Kannonenkugel die Zweite

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  • Piper
    Landesfürst


    • 21.07.2008
    • 817
    • Südniedersachsen
    • Tesoro Lobo

    #1

    Kannonenkugel die Zweite

    Ich brauche Hilfe bei der Datierung meiner zweiten Kannonenkugel.

    Sie hatte mit Rost ein Gewciht von 1820g und einen Durchmesser von etwa 8cm.

    Kann man die evtl. einer bestimmten Epoche zuordnen?

    Interessant ist auch dieser "Wuppel" und dei zwei Kerben.
    Evtl. vom Aufprall? Oder gibt es eine andere Erklärung dafür?
    Mir wäre schon damit geholfen, wenn man eindeutig sagen könnte, dass sie abgefeuert wurde.

    Ich bin an der Stelle mehreren Rätseln auf der Spur und erhoffe mir ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen mit diesem Fund.
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    "Es ist das höchste Glück des denkenden Menschen das Erforschte erforscht zu haben und das Unerforschte still zu verehren." J. W. v. Goethe
  • Septimius
    Heerführer


    • 10.01.2009
    • 3990
    • Königreich Bayern

    #2
    Wie ich schon in Deinem ersten Beitrag schrieb, denke ich von der Grösse und Masse an einen interessanten Vierpfünder, der Drusus ist natürlich der wahre Spezialist , die Kerben sind ja immens, der Knubbel könnte der Rest eines Gußzapfens sein, aber die Kerben kommen wohl vom getroffenen Ziel, vielleicht traf die einen Wagen oder eine Protze, wo die Eisenbeschläge diese markanten Spuren hinterliessen, es kann aber auch sein, dass die nicht aus der Gußform rauswollte, dan hat man die halt im noch rotglühenden und fast plastischen Zustand rausgehaut mit einem Keil und Hammer, was für mich jetzt die naheliegendere Version wäre, denn die Kugeln waren leicht unterkalibliert, Rollkugeln, so dass das keinen Nutzensabbruch getan hat. Dieses "Festkleben" passierte, wenn die Gussform nicht anständig durchgewärmt war, also vermutlich die erste des Gußtages Eisenkugeln neigen übrigens nicht so sehr zur Deformation beim Ricochet, solange das kein Steiniges Terrain ist, wo die gefunden wurde. Ob die Verloren oder abgefeuert wurde, kann man ohne Patinaanalyse nicht so einfach sagen, aber selbst ein Nitrattest aus Schwarzpulver würde uns vermutlich nimmer weiterbringen, denn alleine die Düngung der letzten paaar Jahrhunderte macht sowas zunichte. Erzähl uns halt, wann da was war, dann kommen bestimmt konkretere Antworten! Ach ja, ich würde nur noch vorsichtig den Rost etwas entfernen und dann mit Tannin weitermachen.
    Gruß Septi

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    • Piper
      Landesfürst


      • 21.07.2008
      • 817
      • Südniedersachsen
      • Tesoro Lobo

      #3
      Wie verfährt man denn mit Tannin?
      Soll ich sie vorher noch in destilliertem Wasser entsalzen?

      Also cih weiß mit Sicherhiet, dass während des gesammten 30jährigen Krieges dort die verschiedensten Truppenteile lagerten. Aber auch ein Preußisch-Braunschweigischer Konflikt oder ein Lager im 7jährigen Krieg sind nicht auszuschließen. Ich habe auch Bleikugeln in allen möglichen Variationen gefunden und einen Feuerstein vom Steinschloss (der eher gegen den 30jährigen sprechen würde, da die dich erst ab 1650 durchgesetzt haben), aber bei Feldfunden kann man ja nie wissen wie der dahin gekommen ist.

      Ich erhoffte mir etwas Klarheit durch diesen neuen Fund, aber so wie sich das bisher anhört ist das ja wohl wieder ein Standardkaliber, wie meine letzte.

      Naja .. die Suche geht weiter!

      Mal sehen was Drusus noch so zu sagen hat.
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      • Septimius
        Heerführer


        • 10.01.2009
        • 3990
        • Königreich Bayern

        #4
        Das würde dann schon sehr gut in den Dreißigjährigen passen, wollte ja nicht mit Verdachten vorpreschen, denn eigentlich ist die schöne etwas unterkalibrig, normal wären ca. 82 cm DM, aber das Pfund ist ja in der Zeit sehr variabel, drum kein Standart im eigentlichen Sinne, das kam erst etwas später, ich würde die surchaus in die Zeit um 1650 datieren, sofern der Drusus nix dagegen hat,
        leicht unterkalibliert
        kommt da sehr gut hin Ich warte immer noch, aber auf meinen Äckern wird da so schnell nix kommen
        Gruß Septi

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        • Drusus
          Heerführer


          • 31.08.2005
          • 3464
          • München, Bayern
          • Goldmaxx, was sonst?? ;)

          #5
          Hallo Allesamt,

          ich stimme schon mal einem frühen Vierpfünder zu. Kerben und "Wuppel" sind etwas seltsam. Zum einen könnten die natürlich durch den Aufprall entstanden sein, zum andere besteht hier aber auch die Möglichkeit, dass die Magnetitschicht ungleichmäßig gewachsen ist, da etwas hartes direkt unter der Kugel lag (hatte ich auch schon). Hier muss man schauen, ob diese Unregelmäßigkeiten wirklich auch schon das Metall betreffen. Evtl. ist der "Wuppel" nur eine Rostbeule.

          Generell kann man sagen, dass ältere Kugeln eher dazu neigen unrund und uneben zu sein. Im späten 18. und 19. Jh. wurde viel wert darauf gelegt, die Kugeln exakt rund und glatt zu fertigen, um die Rohre zu schonen und möglichst präzises Schießen zu ermöglichen (da dann der Spielraum auch kleiner ausfallen konnte). Diese Kugeln weisen oftmals nicht mal mehr eine Gussnaht auf, die sie noch nachträglich überschmiedet wurden.

          Viele Grüße,
          Günter
          Zuletzt geändert von Drusus; 24.08.2010, 14:25.
          Quis custodiet ipsos custodes?

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          • Septimius
            Heerführer


            • 10.01.2009
            • 3990
            • Königreich Bayern

            #6
            Ja, mein liebster Kanonendrusus spricht mir aus der Seele, denkst auch an das frühere Datum, gell? V. a. die Masse spricht für ein früheres Mass m. E., denn das Pfund wandert immer mehr im Laufe der Zeit nach oben, bis es mal 500g erreicht, das römische war bei 427g, wenn ich das jetzt hochrechne, dann kommt 1708g raus, natürlich eine Milchmädchenrechnung, aber das Pfund als solches war eigentlich immer unter 500g. Aber 450g kämen gut hin in der Zeit und der Kugel
            Zuletzt geändert von Septimius; 24.08.2010, 14:30.
            Gruß Septi

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            • Drusus
              Heerführer


              • 31.08.2005
              • 3464
              • München, Bayern
              • Goldmaxx, was sonst?? ;)

              #7
              Zitat von Septimius
              Ja, mein liebster Kanonendrusus spricht mir aus der Seele, denkst auch an das frühere Datum, gell?
              Genau, und da wird eine präzisere Einordnung praktisch unmöglich, da es noch keine Normen gab – das kam erst so ab der 2. Hälfte des 18. Jh. Zuvor gab es praktisch alle denkbaren Kaliber und oftmals wurden die Kugeln für ein ganz bestimmtes Geschütz hergestellt und waren nicht wirklich austauschbar.

              Viele Grüße,
              Günter

              PS: das französiche Pfund zu Zeiten Napoleons lag bei exakt 500g, so dass franz. Vierpfünder 2kg und Achtpfünder 4kg Kugeln verschossen. Österreich hatte zur gleichne Zeit ein geringeres Pfund - der österreischische Sechspfünder wiegt z.B. idealerweise 2.740g.
              Zuletzt geändert von Drusus; 24.08.2010, 14:33.
              Quis custodiet ipsos custodes?

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              • Piper
                Landesfürst


                • 21.07.2008
                • 817
                • Südniedersachsen
                • Tesoro Lobo

                #8
                Also ihr meint beide so um 1650, also nach dem 30jährigen?
                Was gibt es für Möglichkeiten hier etwas sicherer zu gehen?

                Ich halte den "Wubbel" nicht für Rost, da ja relativ schnell die Magnetitschicht kommt und er beim Abklopfen auch nicht abgefallen ist, was m.E. bei einem so großen Rostknubbel passiert wäre. Je größer die Rostbeule, desto instabiler wird sie ja auch.
                "Es ist das höchste Glück des denkenden Menschen das Erforschte erforscht zu haben und das Unerforschte still zu verehren." J. W. v. Goethe

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                • Septimius
                  Heerführer


                  • 10.01.2009
                  • 3990
                  • Königreich Bayern

                  #9
                  Naja, nach dem spanischen Erbfolgekrieg lässt sich nach meinen Recherchen zumindest eine fast einheitliche Musketenkugelvereinheitlichung feststellen, nach dem Siebenjährigen Krieg sowieso, denn man wollte ja Beutewaffen nutzen, das hängt m. E. mit den Kriegsschauplätzen zusammen, je konzentrierter die waren, desto mehr wurde darauf Wert gelegt. Ausserdem wurde die Welt quasi kleiner, da musste man sich anpassen
                  Gruß Septi

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                    Heerführer


                    • 08.08.2006
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                    • XP Deus, G-Maxx II, Garrett ACE 250

                    #10
                    Zitat von Septimius
                    normal wären ca. 82 cm DM
                    Das scheint mir nun doch etwas groß *fg*
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                    • Septimius
                      Heerführer


                      • 10.01.2009
                      • 3990
                      • Königreich Bayern

                      #11
                      Nö, die passt voll in den 30- jährigen!!!
                      Gruß Septi

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                      • Piper
                        Landesfürst


                        • 21.07.2008
                        • 817
                        • Südniedersachsen
                        • Tesoro Lobo

                        #12
                        Ich denke er meinte, weil du 82 Zentimeter schriebst, anstatt 8,2cm.

                        Der 30jährige war im Übrigen 1650 schon zu Ende. Das verwirrt mich ein wenig.
                        "Es ist das höchste Glück des denkenden Menschen das Erforschte erforscht zu haben und das Unerforschte still zu verehren." J. W. v. Goethe

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                        • Septimius
                          Heerführer


                          • 10.01.2009
                          • 3990
                          • Königreich Bayern

                          #13
                          82mm, tschuldigugnug, Metaller...
                          Gruß Septi

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                          • Drusus
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                            • München, Bayern
                            • Goldmaxx, was sonst?? ;)

                            #14
                            Zitat von Piper
                            Der 30jährige war im Übrigen 1650 schon zu Ende. Das verwirrt mich ein wenig.
                            Aber gerade mal zwei Jahre. So ein Kugelalter kann man eh nicht in Jahren festmachen, auch nicht in Jahrzehnten. Ich würde Deine Kugel ganz grob ins 16./17. Jh. einordnen.

                            Die Artillerietechnik hat sich vom 16. bis Mitte des 19. Jh. nicht wesentlich verändert. Es waren nahezu immer glatte Vorderlader, die Rundkugeln, Hohlkugeln und/oder Kartätschen sowie ein paar Sondergeschosse (z.B. Brandkugeln) verschossen. Erst mit der Erfindung der gezogenen Rohre kam eine wesentliche Verbesserung auf. Davor beschränkten sich die Verbesserungen eher auf die Herstellung stabilerer und/oder leichterer Rohre, leichterer Lafetten, standardisierter Kaliber und Ersatzteile etc. Aber im Prinzip wurden über 400 Jahre lang massive Rundkugeln verschossen. Und von denen gab es nahezu alle möglichen Größen. Wenn man sich alleine den üblichen Sechspfünder der Koalitionskriege ansah, so schwankte hier das Kugelkaliber von 88,6mm (britisch) bis 92,7cm (dänisch).

                            Die nahezu einzige Chance, eine Kanonenkugel genauer zuzuordnen, ist, herauszufinden, was sich am Fundort zugetragen hat.

                            Viele Grüße,
                            Günter
                            Quis custodiet ipsos custodes?

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                            • Septimius
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                              • 10.01.2009
                              • 3990
                              • Königreich Bayern

                              #15
                              Sondergeschosse
                              Hier mal von der Wasa, die gefallen mir besonders
                              Gruß Septi

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