*Wrack Amerique, beinahe der letzte TG?*
Abends holte ich mir von "meiner dortigen" TB von Gianmichele noch die Stillwasserzeiten für den morgendlichen Strömungs-TG bei Torre Faro an der "Amerique".
Er warnte mich, ggf. nicht zu tauchen .. es ist Vollmond, die Stillzeit minimal, starker Nordwest-Wind --> einfach die ziemlich ungünstigste Konstellation für den Platz dort!
"Sei tapfer und tauche trotzdem" war seinerzeit ein Lösungsvorschlag bei der Padi-OWD - Kreuzmalan-Prüfung! Das habe ich mir dann auch so gemerkt! ;-)
8.00 Uhr sollte Stillwasser sein. 7.45 Uhr verschwand ich von der Wasseroberfläche um mir die Ruhe für den Rückweg zu lassen.
Die "Strasse" wollte es diesmal _wirklich_ von mir wissen: fest an den abfallenden Grund gepresst arbeitete ich mich Meter für Meter an den auf 40m
liegenden Bug des Dampfers heran. Die Strömung verlief von Nord nach Süd, ein weiterer gravierender negativer Part! Sie reißt dich tendenziell vom Ufer weg, während bei Süd-Nord - Verlauf es dich eher an`s Ufer drückt, insoweit man dann davon überhaupt sprechen kann.
An der Unterspülung des Vorschiffs angekommen, zieht mich die Strömung im eigentl. Strömungsschatten entlang der Außenhaut in den Mittschiffsbereich auf knapp 50m. Soweit ist alles geplant und auch durchdacht. Dort an der Reeling angekommen kämpfe ich mich an Wrackteilen hangelnd und wie eine Fahne im Wind wehend auf das Deck, erkunde in 52m die
Maschinenraum-Aufbauten. Die Strömung ist erbarmungslos, ungnädig und brutal. Die Wirbel auf dem Deck und im Bereich Aufbau Maschinenraum und Aufbau Brückenreste machen es erträglich sich nun Richtung Vorschiff zu bewegen. Eine kurze Erkundung noch der Brückenreste .. ich kann nicht widerstehen! Leider!
Ich bin lediglich mit einer 15er Kanne und einer separ. Stufe, also einem Automaten bewaffnet, während ich die TG`s im letzten Jahr dort auf gut 60m mit deutlich mehr an Flaschen und Luftvorrat tätigte.
Das Fini zeigt 120 bar .. deutlich zu viel Luft verbraucht .. und der gnadenlose Rückweg steht erst bevor!
Wo bleibt das Stillwasser???
Ich mache einen gravierenden Fehler .. warum/wieso.. weiß ich bei Gott nicht mehr!!!!!
Es war nun eigentlich geplant, an der gegenüberliegenden Seite, der Steuerbord Seite den Rückweg Richtung Bug und Ufer zu tätigen. Die Strömung zieht mich ab der Hälft der Schiffslänge tendenziell und physikalisch bedingt (erst`mal) Richtung Ufer.
Ich gehe jedoch auf die falsche Seite, die linke (Bb.). Hier drückt mich die Strömung nach achtern, in`s Tiefwasser!
Auf 44m ist Feierabend, die Reeling an der ich mich gegen die Strömung entlanghangele gibt nach, ich rutsche ab, ich greife nach einem Netz dort, das "spult" sich wie im schlechtgemachten Film ruckweise ab. Ich ziehe mich wieder an den Dampfer, tauche etwas ab um der Strömung teilweise zu entkommen, ergreife noch einen Lederkorallen-Noppen an der Bordwand, dann gibt beides nach.
Mit Netzstücken und Noppen in der Hand verabschiede ich mich vom Dampfer .. in windeseile..
Ich schaue auf meine Viper am Arm .. bin noch satte 40m tief, ich schaue auf den Cobra .. noch 68bar, tendenzieller Luftverbrauch .. wenn so weiter, dann in wenigen Minuten empty!
Blick auf Tauchzeit und Tiefe ivm. mit hoher N2-Sättigung wegen Anstrengung und so .. toll! 25min Deco!
Jupp, klasse gemacht ..du Genie!.. du hast nun genau 2 Möglichkeiten:
A) treiben lassen, Atmung ruhig stellen, anblasen auf 12m und schrittweise
deco,
wenn Butz dann mal alle --> raus .. im Mitten vom Fahrwasser, wo die
30-tausend-tonner schippern! richtig fern vom Ufer, beiderseits!
B) Dampf/Gas/Bewegung in die weiche Volo-Flosse und im 70° Winkel rel.
rechtwinklig zur Strömung an die rettende Geröllhalde und dort an den Grund
gepresst die Deco mit dann deutlich weniger Luft im Kanister optimal
gestalten.
Schnell wählte ich Möglichkeit zwei! Auf 12m tariert und Gas! Es ist nun etwas weiter zum Grund, aber ich wollte die 12m schon nutzen.
Mit 15bar in der Butz presste ich mich in 14m Tiefe an den rettenden 45° abfallenden Grund, nachdem ich ca. 800m südlich vom Wrackabgetrieben wurde.
Ich kletterte auf 9m, sah eine Stein-Buhne und verkroch mich dort im Strömungsschatten und tat nun alles daran, meine Atmung ruhig zu stellen.
Ich war grenzenlos fertig.
30min. sollte nun "regelgerecht" der Aufstieg ohne Rein-O2 so ca. dauern.
Nach 10min. kam auf 3m nix mehr. Die Butz war leer und ich musste raus. Jetzt noch das gekraksel an/auf den Strand .. wo bin ich wo ist der T4 mit dem "rettenden Rein-O2". Na ja, ich muss halt die Strasse entlang Richtung Norden! Mit oder ohne Ausrüstung! Besser ohne .. nö zu teuer .. scheiß egal .. die muss mit, als dass sie hier am Strand einer brauchen kann.
Der Fußmarsch ist quälend endlos, ..da der T4, ..die Frau sitzt drinne und ließt, es regnet gerade und ist windig.
Sie beobachtet mich, wie ich ungewohnt achtlos meine Ausrüstung ablege, fast fallen lasse und ..aus der falschen Richtung komme.
Die Heckklappe reiße ich auf, nestle eine meiner 4er - Rein-O2-Flasche mit Sauerstoffregler fertig. "Was ist los" fragt sie. Ich gebe mit der Hand das Problemzeichen und quäle mir verbal ein"..ist dumm gelaufen.. Scheiße gebaut" raus. "Mach den Klappstuhl fertig .. Wasser, alles was wir haben!"
Wenige Minuten später sitzen ich in Decke gehüllt mit Sauerstoffregler im Schnabel und 4er Butz im Schoß auf dem Klappstuhl und lasse mich mit Trinkwasser bis nahezu zum Erbrechen vollaufen!
Eine knappe Stund halte ich so durch, das musste reichen.
*Die Strömung war Berichten zu Folge ca. 5,5 Knoten schnell, und Stillwasser
gab`s nicht wirklich!*
Jupp, ..ist in soweit gut gegangen, ich lerne d`raus!
Die 2 weiteren geplanten (Berge-) Tauchgänge a.d. "Lauro C" konnte ich nun für den Nachmittag vergessen.
Also gemächlich die Flaschen füllen lassen, dann rüber mit der Fähre nach Calabrien und Richtung "Lauro-C - Campingplatz". Ich bin wohl früh ins Bettchen gegangen.
*Samstag, an der "Lauro C"*
Es ist wieder Morgen, ich erwache, checke meine Glieder nach "Bends" ..
alles bestens. Die Birne brennt noch etwas, aber sonst!? Okay!
Keine Deco-Krankheit .. Glück gehabt !!
Zeit zum Aufbruch zum Frachter "Lauro C"
Dort sehe ich schon von weitem die Küstenwache! "Wat woll`n die `n da?!"
Eine Korvette, eine Barkasse, ein Schlauchboot .. das war das Aufgebot. Es begann nun ein Katz und Maus - Spiel: Ich rödelte meine Ausrüstung für einen langen TG am Dampfer zusammen und die Barkasse nährte sich zusehens der Küste, dem Ufer. So`n Mitarbeiter der "Guardi Finanza" beobachtet mich permanent/dauerhaft/unentwegt mit dem Feldstecher!
Um es kurz zu machen: nach einer Stunde schickte man "mir" ein Auto mit der Aufschrift "Guardi Finanza" vorbei, die Beamten machten deutlich, ich möchte doch bitte gehen, mit Ausrüstung, und bitte nicht wieder kommen. Es sei Tauchverbot hier ....nachdem hin und wieder Taucher hier gesehen wurden, Tendenz zunehmend!
Nun gut, das war`s dann endgültig. Frustriert und überhaupt entschieden wir uns für die Rückreise nach Deutschland. Eine Stunde später verschwand die Strasse von Messina im Rückspiegel des T4 bei 100km/h Reisegeschwindigkeit.
Meine Freundin munterte mich hinsichtlich des TG`s vom Vortage auf, ich
solle doch zu Frieden sein, daß mit mir alle i.O. ist.
*Wie Recht sie doch hat!*
-----------Ende------------------
(c) 2004 Rene Heese
rechtlicher Hinweis:
(nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
Bericht soll
lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
grundsätzlich
gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)


<-- "ups" ! 
Und wenn wir schon mal dabei sind; im Stehen Pissen jibbs bei mir auch nich .. sonst keine weiteren Regeln .. für eventuelle Gäste.
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