5400 km Frankreich, Reisebericht (2)

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge
  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #1

    5400 km Frankreich, Reisebericht (2)

    Teil 2



    Lamor Plage (Lorien)
    Samstag, 26.07.03, 6.41 Uhr:

    Der Handy-Wecker brüllt: "FliiiijaahAaaalaaahm! Tauchen! Tauchen!" Kerzengerade sitze ich auf meiner Luftmatratze, die mir scheinbar auch den Krieg erklärt hat - die Luft war weitestgehend raus. Blick nach Stb., die Freundin schnarcht auf einer prall gefüllten Matratze im wohligen Schlafsack eingemuschelt! "Sabotage?" so mein erster Gedanke. Statt das Turmluk zu schließen mache ich das Zeltschott auf.

    "Wassereinbrooo...ooch!" hätte ich brüllen müssen und das Schott vor allen Dingen wieder schließen! Scheiss Regen! Das Zelt war schon leicht über Bug weggesackt, hielt sich aber noch tapfer. Taschenrechner raus, Zettel und Stift .. und ich berechnete erstmal, wie lange das Zelt noch schwimmfähig sein würde, bevor es über Bug absäuft. Der Weg zum Waschtrakt ist weit, zum Auto nicht! "Scheiss auf Zähneputzen! Wer weiß, was der Tag bringt?!" war auf einer Sprechblase zu lesen. Ich durchstach sie mit meinem Zeigefinger, rüttelte und zerrte meine Freundin rechtshändig "liebevoll" wach ...und putzte mit der linken das Zelt leer.

    Es hatten sich noch einige wenige "Gleichgesinnte" zu dem TG Speerbrecher eingefunden. Der Wind hatte etwas abgeflaut und es goss in Ströööhhmen. Man bewunderte scheinbar meinen NDiver-Trocki und drückte mir ein fröhlich grinsendes "Greenhorn" als Tauchpartner auf.

    Der Dampfer liegt auf gerademal 25m, also reichte unter diesen Umständen allemal `ne Mono 15er, mit 2 ersten Stufen.

    ...Okay, ..die 100er Kowalski fiel beim Erreichen des Dampfers (nach 3 Jahren und 300 TG`s und für den Rest des Urlaubs) aus ...

    Zitat Bernd Brot: " Mein Leben ist die Hölle, Mist..!"

    ... Einschalten der 50er Kowalski!, Mr. Green war stets darauf bedacht, dass der Körperabstand zu mir von einem Centimeter nicht überschritten wurde. Scheinbar aneinandergekettet wie ein Schleppverband durchschnitten wir elegant die Tiefsee um das unbekannte Wrack zu erforschen. Mr. Green war sichtlich erfreut über den Lichtschein meiner 50er (Not-) Kowa und hatte jetzt weniger Interesse an seinem Feuerzeug. Reintauchen (soweit überhaupt möglich, angesichts dieses durch Bomben mittschiffs stark zerstörten Wk`s) ging nicht; wir waren im Doppelpack zu dick! Mist..!

    Die Sicht war den Wetterverhältnissen entsprechend und gemessen an der Tiefe relativ gut (6-8m). Am Heck des doch eher kleinen Dampfers angekommen dann 180° kehrt und zurück zum Bug. Aber wo ist auf einmal der Dampfer hin? Mr. Green hatte seine Flossen gekonnt eingesetzt, sicher um etwaiger Verfolger abzuschütteln. Ich wies nun seinen Blick in die Bugrichtung, und gratulierte ihm mit einem O.K. - Zeichen, schließlich waren wir ja auf der Flucht! Okay, das war`s; an der Stb.-Seite/Heck runter auf 23,5m (es war gerade Ebbe) und dann dort entlang zum Bug, ..aufgetaucht, ..auf dem 200 Ps starkem Festrumpfschlauchboot gab`s guten Kaffee, ...u.a. mich bei Mr. Green für den schönen TG bedankt und mit Speed in den Hafen! Alle waren sichtlich erfreut über die gelungene Mission; auch ich grinste breit.

    Lamor Plage (Lorien)
    Sonnstag, 27.07.03, 6.00 Uhr:

    "Aaalaaaaahm! ...Fluuuuuuhtäään!" Wieder kerzengerade saß ich auf meiner nunmehr luftleeren Matratze. Zeltschott auf! "Wassereinbrooo...ooch!" brüllte ich diesmal, weckte meine Freundin damit und schloss das Schott (Gott sei Dank hielt es!). "Lass uns das Zelt von innen nach außen abwracken, so sind wir dann anschließend nass aber u.U. nicht völlig durchgeweicht und noch möglichst lange schwimmfähig." schlug ich vor.

    Als alles verpackt ist, sind wir durchgeweicht und fahren zur TB.

    Tauchgang zu U171

    Daten:
    Typ: IX C
    Bauwerft: Deschimag AG Weser, Bremen
    Serie: U 171 - U 176
    Baunummer: 1011
    Kiellegung: 01.12.1940
    Stapellauf: 22.07.1941
    Indienststellung: 25.10.1941
    Kommandant: Günther Pfeffer

    U171 ist eines der großen "Atlantik-Boote". Wer am 26.05.01 bei VOX auf TV den SPIEGELTV - Bericht "Die letzte Feindfahrt von U-869" gesehen hat oder noch Zugriff auf diesen Bericht hat, oder das Buch "Der letzte Tauchgang" gelesen hat, kann sich ein gutes Bild davon machen, was mich an diesem Boot reizt (U869 ist vom Typ IX C 40).

    U171 soll halbwegs gut erhalten sein und liegt auf ebenen Kiel auf ca. 38m westlich Lorient, in guter Sichtweite der Insel Groix.

    An der TB angekommen: "Wir fahren!" hiess es. Damit wurde ich wieder "erwachsen", stellte mein Handy sofort auf "normales Weck-Pipsen" ..und die Welt war wieder in Ordnung.

    Diese "Gleichgesinnten" sahen nun eher nach Tauchern aus, viele waren es auch diesmal nicht - gut so.

    Der Wind hatte aufgefrischt, kam wie "versprochen" aus Nord-Ost, Welle, aber kein Regen.

    Briefing war nicht nötig, jedoch textete mich der mir zugewiesener TP (ein älterer Mann) in halbwegs verständlichem Deutsch entsprechend zu und störte meine Meditation.

    Bei dem Wortlaut "...Reintauchen fällt aus, weil..." spitzte ich doch die Ohren! "..Kriegsgrab ... Bundesregierung... ..." Na ja, hätte ich auch eigentlich nicht anders erwartet, zumal es für tiefes Eindringen bei diesem (wohl) einem TG das für mich eh nicht diskutabel war. Gut, dann schaun wa mal!

    Meine Luftversorgung bestand aus 1x15er Mono Luft mit 2 separ. Stufen und in D4 - Frontstage verbaut 1x4er Luft mit 2m - Mitteldruckschlauch und 1x4er ReinO2 mit Schnellabwurf-System. Das gab in der Summe 4 sep. Regler, `ne Menge Luft und eine grundsätzliche TG- Planung nach Pressluft-Ausstieg.

    Es ging zügig Nähe Markierungsleine freifallend über Kopf abwärts. Der Schatten des Bootes taucht aus dem Nichts in 45° zum Meeresgrund auf! Ich brauche meine Position nicht ändern, nicht mal meinen Kopf bewegen. Aus dem Schatten wird ein gigantischer Koloss aus Stahl (minimal nach Stb. geneigt), ich nehme die Silhouette eines (Deutschen) U-Bootes schräg vor mir war. Tanks anblasen und Fall bremsen; etwas höher als der Turm schwebend verschaffe ich mir einen Grobüberblick! Ja! der Turm ist noch vorhanden! Aber was ist das? Unmittelbar vor dem Turm ist das Vorschiff wie fein säuberlich abgetrennt ...und fehlt, ca.3 m nach der glatten Bruchkannte dann das Schott. Im unteren Bereich erkenne ich auf Anhieb das Durchstiegsluk. Mein TP ist schon dort und winkt mich heran; es ist offen! Einschalten der 50er Kowa, ein Blick zum TP der mir zu verstehen gibt, dass ich bitte nicht so ganz und komplett verschwinden möchte. Ausklinken und Ablegen der D4 ivm. etwas Luft raus aus Rücken-Schnellablass!

    Gut! Das lohnt allemale, hier (später) nochmal herzukommen! Fazit: Versau`s dir hier nicht unbedingt mit der Truppe! Also das "Okay" - Zeichen von mir und vorsichtig durchs Luk soweit, dass ich mich absichtlich mit meinen Flossen am Luk verhake und so schwebend/abstützend verharre. Ich erinnere mich an den o.g. TV-Bericht kurz; es sieht "traumhaft" aus. Mein TP tippt mir deutlich auf die Wade, und es scheint Zeit zu werden, diesen einerseits schönen aber wiederum auch schrecklichen Ort zu verlassen.

    Wir tauchen auf der Bb.-Seite auf Deckshöhe zum Heck. Hmm, ..auch hier fehlt etwas ..aber was?

    Die Erkenntnis: .. als wir am Heck ankommen; die äußere Hülle dieses Zweihüllen-Bootes fehlt. Es ist überwiegend "nur" noch der Druckkörper vorhanden (geringe Wassertiefe). Das beantwortet nun so einige Fragen. Ich sehe die Bb.-Schraube. Auf der Stb.-Seite geht es dicht über Grund wieder Richtung Bruchkannte. Mein TP zeigt mir nach einem Drittel ein kleineres Loch im Druckkörper; es reicht um teilweise in das Innere zu sehen. In der Kürze der Zeit ist auch nur ein Wirrwar von irgendetwas zu sehen. Leider zieht auch mein TP eine heftige Sedimentspur hinter sich her. Ich steige reichlich höher und lasse ihn gut voraus schwimmen, aber gerade noch in Sichtweite.

    Er schwamm (in Windeseile) an der Bruchkannte vorbei in`s Nirwana. So ziemlich zum ersten mal streubte ich mich nicht gegen eine "Führung" und folgte ihm mit max. "Volo"-Vortrieb. Schliesslich fehlte das Vorschiff, und das wird er mir wohl zeigen wollen. Im Winkel von ca. 30° nach Bb. erreichten wir nach einiger Zeit ein großes Trümmerfeld: Das zerfetzte Vorschiff nebst top erhaltenem Periskop (abgebrochen), Torpedorohren u.a.m.! Der blanke Wahnsinn hat hier gewütet! Weitesgehend "alles" inspiziert und zurück zur Bruchkannte. Es erfolgte ein Aufstieg zu Turm, der auch "nur" noch aus dem Druckkörper besteht. Ich schaute in das Turmluk; es war offen. Mein TP zeigte mir die Bruchstelle des Periskop`s, und ich entdeckte das Glasauge (so zu sagen eine Art optische Kupplung). Ich strich sanft über dieses unbeschädigte Relikt; mein Gott - als ob mich das Boot anschaut. Ein bisschen Gänsehaut spürte ich schon (aber nicht vor Kälte)!

    Ich verabschiedete mich von dem Boot in respektvoller Entfernung mit einer international praktizierten militärischen Handbewegung.

    Okay, Aufstieg und Deco ab 6m mit ReinO2.

    Es gab oben wieder guten Kaffee, und diesmal bedankte ich mich "echt" für diesen phantastischen TG! Sicher, auch dieser TG kommt nicht an die TG`s der "Lauro C" ran, aber dennoch, ...super! Ich werde das nie vergessen.

    Um die 20 Besatzungsmitglieder starben bei dem Versuch aus Mexiko kommend den Heimathafen bereits sehend, in ihn einzulaufen. Eine Mine wurde dem Boot zum Verhängnis, obwohl gerade zuvor ein Räumflugzeug über diese Stelle brauste.

    Nun gut, ich beabsichtige, dort nocheinmal zu tauchen. Im Gespräch mit Mickael von der TB wurde mir noch eine weitere U-Boot - Position offeriert. Ansatzweise deckend mit meinen Recherchen könnte es sich um U165 vom gleich Typ handeln. Es liegt auf betauchbaren 68m weiter draußen nord-westlich vor Lorient. Mein Ziel für nächstes Jahr und dann auch mehrere TG`s.

    Dazu würde ich gern einen tiefenerfahrenen, solokompetenten Video-und/oder Kammeramann als (eingespielten) TP hinzuziehen wollen, zumal dann ein "auferlegter" TP ausfällt. Diese Geschichte benötigt eine gründliche Planung und Recherchen, die Position habe ich (fast).


    Fortsetzung folgt


    (c) Rene Heese, 2003

    rechtlicher Hinweis:
    (nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
    übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
    Bericht soll
    lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
    Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
    grundsätzlich
    gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!
Lädt...