Wir dürfen, nachdem wir den oberharzischen Bleibergbau nach seinen dermaligen Eigenthümlichkeiten durchgegangen haben, nicht unbemerkt lassen, wie dabei die Markscheidekunst ausgeübt wird, welche die geometrische Führerin des Bergmannes in den unterirdischen Räumen ist.
Es finden nämlich bei ihrer Ausübung am Harze gleichfalls einige Eigenthümlichkeiten statt. Das Messen der Längen geschieht unmittelbar mit der Drathkette, Schnüre werden vorher nicht ausgespannt. Die Kette ist durch verschiedene Zeichen, Ringe und Wirbel von 20 zu 20 Zoll abgetheilt; und werden die einzelnen Zolle, wenn nicht in einer solchen Abtheilung angesteckt werden kann, mit dem Zollstocke gemessen.
Die Kette selbst ist aus drei feinen geglühten Messingdräthen zusammengedreht und fast immer 6 Lachter angesteckt. Dieß Anstecken geschieht an gelegenen Stellen am Gezimmer oder an eingeschlagenen Spreizen. Dabei ist die Vorscht zu bemerken, dass die Stärke der Wirbel und Ringe, in welchen angesteckt wird, bei jedem Weiterziehen der Schnur beachtet werden muß.
Der Gradbogen wird am Sichersten, wenn der Neigungswinkel zwischen 0 und 5 Grad fällt, auf die Mitte gehängt, bei größeren Neigungswinkel aber wird er Zweimal gleichweit von beiden Endpunkten angehängt und aus beiden Observationen das Mittel genommen. Der Gradbogen ist bis auf ¼ Grade eingetheilt und jeder ¼ Grad wird durchs Auge in sechs gleiche Theile getheilt, welche durch r. r. rr. ¼ f. ¼ ff und ¼ bezeichnet werden. Ein jeder Theil beträgt „ ¼ Minute der gewöhnlichen Gradeintheilung.
Der Compaß ist wie gewöhnlich in zwei Mal zwölf Stunden eingetheilt, deren jede nochmals in 1/16 Stunden getheilt ist. Ein solches halbes Achtel wird durchs Auge zuerst halbirt und jede solche 1/32 oder Ein=Viertelachttheil=Stunde wird nochmals durchs Auge in vier Theile getheilt, welche durch r. r. ¼ f. ¼ bezeichnet werden. Die Weltgegenden Ost und West sind aus den bekannten Gründen auf dem Hänge=Compaß verwechselt.
Zur Orientirung der Karten wird in der Regel die wahre Mittagslinie aufgetragen. Damit dieß richtig geschehen könne, findet sich im clausthaler Zehntgarten seit etwa 50 Jahren eine festgelegte Bezeichnung derselben.
Bisweilen wird die ganze Figur des Compasses auf den Rissen verzeichnet, aber begreiflich kann hier nur die Verzeichnung der Stunden und Weltgegenden Statt finden, wie sie der Setzcompaß ergiebt und dient dieß allerdings dazu, jeder Linie Streichen auf dem Risse um so leichter nach diesem Compaß=Bilde beurtheilen zu können.
Quelle:
Auszug aus „der Harz“ von Zimmermann 1834
Glück auf
Harry







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