ein Bericht aus dem Jahre 2003 (Frühjahr)
Die Wracks Amerique und Lauro C.
Vom 10. - 18.05.03 war ich mit dem PKW in Sizilien/Kalabrien unterwegs. Ziel dieser Reise waren 2 langersehnte Wracks: die "Amerique" vor Torre Faro (Straße v. Messina) und die "Lauro C" südlich von Capo dell`Armi.
Die "Amerique"
Die "Amerique" ist eigentlich ein namenloser, größerer Frachter, der seinen Namen vermutlich durch den in der Nähe gesunkenen aus Holz gebauten Frachter erhalten hat. So recht weiß es keiner genau.
Das Schiff liegt aufrecht unmittelbar am Ufer vor Torre Faro, direkt gegenüber ist die Trattoria "Minico il pescatore", auf 35 bis knapp 70 Meter. Einfach an der Gaststätte zwischen den beiden Steinblock-Buhnen, unmittelbar (linker Hand) an der rechten Buhne ins Wasser steigen, nach ca. 30 Meter vom Strand fällt der Grund 45° ab - hier abtauchen und dem Gefälle einfach folgen, bis sich ein riesiger Schatten vor dir auftut. ;-)
Unbedingt die Stillwasserzeiten einholen und sich möglichst daran halten!
Dort angekommen und "fremd" hatte ich (morgens) wenig Chancen, mir die Stillwasserzeiten einzuholen. Nachdem ich die sichtliche! Strömung etwas beobachtet hatte, entschloss ich mich, einen "Erkundungs-TG" mit einer 15er bewaffnet und allein bei allem nötigen Respekt durchzuführen.
Vorsicht, ich rate (offiziell) davon ab!
Im 6-Meter-Bereich, zwischen den Buhnen ist noch alles okay, dann packt dich aber die äußerst heftige Strömung. Meine Konsequenz war, blitzartig abtauchen und an den Grund "klammern"! Versuchsweise bin ich bis auf ca. 13m weiter abgestiegen, Körperhaltung an den Grund gepresst, Richtung Strömung - und geschaut/überlegt, ob so ein weiterer Seitwärts-Krabbel-Abstieg möglich ist.
Also langsam weiter .. bis sich ein riesiger, immer deutlicher werdender Schatten vor mir auftat: die "Amerique"! Der Bug ist großflächig unterspült und bildet eine schaurig-schöne Kulisse. Unebdingt weiter am Grund gepresst bleiben, der Unterspülung folgen (hier sind es bereits gut 40m) und bei Erreichen der Flanke des Schiffes dann erst höher steigen um auf Höhe des Vorschiff-Decks zu gelangen. Hier dann unter dem Umstand der starken Strömung bitte nur max. den Kopf über die Reling strecken und am Dampfer festkrallen - sonst Tschüss!
Gut, dort angelangt, Blick auf Fini und Rückweg, da Butz (fast) leer. Nun folgte Experiment zwo: (A) Entweder wieder (sicher) so zurück wie gekommen oder (B) den kurzen Weg von Bugspitze zur deulich sichtbaren aber "weit entfernten" Halde durchs Freiwasser. Also (B) um entsprechende "Aussagen treffen zu können": es geht schon heftig zur Sache! Die Deko-Phase nutzte ich, um im relativ ruhigen 6-Meter-Bereich zum Startpunkt zurückzuschwimmen.
Es ist ein im Ganzen gut erhaltenes Frachtschiff; die Aufbauten sind wegen der Strömung stark abgetragen, und die verbliebenen Aufbauten-Reste sind gut durchlöchert. Der Rumpf ist intakt.
Am folgenden Tag hatte ich (im Glauben, präzise Stillwasserzeit zu haben) einen Solo-TG zum Heck des Dampfers unternommen. Eine halbe Stunde vor mir sind 2 "Entenpolizisten" rein, um nach toten Tauchern zu schauen. (Ernsthaft, das machen die regelmäßig an einigen Wk`s dort.)
Ich hatte mich, um "gute Kontakte" herzustellen, mit denen in der Vorbereitungsphase lange unterhalten. Der dritte (Oberflächen-Sicherungsposten) hatte in der Zeit deren Ausrüstung zusammengerödelt, und die sprangen dann halt schnell rein - und ich stand da.
Also, in Windeseile alles zusammengebaut und eine gute halbe Stunde später rein (15er auf Rücken u. re/li je eine Stage). Mist, Stillwasser zu Ende! Gut, dann halt wie am Vortag ... zum Dampfer und der Reling entlang bis zum Heck. Die achteren Aufbauten liegen auf gut 60m, bis zur Schraube (70m) abzutauchen erschien mir trotz der Planung wegen der Strömung als etwas gewagt. Ja, dann halt wie am Vortag auch so wieder zurück.
Die Sicht in der Region beträgt gut 40 Meter, durch die ständige Strömung auch nachvollziehbar.Unterwasser sind die Motoren der vorbeiziehenden großen Frachter bedrohlich nahe zu hören - aber keine Bange, die sind reichlich weit weg!
Der Bug wird wohl bald (?) abbrechen, es zieht sich ein häftiger Riss im ersten Drittel durch den Dampfer. Das Schiff ist sehr schön bewachsen, und es waren drei atemberaubende Tauchgänge (am dritten Tag tätigte ich noch einen TG zur Bugsektion, mit leichten Gerät und diesmal bei absoluten Stillwasser, mit meiner Freundin).
Der Ort Torre Faro ist ist ein unbeschreiblich schönes natürliches Fischer-Örtchen .. ohne Tourismus-Schnickschnack! Traumhaft!!! ..mit der Tradition des Fischfangs.
Wassertemperatur: 16 - 19°C
Lufttemperatur: gut 30°C am Tage (und in der Nacht -->..weiß nicht, hab geschlafen).
Die "Lauro C"
Meine Solo-TG´s zur "Lauro C" werden wohl (?) die schönsten in meinem Leben sein und bleiben - einfach märchenhaft-schön - sicher, weil auch das drumherum absolut gestimmt hat. Nach dem letzten Vormittags-TG zur "Amerique" ließ ich meine Tanks in Messina bei einer renomierten TB füllen und setzte meine Reise nach Kalabrien zum Capo dell`Armi fort, in der Hoffnung, mittels einer vagen Beschreibung die "Lauro C" zu finden.
Ich hatte ein altes Foto dabei (fotografiert von der noch aus dem Wasser ragenden Bugspitze, landeinwärts). Darauf zu sehen der Bug und eine markante Brücke, sowie das Bergprofil im Hintergrund. Die TB beschrieb mir, dass sich noch eine weitere, kleinere Brücke strandseitig befinde.
Nach gut 5 Stunden hatte ich ansatzweise das mögliche Gebiet der Strandung gefunden - aber wo genau? In der möglichen Umgebung fand ich eine "Villa" und einen davor sitzenden uralten Mann ... ob der was weiß?
Der alte Mann versteht nur italienisch - es folgte eine komplizierte Konversation! Allerdigs lächelte er zusehens, nachdem ich ihm das alte Foto aus meiner Literatur zeigt, und er verstand was ich wollte. Er ließ zu meinem Erstaunen alles stehen und liegen, setzte sich in seinen kleinen Fiat und fuhr mit mir zur Strandungsstelle. Präzise, mit einem permanentem Lächeln, zeigte er mir die Richtung, in die ich zu tauchen hätte.
Ich bin äußerst skeptisch, jedoch schritt die Zeit dem Abend entgegen, und ich fragte, ob/warum er es denn so genau wüsste: "Ich habe den Dampfer absaufen sehen, ich habe die Bergungsaktionen der Ladung mit verfolgt und..."! --> Volltreffer! ;-)).. noch ein paar nette Worte - und ich musste in`s Wasser!
Ich nahm die vermeintliche Richtung per Kompass, rödelte mich am Strand zu einem "Erkundungs-TG" mit einer 15er versehen an, legte mich auf den Rücken und verfolgte den Tiefenverlauf des Grundes. Ich wusste, dass der Dampfer auf ca. 30m beginnt, auf ca. 60m endet und ziehmlich genau fahrtrichtungsmäßig auf den Strand gerichtet und sehr groß ist.
Nach ca. 150m bemerkte ich einen "Knick" -abwärts- am Grund, also Zeit - abzutauchen. Ich hatte mich etwas weiter links hinsichtlich der Richtungsangabe des alten Mannes gehalten, um auf 40m abzutauchen und dann parallel zu Küste zu tauchen - so würde ich unweigerlich auf den Dampfer stoßen, ...wenn alles stimmte und der Luftvorrat reichte.
Ich folgte grundsätzlich der Richtungsangeabe des alten Mannes (nur halt etwas versetzt). Auf ca. 30m, bei schlechter Sicht, bemerkte ich dennoch einen großflächigen Schatten, der sich langsam deutlicher werdend vom restlichen Blau des Meeres abhob. Es wurde immer gespenstischer, und ich gebe zu - die Aufregung wuchs!
Vor mir sah ich Luftblasen einfach aus dem Sand aufsteigen, einer Perlenschnur gleich. Könnten das bereits die verschütteten vorderen Laderäume sein?
Allmählich taten sich vor mir 2 riesige, dicke Lademasten auf - mehr erstmal nicht.
Der Schatten entpuppte sich nun als Teil der Aufbauten, die sich entsprechend der Lage des Wk`s zum "Sandschwall" vom Grund erhoben. "Ich hab ihn!" dachte ich mir und war beinahe "unkontrolliert" aufgeregt.
Das Wrack ist spärlich bewachsen, und seine exponierte Lage (das Vorschiff/1.Teil Mittschiffs bis nahezu zum fehlenden Schornstein ist vollständig vom Sand bedeckt), mit den StB-seitigen, ausgeschwenkten Davits, den jetzt allmählich aufragenden Aufbauten etc., macht es zum eindrucksvollen fliegenden Holländer der Unterwasserwelt. Einfach nicht mit treffenden Worten zu beschreiben und .. wer nicht dort gewesen, für den auch nicht recht nachvollziehbar!
Dem Schiff Richtung Heck folgend, wird alles "deutlicher" und massiver - langsam wird der Eindruck einer gigantischen alten Lady war, die in ihren Ausmaßen die bekannte "Thistlegorm" beinahe übertreffen könnte und sich schauderhaft aus dem Sand erhebt, in dem verzweifelten Versuch - sich der erdrückenden Sandmassen zu erwehren!
Alles da! Fockmast (ragt weiter vorn "einfach so" aus dem Sand), Hauptmast, Lademasten, Winchen, Tauwerk, Aufbauten, teilweise noch die Holzbeplankung, ... teilweise gefüllte Laderäume (Mitte) - und nicht nur mit Sand !
Unbeschreiblich schön!
Der Luftvorrat ging zur Neige und es war eigentlich dringend an den Rückweg zu denken.
Abstecher in den Laderaum unmittelbar hinter dem Maschinenraum (nachdem im MR nix dickes zu sehen war außer überwiegend Sand). Etwas die geplante Grundzeit überschreitend noch den LR "versuchsweise" vorsichtig "ergraben" .. .. und siehe da - zwei volle, original verkorkte, Weinflaschen gefunden! ;-)
Mit 20 Bar problemlos ausgetaucht, da ich die Deco am Grund in Ruhe "abgesessen" hatte und so der -weitere- Luftverbrauch auf das Minimum reduziert war.
Der alte Mann stand noch bei meiner Freundin am Strand, sie unterhielten sich angeregt. Er war sichtlich erfreut, dass ich den Dampfer gefunden hatte und stolz, dass seine Richtungsangabe nahezu perfekt war. Nochmehr erfreute es ihn, als ich ihm ein kleines Geschenk übergab - nach 62 Jahren! ;-) Ohne ihn hätte ich den Dampfer wohl eher nicht gefunden!
Am nächsten Tag führte ich einen ausgiebigen Vormittags-TG bis zum Heck des Dampfers (mit 100% O2 - Deco, ab 6 Meter) durch, auf gut 46m (inkl. der Laderäume). Nachmittags dann war trotz 5 h Oberflächenpause der TG in der Grundzeit erheblich beschränkt, und die Deco - Zeit dennoch heftig. Ich nutzte diesen TG zum Durchstöbern der (verbliebenen) Aufbauten.. ...
Die italienische "Lauro C" ist 1941 nach Torpedotreffer von einem englischen U-Boot (noch schwimmfähig) auf Strand gesetzt worden. Der Dampfer war zu dieser Zeit noch ein Einzelfahrer und wollte sich in der Straße von Messina einem Verband anschliessen, um seine Ladung (Wein, Bier, Kabel, Tinte, Dynamit usw.) dem Afrikakorps der Achsenmächte zukommen zu lassen.
Nach ca. 2 Jahren und teilweiser Bergung der Ladung rutschte der große Dampfer unweigerlich in die Tiefe; ein Fluss, der Schmelzwasser der umliegenden Berge führt, begrub/begräbt den Dampfer leilweise mit Sediment.
Jedem Wrack-Fanatiker muss und kann ich diesen Dampfer dringend empfehlen. Erst wenn ihr dort ward, werdet ihr "verstehen". ;-)
Der letzte Laderaum ist wegen der Dynamit-Ladung (an der sich div. bedienten), mit einer Schicht Zement, diese wiederum mit Sand bedeckt. Graben lohnt hier sicher nicht! ;-)
Das Schiff ist komplett erhalten, nur der Schornstein fehlt, die Brücke ist (leider) vom Sand unwiederbringlich bedeckt. In dem Deckshaus vor dem Schornstein ist noch eine Art Telemotor zu finden, der bald begraben sein wird.
An dieser Stelle möchte ich meinen Bericht schliessen, ich habe zwar noch Italien "komplett" umrundet, aber hinsichtlich geplanter Rom- und Pisa-Besuche, etc. war trotz weiterer interessanter Wracks in dieser Region keine Zeit mehr (leider).
Namen, Orte, genaue Wegbeschreibung, Positionen sind bekannt und können ggf. weitergegeben werden.
Den Teil der Skizze (römisch eins), welcher vom Sand überdeckt ist, habe ich sinnvoll ergänzt. Zwischen den (niedrigeren) Lademasten und der ehemaligen Schornstein-Position befindet sich ein relativ kleiner Aufbau (mit dem "Telemotor"), aber dieser Aufbau ist in seinen Abmessungen zu klein für eine Brücke; auch ist nicht die Spur einer Nock zu finden.
Keine weiteren Einzelheiten lassen den Schluss zu, dass es sich um die Brücke handelt; zumal dort wohl kaum eine Badewanne steht. Die Wahrscheinlichkeit, dass darauf ein verrotteter Holzaufbau konstruiert war, besteht allerdings zu einem kleinen Prozentsatz.
Die mit arabisch drei gekennzeichnete Stelle ist in Umrissen als Laderaum/Kohlenbunker am Wrack schemenhaft zu erkennen und fällt hinsichtlich meiner Skizze eher kleiner aus. Alle diese Schlüsse lassen in ihrer Gesamtheit die skizzierte Lösung als wahrscheinlich zutreffen.
*** E N D E ***
(c) 2003 Rene Heese
Rechtlicher Hinweise:
(nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
Bericht soll
lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
grundsätzlich
gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)


. Warte schon gespannt auf den Bericht über U-171. Habe die letzten Tage noch ewig im Netz gesucht, es gibt aber doch noch etlich deutsche U-Boote die betaucht werden können.
..Männeken eigentlich ein ... wenn ich etwa gesteinigt werden soll? Jibbs auch Scheiterhaufen, geteert-und-gefedert, gevierteilt, etc. ?


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