Wracktauchen
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Teil 3
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Heute am Mittwoch ist nun, da das Boot hier in Cavalaire erst nach 10 Uhr zu
Wasser gegangen ist, der Tag recht weit fortgeschritten.
Wir ankern wieder in der Bucht zwischen Cap Ladier und Cap Camarat. Hier ist
es wellen- und windgeschützt , ich schlafe sofort ein...
Jetzt am späteren Nachmittag wollen wir die "Prophete" suchen; ein kleinerer
Dampfer, 41,55m lang aus 1853.
Am 26. März 1860 säuft das Schiffchen südöstlich Cap Ladier ab und legt sich
auf 33m auf ebenen Kiel auf Grund.
Die einfache Dampfmaschine steht aufrecht frei, die Pleul sind leicht nach
Bb. geneigt. Links (also backbord) neben der Pleul ein riesiger Kessel.
"Hinten" ist an der Dampfmaschine ein gewaltiges Schwungrad (Speichenrad)
angeflanscht. Es sieht aus wie ein mittschiffs angeordnetes, überdimensional
großes Steuerrad. Landratten könnten es wolmöglich für ein solches halten.
Ich denke, es wird 1000 Jahre dauern, bis dieses verrottet ist. Allerdings;
..von 1000 Jahren sprach schon`mal "einer" und dann war`s in kürzester Zeit
rum.. Wir werden ja sehen .. die Sache weiterhin mal im Auge behalten.
Das ist dann in soweit auch schon alles: Viel mehr ist bis auf das
Bodensegment nicht vorhanden. Die Schraubenwelle läuft deutlich sichtbar
nach achtern (wohin auch sonst?) .. ein Indiz für Laien, wat nu vorne und
hinten ist.
Die Postion ist mir ungenau bekannt; GPS-Angabe ist ungenau , es steht mir
aus einschlägiger franz. Literatur eine Kreuzpeilung zur Verfügung, und ich
habe dazu eine Wassertiefe. Das Suchgebiet ist damit recht ordentlich
(übersichtlich) begrenzt.
Der starke Wind und die verdammt hohen Wellen (Kreuzsee) machen dem Rib und
letztendlich meiner Freundin schwer zu schaffen. Mir ist das Wurscht, bin
ich doch schon als 7-jähriger mit einem Mini-Boot (Opti) auf "haushohen"
Wellen geritten und bin später unter Vollzeug mit 15m-Yacht(en)
rausgefahren, wenn die anderen gerefft reingekommen sind. Spaß dieser Art
hatte mich einmal lediglich eine Genua gekostet und sonst so eben `ne Menge
Geschirr.
Jedoch steht es zwo gegen einen; die Bootsgeschwindigkeit ist gering gewählt
und der Kurs manchmal kontraproduktiv - bzgl. Gitternetzsuchmusterfahrt - ,
und das gefällt dem Dampfer gar nicht so. Er ist Spielball der Wellen.
Dieses hat zur Folge, daß meine Freundin den Bewegungen des Bootes
ausgesetzt ist und ständig hin und her purzelt; die Anzahl der blauen
Flecken nimmt bei ihr sichtlich zu (trotz Gummirand am Boot) .. .. macht in
der Summe zwei, die lieber zurück in die Bucht oder in den Hafen wollen.
Als erstes meldet sich der Dampfer. Mit einem riesen Knall birst die
Windschutzscheibe des Fahrstandes - ich muß da wohl zu Hause nochmal mit der
Werft sprechen - , diese fliegt letztendlich meiner (so schon) geplagten
Freundin an die Birne .. von hinten natürlich! Blut spritzt! ..Aber wat
soll`s , das Boot ist reparabel und läßt sich abwischen.
Jetzt stehe ich mit dem Lageplan ungeschütz am Fahrstand; Wind und Gischt
machen den Plan naß, weichen ihn auf und die ersten Risse im Papier stellen
sich ein. Die Zeit der Suche ist nun begrenzt: Bevor das Papier dahin ist,
muß ich das Wrack gefunden haben. Boot ist noch seetüchtig und die
Blutreserven im Körper meiner Freundin sind noch hinreichend .. aber eben
der Zustand des juten Papierchens verschlechtert sich zunehmend.
Nun meldet sich meine Freundin, wie lange wir hier wohl noch verweilen
wollen - etwa bis laufendes und stehendes Gut von oben kommen oder sich der
luftgefüllte Gummi-Ring von der GFK-Schale löst. (?) Grundsätzlich vertraue
ich meiner Werft .. solange es sich dabei nicht um durchsichtigen Kunststoff
handelt.
Da ich weiß, daß dieses Argument nicht im entferntesten ausreichen wird,
untermauere ich die Antwort mit einem in den Sturm geworfenem Gebrüll:
"Sooo `nüü Scheißäää hiaa! Komme ich in diesem Scheißßß-Urlaub hiaa
übahaupt-nochmoool in`s Wassaaa..? Da hätt`n wiaa ja auch gleich Fernseh
glotzen könn`nn.. zuHausäää!"
Die See hat Erbarmen .. mit mir .. haut mir sogleich eine Welle in die
Fresse und klaut dafür dann die Zigarette aus`m Schnabel. Das Papierchen ist
zwar noch da, aber hoffnungslos im Arsch; ich muß jetzt meine Birne bemühen.
Mein Freundin hat nach diesem Spruch wohl Mitleid mit dem erfolglosen
Möchtegern-Wrack-Taucher, schnappt sich das Papierchen, studiert die Reste
und beginnt mich bei der Suche konstruktiv zu unterstützen, gilt es doch
einen Punkt(!) im Meer zu finden - die Dampfmaschine. Das wird der einzige
nennenswerte Ausschlag auf dem Fishfinder sein. Die Wrackreste als solches?
Wohl eher kaum!
Und siehe da, 4 Augen, 2 Hirne und die Dampfmaschine spiegelt sich im
Display nach nur 15 min. wieder. Sofort stoppe ich auf, springe nach vorne
und werfe die vorbereitete Markierungsleine. 40m rauschen in die Tiefe, die
Boje schwimmt .. fest verankert an 7kg Bleilot.
"Du gehst hier und heute und jetzt _schon_ alleine .. oder?" fragt mich
meine Freundin.
"Joa-kloar .. ich seh mal nach dem Rechten .. da unten.. damit wir morgen
früh - bei besserem Wetter - schön zusammen den TG genießen können. Ich
bleibe nicht lange!" entgegne ich ihr... grinsend.
Damit ist dann auch das(!) geklärt, daß ich hier und heute und jetzt tauchen
gehe. `Wir haben eh keinen Fernseher dabei und bis zu Hause ist es zu
weit...
Ich tauche schnell an der Leine ab, meine Freundin hält oben _nicht_ vor
Anker liegend die Stellung.
Alles ist unten am Wrack so, wie beschrieben. Für mich ein weiterer Eintrag
in meiner Wrack-Sammelliste. Man kann nicht alle Wracks dieser Welt
betauchen - aber man kann`s versuchen!
Alles ist schnell erkundet und somit bin ich auch bald wieder oben und werde
beim ersten Anlauf perfekt aufgenommen.
Meine Freundin fährt das Boot sicher und gekonnt in den Hafen, `lenkt sie
etwas von ihren blauen Flecken auf der hübschen Haut ab.
Wir gehen rechtzeitig in`s "Bett".
Donnerstag
Wir haben ruhig, gut und ohne zu frieren geschlafen. Gegen 8 Uhr stehen wir
auf, rödeln zusammen und fahren zur "Prohete".
Heute ist`s etwas ruhiger, wir tauchen schnell ab.
Meine Freundin macht einige Foto`s und verschwindet zum vorderen Bereich des
Schiffes. Mein gefundener Silberlöffel an der "Liban" hat auch sie
wiedereinmal etwas in Blutrausch versetzt. Ich beschränke mich auf den
ehemaligen Maschinenraum und suche nach "Grünspan".
Viel ist hier an der Oberfläche sicher bei der Sporttauchtiefe von gerademal
33 Metern nicht zu erwarten.
Unter einigen Trümmern entdecke ich doch noch "grünes Metall", etwas
schimmert da hervor. Grün ist Unterwasser bzgl. Metall die Farbe der
Leidenschaft, goldgelb die der finanziellen Unbekümmertheit.
Augenblicke später nimmt die Sicht am Wrack rapide ab; ich beginne damit,
Metallteile zu wälzen - das Schiff neu zu strukturieren .. `wird ja sonst
langweilig - immer das selbe Tapetenmuster anschauen zu müssen.
Zum Vorschein kommt ein ca. 2m langes hübsch gebogenes handgelenk-dickes
Kupferrohr! Hmm.. wat nu damit anfangen. Ich wende mich fragend Richtung
Vorschiff zu meiner Freundin. Dort aber ist die Sicht noch schlechter als
bei mir; sie hat sich regelrecht eingenebelt. Ich muß zu ihr mal hin...
Sie reicht mir ein Gläserset, 4 Stück in der Zahl; ich solle sie mal in das
Netz tun. Wat so kleine zarte Hände an Erdreich in wenigen Minuten bewegen
können? Wir sollten ein Haus bauen!
Natürlich handelt es sich um Gläserreste, genaugenommen um die Böden der
Gläser .. aber .. dennoch hübsch!
Meine Frage ist somit beantwortet und ich wuchte augenblicke später dat
nette Rohr zum Bleigewicht der Abtauchleine. Ein Seglerknoten sorgt für
ausreichenden Halt.
Oben an Bord habe ich kräftig zu tun, das Gesamtgewicht an der dünnen Leine
nach oben zu kriegen. Dennoch wäre hier ein Hebesack (meines Erachtens)
deplatziert gewesen.
Wir müssen rechtzeitig, um die Mittagszeit, im Hafen sein; haben wir doch
einen Termin mit "Momo`s Angestellten" zum Flaschenfüllen.
Für 3mal 10er und eine D6 zahlen wir 20 Euro. Damit kann ich leben.
Nachmittags soll es wieder zur "Prophete" gehen...
Fortsetzung folgt ...
(c) Rene Heese 2006
Rechtlicher Hinweis:
Die hier beschriebenen Tauchgänge sind grundsätzlich lebensgefährlich! Ich
rate von Tauchgängen dieser Art ab, sie sind nicht zur Nachahmung empfohlen.
Dieser Bericht hat lediglich unterhaltenden Charakter.
Keiner dieser Tauchgänge hat in Wirklichkeit jemals und so stattgefunden.
Ich lehne jeglich Verantwortung bzgl. Nachahmer ab!
Nicht auf Rechtschreibung geprüft (Entwurf)
