Reisebericht Cabo de Palos (5.1)

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  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #1

    Reisebericht Cabo de Palos (5.1)

    Reisebericht / -Erzählung

    Teil 5

    ----------------------------------------------------

    Mein Traum .. für diesen Sommer.. geht nun am heutigen Tage in Erfüllung: Es
    geht zur italienischen "Sirio"!
    Ich weiß auch nicht was ich an diesem Dampfer gefressen habe .. ist es
    allein die Tatsache, daß es sich um einen Passagierdampfer handelt und ich
    noch nicht sooo viele davon betaucht habe?
    Auch .. ja.. auch; ..ich denke jedoch, es liegt daran, daß die Gegebenheiten
    dieses Wrack für mich so interessant machen, daß ich im Frühjahr kurzer Hand
    "Irland - Rathlin Island" in die Tonne gehauen habe, mich über die
    Voraussetzungen für den Erhalt einer Tauchgenehmigung am "Bajo de Fuera"
    erkundigte und `n Haufen Kohle dafür abgedrückt habe, ....dieses dann auch
    in entsprechender "Anzahl von TG`s am Riff" umgewandelt werde:

    Vier(!) ..genau vier(!) Tauchgänge werden (pro Person) meiner Freundin und
    mir gewährt! Ich bin wegen genau vier Tauchgängen 2mal 2100 km mit dem Auto
    gefahren!
    Etwas entsetzt schaue ich Manoli nun schon doch an: "Vier TG`s an der
    Sirio?"
    "Ja, eigentlich sind es nur 3 TG`s, ich habe aber einer anderen TB noch 2
    Plätze streitig machen können. Nunmehr sind es 4 TG`s." dabei lächelt sie.

    Wir haben letztendlich mehr als Glück, Manoli hat Tod und Teufel in Bewegung
    versetzt; die Anzahl der genehmigten Taucher in diesem Gebiet ist dermaßen
    begrenzt, daß bei 6 ansässigen Tauchbasen und der Fülle von Tauchern in der
    Hochsaison rechnerisch in 14 Tagen gerade mal 2 TG`s an diesem herrlichen
    Riff möglich sind; bei rechtzeitiger Antragstellung; Gebühren;
    Hier-noch-und-da-noch ein Steinchen.
    Heute ist nun dieser besondere Tag, es ist


    Donnerstag, der 11.08.2005


    und es geht 17 Uhr zur "Sirio".
    Wir lungern wie sonst auch bei später angesetzten TG`s bereits früh morgens
    schon mal an der TB rum. Man weiß ja nie!
    Was mache ich nur bis dahin? Ich werde nocheinmal zu den spanischen
    Bootsmardern fahren und mir die schönen GFK-Festrumpfschlauchboote mit
    entsprechender Motorisierung über Mittag ansehen und kalkulieren lassen.
    Für mich (und meine Freundin) steht immer mehr fest, daß wir uns auf der
    nächsten Messe in Düsseldorf ein 5,70er mit 90 AB-Ps kaufen werden; mit
    Straßentrailer, geeignetem Rollen- und elektrischem Windensystem zum
    Slippen; Fishfinder und GPS, sowie elektrischer Ankerwinde. Letztendlich ist
    es genug des ewige Wartens, ...das ewige Hetzen; das ewige Betteln um
    Ausfahrten zu wracken Schiffen; die Vorschrift: `aber nicht Gesamt-Tauchzeit
    von 45 min. überschreiten! `. Gut hier in Cabe de Palos ist das nicht so.
    Jedoch ist Cabo de Palos vom äußersten Süden Deutschlands auch nur 2100 km
    entfernt...

    (...)
    Der Dampfer "Sirio" liegt jetzt fast auf den Tag genau 99 Jahre da unten;
    wenige Taucher sind bis jetzt an diesem Riff gewesen, nur wenige von diesen
    wenigen am Riff gewesenen Tauchern interessieren sich wirklich(!) und
    richtig leidenschaftlich(!) für Wracks und von wiederum diesen wenigen
    Tauchern werden sich nur die wenigsten mit dem Lokalisieren von Artefakten
    auskennen.
    Und letztendlich DER eine Taucher, der sich jetzt in den letzten Jahren
    damit mal befaßt hat, hat sicher nicht den ganzen Kahn ausgeräumt!
    Ergo; es ist reichlich da unten .. wirklich reichlich!!

    Jesus malt mir die Location vom Felsen auf. Den Abend zuvor brachte er mir
    noch ein dünnes Heftchen in spanisch mit, wie ich es in der Machart aus
    Frankreich kenne, ...eine Spezialausgabe, in der einiges über das Bajo de
    Fuera zu finden ist. So auch eine Skizze mit der (scheinbaren) Lage der vier
    Wracks. Jesus fragt mich, was ich möchte:

    1) Achterschiff "Sirio"
    2) die Nort America aus 1883
    3) die Bugsektion der "Sirio"
    4) die Minerva aus 1899
    5) das unbekannte Wrack
    6) die Wrackreste eines unbekannten (weiteren)
    Wrack .. ggf. ist es die Mittelsektion der "Sirio",
    dort sei scheinbar noch gar niemand gewesen...

    7) einen herrlich Naturtauchgang

    "Man Jesus . du bietest mir in der Summe 4 (in Worten: Vier 00/100 )
    Tauchgänge an diesem Riff und offerierst mir hier und jetzt alleine 6
    Möglichkeiten dort zu tauchen? Warum hat man dich eigentlich noch nicht
    geteert und gefedert .. soll _ich_ das denn jetzt mal tuen?"
    "Ich lasse dir 7 (in Worten: sieben 00/100 ) Möglichkeiten.." sagt er
    grinsend.

    Das Feuerzeug schnippst .. das Papier und der Tabak verfärben sich bei
    diesen Temperaturen zu schwarzer Asche. Das Produckt dieses Umstandes, den
    Zigarettenqualm, inhaliere ich zu meinem Vergnügen... denn
    Unentschlossenheit quält mich: `Was in Gottes Namen ist jetzt angebracht
    geschweigendenn richtig? Was nur machen? `
    An der Wand klebt ein riesiges Zeichen, dessen Sprache sogar ich deutlich
    verstehe: Rauchen verboten!
    Der Qualm treibt provokativ (automatisch, wie von Geisterhand bewegt) gennn
    Verbotszeichen, nebelt es ein, ..dieses muß unweigerlich erst hüsteln, dann
    husten, dann kotzen ..und fällt letztendlich tot von der Wand!
    Wenn sich alle Problemchen so bzw. so schnell regeln ließen, fällt mir bei
    dem eben Erlebten auf...

    "Laß uns zum Achterschiff tauchen." sage ich schließlich "Fangen wir da mal
    an!"
    "Gut" sagt Jesus "wenn du möchtes, ..komme ich mit euch, zeige die Richtung,
    ihr könnt ja jeder Zeit machen was ihr wollt!"
    "Okay, ich danke dir! Dann bis nachher!"
    "Dann bis nachher!" verabschiedet sich Jesus, hebt seine Hand zum Gruß dabei
    und marschiert zum Siebenfünfzieger; er muß schließlich Kohle verdienen und
    fährt eine Beginner-Truppe zu einer 14m - Stelle.

    Außreichende Informationen habe ich gesammelt und mir Gedanken gemacht: Wo
    könnte ...was sein! .. am Dampfer (?) Hmm...

    Die Ausrüstung wird auf "Streckentauchen/Erkunden" konfiguriert: D12er an
    Wing und Sammelnetz .. mehr nicht!!
    17.47 Uhr kippe ich hinten über.
    Wie immer hier; ausreichend Wind und Welle. Auf 4 Meter warten bereits
    Jesus und Anna, ..erst auf mich, dann wir drei auf meine Freundin.
    Jesus bekam von mir oben auf dem Boot noch den Hinweis, seine Heizer nicht
    so anzufeuern, sonst kommt meine Freundin nicht hinterher.
    Jesus feuert seine Heizer ordentlich an und meine Freundin kommt nicht
    hinterher. Gut, daß man vorher über gewisse Dinge gesprochen hat.
    So lege ich mich ziemlich genau mittig in dem sich vergrößernden Abstand; so
    habe ich Blickkontakt zu Jesus und dem mit 6 Knoten außerhalb von dem mit
    Höchstgeschwindigkeit laufenden Konvoi dampfenden kleinen Frachter (meine
    Freundin). Selbstverständlich könnter dieser kleine Frachter so sehr schnell
    Beute des "kichernden Eichhörnchens" werden; also werden die Prioritäten
    schnell festgelegt und Jesus/Anna sind nachdem ab 35 Meter die Sicht
    deutlich schlechter wird bald verschwunden. Wir sind auf uns allein
    gestellt.


    (Teil gesplittet, da nur 15.000 Pos. möglich, Fortsetzung als Teil 5.2)



    (c) Rene Heese, 2005
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!
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