Teil 4
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1*)
Das Mittelmeer um Cabo de Palos ist an diesem Morgen still; kein Windhauch,
keine Welle .. einfach spiegel glatt.
Die Sonne ist noch nicht aufgegangen aber es dämmert bereits.
Die Sicht ist durch den morgenlichen Dunst nur etwas eingeschränkt. Es ist
absolut still draußen .. an der Wasseroberfläche .. totenstill!
Nicht aber Unterwasser .. die Fische beginnen leicht unruhig zu werden. Aus
der Ferne ist ein anfangs leichtes, dann immer lauter werdendes Grummeln zu
hören. Die ersten Fische fangen an, diesem drönendem Grummeln entfliehen zu
wollen; anfangs vereinzelt, nun aber spritzen die hier sehr zahlreich
anzutreffenden fliegenden Fische im flachen Winkel förmlich aus dem Wasser
und suchen ihr Heil in der Flucht durch Gleitflug.
Das Grummeln ist nun in einen ohrenbetäubenden Lärm Unterwasser ausgeartet.
Dieses nun wenn auch nicht so intensiv, aber doch auch jetzt an der
Wasseroberfläche stetig zunehmende Grummeln wird schier übertönt durch das 4
Sekunden anhaltende...
"....ddschschschschschschschschsch..ä..."
...der mit nahezu Höchstfahrt laufenden italienischen "Sirio"!
Der Wachoffizier auf der Brücke hat die unterhalb der Decke über unzählige
Umlenkrollen laufende feingliedrige Kette gezogen und damit Dampf in das
Tyfon des 4500 BRT großen und schnee-weißen nahezu vollbesetzten
Passagierschiffs gegeben: das "Achtung" - Signal.
Messerscharf zerschneidet regelrecht der senkrecht verlaufende Bug des
großen Dampfers die friedlich schlafende blaue See, die sich nach 120m
Schiffslänge wieder schließt, ...noch etwas vom Schraubenwasser durchgeschüt
telt wird, verdutzt ein verschlafenes Auge fragend öffnet: "...was war das
nur.." und sich nun wieder schlafen legt.
So richtig aufgewacht ist sie nicht .. die große weite See... !
Der Wachoffizier steht auf der Steuerbord-Nock mit dem Fernglas vor den
Augen: "Islas Hormigas! ...Rudergänger!! , ...gebe sie noch ein Achtung!"
"....ddschschschschschschschschsch..ä..hh..."
..hallt es durch die Stille..
...weißer Wasserdampf tritt wieder am vorderen der zwei nach achtern
geneigten hoch-schlanken Schornsteine aus und erzeugt zum zweiten mal dieses
markerschütternde, gänsehaut-verursachende, dumpfe Dampfersignal.
Die Sicht ist nicht die beste, und im Jahre 1906 laufen die Dampfer recht
dicht unter der Küste. Zudem der aus dem Wasser ragende Felsen la Hormiga ..
weithin sichtbar, dennoch schränkt er eventuell stattfindende
Ausweichmanöver bei gegenlaufenden Dampfern nennenswert ein.
"Rudergänger!! Kursänderung auf SüdSüdWest .. ZwoEinsNull Grad"
"Jawohl .. Kursänderung auf Süd(...) (...) ... ..."
Noch bevor er den Befehl vllständig wiederholen kann erzittert erst das
Schiff, dann augenblicklich später ein ohrenbetäubendes Bersten und
regelrechtes SCHREIEN von brutal zerissenem Metall...
Der Wachoffizier, der immernoch mit beiden Händen das Fernglas ergriffen
hält wird durch die abrupte Verzögerung augenblicklich über die
holzverkleidetet Brückennock nach vorn geschleudert, stürzt über sie hinweg,
schlägt mit dem Kopf auf das weit darunter liegende Schanzkleid des
Hautdecks und fält tot in die schlafende See.
Der Rudergänger wird gegen das große Steuerrad geschleudern und nimmt es
beim Fall in Drehbewegung, bleibt bewußtlos mit blutender Stirn auf den
Holzplanken des Brückenhauses liegen.
Viereinhalbtausend Bruttoregistertonnen sind selbst von einem UW-Felsen
nicht plötzlich zu stoppen. Das Vorschiff schiebt sich auf das bis genau 3,8
Meter unterhalb Wasseroberfläche ragende Riffdach! Die Fahrt geht weiter ..
unterstützt von der noch auf Voraus laufenden Schraube.
Nach nahezu 40-50 Metern kommt der Einschrauben-Dampfer erst fest. Noch
läuft die Schraube.
Der Kiel ist in diesem Bereich regelrecht zerfetzt. Sofort nimmt das Schiff
Tonnen von Wasser. Die unteren Decks sind in windeseile überflutet. Wer
nicht erschlagen wurde, ertrinkt jämmerlich! Die aus dem Schlaf gerissenen
Menschen laufen in Panik ziellos durcheinander .. jeder ist sich selbst der
Nächste..
Der Kapitän eilt an das Sprachrohr und befielt den Heizern und dem
Maschinenpersonal Dampf abzulassen und schleunigst die Feuer aus den Kesseln
zu reißen... er und viele andere können nicht ahnen, daß der Dampfer
festsitz und sogleich _nicht_ sinken wird. Rechnung tragend der Tatsache,
daß sich die Kessel- und Maschinenanlagen im hinteren Bereich der
vorderen(!) Schiffshälfte befinden und diese auf dem UW-Felsen aufsitzt,
wird dieser Bereich nur "begrenzt" vollaufen. Ein Explosion der Kessel ist
damit zwar nicht auszuschließen, jedoch (erstmal) einzuschränken! ...Aber
das weiß zu dieser Stunde (sogar) _niemand_ !
Die "Sirio" ist auf das vorgelagerte UW-Riff der Islas Hormigas "Bajo de
Fuera" aufgelaufen.
Sie ist damit das letzte von vier Schiffen, die hier ihr jähes Ende finden!
Die, die zu Retten sind und das, was gerettet werden kann, wird im laufe des
04.August 1906 gerettet und geborgen.
400 bis 600 Passagiere und Mannschaften verlieren ihr Leben.
(...)
Das Vorschiff ist bis zur Mitte konvex gebogen , der hintere Teil , ca. 50
Meter, ist konkav. Und genau hier liegt das sich nun anbahnende
Hauptproblem; einer der Schwachpunkte dieser Schiffs-Konstruktion ist
außerhalb der Grenzen belastet; der Bereich hinter der Maschinen- /
Kesselanlage - unmittelbar hinter, der den Schiffskörper in seiner Struktur
verstärkenden Mitschiffsaufbauten .. genau hier springen die Niete auf! Die
so miteinander dauerhaft verbundenen überlappenden Schiffsplatten zeigen
Schlitze / Risse auf; Wasser dringt in das Achterschiff ein .. es läuft voll
.. und sinkt tiefer.
Der "Gabel-effekt" tritt ein: Die eben in die eine Richtung zu stark beim
Kartoffelquetschen gedrückte und kaltverformte Gabel wird jetzt nicht nur
gewaltsam wieder kaltverformt in Ausganslage verbracht, sondern wie das
Vorschiff konvex überstreckt; ...die Gabel wird an ihrem schwächsten Punkt
reißen und augenblicklich brechen .. so jetzt auch das vollaufende
Achterschiff, daß nahezu 50% der gesamten Schiffslänge ausmacht.
Wieder erfolgt ein Aufschrei von berstendem Metall! Das Achterschiff
versinkt nun augenblicklich in den offenen Schlund des `heute` (an diesem
Tage) so friedlichen Mittelmeeres!
Das Achterschiff rutscht an dem Hang des Riffs bis auf gut 50m des dann nur
noch weitläufig seicht abfallenden Sandgrundes in 30° Nord.
Vorschiff- und Mittelschiffsektion "haben sich nunmehr vom Ballast des
Achterschiffes getrennt". Der auf dem Riffdach verbleibende Teil des Schiffe
balanciert sich nun tendenziell waagerecht aus. Das Vorschiff läuft weiter
voll .. und ..hält nach einiger Zeit auch dieser Belastung nicht mehr Stand
.. es bricht kreischend ab, versinkt augenblicklich im Meer, ca. 190° Süd!
Zum Zeitpunkt des Festkommens des Dampfers sind die dreimastige Takelage und
die beiden Schornsteine noch an ihrem Platz .. recht ungewöhnlich .. es ist
aber so (durch altes Foto belegt!).
Auch das ist nun zu Ende, krachend kommt laufendes und stahendes Gut "von
oben"! Ein "Seegen", der schon aus der Segelschiffahrt bekannt ist...
Wann auch immer .. jedenfalls haut der nächste oder übernächste Ost-Sturm
die Mitschiffssektion vom Felsen, diese kommt in 270° bis 240° West zur
Ruhe, ebenfalls bis gut 50 Meter Tiefe.
2*)
1*) bis 2*)
Anmerkung:
ABSOLUT FREI nachempfundene Schilderung von mir, wie sich dieser Seeunfall
abgespielt haben KÖNNTE!
Grundlage dieser freien, subjektiven Interpretation:
1. Tauchgänge zu den Wracksektionen -> Lage / Positionierung
2. ein einziges Foto
(...)
Ein Laune der Natur!
Da denkt der Kapitän, er macht doch lieber einen großen Bogen um den letzten
aus dem Meer ragenden Felsen am Capo de Palos, und da faßt ihn doch so`n
vorgelagerter UW-Felsen, der bis auf 3,8 Meter an die Oberfläche heranragt
an den Arsch; ...zu tief, daß sich bei leichter Dünung die Wellen brechen um
ihn optisch mit geschultem Auge wahrnehmen zu können;
...zu flach, daß ein Schiff (in der eigentlichen Definition des Begriffes)
mit `ner handbreit Wasser unter`m Kiel d´rüberrutschen kann...
Fortsetzung folgt
(c) Rene Heese, 2005
rechtlicher Hinweis:
(nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
Bericht soll
lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
grundsätzlich
gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)
