2.Reise 07.06.- 13.06.04 Süd Frankreich mit Boot
Aus dem Inhalt:
Routen, Tauchplätze, Wracks, Camping, Ereignisse, (...)
____________ Teil 1 __________
1. Reise, Sizilien
So ein T4 Multivan (Bj.`92, 75Ps, Diesel) ist im Verhältnis zum Nissan Primera, Lim. ein wesentlich besseres Gefährt als "Tauchkiste".
Die 17 Tauchflaschen, verschiedenster Größe, und der andere Kram finden deutlich besser Platz .. und die 2 reisenden Personen (meine Freundin und ich) auch.
Es ist Freitag der 28.05.04 .. endlich Feierabend, 17.00 Uhr komme ich aus den heiligen Hallen des TÜV`s raus, stürze in den noch nicht beladenen T4 und fahre nach Hause.
Das Ladegut ist vorbereitet, Brötchen sind von der Freundin geschmiert, 17 Tauchflaschen grinsen mich an .. auf der Sprechblase der Stahlkameraden lese ich: "..laß uns los .. Alter!".
8 komplette Regler schreien förmlich: "..schließ uns endlich an .. man!"
Und die 100er Kowa."..mach mich alle!" --> wenn das doch nur meine Freundin
sagen würde! Hmm..! ;-/
Ich glaube zu sehen, wie das "S111" sich selbst aufblasen will, es atmet
förmlich.
Dem Elend ein Ende bereiten zu wollen, packe ich den T4 ..und meine Freundin.. ...starte gegen 21.00 Uhr die Hauptmaschine ,und wir setzen uns gen Sicilia in Bewegung.
Wir haben abgemacht, keine Minute (Fahrtzeit/Urlaubszeit) zu vergeuden/vertrödeln.. es wird durchgefahren, fliegender Wechsel an der Tanke. Einer schläft, der andere fährt.. manchmal schlafen auch beide .. "Ööööööhhh, bleib auf der Strasse!" weckt mich meine Freundin (hin und wieder mal). Aber das Meer ruft, schreit förmlich nach mir: "Komm Kleiner .. ich zeig dir schöne Dinge!
Wenn du braf bist, darfst du auch vielleicht mal 70m tief eindringen. Ich hab da auch noch wohlgeformten Stahl für dich, Weinflaschen, Bullaugen, und vieles mehr!"
Uuuuhoooa! Geil!
Ich trete das Gaspedal (nun) bis zum Bodenblech, es bleibt jedoch bei
130km/h. Nun gut, 650km sind ja "schon" geschafft, Milano ist deutlich hinter uns,
bleiben nur noch 1000km! ;-((
*Unfall?*
200km vor Scilla dann fast das Ende der Reise!?
Die Autobahn dort ist sehr kurvenreich, mit engen Kurven, .. zwar zweispurig aber schmal.
Es regnet leicht. Eine Rechtskurve, das Tacho zeigt 90km/h an. Unter einer Brücke hampelt links am Fahrbahnrand ein Männchen, fuchtelt wie wild mit den Armen. Ich fahre links und denke: ``Was will denn der? Nöö, den nehme ich nicht mit.`.! ..gehe aber schon vom Gas.
Dann das Entsetzen pur .. ein Unfall, ..die Fahrbahn über die ganze Breite versperrt, kein Seitenstreifen! Vollbremsung, Räder blockieren! Runter von der Bremse und wieder rein in die Eisen, Räder blockieren! Scheiße!
Runter/rein/runter/rein.. Die Blechbarriere rückt in das Unvermeidliche. Das Heck vom T4 bricht aus .. Gegenruder .. hart Backbord .. eine Lücke findet sich im Caos .. rein da und .. Stillstand!
Eine Sekunde Ruhe, dann meinerseits ein "Ups"!
Die coole Sonnenbrille hängt auf halb Acht, das Basecap liegt sonstwo. Die Freundin ist weißer denn je.
"Raus aus der Karre, lauf nach vorn, irgendwohin, wo`s sicher ist!" ranze ich sie an " der nächste kracht uns achtern rein, ich lotse den Karren hier mal weg".
Der Nachfolgeverkehr lässt Gott sei dank auf sich warten. Ich finde `ne Möglichkeit den T4 Zentimeterweise durch das Caos durchzumogeln .. lade meine Freundin ein und weiter geht`s.
Augenscheinlich "nur" Blechschaden und reichlich Helfer.
Nach 18h kommen wir in Scilla an. Das Meer ist "blauer" denn je, die Sonne lacht und kein Wind. Gegenüber sehe ich Torre Faro, einen meiner Lieblingstauchplätze, die "Strasse von Messina" ist erreicht .. endlich!
*Der 1.TG in Scilla*
Beim Verlassen des Busses knicken meine Knie leicht ein, jedoch ist es erst gegen 15.00 Uhr. Zeit für einen kurzen, flachen TG? ;-// ?
Südlich der alten Festung ist ein langen Sandstrand angeordnet, eine Auto-Strasse verläuft dazu parallel und läd zum ufernahen Parken ein.
Letztes Jahr hatte ich auf einen TG an dieser Stelle verzichtet, jetzt muss ich hier aber rein .. will sehen was es zu sehen gibt!
Um kein Unfug zu machen sattele ich lediglich die 6er - 300bar auf. Das dürfte für einen kurzen und nicht zu tiefen Erkundungs-TG reichen.
16.01 Uhr bin ich im Wasser und tauche Richtung Mündung "Strasse von Messina" ab. Rechter Hand sind schöne Felsformationen angeordnet, herrlich bewachsen, linker Hand ist allmählich abfallender Sandboden. Auf 33,2 m kehre ich um; die Tiefe reizt zwar, aber ich bin grocky von der Fahrt. Das Wasser ist glasklar, die Sonnenstrahlen brechen sich zauberhaft schön. Ich möchte (noch) bleiben, aber die nicht max. gefüllte Flasche ivm. der verbleibenden Luft mahnt zum Aufstieg. Es stellen sich ab 12m leichte Kopfschmerzen ein, Tendenz steigend. Auf 6-3m mache ich die Butz alle, dann mit Kopfweh raus (für den Rest des Tages so bleibend). Die Freundin liegt erst am Strand, nun auf der Sitzbank des Busses .. und schnarcht.
Der TG hat sich aber gelohnt, dort sollte jeder mal `n TG getätigt haben, der die Möglichkeit zum "Basis-und-Guide-freien-Tauchen" hat.
Ich hatte zu Hause alle Flaschen bei meinen Tauchshop des Vertrauens auf 225bar (Zimmertemp.) toppen lassen, damit ich für den Frachter "Lauro C" ausreichend des Mediums der gringen Dichte dabei habe. So war dann geplant, in der Nähe des "Capo dell`Armi" zu nächtigen, um am nächsten Morgen die Tanks am Frachter zu leeren.
*Wrack des Frachters "Lauro C"*
Grundsätzlich nix neues, denn ich habe im letzten Jahr eher ausführlich so einiges über diesen Spot berichtet. So fasse ich mich dann halt (relativ) kurz:
8.35 Uhr tauche ich ab. Das Wetter ist gut, die See ruhig.
Der Telemotor ist auf ca. 35m noch an seinem Platz (grins!).
Ich suche nach den Mannschaftsunterkünften, in welchen noch allerhand "Brauchbares" sein soll. In über 40m dann zahlreiche intakte Bullaugen und der Eingang zu den Unterkünften. Diese sind durch Sandaufspülungen schlecht zu erreichen. Ich hebe mir diese Aktion dann für später auf. Am hinteren Ende des Maschinenraum-Aufbaus dann ein großer und gut zugänglicher Raum mit vielen (leeren) Regalen. Die Kombüse oder eine Art Werkstatt? Die Kombüse ist (leider) versandet, im Aufbau mit der Brücke im ersten Drittel des Dampfers .. das weiß ich. Nun gut, auch das lasse ich mir für einen späteren TG.
Ich möchte nach "meinen" Weinflaschen schauen und die Bergung diverser vorbereiten ivm. der Suche nach den Parfümflaschen, von denen ich derzeit noch keine habe!
Oh je, der LR mit der Ecke in der letztes Jahr die gefüllten Weinflaschen lagen, ist zusehens mehr versandet. Zu meinem Entsetzen finde ich einige "Krater", in denen sich scheinbar noch kürzlich Weinflaschen befanden. Waren hier Spitzbuben am Werk? Grrrrr..!
Ich stecke meinen Arm in den Schlick um die "Tiefe zu messen" .. wieviel ich demnächst hier wohl graben muß. Etwas "Erdreich" hebe ich aus .. ich will es wissen! Schwupp .. es ist nun zwar zappen-duster, aber ich habe eine! Eine große Weinflasche, so wie ich sie noch nicht besitze. Die Zeit verrinnt, ich "_muss_" aber noch tiefer .. in den Bereich mit den Parfümflaschen! Der Weg aus dem LR4 ist beschwerlich, ich muss mich (wieder) zwischen Sandaufspülung und Unterkante Ladeluke durchzwängen .. und das mit dem Gerödel an
Ausrüstung .. und Null Sicht. Es wird heller .. der Weg zu LR5 ist frei.
Dort grabe ich noch etwas, dann ist die Grenze hinsichtlich meiner Luftreserven erreicht. Nix! Der Abstecher war zu kurz!
Nach 69min. und knapp 50 m Max.-Tiefe durchbreche ich in Ufernähe mit einer großen Weinflasche im Netz die Wasseroberfläche. Meine Freundin wird "angewiesen", sich die Hosen hoch zu krämpeln um die kostbare Beute sicher in Empfang zu nehmen.
Wieder bahnen sich Kopfschmerzen an, ich habe das Gefühl kotzen zu müssen.
Die Rein-O2 Deko ab 6m ist planmäßig verlaufen, doch scheinen sich die Strapazen der gestrigen Autofahrt noch bemerkbar zu machen.
So entspanne ich bis Mittags im Klappstuhl mit Meerblick mit der geborgenen Weinflasche in der Hand .. beide fühlen wir uns nun wohler.
Es ist an der Zeit, an den 2.Tg zu denken.
Letztes Jahr hat sich meine Freundin noch heftig vor einem TG an der "Lauro C" gegruselt.
Ich verspreche ihr, mich nur und ausschließlich um sie zu kümmern und nirgends reinzukriechen und bei "ich will nicht mehr" den TG entsprechend abzubrechen. Ich möchte sie teilhaben lassen an meinem LieblingsWrack!
So rödeln WIR unsere Ausrüstung zusammen und verschwinden um 12.40 Uhr von
der Wasseroberfläche im offenen Meer.
Ich peile den Fockmast an, welcher auf 15m aus der abfallenden Geröllhalde aus dem Grund ragt. Es ist lediglich das Mastkreuz zu sehen, an denen sich früher einmal die Stenge anordnete. Das Szenario, wenn man es nicht kennt, stellt sich als Beginn des jüngsten Gericht`s dar. Aus dem relativ trüben Wasser (Sicht ca. 7m) erscheint das Kreuz des Teufels, mit Netzen und darin verendeten Fischen behangen. ..Und greift nach dir! Der Schreck war für sie groß, und sie wie versteinert mussten wir einige Minuten dort verharren, bevor es dann doch langsam weiter abwärts ging. Es ist dann erst`mal wieder und lange Zeit nix zu sehen, bis sich der Schatten des Maschinenraum-Aufbaus aus der Tiefe erhebt. Eine immer dunkler werdende Wand. Es erscheinen dann die Lademasten, dahinter dann der MR-Brückenaufbau. Nun wird das Wrack klarer.
Auf 33m stellen sich Probleme bei meiner Freundin ein, sie verliert die Orientierung und weiß nicht mehr, wo oben und unten ist. Von ihr nun das Zeichen zum Auftauchen/Abbruch des TG`s. Wir umrunden noch den MR-Aufbau, steigen dabei höher auf 25m und tauchen Richtung Halde, dann normal aus. Ich behalte sie stets im Auge, lasse sie aber "machen".
Nach 55min. ist auch dieser TG beendet, ab 10m war bei ihr alles i.O. Ich musste entspr. lange dekomprimieren, wegen 2.TG und so sind es dann halt 55min. geworden.
An der Oberfläche haben wir ihr Problemchen ausgewertet und sind auf den Stress der Autotour gekommen.
Alles ist rel. gut verlaufen, und abends haben wir auf ihren ersten "Lauro C" - TG mit `ner Picolo Sekt angestoßen. Ein schöner Tag.
*Weiter nach Sizilia*
Bei dem Glas Sekt beratschten wir unseren weitern Verlauf der Woche: Ich wollte noch ein bis zwei Tage hier bleiben um div. zu bergen, sie wollte nicht allein am steinigen Strand sitzen und hoffen, dass ich wieder hoch kommen.
So einigten wir uns darauf, dass wir unsere Reise am nächsten Morgen gen Sizilia Palermo fortsetzen, um dann am Ende der Woche div. zu bergen. So könne sie dann "mit gewissen Eindrücken" am Strand auf mich wartend hoffen, dass ich "erfolgreich" sein werde. ;-//
* Fortsetzung folgt *
(c) 2004 Rene Heese
