Teil 7
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10.00 Uhr soll heute am
Sonntag, dem 14.08.05
Ablegen zum 3. TG an der "Sirio" sein; natürlich sind wir aufgeregt und sind
mal wieder überpünktlich an der TB.
Die 4er Rein-O2 - Butz und die 2er Flasche wird mit Reglern bestückt und auf
die schöne Steinbank abgelegt.
Manoli hat nach einem Gespräch mit mir den dicken Mann mit der UW-Kammera
"geordert". Es wird gefragt, ob es uns recht ist, daß der Dicke Mann mit uns
hinab zum Dampfer taucht und welches Segment des Dampfers uns zu betauchen
vorschwebt. Der dicke Mann würde uns auch kammeratechnisch begleiten.
Einstimmig teilen wir mit, daß es wieder zum Heck des Schiffes gehen soll.
Ich habe mir fast die ganze Nacht darüber den Kopf zerbroch, was wir nun an
diesem 3. TG betauchen sollten, dem vorletzten TG hier am Orte der
Sehnsüchte und Hoffnungen; stehen doch noch die "Nord America" und die
"Minerva" an und die vermeindliche "Nebera" gilt es auch noch zu finden!
Entscheidungen machen Spaß .. wenn man ausreichende Wahl hat; ich aber habe
langsam keine Wahl mehr!
Es wird noch eine SMs an meine Chef verschickt, mit der Bitte um eine
Verlängerungsurlaubswoche. Die hübsche Manoli hat ihre Beziehungen spielen
lassen und könnte noch jeweils 3 weitere TG`s für uns kurzfristig klar
machen .. was für eine Frau!
Promt kommt eine SMS aus Deutschland zurück, Absender: mein Chef!
"Nein!" ..mehr steht da nicht drin. Ich schicke noch eine hinterher und
erzähle ihm was von 99 Jahre altem Porzellan. Er ist selber Taucher .. aber
kein Wracktaucher, und so warte ich vergebens auf eine weiter SMS von ihm.
Ich muß nun den Tatsachen in`s Auge schauen und mir die verbleibenden TG`s
am Riff der "Sirio" streng und wohl überlegt einteilen!
10.41 Uhr verschwinden erst der Körper vom dicken Mann von der
Wasseroberfläche, dann ich und später meine Freundin. Ich nutze die Zeit und
verschäkel die 4er Butz auf 6 Meter; ich möchte sie nicht mitnehmen.
Der Einstieg in die See bis zum Abtauchen gestaltet sich heute äußerst
schwierig. Richtig fette Wellen und Strömung. mein Gott .. so ein Unwetter!
Ich verbrauche beim Kampf an der Oberfläche bereits 40 bar, denn ich muß
mich zur Boje an der Abtauchleine ziehen (starke Strömung, entgegen der
Wracklage). Zudem machen wir hinter einem scheinbar(!?) nicht angemeldeten
Kutter fest, den es auch noch zu Umgehen gilt .. bis zur Abtauchleine.
Jesus merkt, das dieses Unterfangen für die anderen eher noch schwerer zu
Händeln ist und unternimmt mehrere Versuche, mit Maschinenkraft näher an die
Boje zu kommen, was ihm letztendlich auch gelingt. Die anderen kippen in`s
Wasser.
An der Boje angelangt, muß ich erstmal etwas zur Ruhe kommen und lasse mir
hinsichtlich Abtauchvorgang reichlich Zeit. Hätte mich doch fast die
Schraube vom Siebenfünfziger verarscht...
Der dicke Mann filmt von unten bereits, ich hoffe auf schöne Sequenzen.
Meine äußere Gestallt nimmt die eines "richtigen Wracktauchers" an: So habe
ich beide diverite(igen) Beintaschen an meine Oberschenkel vergummiert.
Vor 150 Jahren haben sicher so die Cowboys mit ihren zwei Colts ausgesehen.
In ihnen stecken Polygripzange, Säge, Hammer, stabiler Schraubendreher,
Sammelnetz, Schnur, Murmeln zum Eintauschen, alte Kekse, Kaugummi und ein
Kondom für alle Fälle und das Handy... scheiße, das habe ich vergessen
rauszunehmen.. hmm.. !
Andere mögliche Stauräume werden an das Wing angehängt.
Wir haben zuvor oben auf dem Boot geklärt, daß der dicke Mann ggf. alleine
nach Hause finden muß, da unsere Grundzeit auf über 50 Meter nicht kleiner
20 Minuten ausfallen wird. Dieses scheint geklärt; der dicke Mann nickt und
gibt seine Solokompetenz zu verstehen. Jesus nickt auch, dann nicken alle ..
sogar das Siebenfünfziger nickt .. ist ihnen doch klar, daß sie alle auf uns
warten werden müssen.
Wir treten angetrieben nicht etwa von fleißigen Heizern ordentlich in die
Flossen, sonder ist der Motor eher der Blutrausch, der sich schon mal vorab
einstellt. Widererwartend überholt mich meine Freundin schon fast .. sogar!
Mein Gott .. wie leidenschaftlich doch Frauen sein können...(!!).. mein
Gott!
Der Weg ist klar, die Suppe ab 35m dick, die beiden Dampfkessel an Ort und
Stelle und das Achterschiff schnell erreicht .. Die Lagebesprechung mit
meiner Freundin hatte zum Ergebnis, daß wir uns unten trennen werden .. in
"Rufweite" aber doch möglicherweiser außer Sichtkontakt. Markante Stellen
des Achterschiffes werden als Treffpunkt verabredet.
Ich für meinen Teil beschränke mich heute auf das Trümmerfeld, unweit vom
Dampfer .. die abgekippten Aufbauten; ein Pokerspiel wiedereinmal .. aber
nicht anders machbar. Für meine Freundin gilt das als Selbstentscheid
ebenso, da sie ohne mich (bis jetzt) niemals eine Penetration wagen würde ..
ich muß mir also darum weniger Gedanken machen.
Wrackteil für Wrackteil wird vorsichtig gewendet, seitlich abgelegt und
darunter gegraben; danach das Wrackteil wieder in Originallage verbracht -
die Zeit _muß_ sein.
Die Grundzeit verrinnt: Ich finde etwas Weißes .. verdammt .. was ist das!?
Es ist die gleiche muschelähnliche Schale wie sie mir Jesus (auf dem Foto)
gezeigt hat ..
.....jjjjjjääääääähppp!!!!....
Die Freude ist riesengroß aber getrübt .. sie ist beschädigt .. es fehlt ein
erhebliches/nennenswertes Stück! Und genau das mit dem Redereiwappen ..
scheiße!!
Ich grabe weiter, in der Hoffnung, den fehlenden Teil zu finden... Silikooon
macht das schooon! Die Zeit verrinnt .. ich lasse es!
Weiter .. ein weiteres Wrackteil wird gewendet .. es ist wie beim Pilzejagen
.. wo einer ist , sind zumeist auch mehrere! Verstecken nützt nichts .. ich
finde euch .. verdammt .. verdammter Blutrausch!
Da, eine glattetes Stück wird ertastet und an`s Unterwasserlicht gebracht:
ein dickes Stück Porzellan, genau aus der Mitte einer riesigen Platte
herausgebrochen und auf der anderen Seite der Medaillie .. das riesengroße
Redereiwappen! Hmmm .. und wo ist bitteschön der Rest davon? Dat Loch ist
jetzt schon zur Absturzstelle für spazierende Krebse ausgeartet .. Es ist
nicht nett hinsichtlich spazierender Krebse die Promenade aufzureißen und
die Gefahrenstelle nicht zu sichern, also stelle ich kurzer Hand ein Schild
auf:
Baustelle!
Betreten verboten!
Eltern haften für ihre Kinder!
Verpißt euch einfach!
Das muß reichen .. ich kann nicht die Welt verbessern, geschweige denn sie
retten.
Der Meeresboden ist hier recht hartnäckig und viel Grundzeit geht flöten..
richtig viel.
Mein Freundin kommt angesaust. Von der Ferne sieht es aus, als trüge sie ein
ganzes Service in ihren Händen.... ... ...
Scheiße .. dat kann doch jetzt nich` wahr sein .. oder!?
Das Sammelnetz wird nicht herausgeholt ... und alles wird wieder an seinem
Platz gelegt!
Ehrensache, andere Sporttaucher möchten sich schließlich auch noch an den
bis gut 50 cm unter dem Sand/Schlick/Geröll/schweren Wrackteilen begrabenen
Kostbarkeiten erfreuen!
Der dicke Mann ist längst verschwunden .. scheinbar war ihm die Gegend zu
tief und/oder zu trübe und überhaupt! Er ist noch nichteinmal bis hierhin
gekommen.
Mein Freundin ist wieder weggesaust, ich schaue derweilen auf Uhr und Fini:
"...Ups!!!"
Ich klopfe mit dem Zeigefinger wie in einem alten Film hinsichtlich einer
alten Taschenuhr auf die Plastikscheiben, halte die Instrumente an mein Ohr
.. hmm .. tickt noch alles .. aber die Stellung "der Zeiger" gefällt mir
nicht.
Da blitze ich schon von weitem meine Freundin an und sie reagiert nicht!
Macht sie sich vor Tagen, als ich die Flaschen im wrackinneren fand, abends
noch lustig über die Staubwolken und tituiliert mich als "Putzerfisch", so
finde ich sie kriegsgeschickt und absolut perfekt eingenebelt; geziehltes
Feuer nicht möglich!!
Ich zupfe an ihr und sie putzt dann immer noch weiter .. wer hier wohl der
Putzerfisch ist!?
Ich zerre sie förmlich raus aus ihrem Nest!
"Verdammt .. laß los .. !" möchte ich schreien "Wir müssen rauf!" Und wenn
ich sage _müssen_ , ist es wirklich höchste Eisenbahn!
An der Deco-Leine ist heute gar niemand mehr zu sehen .. doch der dicke Mann
dümpelt noch auf 3m rum und filmt Fische! Er bemekt uns und kommt uns noch
etwas entgegen, macht Aufnahmen von uns.
Am Nachmittag fahren wir nach Alicante, ca. 110 km nördlich. Ich möchte noch
etwas über 2 Wracks in der Region in Erfahrung bringen.
Abends gibt`s einen guten Wein bei dauer-grinsenden Gesichtern!
...9/10 erheblich beschädigtes, aber immerhin .. wir wissen nun wo!
Fortsetzung folgt
(c) Rene Heese, 2005
rechtlicher Hinweis:
(nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
Bericht soll
lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
grundsätzlich
gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)
