Reisebericht Cabo de Palos (8)

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  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #1

    Reisebericht Cabo de Palos (8)

    Reisebericht / -Erzählung

    Teil 8

    ---------------------------------------------------

    Keiner ist uns böse .. wegen der recht langen Tauchgänge und hinsichtlich
    des klassischen Sporttauchens mit Preßluft doch eher ungewöhnlichem
    Verhalten
    von (meiner Freundin) und mir.
    Mehr als aufrichtig hinterfragen kann ich das bei den Teilnehmern
    selbstverständlich nicht; der andere hat schließlich die Wahl, mir
    ebenbürtig zu antworten und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.
    Damit ist für mich das Thema der langen Tauchgänge diesbezüglich moralisch
    abgehakt. Schön so!

    In Alicante war es am gestrigen Nachmittag noch recht interessant.
    Wir sind auf der Suche nach einer TB im groß angelegten Yachthafen gelandet
    und haben doch tatsächlich zwei Typen , oben auf so`m Dachausbau an der
    Reeling der Dachterasse gesehen, die gerade ein Padi-Banner abbauen wollten.
    Schnell sind wir die Stufen raufgelaufen und haben diese beiden Dauergrinser
    angesprochen.
    Nach US-Manier zeigten sie selbstverständlich ihre hell-gelben Zähnchen von
    korrektem Wuchs beim Dauergrinsen.
    (....Ich versuch` das ab und zu als Selbstversuch vorm Spiegel ..bei mir zu
    Hause .. und danach auch nochmal in Manoli`s gepflegtem Bad der TB, .. es
    will mir nicht so recht gelingen , und zudem so ganz behaglich fühle ich
    mich nicht dabei .. aber egal .. nur mal so am Rande gesprochen... ich
    kriegs nicht hin!....)
    Jedenfalls ist in der Bude selbst, noch ein asiatischer Angestellter ..
    komisch.. im meinem Padi-OWD - Buch habe ich "den" auch schon gesehen. Das
    beflügelte mich, ihn besonders nett anzusprechen .. wie einen Freund halt.
    Das wiederum nahm er sehr persönlich und ging sehr tiefgründig auf meine
    (allgemeinen) wrackspezifischen Fragen ein.
    Doch schaltete sich nun einer der andern beiden Dauergrinser von der
    Dachterasse ein: "Komm .. langweile die beiden mal nicht mit dem 20m langen
    Holzkutter auf 25m Tiefe! Laß es einfach .. schau mal auf das T-Shirt!" ,
    dabei zeigte er gleichzeitig auf mein Geschenk von Manoli, auf dem 3 große
    Frachter abgebildet sind, mit Tauchtiefen zwischen 65 und 45 Metern, am Cabo
    de Palos, mit Logo von Manoli und Jesus´s Tauchbasis. Zweck erfüllt und von
    der Gegenseite erkannt. Schön so!

    Nun kamen wir gemeinsam auf mein eigentliches Thema; es sollen hier doch
    noch 2 stattliche Frachter liegen. Sogleich erzählte man mir davon: Der eine
    liege so auf 80 Merter, der andere auf 65.
    Die Troika wird mich da sicher nicht rauskarren, und sogleich reichte mir
    mein Gegner .. äähmm ..sorry.. Gegenüber die Telefonnummer eines
    ambitionierten Wrack- und Mischgastauchers rüber. Ich möge ihn doch mal
    anrufen.
    "Und übrigens liegt 50 km weiter nördlich ein UBoot, auf freier See!" sagte
    der Asiate, und auf die zwingende Frage meinerseits, ob es ein deutsches
    sei, zuckte er nur mit der Schulter.

    Ich hatte nun was ich brauchte. Es gab noch ein Eis für meine Freundin ..und
    dann die Rückfahrt.

    Lange, sehr lange Ausschlafen ist heute am


    Montag, den 15.08.2005


    angesagt. Erst um 17.00 Uhr solles zur "Sirio" gehen. Meine Freundin und ich
    einigen uns nach langem hin und her darauf, die Schiffswrack-Liste der
    "Neulinge" nicht(!) zu vervollständigen; getreu meinem Motto: Man kann nicht
    alle Wracks dieser Welt betauchen .. aber man kann`s versuchen! ... sondern
    wieder zum Achterschiff zu gehen. Au man .. diese Entscheidung fiel schon
    sehr grenzwertig aus!

    Wir sind gegen 12.00 Uhr an der TB und wollen den Termin mit dem dicken Mann
    wahrnehmen, doch der kommt nicht. Stattdessen teilt uns Manoli einen neuen
    mit, der dann morgen sein soll.
    Also kaufen wir uns ein ganzes Huhn und fressen es gemütlich am Cap (mit
    Meerblick statt Ketchup) auf.
    Wieder Wind und ordentlich Welle.
    Rülpsend und mit fettigen Mäulern schauen wir zufrieden dem guten Jesus zu,
    wie er unter uns das Siebenfünfziger verankert und die diveguides mit samt
    Beginnern auf 7,8m Tiefe rausschmeißt .. und sich anschließend nahezu nackt
    auf den Wulst zum Sonnenbad geschützt in der Bucht danieder legt.
    So einer ist dat also .. so , so!!

    16.30 sitzen wir beide aufgeregt vor der TB.
    Es ist nun doch schon eher 16.50 .. mitlerweile, und das geliebete
    Siebenfünfziger dümpelt immer noch nicht an der Pier. Was ist hier los, wo
    ist Jesus?
    Anna kommt pitsch naß angetorkelt .. wahrscheinlich weil sie diesmal ihre
    Schnürschuhe bewußt oder unbewußt nicht an hat... getorkelt .. meine ich.
    Schade eigentlich .. dat hübsche Ding!

    "Der 200er Yamaha ist putt." sagt sie. Ich grinse und denke mir, egal ..
    fahren wir halt mit einem anderen (Leih-) Boot raus. Jesus kriegt das
    kurzfristig schon hin .. irgendwie.

    Manoli kommt nun etwas später auf uns beide mit bedrücktem Gesicht zu und
    sagt, daß der TG an der "Siro" ausfällt.
    Ich denke mir nichts dabei und grinse immer noch.
    "Er-fällt-aus-Rene!"
    "Wie-so-dat-denn?" stehe ich nunmehr kerzen gerade vor ihr und grinse nicht
    mehr.
    Wir erfahren, daß die TG`s zu diesem Riff der Sehnsüchte und Hoffnungen
    nicht nur von der Anzahl her limitiert und nicht nur personenbezogen sind,
    sondern zudem auch noch tauchbasenbezogen, bootsbezogen und skipperbezogen
    sind!!
    Weiterhin muß (der Skipper) noch eine besonders seltene Art von Fußpilz
    vorweisen können, sowie den Kopf um 360° drehen können und das
    Siebenfunfziger muß nicken können .. aber welches Siebenfünfziger in Gottes
    Namen kann hier .. außer dem da draußen.. _noch_ nicken?

    Ich stehe doch ziemlich bescheuert da .. gerade ..mal eben.. so ... ! Das
    war`s für heute ..das war`s für diesen Aufenthalt hier, das war`s für dieses
    Jahr! Verdammt .. ich kann mir das (heile) Geschirr erst nächstes Jahr holen
    .. ähmm .. betrachten ! (???)
    Augenblicke später sitze ich wieder auf der schönen Steinbank vor der TB und
    mein Gesicht sinkt den Tränen nahe in meine Hände!

    (...)
    Abends kaufe ich mir in La Manga Schuhe .. ich weiß nicht mehr was sie
    gekostet haben.


    Dienstag, 16.08.2005

    Wir kippen 13.58 Uhr ab in die See, es geht zur "Stanfield" .. ohne
    Zwischenfällen und relativ unspektakulär.
    (...)
    Ich hatte mir die Räumlichkeiten unter der Brücke vorgenommen, langfristig
    die Sicht versaut und beim Heimweg auf/in der zerstörten Brücke dann doch
    noch `ne Bierflasche gefunden.
    Dat is nu also der Grund, warum der Rudergänger nicht den anlaufenden
    Torpedo gesehen hat .. geschweige denn das 500m aufgetaucht daneben liegende
    deutsche UBoot .. am Tage . denke ich mir so!
    Nach "gnädigen" 82 Minuten und glatt 50 Meter Maximal-Tiefe ist dieser TG zu
    Ende, einschließlich Rein-O2 - Deco ab 6 Meter.

    Ich kann mich nicht (mehr) dem Eindruck erwehren, daß die "Stanfield" eher
    aus dem 1. Weltkrieg ist. Konstruktion des Schiffe, entsprechend
    fortgeschrittene Korrosion, Lage so (relativ) dicht unter der Küste eines im
    2. Weltkrieg neutralen Staates.... etc.!
    Habe ich doch nun schon so einige TG`s an dem Dampfer getätigt, und
    tatsächlich: Wie sich später bei tiefgründigeren Recherchen (vor Ort)
    herausstellt, sie ist 1917(!) gesunken; Ursache: ein deutsches UBoot!
    ...Dann war`s im Frühjahr also ganz sicher kein G7e!... Hmm .. na ja.. so
    ganz auszuschließen war es damals aber nicht!


    Fortsetzung folgt ....


    (c) Rene Heese, 2005
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!
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