Teil 3
Aus dem Inhalt:
* chronologischer Reiseablauf mit:
- Routen, Stationen, Aufenthalten
- Preisen
- Tauchgängen
- namentliche Wracks; TG-Ansprüche
- Ausrüstungsmanagement
- Tauchplätzen; Genehmigungen
- Zeltplatzbeschreibung
- Tauchbasenbeschreibung
- Land und Leute
- ???
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Es ist ausschlafen angesagt, heute am
Mittwoch, 10.08.2005
soll es gegen 17 Uhr zum Frachter Tordisa - "Carbonero" gehen, dieser liegt
auf 47m, ist etwas kleiner als die "Stanfield" und hat schätzungsweise
3500-3800 BRT und mißt an die 100 Meter. Ich war noch nicht bei diesem
Frachter, und so ist es ein Hochgenuß für mich, ein weiteres Wrack in meine
persönliche Sammelliste aufnehmen zu können.
Der Dampfer liegt nun wirklich recht weit draußen. Das Siebenfünfziger
braucht 45 min.! Wind und starker Seegang, die Wellen brechen sich, machen
dem Boot und der überschaubaren Truppe zu schaffen. Wir fahren jedoch mit
der Welle. was wird wohl erst die Rückfahrt bringen.. (?)
Jesus ist wieder gesund und nimmt aktiv an den "Veranstaltungen" teil. Der
Mann spricht nicht viel, grinst aber grundsätzlich zurück wenn man in
anschaut. Seine Haare können vom Wind nicht nennenswert durcheinander
gebracht werden, er hat nicht mehr all zu viele davon. Diese, welche sich
noch an Ort und Stelle befinden, sind recht kurz gehalten. Zudem trägt er
einen gräulichen Kinnbart. Er ist nicht sonderlich groß, seine ganze
Erscheinungt läßt ihn friedlich, gar gemütlich aussehen. Selbstverständlich
ist er braungebrannt. Die Kombination: sein neues gelbes Basecap in
Verbindung mit einer modischen zu ihm passenden Sonnenbrille und seinem halb
heruntergestreiften Naßanzug macht sicher auch 25-jährige, junge
Tauchanfängerinnen schwach. Ich mag ihn einfach; nicht nur, weil er uns
einfach "machen" läßt...
Der Frachter geht auf die Zeit des 1. Weltkrieges zurück. Ein deutscher
UBoot-Torpedo hat die achteren LR`s förmlich weggesprengt.
Das GPS bimmelt, die Position ist nunmehr erreicht. Doch was ist das? Der
Fishfinder fällt urplötzlich aus .. eine Katastrophe höchsten Ausmaßes soll
sich für heute abzeichnen.
Einer der Erfahrenen (dort Ansässigen und des öfteren Mittauchenden)
schultert sein 15er-Gerät und springt über die rechte Schulter beherzt in`s
Wasser und verschwindet sogleich. Ein zweiter folgt. Der Anker fällt. Anna,
eine der Guide`s, läßt die Kette und später dann die Leine des Ankers
gekonnt nachgreifend über den Bug laufen und gibt nach Grundkontakt noch
entsprechend Leine. Der 200er AB tuckert im Leerlauf. Die Zeit verrinnt.
Erst einer, dann etwas später taucht der andere auf. Sie haben versucht, den
Anker samt Kettenvorfach, samt Leine, samt Siebenfünfziger, samt voll
ausgerüsteter Taucher zum Wrack zu ziehen; gegen die Strömung, gegen die
anlaufenden Wellen und gegen den Windwiderstand.
Ich erfahre, daß das Wrack zwar in der Nähe ist, man also ohne weiteres von
Ankerleine zum Wrack gelangen könnte, sicher aber auf dem Rückweg wohl eher
nicht die im deutlichen Abstand neben dem Wrack geparte Anker- /
Aufstiegsleine finden würde.
Mal abgesehen davon, daß ich diese Aktivität dieser beiden Taucher im
Vorfeld sicher schon nicht in`s Kalkül gezogen hätte, könnte man unter
diesen Umständen jedoch weitere Maßnahmen einleiten, wie:
zweites/zusätzliches Seil von Anker zum Wrack verlegen .. wenn man schon
unten ist ..und natürlich ein solches dabei hat!
Ich halte mich mit meiner Meinung zurück, das Kind ist (für mich) eh in den
Brunnen gefallen. Zumindes sollten bei erfolgreichem (zweiten) Andocken
konkret diese beiden Taucher nicht erneut reinspringen und nun Spaß am Wrack
haben. Somit sind 33% der Taucher schon mal weg vom Fenster.
Der Anker wird gehievt; das macht selbstverständlich die burschikose Anna.
Ihr Freund (namentlich von mir getauft als "die Pfeife") sitz mit seinem
halblangem gelocktem schwarzem Haar, eine Frisur aus dem 17. Jahrhunder und
mit grinsendem, leicht aufgeschwemmten Gesicht entspannt daneben und schaut
eben grinsend zu. Der Anker ist schnell oben .. ich bin stark beeindruckt,
weiß ich doch, was das für Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes ist!
Es wird noch ein weiteres Manöver gefahren, der Anker fällt wieder und Anna
besteht für mich ihre Gesellenprüfung in Seemannschaft. Jesus spring rein
und kommt alsbald wieder hoch. Es folgt noch etwas hiervon und davon, dann
hievt Anna wieder den Anker. Ich verleihe ihr sinnbildlich das Eiserne Kreuz
Zweiter Klasse.
Bis jetzt hatte ich aus taktischen Gründen vermieden, dem Jesus in die Augen
zu schauen, nun ist es für mich so weit. Er zuckt mit den Schultern, neigt
seinen lieben Kopf etwas zur Seite ..und kreuzt die Handgelenke. Das war`s!
Anna ist zwar schon einige Wochen auf der TB, hat aber scheinbar nur
Ringelpietz-Ausfahrten mitgemacht. Sie hatt eine kurze Hose an und ein
T-Shirt, mehr nicht.
Jesus steuert Richtung Heimat, genau gegen die Welle. Ich versuche ihm in
Zeichensprache deutlich zu machen, daß er zum einen die Welle eher
anschneiden sollte und zum anderen, daß er doch kreuzen möge, Holebug
Richtung Küste und dann Streckbug Richtung Heimat um etwas in den Genuß der
Landabdeckung zu kommen. Der VK-Verbrauch ist trotz längerem Weg in der
Summe sicher im Ansatz der gleich, zudem wären wir zeitlich eher zu Hause.
Natürlich habe ich mir vorgenommen, nicht zu Klugscheißen .. aber .. wer
kann schon über seinen Schatten springen, ...wenn`s unter den Nägeln
_dauerhaft_ brennt.
Kurzzeitig macht er das sogar .. aber ihm brennt scheinbar auch etwas unter
den Nägeln, was .. weiß ich nicht, nach einigen Minuten geht er langsam
wieder auf Direktkurs.
Anna ist nun durchgeweicht und die Pfeife sitzt einfach daneben. Nimmt sie
noch nichteinmal in den Arm. Jesus nimmt die Fahrt aus dem Siebenfünfziger
und möhlt in seiner Backskiste; holt so`ne flattrige, dünne Regenhaube raus
und legt sie Anna um. Die anderen stehen in ihren fetten Neos rum um freuen
sich über die putzige Seefahrt .. so auch ich.
Da ich grundsätzlich noch die 7mm - HT-Weste zum Anzug tauche, entledige ich
mich ihrer und reiche sie Anna. Möche ich doch, daß die vor Kälte zitternde
Anna aufhört mit ihren Brüsten hochfrequent zu wippen. Macht mich doch schon
etwas unruhig die Geschichte.
Die Rückfahrt dauert gut 80 Minuten. Ausgelaufen sind wir 17.15 Uhr; jetzt
ist es nach 21 Uhr, der Tag ist ohne Tauchen vergangen, und die Sonne
streckt (mir) am Horizont noch den Mittelfinger entgegen, bevor sie wie bei
den Teletabbys mit einem Ruck verschwindet.
Einige labern noch was von einem Nacht-TG an der dicht vor der Küste
liegenden "Naranjito", dieses wird von Jesus Gott sei Dank nicht Ernst
genommen.
Der Mann ist enttäuscht, sichtlich. Bei mir hält sich dieses jedoch in
Grenzen, denn das was ich verloren habe ist lediglich ein nicht
stattgefundener Wracktauchgang. Bei Jesus sieht das konkret schon bißchen
anders aus....
Fortsetzung folgt
(c) Rene Heese, 2005
rechtlicher Hinweis:
(nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
Bericht soll
lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
grundsätzlich
gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)




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