Reisebericht Cabo de Palos (3)

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  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #1

    Reisebericht Cabo de Palos (3)

    Reisebericht / -Erzählung

    Teil 3

    Aus dem Inhalt:

    * chronologischer Reiseablauf mit:

    - Routen, Stationen, Aufenthalten
    - Preisen
    - Tauchgängen
    - namentliche Wracks; TG-Ansprüche
    - Ausrüstungsmanagement
    - Tauchplätzen; Genehmigungen
    - Zeltplatzbeschreibung
    - Tauchbasenbeschreibung
    - Land und Leute
    - ???

    ----------------------------------------------------

    Es ist ausschlafen angesagt, heute am

    Mittwoch, 10.08.2005

    soll es gegen 17 Uhr zum Frachter Tordisa - "Carbonero" gehen, dieser liegt
    auf 47m, ist etwas kleiner als die "Stanfield" und hat schätzungsweise
    3500-3800 BRT und mißt an die 100 Meter. Ich war noch nicht bei diesem
    Frachter, und so ist es ein Hochgenuß für mich, ein weiteres Wrack in meine
    persönliche Sammelliste aufnehmen zu können.
    Der Dampfer liegt nun wirklich recht weit draußen. Das Siebenfünfziger
    braucht 45 min.! Wind und starker Seegang, die Wellen brechen sich, machen
    dem Boot und der überschaubaren Truppe zu schaffen. Wir fahren jedoch mit
    der Welle. was wird wohl erst die Rückfahrt bringen.. (?)

    Jesus ist wieder gesund und nimmt aktiv an den "Veranstaltungen" teil. Der
    Mann spricht nicht viel, grinst aber grundsätzlich zurück wenn man in
    anschaut. Seine Haare können vom Wind nicht nennenswert durcheinander
    gebracht werden, er hat nicht mehr all zu viele davon. Diese, welche sich
    noch an Ort und Stelle befinden, sind recht kurz gehalten. Zudem trägt er
    einen gräulichen Kinnbart. Er ist nicht sonderlich groß, seine ganze
    Erscheinungt läßt ihn friedlich, gar gemütlich aussehen. Selbstverständlich
    ist er braungebrannt. Die Kombination: sein neues gelbes Basecap in
    Verbindung mit einer modischen zu ihm passenden Sonnenbrille und seinem halb
    heruntergestreiften Naßanzug macht sicher auch 25-jährige, junge
    Tauchanfängerinnen schwach. Ich mag ihn einfach; nicht nur, weil er uns
    einfach "machen" läßt...

    Der Frachter geht auf die Zeit des 1. Weltkrieges zurück. Ein deutscher
    UBoot-Torpedo hat die achteren LR`s förmlich weggesprengt.

    Das GPS bimmelt, die Position ist nunmehr erreicht. Doch was ist das? Der
    Fishfinder fällt urplötzlich aus .. eine Katastrophe höchsten Ausmaßes soll
    sich für heute abzeichnen.

    Einer der Erfahrenen (dort Ansässigen und des öfteren Mittauchenden)
    schultert sein 15er-Gerät und springt über die rechte Schulter beherzt in`s
    Wasser und verschwindet sogleich. Ein zweiter folgt. Der Anker fällt. Anna,
    eine der Guide`s, läßt die Kette und später dann die Leine des Ankers
    gekonnt nachgreifend über den Bug laufen und gibt nach Grundkontakt noch
    entsprechend Leine. Der 200er AB tuckert im Leerlauf. Die Zeit verrinnt.

    Erst einer, dann etwas später taucht der andere auf. Sie haben versucht, den
    Anker samt Kettenvorfach, samt Leine, samt Siebenfünfziger, samt voll
    ausgerüsteter Taucher zum Wrack zu ziehen; gegen die Strömung, gegen die
    anlaufenden Wellen und gegen den Windwiderstand.
    Ich erfahre, daß das Wrack zwar in der Nähe ist, man also ohne weiteres von
    Ankerleine zum Wrack gelangen könnte, sicher aber auf dem Rückweg wohl eher
    nicht die im deutlichen Abstand neben dem Wrack geparte Anker- /
    Aufstiegsleine finden würde.
    Mal abgesehen davon, daß ich diese Aktivität dieser beiden Taucher im
    Vorfeld sicher schon nicht in`s Kalkül gezogen hätte, könnte man unter
    diesen Umständen jedoch weitere Maßnahmen einleiten, wie:
    zweites/zusätzliches Seil von Anker zum Wrack verlegen .. wenn man schon
    unten ist ..und natürlich ein solches dabei hat!

    Ich halte mich mit meiner Meinung zurück, das Kind ist (für mich) eh in den
    Brunnen gefallen. Zumindes sollten bei erfolgreichem (zweiten) Andocken
    konkret diese beiden Taucher nicht erneut reinspringen und nun Spaß am Wrack
    haben. Somit sind 33% der Taucher schon mal weg vom Fenster.

    Der Anker wird gehievt; das macht selbstverständlich die burschikose Anna.
    Ihr Freund (namentlich von mir getauft als "die Pfeife") sitz mit seinem
    halblangem gelocktem schwarzem Haar, eine Frisur aus dem 17. Jahrhunder und
    mit grinsendem, leicht aufgeschwemmten Gesicht entspannt daneben und schaut
    eben grinsend zu. Der Anker ist schnell oben .. ich bin stark beeindruckt,
    weiß ich doch, was das für Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes ist!

    Es wird noch ein weiteres Manöver gefahren, der Anker fällt wieder und Anna
    besteht für mich ihre Gesellenprüfung in Seemannschaft. Jesus spring rein
    und kommt alsbald wieder hoch. Es folgt noch etwas hiervon und davon, dann
    hievt Anna wieder den Anker. Ich verleihe ihr sinnbildlich das Eiserne Kreuz
    Zweiter Klasse.
    Bis jetzt hatte ich aus taktischen Gründen vermieden, dem Jesus in die Augen
    zu schauen, nun ist es für mich so weit. Er zuckt mit den Schultern, neigt
    seinen lieben Kopf etwas zur Seite ..und kreuzt die Handgelenke. Das war`s!

    Anna ist zwar schon einige Wochen auf der TB, hat aber scheinbar nur
    Ringelpietz-Ausfahrten mitgemacht. Sie hatt eine kurze Hose an und ein
    T-Shirt, mehr nicht.
    Jesus steuert Richtung Heimat, genau gegen die Welle. Ich versuche ihm in
    Zeichensprache deutlich zu machen, daß er zum einen die Welle eher
    anschneiden sollte und zum anderen, daß er doch kreuzen möge, Holebug
    Richtung Küste und dann Streckbug Richtung Heimat um etwas in den Genuß der
    Landabdeckung zu kommen. Der VK-Verbrauch ist trotz längerem Weg in der
    Summe sicher im Ansatz der gleich, zudem wären wir zeitlich eher zu Hause.
    Natürlich habe ich mir vorgenommen, nicht zu Klugscheißen .. aber .. wer
    kann schon über seinen Schatten springen, ...wenn`s unter den Nägeln
    _dauerhaft_ brennt.
    Kurzzeitig macht er das sogar .. aber ihm brennt scheinbar auch etwas unter
    den Nägeln, was .. weiß ich nicht, nach einigen Minuten geht er langsam
    wieder auf Direktkurs.

    Anna ist nun durchgeweicht und die Pfeife sitzt einfach daneben. Nimmt sie
    noch nichteinmal in den Arm. Jesus nimmt die Fahrt aus dem Siebenfünfziger
    und möhlt in seiner Backskiste; holt so`ne flattrige, dünne Regenhaube raus
    und legt sie Anna um. Die anderen stehen in ihren fetten Neos rum um freuen
    sich über die putzige Seefahrt .. so auch ich.
    Da ich grundsätzlich noch die 7mm - HT-Weste zum Anzug tauche, entledige ich
    mich ihrer und reiche sie Anna. Möche ich doch, daß die vor Kälte zitternde
    Anna aufhört mit ihren Brüsten hochfrequent zu wippen. Macht mich doch schon
    etwas unruhig die Geschichte.
    Die Rückfahrt dauert gut 80 Minuten. Ausgelaufen sind wir 17.15 Uhr; jetzt
    ist es nach 21 Uhr, der Tag ist ohne Tauchen vergangen, und die Sonne
    streckt (mir) am Horizont noch den Mittelfinger entgegen, bevor sie wie bei
    den Teletabbys mit einem Ruck verschwindet.
    Einige labern noch was von einem Nacht-TG an der dicht vor der Küste
    liegenden "Naranjito", dieses wird von Jesus Gott sei Dank nicht Ernst
    genommen.

    Der Mann ist enttäuscht, sichtlich. Bei mir hält sich dieses jedoch in
    Grenzen, denn das was ich verloren habe ist lediglich ein nicht
    stattgefundener Wracktauchgang. Bei Jesus sieht das konkret schon bißchen
    anders aus....


    Fortsetzung folgt


    (c) Rene Heese, 2005

    rechtlicher Hinweis:
    (nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
    übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
    Bericht soll
    lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
    Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
    grundsätzlich
    gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!
  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #2
    So, dabei...

    So, dabei (Teil 1 - 3) belasse ich es (erstmal), bin eben nicht sicher, ob es den einen oder anderen interessiert.
    Die anderen Teile poste ich gerne, in sofern Interesse (zum weiterlesen) besteht.

    Selbstverständlich werde ich das ein oder andere Foto dann noch posten.

    Schönen Sonntag .. ich muß jetzt mit Muddi fernsehen.

    Lg. , Rene
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!

    Kommentar

    • Deistergeist
      Moderator

      • 24.11.2002
      • 19679
      • Barsinghausen am Deister

      #3
      Ich lese ALLES! Interessant ist es, auch wenn ich kein Taucher bin.

      Glückauf! Höchstenswathosengeist
      "The Man Who Saved the World" -S. J. Petrow-

      Kommentar

      • HarryG († 2009)
        Moderator

        Heerführer

        • 10.12.2000
        • 2566
        • Bad Sachsa, Niedersachsen (Südharz)
        • Meine Augen

        #4
        Schöner Bericht.
        Schreib ruhig mehr davon.
        Es lesen mehr mit als Du glaubst.

        Harry
        Glück Auf!
        Harry

        Nur die Harten kommen in den Garten!
        Und ich bin der Gärtner

        Harry hat uns am 4.2.2009
        nach schwerer Krankheit für immer verlassen.
        In stillem Gedenken,
        das SDE-Team

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