SO wird es sein!
Der Untergang naht!
Ich weiß jetzt gar nicht, wie viele ich schon mitgemacht hab.
Der Geilste war 2012! Da hatte ich sogar Eintrittskarten.

Und so es einen verbindlichen Termin für den nächsten Untergang gibt, dann treffen wir uns
und machen nochmal richtig Party!
Und zeigen nochmal allen, was wir so drauf haben.
Dann treten wir mit STIL von der Bühne ab - nicht so wie die, die sich den Abgang auch noch
von der KI planen lassen müssen ...
Hauptsache, die KI verursacht den Untergang nicht. Denn dann erfahren wir es als Letzte ...



Gruß
Jörg


Falls es vielleicht so rüberkommt - ich will Dir Dein Projekt auf gar keinen Fall schlecht schreiben!
Ich hab halt nur so meine Probleme mit diesen "modernen" Entwicklungen und den hochschwülstigen
Reden auf den entsprechenden Veranstaltungen.
Die, die es wirklich betrifft, die fehlen da nämlich immer. Und müssen die Konsequenzen des
"Fortschritts" ertragen ...
Den Fortschritt mache ich bereits seit 1980 mit ...
Irgendwie erkenne ich den nicht so wirklich.

.
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zu tun mit der Blödheit ihrer Bewunderer ...

(Heiner Geißler)
Sorgnix ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.05.2023, 09:30   #9
2augen1nase
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In aller Kürze:

Deine Äußerungen kann ich gut nachvollziehen, mache aber auch ab und an ganz andere Erfarungen. Mir hören Ingenieure und Architekten mittlerweile öfter mal zu, denken darüber nach wasich so von mir gebe und handeln entsprechend.

Über die 3D Entwicklungen im Planungsbereich habe ich kürzlich erst mit einem Ingenieur geplaudert - der bemängelte einerseits, dass die "heutigen" Architekten immer aufwendiges 3D brauchen bzw. erstellen müssen und mit normalen Plänen schlect klarkommen - andererseits benannte er die immense Vorteile, z.B. bei der Massenermittlung, die dadurch so gut wie nie fehlerhaft ist und nichts vergessen wird und man das auch deutlich schneller hinbekommt...


Zu Tim muss ich dir sagen: Er ist kein wie von dir beschriebener Entwurfsarchitekt, sondern eher jemand, der sich hauptberuflich damit befasst die komplexen Formen / Entwürfe aus dem Büro so umzusetzen, dass man es überhaupt bauen kann - ich denke also, er ist da eher einer der "ausbadet". Er ist zwar auch Teil von ZHA Code, aber das was wir zusammen gemacht haben, hat weder mit dem einen noch mit dem anderen zu tun - das ist eher ein privates Projekt was er (wie wohl viele seiner Kollegen) einfach nebenbei mit betreibt und jetzt halt gerade ein wenig "durch die Decke geht" - eben weil KI jetzt massentauglich geworden ist....

Ich würde gerne noch mehr schreiben - aber das reicht. Ich muss auch los....
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Alt 22.05.2023, 23:30   #10
Eisenknicker
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KI ist schon länger tauglich...

CAD Konstrukteure können es schon lange bezeugen. Sehen wir die "Werke" einzelner CAD Konstrukteure - unterscheiden die sich trotzdem je nach Anforderungen und Kenntnissen oder ich würde sagen dem richtigen "Gefühl"...
Berechnungsprogramme sagen mir wie es Kräftetechnisch optimal aussehen sollte und die CAM Programme wie ich es fertigen lassen muss. Der Mensch entscheidet dann was er mehr zulässt. Mehr "Spielerei" die tragfähiger ist, leicht ist oder was ich einfacher bauen kann.

Sieht gut aus Till!
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