Reisebericht Cabo de Palos (6)

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  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #1

    Reisebericht Cabo de Palos (6)

    Teil 6

    9.42 Uhr, Freitag, der 12.08.05

    Wir kippen über den luftgefüllten Wulst des Siebenfünfzigers ab; ich warte
    auf 7m am weißen Kanister (wie immer) auf meine Freundin, sie kommt , und
    der freie Fall
    bereitet mir wie sonst auch großen Spaß.
    Er ist nur von kurzer Dauer, ..der Spaß.. , denn im Gegensatz zum Frachter
    "Togo"
    in Frankreich ist hier stets ab 35 m anblasen angesagt. Der Maststumpf
    könnte sich in`s linke oder rechte Auge beim Abtauchen über Kopf bohren.
    Der Frachter "Stanfield" steht wiederholt auf dem Programm; bietet er
    hinsichtlich Tiefe, Sichtverhältnisse, Strömung und Ausmaße ein ideales
    Wrack, das auf lange Sicht nicht langweilig werden kann und zudem geniale
    Trainigseinheiten bietet.

    Ich warte unten auf meine Freundin, gebe nach deren Eintreffen die Richtung
    an, wende mich um und schieße los .. dem vermeindlichen Laderaum entgegen ..
    wie immer!
    Vollgas. Wir möchten wiedermal zur Brücke.

    Es packt mich was an einer der Flossen, ich halte inne und drehe mich
    langsam in gewohnter Manier um .. könnte ich mich doch in einem der Netze
    verfangen haben. Zu hastige Bewegungen haben schon manchen Taucher in ein
    Netz verwickelt.
    Nein! Es ist meine Freundin, die mich an der Flosse zieht.
    Aufgeregt scheint sie zu sein; sie gibt mir die gekreuzten Unterarme als
    Zeichen des Abbruchs und dann das Auftauchsignal.
    Verdammt .. was ist hier los? Ich drehe mich nun gänzlich um zu ihr .. und
    merke .. vor Schreck .. daß ich wiedereinmal in die freie See abhauen
    wollte! Ich sehe das Schanzkleid und die schwarze Bordwand.
    Dieser verdammte Dampfer hat es aber auch in sich .. was stimmt denn hier
    nicht? Verdammt! Bin ich in des kichernden Eichhörnches Behausung
    uneingeladen eingedrungen .. oder was!?
    Ich pendel mich neutral aus, lege mich mit halb geschlossenen Augen
    waagerecht in Schwebe und denke nach.
    Dann die Frage meinerseits, ob bei ihr alles okay ist. Dann das
    Verdeutlichen, daß bei
    _mir_ wirklich (nun) alles okay ist. Wir tauchen weiter .. zur Brücke. Mein
    Spaß ist leicht getrübt, ich muß an mir arbeiten, denn so geht es nicht
    weiter!!! .. Hier am Frachter.
    Dieser TG gestaltet sich nunmehr eher unspektakulär; wir tauchen in die
    Mitschiffsaufbauten ein, und nach gemäßigter Grundzeit geht es oberhalb der
    Aufbauten zurück zum Aufstiegsseil.
    Nach 65 min. ist dieser TG vorbei, und ich wirke leicht geknickt.

    Nachmittags fahren wir mit unserem Bus "die paar Meter" bis direkt zum Cap,
    zum Kliff. Dort wird die Heckklappe geöffnet, die Rückbank zur Liegefläche
    ausgeklappt und im Schatten bei Wind und Brandungsrauschen ein Schläfchen
    getätigt.
    Dieser Platz ist trotz des Rummels in der Hauptsaison widererwartend nahezu
    unberührt! Ein herrlicher, ungestörter Platz für Leute, die mit dem Meer
    verwachsen sind aber nunmehr nicht an ihm wohnen.
    Ich sauge die Atmosphäre förmlich in mich auf... mein geliebtes Mittelmeer
    .. der Wind und die Wellen .. und die Sicht auf die unendliche Weite des
    Meeres mit am Horizont ziehenden Frachtern .. und schlafe darüber ein ..
    glücklich und zufrieden, völlig entspannt .. ich fühle mich irgendwie zu
    Hause .. so wirklich zu Hause!

    Drei Stunden schlafen wir, und es hat uns gut getan. Wir tätigen jeweils nur
    einen TG am Tag, auch wenn sich die Möglichkeiten aufzeigen, interessante no
    pay - TG`s
    zu tätigen, von Land aus und mit erreichbaren 20 m Tiefe recht nette
    Wiederholungstauchgänge.
    Wir legen Priorität auf einen Erholungsurlaub und _ausgewählte_
    Wracktauchgänge. Der Erkundungsurlaub im Frühjahr, die gesamte spanische
    Mittelmeerküste bis Gibraltar abzufahren mit reichlichen Stationen und
    Tauchgängen hatte uns seiner Zeit schon recht heftig zugesetzt.

    Anschließend verweilen wir nochmal kurz an der TB. Ich bekomme mit, daß sich
    scheinbar eine Persönlichkeit in Sachen Filmtechnik an der TB eingeschlichen
    hat.
    Der gute dicke Mann war auch an der "Stanfield" gewesen, bemerke ich jetzt
    erst. Manoli erzählt von ihm; er tätigt Filmaufnahmen sowohl ÜW als auch UW
    .. für , so ihre Worte, namhafte Filmgesellschaften; ...macht
    Dokumentationen.
    Noch schenke ich ihm nicht sonderlich viel Beachtung.

    23.30 trudeln wir auf dem lauten Zeltplatz ein. Nachbars Hund wir noch mit
    Steinen beworfen, bis er nach einem kurzem Aufjaulen endlich die Schnautze
    hält.
    Dann stört mich noch das unverschämt grelle und deletantisch angebrachte
    Licht von den Franzosen gegenüber. Das bekomme ich mit Worten und
    Radebrechen in 2-3 Minuten auch so hin; die Steine kann ich danach wieder
    zum Zeltbeschweren auf den Boden legen.
    Als Platzhiersch erlaube ich mir noch einen Rülps und leute damit meine
    gewünschte Nachtruhe ein.
    Herrgott .. was für ein riesenhaft angelegtes Zigeunerlager hier!

    Es gibt noch eine Lagebesprechung für den morgen anstehenden TG zur
    italienischen "Sirio", denn Schlafen kann ich eh noch nicht....

    Samstag, 13.08.05

    ..ist 8 Uhr das Auslaufen zur Sirio geplant. Wir sind wie immer
    überpünktlich; die Ausrüstung wurde am Vortag schon zusammen gerödelt.

    Jesus kommt grinsend erst angefahren, dann klappen die Türen und jetzt
    anmarschiert.
    "Sirio .. Sirio .. Sirio..." brubbelt er grinsend, mich keines Blickes
    würdigend,.. so, daß ich es gut hören kann. Er weiß, daß ich krank und
    dauerhaft geschädigt bin. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht
    zu sorgen .. klar doch!
    Im Vorbeigehen fragt er: "...und wohin heute? ... Sirio .. Sirio .. Sirio ..
    ich weiß" sagt er "aber wohin?"
    "Was ist mit der Mittelsektion .. die auf 270° West liegen soll und
    angeblich dort noch keiner war? Warst du schon da .. ehrlich mal?"
    "Nöö .." sagt er "..gehen wir heute dahin?"
    Ich überlege kurz: `ich kann noch genau 3 TG`s dort am Riff tätigen. Sollte
    ich pokern und riskieren über Sandgrund zu tauchen und ggf. Wrackreste von
    einem Fischerboot zu finden oder doch lieber den "Spatz" in der Hand als die
    Taube auf dem Dach?`

    Ich nehme mir 2 gleichlange und unabgebrannte Streichhölzer und lege fest,
    daß der unabgebrannte gewinnt. Es wird ordentlich gemischt und gelost: der
    unabgebrannte gewinnt widererwartend und wir suchen das Mittelschiff .. lege
    ich mal eben so fest.

    "Laß uns das Mittelschiff suchen, Jesus, no risk no fun!" dabei trete ich
    aus Versehen auf das tote Rauchverbotschild.

    "Gut.." sagt Jesus "..dann tauchen wir drei eben diese Ecke an."
    "Und Anna?"
    "Anna paßt heute mal auf das Siebenfünfziger auf. Oben!" entgegnet er.

    Anna ist eigentlich eine hübsche Person, ..wirklich(!) ...zwischen 25 und 30
    ist alles drin. Der Liebe Gott muß beim Schaffen und Herrichten von Anna in
    der Endphase kurzzeitig abgelenkt worden sein. Anna hat keinen Hintern! Ich
    habe versucht, diskret nach Narben zu suchen .. vergebens. Sie hat einfach
    keinen, sonst ist alles dran.
    Zudem ist mir gleich anfangs ihre außergewöhnlich nette Frisur aufgefallen;
    die Seiten kahlgeschoren um das Tattoo im Bereich der Schläfe sichtbar für
    jedermann zu machen. Auch läuft sie stets bei der brütenden Hitze in
    Schnürschuhen rum , und zeigt ihre wirlich hübschen, nackten Beine von
    geradem Wuchs, welche ebenfalls unter die Haut verbrachte Tinte in abstrusen
    Formen aufweisen. Auch ist sie wohl mal geschlagen worden; ein riesiger
    blauer Fleck am Oberarm entpuppt sich letztendlich bei näherem Hinsehen doch
    als Totenschädel. Es gab also doch keine Schläge .. wäre ja auch unerhört
    ...gewesen, ..dat hübsche Ding!
    Sie ist stehts freundlich und als befristete technische Assistentin an der
    TB angestellt, verrichtet gewissenhaft ihren Dienst, gähnt zwar dauernd ..
    ist aber fleißig ..und lebt mit ihrer Behinderung, denn die Schnürschuhe
    scheinen angewachsen zu sein.

    Pünktlich legt um 8.00 Uhr das Boot ab.
    8.30 Uhr kippen meine Freundin, Jesus und ich diesmal nahezu gleichzeitig
    rücklings ab und verschwinden sogleich. Die Abtauchleine zeigt wegen der
    Strömung eh in die falsche Richtung. Jesus hat seine Heizer wiedereinmal im
    Griff; die Jungs buckeln dermaßen, daß ich meine Freundin diesmal etwas zur
    Eile treiben muß. Schließlich bringt es ohne den Jesus heute konkret nichts,
    da ich seitlich versetzt neben ihm tauchen möchte, um die zu überschauende,
    abzusuchende Fläche damit vergrößern möchte.
    Zwei (weitere) riesige Kessel tauchen vor mir auf, und ich glaube wegen der
    "identischen" Anordnung dieser .. kurzzeitig daran, mich ggf. im Gebiet der
    Achterschiffsektion zu befinden.

    Nein, es ist nicht das selbe Gebiet; die nun folgenden verstreut liegenden
    Trümmer sehen anders aus .. eben weit verstreut. Wir sind scheinbar auf dem
    richtigen Weg , und es wird sich bei den unbekannten Wrackresten
    höchstwahrscheinlich und wirklich um die Mittelsektion der "Sirio" handel.
    Das scheint mir schon zu diesem Augenblick nahezu klar zu sein!

    Wir tauchen noch immer 300° vom Felsen weg, machen dann aber langsam
    linksschwek-marsch.
    Jesus wird angeblinkt und macht nun etwas langsamer; ist er doch zeitweilig
    schon fast außer Sicht geraten, da ich mich doch eher Nähe meiner Freundin
    aufhalte.
    Nach knapp 20 Minuten Grundzeit tut sich ein großer Schatten vor uns auf,
    der Tiefenmesser zeigt seit geraumer Zeit die 50m - Marke an, und der
    Luftvorrat erscheint auch nicht mehr so toll .. bei dem Tempo.
    Es ist die Mittelsektion der "Sirio" .. und kein anderer Dampfer! Das steht
    für mich augenblicklich fest!
    Leider ist sie sehr stark in sich zusammengebrochen.
    Penetrationsmöglichkeiten bieten sich jedoch. Die Grundzeit ist aber im
    Arsch .. und der Rückweg steht noch an. Jedoch mache ich mir darum aus
    logischen Gründen nicht _übermäßige_ Gedanken; wir sind schließlich _nahezu_
    im "Halbkreis" um den Felsen getaucht, sodaß zumindes rechnerisch 20 min.
    Rückweg nicht mehr "komplett" anstehen können um den Felsen zu erreichen. Oh
    je, die Deco wird dennoch heftig!
    Es bleibt lediglich der Blick nach unten, für mehr ist absolut keine Zeit,
    auch ist an ein Graben und Wegräumen nicht zu denken.
    Ich finde noch eine Glocke einer (vielleicht) Butterdose, leider beschädigt.
    Das blitzende weiße zu bergen hat auch nocheinmal `ne Minute gekostet.
    Geplante Grundzeit und Luftvorrat sind restlos im Arsch! Ich stelle auf
    Sparmodus bei mir um und lasse Jesus davon schwirren; blase an und versuche
    mich im Flachen der verbliebenen Luft in der D12 anzupassen. Bei der
    Freundin ist es ähnlich gelagert, doch nicht so grenzwertig wie bei mir.

    Wir kommen gerade so hin bis zum Ende unserer Deco .. die 12er Not-Butz in
    Sichtweite. Beim nächsten TG hänge ich eine 4er Rein - O2 auf 6 Meter an die
    Aufstiegsleine oder nehme sie gar mit. Meine Freundin bekommt auf jeden Fall
    eine der noch vollen 2Liter - Rein-O2 - Flaschen an die Innenseite des Wings
    angetackert! Das steht nunmehr fest!

    Na ja, daß hier noch gar niemand gewesen sein soll kann ich nicht so recht
    nachvollziehen .. ehrlich gedacht! Dennoch besteht diese Möglichkeit; die
    TG`s hier am Orte sind sehr stark limitiert, und demzufolge werde die
    Taucher die naheliegenden Wracks / Wrackreste betauchen wollen .. aber ich
    bin mir nicht ganz sicher.

    Ein weiterer TG oder mehrere würden sich lohnen, da ich die konkrete
    Abtauchrichtung festgehalten habe und so Grundzeit sparen könnte, oder
    gleich an der Oberfläche diese Richtung einschlage um später dann auf
    Verdacht den freien Abstieg zu wagen.
    SCHEIßÄÄÄÄ ... nur noch 2 TG`s an diesem Spot! Verdammter Mist!!!

    Morgen geht es wieder zur "Sirio"! Der Verlauf des Abends ist klar: meine
    Freundin und ich sitzen in der Pizzeria und planen den nächsten Tauchtag an
    der "Sirio"!
    Dabei gesteht sie mir nach ca. 9 Jahren des Zusammenseins, daß sie mal
    früher Archiolodschieh schtudieren wollte aber die Eltern anders entschieden
    hatten.
    Das Thema ist jetzt klar: "Grabe doch einfach selber mal! Suche und Finde
    oder; wer suchet der findet!" erwähne ich beiläufig .. so ganz am rande und
    nebenbei.
    Es gelingt mir auf Grund der vergangenen Erlebnisse ihr Interesse
    hinsichtlich der Wracktaucherei noch mehr zu wecken .. zu meinem späteren
    Erstaunen mit Erfolg!


    Fortsetzung folgt ... (folgt noch heute!) ;-))..


    (c) Rene Heese, 2005

    rechtlicher Hinweis:
    (nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
    übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
    Bericht soll
    lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
    Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
    grundsätzlich
    gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!
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