Bin als Kind durch alle Verbindungsgänge zwischen den teilweise gesprengten Hallen gegangen. Installation war da noch vollständig, selbst sog. Kellerleuchten mit Glühlampen waren vorhanden und leisteten in meinem Keller noch ein paar Jahre gute Dienste. Die Bauern der Umgegend holten sich regelmässig wunderbar aufeinander eingelaufene Zahnradpaare für ihre Landmaschinen. Die entsprechenden Motore standen halbfertig auf Rollböcken in den Verbindungsgängen. Ich hatte im zarten Alter von 14 Jahren nur Interesse an den Ventilen für diese Motoren. Die waren hohl und mit Natrium gefüllt. Aufgesägt und ins Wasser geworden zischte der Inhalt so herrlich rum. Auf jeden Fall war dieses Gelände der beste Abenteuerspielplatz für mich. Der Grossvater meiner Ex-Gattin war Meister in diesem Werk und für die Gütekontrolle der Motorengehäuse verantwortlich. Hab da noch Kopien von den Unterlagen über die sog. FLUX-Methode rumliegen (irgendeine Farbe auftragen und dann UV-Licht drauf). Letztes Dokument ist ne Bierzeitung von 1944, Weihnachten. Da sind sogar die Namen der Abt.Leiter, der Wachleiter und einiger Abt.Leiter und Meister drauf. Es gibt auch Aussagen des Grossvaters, dass Zwangsarbeiter, die in der Nähe des Schlachthofes Eisenach (etwa 2,0 km Entfernung) in Baracken untergebracht waren, täglich per Fussmarsch zur Ar5beit ins Flugmotorenwerk gingen. Beaufsichtigender soll ein Ekel gewesen sein. Ist per Gaul nebenher geritten und hat gerne geprügelt. Abgasöffnungen der Prüfstände waren im jetzigen Gelände der Minimärkte an der Bundesstrasse Richtung Stockhausen. Die Probeläufe waren nach Aussage von Zeitzeugen teilweise in Stadtgebiet von Eisenach zu hören. Bei Fliegeralarm wurden diese Probeläufe gestoppt (sicherlich nicht, weil die Flieger was gehört hätten! hi ). Reparaturarbeiten wie Schlossereiarbeiten, Dreherei, Fräserei, Werkzeugschleiferei usw. waren teilweise ausgelagert und wurden in Hötzelsroda-Siedlung in kleinen Metallwerstätten in Hausanbauten in Heimarbeit erledigt (mind. 5 Familien mit Werkstätten namentlich bekannt).
Tja, und warum wird dieses Werk bei keiner Liste der U-Verlagerungen erwähnt?
Gruss Edgar


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