Teil 9 (letzter Teil)
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Es ist nun Mittwoch, der 17.08.2005
...ich habe immernoch daran zu knabbern, daß der der letzte TG zur "Sirio"
ausgefallen ist und damit auch eventuell zu bergendes heiles Geschirr mit
Redereiwappen .. mein Traum, meine Hoffnungen sind nur teilweise in
Erfüllung gegangen.
Dennoch; ich werde nächstes Jahr eine dritte Reise dorthin gestalten; in der
Hoffnung vielleicht 4 TG`s dort tätigen zu können und in dem Zusammenhang
mir auch noch die Bugsektion, sowie die Dampfer "Nort America" und "Minerva"
zu betauchen. Aber, was sind schon 4 Tauchgänge an einem solchen Riff !?
7.30 Uhr reißt uns der Handywecker jäh aus dem Schlaf; die "Stanfield" steht
zum letzten mal auf dem Programm.
Ich hatte abends zuvor meiner Freundin zugesagt, daß ich ihr den Dampfer in
seinen ganzen Ausmaßen zeigen möchte: rauf, rüber, rein, runter, vor und
zurück .. eben mal alles zeigen.
An diesem letzten TG "jetzt noch Messing zu klopfen" erscheint mir
hinsichtlich der (Vielzahl) der hier in Cabo de Palos getätigten
interessanten Tauchgänge nicht zwingend erforderlich. So sollte relativ zum
Abschluß doch noch ein entspanntes Tauchen auf der Tagesordnung stehen, und
so ganz erfolglos waren wir nun auch wieder nicht.
Nachdem ich mir beim letzten TG zu diesem Spot die Kompaßpeilung Vorschiff
endlich eingeprägt hatte (230° ), tauchen wir schnurstracks zum Vorschiff ..
über den oft verfehlten und doch an seinem Platz befindlichen achteren
Laderaum.
Der Vortrieb ist mäßig, ist es doch "ihr" TG heute; was wir nicht schaffen,
schaffen wir eben nicht.
Das achtere Schott der Mitschiffsaufbauten zeichnet sich schemenhaft ab; wir
dringen in den oberen Bereich des Maschinenraums ein .. über uns das
Skylight .. die Dachluken aus gefaßtem Glas sind nicht mehr an ihren Platz,
die Struktur (das Gerüst) aber vollständig erhalten an seinem Platz.
Wir sinken tiefer, und ich möchte mir wenigstens für nächstes Jahr noch den
Weg (rechts oder links) neben der Dampfmaschine in die unteren Bereiche
einprägen; sind hier dann sicher noch Messingschildchen zu finden.
Vielleicht gelingt es mir an Hand dieser dann, den Dampfer zu
identifizieren. Ich werde mir dazu einen Plan machen.
Die 2 Wege sind recht ordentlich versperrt durch von oben durch Korrosion
abgelöste große Segmente des MR-Innenlebens.
Hier sollte ich zu gegebener Zeit in "UBoot-Penetrations - Manier" mit
meinem S108 und noch vollständig gefüllter Mono - 15er eindringen und außen
die nötigen Stages ablegen.
Heute wird das garantiert nix .. das Doppelgerät ist für einen Kurzbesuch
einfach zu fett .. ich bleibe stecken / passe nicht durch.. keine Chance.
Es geht weiter Richtung Vorschiff.
Vom MR aus können wir in die unteren Räume des Aufbaus eindringen; ich kenne
den Weg. Meine Freundin folgt abschnittsweise auf ein deutliches Handzeichen
von mir. Ich unterlasse es in das Sediment zu greifen, möchte ich ihr / uns
nicht die Sicht verderben, geschweige denn den Rückweg "versperren"... kann
ja immer mal sein, daß aus irgend welche Gründen man mal nicht die geplante
Richtung verfolgen kann und wirklich _umkehren_ muß. Zudem bin ich (heute)
nicht alleine im Dampfer.
Es geht noch ein Deck tiefer und dann im unteren Bereich des Frontschotts
durch eine größere Öffnung raus .. in den vorderen LR 2.
LR 1 und LR 2 sind durch ein Schott von einander abgeriegelt / getrennt. Im
vorderen Bereich des LR 2 zieht sich Backbord sowie Steuerbord der ca. 0,5
Meter breite Riß vom Hauptdeck bis zur Bodenwanne. Der Anblick ist bei der
Größe des Frachters recht gespenstisch. LR 1 und 2 sind nahezu leer,
abgesehen von diversen Trümmern. Dennoch ist hier alles intakt, bzw. an
seinem Platz.
es ist unumgänglich aufzusteigen, denn das Schott ist unversehrt. So
gelangen wir über das Schott in den LR 1 und dringen danach in die düstere
Bugsektion ein.
Im Frühjahr, bei einen meiner ersten TG`s an diesem Frachter hatte ich
bekanntlich mit Jesus den Dampfer bis hin zur Burspitze betaucht. So weiß
ich, daß ich durch die Detonationsöffnung an Steuerbord wieder in die freie
See komme.
Doch meine Freundin "streikt", blitzt mich an und signalisiert zur Umkehr.
Gut .. es ist ihr Tauchgang, und so füge ich mich kommentarlos.
Wir tauchen am gewaltigen Frontschott höher, einige kurze Blicke erlauben
wir uns durch die fensterlosen Fenster. Oberhalb Brückenaufbau, oberhalb
Kohlenbunker, am Schornstein vorbei und dem Skylight geht es wieder Richtung
Achterschiff zur Aufstiegsleine.
Nur 66 min. dauert dieser Tauchgang, die 50m - Marke ist wiedereinmal
überschritten.
Meine Freundin gestaltet die Deco ab 6m zur Sicherheit aus der bei ihr
angehängten 2 Liter - O2 - Butz und kommt damit nahezu hin.
Abends wollen wir dann den Zeltplatz bezahlen.
Statt der "reservierten" und belegten 23 Euro möchte man uns nun 28 Euro
abnehmen; wir hätten einen deutlich größeren Platz in Anspruch genommen.
Meine Gesichtszüge entgleisen nicht, ich nix spanisch, ich Ausländer, ich
nix verstehen.
Letztendlich in der englischen Sprache erkläre ich der völlig überforderten
und nicht besonders gut aussehenden Dame, daß ich ein Einbettzimmer ein
viertel Jahr im Voraus reserviert hatte, dieses verbrieft ist und wenn man
mir dann _nur ein Doppelbettzimmer_ zur Verfügung stellen (kann), ich
dennoch nur gewillt bin, ein Einzelzimmer zu bezahlen. Ist doch logisch ..
oder !?
Die Dame schnallt das nicht; ich erbitte den Chef.
Der Chef willigt letztendlich ein, und ich zahle das was ich reserviert
hatte. `Habe eh nicht verstanden , wo hier überhaupt ein Problem lag ..
hatte mich nur gefreut über diesen Riesenplatz bei der Ankunft. ;-))
Die Dame erntet noch meine, zwischen den zu einem Kußmund geformten Lippen
etwas hervorlukende Zunge, welche ich horizontal etwas spielen lasse.
Damit dürfte konkret sie dann nicht mehr auf meiner Seite sein .. auch im
nächsten Jahr wohl eher nicht .. die dumme Gans .. die! ..Ist doch wahr ..
Mensch!
Das Grillfleisch schmeckt heute Abend besonders gut.... der Tag war schön!
18.08.2005
Heute, am Donnerstag, ist nun Abreisen angesagt. Vorher hat Manoli, ..die
liebe Manoli, noch einen verlustigen TG kompensiert .. es geht zum Frachter
Tordisa "Carbonero", der auf knapp 50m liegt... auch aus dem 1. Weltkrieg ..
ein deutsches UBoot .. wieder... jooh.. wat die Jungs nich alles upp`m
Grund geschickt haben....
Punkt 7.00 Uhr passieren wir die Schranke und verlassen für dieses mal den
Zeltplatz gänzlich; die Tante vom Empfang winkt mir leider nicht .. schade
eigentlich. Sie war zwar nicht hübsch, hatte jedoch im Gegensatz zu Anna
einen Hintern! Man könnte da doch die Tante mal fragen, ob sie nicht
"Organspender" sein möchte; so wäre Anna fast perfekt und bei ihr wäre es eh
egal. Nu is`ses eh zu spät .. im nächsten Jahr dann... vielleicht.
Der Frachter ist schnell gefunden, und das Ankermanöver klappt dank
Fishfinder diesmal perfekt; der Anker kommt Steurebord unmittelbar am
Achterschiff zu Fall. Super!
Jesus ist erster unten und vertäut dat jute Ding am Dampfer.
Die Sicht ist hier deutlich besser als an der "Stanfield". Wir schweben ca.
8m oberhalb über dem Dampfer Richtung Vorschiff. Ich möchte mir hier einen
Überblick (da möglich) verschaffen, für spätere Tauchgänge ...und
Penetrationen für den Rückweg lassen.
Die achteren Laderäume sind förmlich weggesprengt, doch ist der Dampfer
nicht wirklich auseinandergebrochen , es sieht zumindest so aus. Hmmm .
fraglich!
Es ist eine (sehr) alte Schiffskonstruktion. Ich nehme mal stark an, daß es
sich hier eher um so eine Art Kombifrachter handelt. Das heißt, es sind
mitschiffs recht großzügig angelegte Aufbauten zu finden; die darauf
schließen lassen, daß hier eine erheblich größere Anzahl Passagiere, als auf
klassischen Frachtschiffen üblich, befördert wurden.
Das Wrack ist nennenswert kleiner als die "Stanfield", nur knapp 100m lang,
jedoch hervorragend intakt .. abgesehen von den achteren LR`s.
Ich kann nicht anders und weiche von meinem Vorhaben des Überfliegens ab ..
ich sinke automatisch und gegen meinen Willen tiefer und verschwinde
sogleich achterlich in den Aufbauten .. es ist ein Muß und ein Automatismus!
Meine Freundin und ich sind nicht sehr tief (nur max. 44m) , und so nehmen
wir das zum Anlaß, die Grundzeit jenseits der 20 min. heftig auszudehnen.
Zwar ist es hier und heute arschkalt unten , und wir frieren (also auch ich,
und diesmal geht es nicht nur gegen die Frauen!).
Der gesamte Dampfer wird abgetaucht .. in letztendlicher
überblickschaffender Manier... hier und da wird mal ein Wrackteil gewendet
und die Hand versinkt im Schlick.
Anders ist es bei "meinem" uralten Wracktauer-Kollegen mit der D10! Dieser
ist auch bei den "Stanfield" - TG`s oft dabei gewesen. Manoli soll ihn immer
wieder anrufen, wenn es zu einem der großen Wracks geht.
Der gute alte Mann nimmt sich jedes mal einen Abschnitt vom Wrack vor und
durchforstet es recht gründlich. Hoffentlich ist bis zum nächsten Jahr
ausschließlich Sturm, sonst sind die Dampfer abgeerntet .. verdammt.
Heute höre ich ihn weithin klopfen .. unaufhörlich .. er muß doch da was am
Haken haben.
Beim Aufsteigen an der Decoleine sehe ich auf 9m einen an dieser Leine sich
verknotet habenden Hebesack .. und da hängt ein ordentliches "Gerät" dran!
Ich vergesse fast meine Decostufen, so neugierig bin ich doch darauf. Ich
muß mich regelrecht kontrollieren.
Ein einen guten Meter lang mindestens und oberschenkel-dickes ,
zylindrisches Rohr mit Kopf hängt daran .. bewacht von eben diesem uralten
spanischen Wracktaucher.
Es ist sicher aus purem Messing .. und so sollte es dann auch sein.
Es sieht aus wie ein geschrumpfter Maschinentelegraph, leider finde ich es
wegen der starken Inkrustation (am Kopf) nicht heraus; zudem sind noch
kleinere Wrackteile angekrustet, welche das Bild verfälschen (könnten). So
wird es wohl für immer ein Rätsel für mich bleiben, was der uralte Mann dort
geborgen hat. Schade!
Nach 76 min. und 43,9m ist dieser letzte TG auf weiter See vor Cabo de Palos
zu Ende. Ich blicke 30° Nord beim Entfernen des Siebenfünfzigers, denn so
ist das Wrack mit dem Bug ausgerichtet.
Etwas traurig bin ich schon .. daß ich fahren muß!
19.15 gibt der Motor über das Getriebe und Antriebswellen ein nicht mittels
angezogener Handbremse gänzlich zu verhinderndes Drehmoment auf die V-Achse
meines VW`s. Es geht heimwärts ..über Marseille.
(...)
Fortsetzung in 9.1 , da zu viele Zeichen
