Reisebericht Cabo de Palos (4)

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge
  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #1

    Reisebericht Cabo de Palos (4)

    Reisebericht / -Erzählung

    Teil 4



    ----------------------------------------------------

    1*)
    Das Mittelmeer um Cabo de Palos ist an diesem Morgen still; kein Windhauch,
    keine Welle .. einfach spiegel glatt.
    Die Sonne ist noch nicht aufgegangen aber es dämmert bereits.
    Die Sicht ist durch den morgenlichen Dunst nur etwas eingeschränkt. Es ist
    absolut still draußen .. an der Wasseroberfläche .. totenstill!

    Nicht aber Unterwasser .. die Fische beginnen leicht unruhig zu werden. Aus
    der Ferne ist ein anfangs leichtes, dann immer lauter werdendes Grummeln zu
    hören. Die ersten Fische fangen an, diesem drönendem Grummeln entfliehen zu
    wollen; anfangs vereinzelt, nun aber spritzen die hier sehr zahlreich
    anzutreffenden fliegenden Fische im flachen Winkel förmlich aus dem Wasser
    und suchen ihr Heil in der Flucht durch Gleitflug.

    Das Grummeln ist nun in einen ohrenbetäubenden Lärm Unterwasser ausgeartet.
    Dieses nun wenn auch nicht so intensiv, aber doch auch jetzt an der
    Wasseroberfläche stetig zunehmende Grummeln wird schier übertönt durch das 4
    Sekunden anhaltende...

    "....ddschschschschschschschschsch..ä..."

    ...der mit nahezu Höchstfahrt laufenden italienischen "Sirio"!
    Der Wachoffizier auf der Brücke hat die unterhalb der Decke über unzählige
    Umlenkrollen laufende feingliedrige Kette gezogen und damit Dampf in das
    Tyfon des 4500 BRT großen und schnee-weißen nahezu vollbesetzten
    Passagierschiffs gegeben: das "Achtung" - Signal.
    Messerscharf zerschneidet regelrecht der senkrecht verlaufende Bug des
    großen Dampfers die friedlich schlafende blaue See, die sich nach 120m
    Schiffslänge wieder schließt, ...noch etwas vom Schraubenwasser durchgeschüt
    telt wird, verdutzt ein verschlafenes Auge fragend öffnet: "...was war das
    nur.." und sich nun wieder schlafen legt.
    So richtig aufgewacht ist sie nicht .. die große weite See... !

    Der Wachoffizier steht auf der Steuerbord-Nock mit dem Fernglas vor den
    Augen: "Islas Hormigas! ...Rudergänger!! , ...gebe sie noch ein Achtung!"

    "....ddschschschschschschschschsch..ä..hh..."

    ..hallt es durch die Stille..
    ...weißer Wasserdampf tritt wieder am vorderen der zwei nach achtern
    geneigten hoch-schlanken Schornsteine aus und erzeugt zum zweiten mal dieses
    markerschütternde, gänsehaut-verursachende, dumpfe Dampfersignal.
    Die Sicht ist nicht die beste, und im Jahre 1906 laufen die Dampfer recht
    dicht unter der Küste. Zudem der aus dem Wasser ragende Felsen la Hormiga ..
    weithin sichtbar, dennoch schränkt er eventuell stattfindende
    Ausweichmanöver bei gegenlaufenden Dampfern nennenswert ein.

    "Rudergänger!! Kursänderung auf SüdSüdWest .. ZwoEinsNull Grad"

    "Jawohl .. Kursänderung auf Süd(...) (...) ... ..."

    Noch bevor er den Befehl vllständig wiederholen kann erzittert erst das
    Schiff, dann augenblicklich später ein ohrenbetäubendes Bersten und
    regelrechtes SCHREIEN von brutal zerissenem Metall...
    Der Wachoffizier, der immernoch mit beiden Händen das Fernglas ergriffen
    hält wird durch die abrupte Verzögerung augenblicklich über die
    holzverkleidetet Brückennock nach vorn geschleudert, stürzt über sie hinweg,
    schlägt mit dem Kopf auf das weit darunter liegende Schanzkleid des
    Hautdecks und fält tot in die schlafende See.
    Der Rudergänger wird gegen das große Steuerrad geschleudern und nimmt es
    beim Fall in Drehbewegung, bleibt bewußtlos mit blutender Stirn auf den
    Holzplanken des Brückenhauses liegen.

    Viereinhalbtausend Bruttoregistertonnen sind selbst von einem UW-Felsen
    nicht plötzlich zu stoppen. Das Vorschiff schiebt sich auf das bis genau 3,8
    Meter unterhalb Wasseroberfläche ragende Riffdach! Die Fahrt geht weiter ..
    unterstützt von der noch auf Voraus laufenden Schraube.
    Nach nahezu 40-50 Metern kommt der Einschrauben-Dampfer erst fest. Noch
    läuft die Schraube.
    Der Kiel ist in diesem Bereich regelrecht zerfetzt. Sofort nimmt das Schiff
    Tonnen von Wasser. Die unteren Decks sind in windeseile überflutet. Wer
    nicht erschlagen wurde, ertrinkt jämmerlich! Die aus dem Schlaf gerissenen
    Menschen laufen in Panik ziellos durcheinander .. jeder ist sich selbst der
    Nächste..

    Der Kapitän eilt an das Sprachrohr und befielt den Heizern und dem
    Maschinenpersonal Dampf abzulassen und schleunigst die Feuer aus den Kesseln
    zu reißen... er und viele andere können nicht ahnen, daß der Dampfer
    festsitz und sogleich _nicht_ sinken wird. Rechnung tragend der Tatsache,
    daß sich die Kessel- und Maschinenanlagen im hinteren Bereich der
    vorderen(!) Schiffshälfte befinden und diese auf dem UW-Felsen aufsitzt,
    wird dieser Bereich nur "begrenzt" vollaufen. Ein Explosion der Kessel ist
    damit zwar nicht auszuschließen, jedoch (erstmal) einzuschränken! ...Aber
    das weiß zu dieser Stunde (sogar) _niemand_ !

    Die "Sirio" ist auf das vorgelagerte UW-Riff der Islas Hormigas "Bajo de
    Fuera" aufgelaufen.
    Sie ist damit das letzte von vier Schiffen, die hier ihr jähes Ende finden!

    Die, die zu Retten sind und das, was gerettet werden kann, wird im laufe des
    04.August 1906 gerettet und geborgen.
    400 bis 600 Passagiere und Mannschaften verlieren ihr Leben.

    (...)
    Das Vorschiff ist bis zur Mitte konvex gebogen , der hintere Teil , ca. 50
    Meter, ist konkav. Und genau hier liegt das sich nun anbahnende
    Hauptproblem; einer der Schwachpunkte dieser Schiffs-Konstruktion ist
    außerhalb der Grenzen belastet; der Bereich hinter der Maschinen- /
    Kesselanlage - unmittelbar hinter, der den Schiffskörper in seiner Struktur
    verstärkenden Mitschiffsaufbauten .. genau hier springen die Niete auf! Die
    so miteinander dauerhaft verbundenen überlappenden Schiffsplatten zeigen
    Schlitze / Risse auf; Wasser dringt in das Achterschiff ein .. es läuft voll
    .. und sinkt tiefer.

    Der "Gabel-effekt" tritt ein: Die eben in die eine Richtung zu stark beim
    Kartoffelquetschen gedrückte und kaltverformte Gabel wird jetzt nicht nur
    gewaltsam wieder kaltverformt in Ausganslage verbracht, sondern wie das
    Vorschiff konvex überstreckt; ...die Gabel wird an ihrem schwächsten Punkt
    reißen und augenblicklich brechen .. so jetzt auch das vollaufende
    Achterschiff, daß nahezu 50% der gesamten Schiffslänge ausmacht.

    Wieder erfolgt ein Aufschrei von berstendem Metall! Das Achterschiff
    versinkt nun augenblicklich in den offenen Schlund des `heute` (an diesem
    Tage) so friedlichen Mittelmeeres!
    Das Achterschiff rutscht an dem Hang des Riffs bis auf gut 50m des dann nur
    noch weitläufig seicht abfallenden Sandgrundes in 30° Nord.

    Vorschiff- und Mittelschiffsektion "haben sich nunmehr vom Ballast des
    Achterschiffes getrennt". Der auf dem Riffdach verbleibende Teil des Schiffe
    balanciert sich nun tendenziell waagerecht aus. Das Vorschiff läuft weiter
    voll .. und ..hält nach einiger Zeit auch dieser Belastung nicht mehr Stand
    .. es bricht kreischend ab, versinkt augenblicklich im Meer, ca. 190° Süd!

    Zum Zeitpunkt des Festkommens des Dampfers sind die dreimastige Takelage und
    die beiden Schornsteine noch an ihrem Platz .. recht ungewöhnlich .. es ist
    aber so (durch altes Foto belegt!).
    Auch das ist nun zu Ende, krachend kommt laufendes und stahendes Gut "von
    oben"! Ein "Seegen", der schon aus der Segelschiffahrt bekannt ist...

    Wann auch immer .. jedenfalls haut der nächste oder übernächste Ost-Sturm
    die Mitschiffssektion vom Felsen, diese kommt in 270° bis 240° West zur
    Ruhe, ebenfalls bis gut 50 Meter Tiefe.
    2*)


    1*) bis 2*)
    Anmerkung:
    ABSOLUT FREI nachempfundene Schilderung von mir, wie sich dieser Seeunfall
    abgespielt haben KÖNNTE!

    Grundlage dieser freien, subjektiven Interpretation:
    1. Tauchgänge zu den Wracksektionen -> Lage / Positionierung
    2. ein einziges Foto


    (...)
    Ein Laune der Natur!
    Da denkt der Kapitän, er macht doch lieber einen großen Bogen um den letzten
    aus dem Meer ragenden Felsen am Capo de Palos, und da faßt ihn doch so`n
    vorgelagerter UW-Felsen, der bis auf 3,8 Meter an die Oberfläche heranragt
    an den Arsch; ...zu tief, daß sich bei leichter Dünung die Wellen brechen um
    ihn optisch mit geschultem Auge wahrnehmen zu können;
    ...zu flach, daß ein Schiff (in der eigentlichen Definition des Begriffes)
    mit `ner handbreit Wasser unter`m Kiel d´rüberrutschen kann...


    Fortsetzung folgt


    (c) Rene Heese, 2005

    rechtlicher Hinweis:
    (nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
    übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
    Bericht soll
    lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
    Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
    grundsätzlich
    gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!
Lädt...