Teil 1
In der Nacht vom 20.07. zum 21.07.03 starteten meine Freundin und ich zu einer geplanten Frankreich - Tour mit dem Pkw. Meine Freundin nicht sonderlich begeistert von den vielen zu fahrenden Kilometern, ...hielt ich die endgültige Route als "offen", um Urlaubsstress abzubauen! Nun gut, die Route stand in soweit (doch) fest: von Ravensburg nach Paris, dann Richtung Kanalküste, rüber nach England (Ziel: Land`s End) von Cherbourg aus, zurück nach Frankreich (Roscoff), weiter nach Brest, Lorient, la Rochelle, Bordeaux, Biarritz, über Toulouse nach Marseille, ..die Heimreise dann über Genua.
Erste Wrack-TG waren in Süd-West - England geplant, weitere in Roscoff, in der Region um Brest, vor Lorient bis hin zu Belle-Ile, ggf. im Gebiet um la Rochelle.
Die vorgelagerte Küste Nähe Bordeaux schien mir hinsichtlich meiner Recherchen weniger interessant zum Tauchen, ..und Urlaub wollte meine Freundin auch noch machen! Biarritz habe ich gewählt, weil eine schöne Stadt/Gegend und der Umweg nach Marseille sich auf ca. 200 vertretbare Kilometer beläuft.
"Was willst du mit den ganzen Flaschen?"
"Unabhängig Tauchen, Kleines! Weiß ich wer/wo und warum unsere (zwei) Flaschen nicht füllt? Wie war`s denn kürzlich in Süd-Italien?" entgegnete ich meiner Freundin.
Also belud ich Sonntag Abend das Auto weiter mit: 3x15li, 1xD6, 1x7li, 2xD4, 2x4li, 1x6er 300bar ..in der Summe dann 13 Flaschen; mit Luft/Nitrox/ReinO2 gefüllt. Nachdem das Fahrzeug (93er Nissan Primera, Lim.) mit dem Notwendigsten (Tauchausrüstung, Zelt ivm. Geprätze) beladen war, blieb glücklicherweise noch "etwas" Platz für den pers. Kram meiner Freundin, ...in Form einer kleinen Tasche! ** Ups**
"Sooo, .. abfahren jetzt!" sagte ich, "stoß dich nicht am Blei in deinem Fussraum, ich kann die Hinterachse nicht überladen ..und vorwärtskommen wollen wir ja auch!"
Die Fondsitzbank hatte ich ausgebaut, die Rückenlehne als "Schott" gelassen. Alle Flaschen waren (wie immer) fein säuberlich im Fond verstaut und arretiert, darüber das "leichtere Zeug" und im Kofferraum dann das "Fliegengewicht" wie Schlafsäcke und ähnliches.
Am Morgen trafen wir nach gut 8 h Fahrt in Paris ein; eine wunderschöne Stadt!
Ahh, ein rel. preiswertes Hotel am Stadtrand! "Glücklicherweise" riss ich mir beim Rückwertseinparken an dem meterhohen Bordstein mit dem "etwas" tiefergelegten Auto den Stoßfänger hi/re ab! Na super! "Ich laufe mal schnell rüber und mache das Zimmer klar!" sprach sie und war augenblicklich verschwunden, um einen erwarteten Tobsuchtanfall meinerseits zu entgehen!
15 Minuten und die Sache war mittels Inhalt aus dem Taucherwerkzeugkasten behoben und freudestrahlend bezogen wir das Zimmer.
Gut, nun möchte ich euch nicht unbedingt mit meinem zweitägigen Aufenthalt in Paris langweilen; nur so viel: das einfache Softeis am Eifelturm kostet 4,- Euro, und es ist dringend zu empfehlen, das Auto stehen zu lassen und alles mit der Metro (Tageskarte) zu erkunden!
"So, reicht jetzt mit alten Häusern und shoppen! Ich will Wasser, großes Wasser und viel Alteisen!" dachte ich. Also Aufbruch und weiter nach Cherbourg über Caen. Kurz vor Caen ging die (erwartete!) Zankerei los, warum "wir nun (noch) unbedingt nach Engeland" müssten. ... ... Meine Kleine stellte mir die Alternative; Engeland = sie bockig / nicht Engeland = ich Schaum vor`m Mund...
Gut, dann erstmal patt und neutrale Richtung nach Avranches weiter ..um (erstmal) zu diskutieren!
Mein Gedankengang war klar; doch bevor ich mich entlossen äußern konnte mischte sich beherzt das Schicksal ein!
Eine gewaltige Detonation
"Mist, wir sind getroffen!" ..dachte ich mir. Geistesgegenwärtig tätigte ich einen 360° - Rundumblick. Eine aufsteigende/zusammenfallende Wassersäule konnte ich nicht entdecken. Demzufolge war ein Torpedo-/Minentreffer auszuschliessen! Artillerie .. was ist mit Artillerietreffern? Ohrenbetäubender Lärm, .. Blick auf den Maschinenleitstand: alle Instrumente i.O.! Ruderanlage: Lenkbarkeit ist ohne Beeinträchtigungen! ...gut, erstmal rechts ran auf den Standstreifen .. einnebeln geht nicht - da kein Diesel .. gut, dann Fahrzeug mit den 4 Stück "Einstrich-Keinstrich NVA - Decken tarnen..!
Ja, da ist doch wirklich/tatsächlich der Nachschalldämpfer (wörtlich) explodiert! Scheinbar macht es wenig Sinn, in F die preiswertere Variante von "95 sans plomb" (90-95 cent im Verhältnis zu 1,05-1,12 Euro) zu verwenden.
Eine in der Nähe befindliche No Name - Werkstatt, schaute sich bedäppert den Schaden an und verwies uns nach Rennes in die "nächste" Nissan - Vertragswerkstatt! Im optimierten Drehzalbereich fahrend, um den Fz.-Lärm in Grenzen zu halten, herrschte sonst absolute Ruhe!
Bei Nissan angekommen, war dann hinsichtlich der Ersatzteilbeschaffung klar, dass wir diesen hübschen Ort vor Donnerstag Mittag nicht verlassen werden!
Tschüss Engeland!
..mit Ren(n)e durch Rennes rennen, so gestalteten sich die nächsten 48 h ! Gott sei Dank hatte "sie" ihre eigene Kreditkarte!
Rennes, Donnerstag, 24.07.03, 11.48 Uhr, Nissan - Vertragswerkstatt: Anlassen der Hauptmaschine und weg aus dem Ort endlosen shoppens!
Über Paimpol , Küste der roten Felse ( Cote de Granit Rose) ging es dann nach Roscoff. Wir lagen "gut" im Zeitplan, denn 3 geplante (ausgefallene) England-Tage minus 2 Werkstatt-Tage ergabe 1 plus! ...Super!
Roscoff ist ein äußerst malerisches Städtchen im englischen Stil (Bretagne), absolut einen Abstecher wert! Ein kleines privates Museum läd für 5 Euro zum Besuch von Relikten des II. Wk. ein. Ein alter, verrosteter Sherman steht draußen vor der Tür um Touris anzulocken. Die Ausstellung ist so übersichtlich, dass mir ein Blick vom Eingangsbereich genügte und ich somit 2x 5 Euro in die Tauchkasse "transaktionieren" konnte.
Keiner möchte mich im Hafen zu dem auf ca. 20m Tiefe vor der Küste liegenden dt. Zerstörer fahren. Von den anderen Dampfer sprach ich schon gar nicht mehr.
Ein unmittelbar am Strand liegender Zeltplatz weist eine TB in Form eines nicht besetzten Containers auf! Auch hier liegt der Erfolg, eine Bootsausfahrt zum genannten Ziel zu finden bei Null! Mir den blasigen Speichelfluss aus den Mundwinkeln wischend, also sofort und direkt weiter nach Brest!
"Nix da - Unterkunft/Zeltplatz suchen! Dat können wir noch abends machen! Erst Dampfer klar machen!" Der Stickstoffentzug begann zu wirken! ..Einen Tauchshop (traumhafter Laden!) gefunden und mein Anliegen (mit Positionsangaben) geradebrecht, einige Info`s bekommen und weiter gehetzt (es wurde schon spät) und letztendlich auf einem Zeltplatz mit zwo in der Nähe befindlichen TB`s gelandet. ...Hin zu der einen TB und der gerade das Festrumpfschlauchboot slippenden Belegschaft ein Gespräch aufgedrängt. Sprechblase der Truppe frei übersetzt: "Kerl, ..lass uns doch erstmal dat Boot aus`m Wasser kriegen, an das Ausziehen der Nassanzüge denken wir ja schon gar nicht mehr!"
Sie kamen gerade von einem auf 25m liegenden unbekannten Minensucher und wollten (grundsätzlich) den nächsten Wrack-TG erst in 2 Tagen tätigen! Mit der "Gerechtigkeit dieser Welt" hadernd zog ich mich mit Pastis im Kopf in meinen Schlafsack zurück. Morgens stellte ich dann fest, dass die 2. TB nicht besetzt ist. Ab in die Stadt/Hafen, Dampfer chartern! * Wieder nix! *
Brest, Freitag, 25.07.03, 11.23 Uhr, vor "den Toren" der dt. U-Boot - Bunker:
Wachmann radebrecht - Öffnung erst 14.00 Uhr!
Mein Leben ist die Hölle, Mist!... würde jetzt Bernd Brot sagen!
Schnell ein paar heimliche Fotos von der Seite (noch milit. Anlage), ..denn .. wenn das so weiter geht, falle ich ja ggf. noch tot um und habe noch nicht`mal Fotos! ..Also noch bisschen (2min.) die wieder aufgebaute Stadt angeschaut und weiter nach Lorient, dabei trug ich meine "Hassmütze".
Dort angekommen dann erstmal zu den U-Boot - Bunkern, die schon aus der "Ferne blitzten". Was für ein Komlex tat sich da auf! Es war hier möglich ohne weiteres in diesen (allgemeinen) Komplex mit dem Auto einzufahren. 500m nach dem Passieren des KDL (ringsum ganz viele Bunker-Gebäude), nehme ich schemenhaft rechter Hand etwas "Bekanntes" war, ein zweiter Blick, Vollbremsung, Atmung versagt/setzt aus!
Eine riesige Slipanlage zwischen zwei Bunkern und .. am Ende ein ..Walter- Boot, Typ XXIII !
Jooo! Jetzt fängt mein Teil des Urlaubs an! Ohne Worte blitzartig das Auto verlassend, Fotoapparat ergreifend, Freundin irgend`was murmeln hörend, rechts/links schauend - niemand da! .. zum Boot laufend, stolpernd, in Maschendraht fallend ---> das Boot um Gottes Willen anschauen und fotografieren .. bevor dich hier (wieder) jemand vertreibt! Drittes Bild im Sucher, ..stocken, hää? ..was sind das für zwei Buckel am Bug .. einer on top, einer unter Kiel? Wer hat die angeklebt? Das gehört nicht an`s Walter Boot!
Es gab sich noch an diesem Tage, dass ich erfuhr; es handelt sich um die alte französische Daphne-Klasse. Na egal, jedenfalls eine herrliche Kulisse! Aber die Anlage (stark angerostet) und das so geslippte Boot .. hätte auch ein "vergessenes" dt. Boot beinhalten können, jedenfalls auf den ersten Blick! Sooo!
Wir (jetzt zu zweit) schlichen uns durch Lücken im Maschendrahtzaun in die Bunker. Einige werden kommerziell von div. Bootsbauern genutzt. "Ist wohl gerade Mittag, was? Keiner da!" ergötzte ich mich. Teilweise `n ziemlich alberner Anblick; fast alles "original", und jetzt dümpelt da `n halb fertiger Trimaran aus GFK ohne Mast darin! So ..weiter! Jetzt "kriegen" die kleinen Stahl-Gebäude einen frischen grauen Anstrich, und der Maschendraht ist neu und lückenlos .. ups! .. genutztes Militärgebiet! ---> Weg hier!
Wieder auf öffentl. Gelände (ein Liedchen pfeifend) finden wir Wegweiser zu einem Bunker, zu dem es eine Führung in F und E gibt. Schnell die englische Ausführung für 2x 5 Euro gebucht ..und .. super und lohnenswert!
Alles ist in soweit noch da; nur deutsche Schriftzüge sind nicht mehr zu finden. Die franz. Marine nutzte bis kürzlich diesen Teil der Anlage für ihre Boote, die Daphne-Klasse. Die gesamte Mechanik wie Kräne, "Laufkatzen", Seilwinden, Docktore, Panzerschotte, .. alles original und an seinem/ihrem Platz!
Eine absolut informationsreiche Führung und das im guten Englisch!
Lorient wurde zu 90% von den alliierten Bomben zerstört. Dieser Bunkerkompex (Hauptstützpunkt von Brest, Lorient, la Rochelle und Bordeaux) ist seiner Zeit wie eine Stadt mit Kino, Versorgung, Krankenhaus, Wohntrakt und waffenstarrend konstruiert worden, an dem sich die Alliierten die Zähne ausgebissen haben. Es sind keine! beeinträchtigenden Schäden trotz 2 - Tonnen - Bomben (Talboybombs) zu verzeichnen gewesen! Die Zufahrt ist durch einen riesigen versenkten Frachter versperrt (gilt jedoch nicht für aus-/einlaufende U-Boote, die passen da gerade noch vorbei) und gegen seeseitige Feindeinwirkung geschützt. Der Frachter schaut noch immer teilweise aus dem Wasser und ist als solcher zu erkennen. Mir wurde das Tauchen dort untersagt! Ach hätte ich doch nicht gefragt!
Nach einer Stunde endete die Führung so, dass die von uns heimlich besichtigten Bereiche von dem geführten Rundgang nicht erfasst waren. Die Dame dort verwies mich nach Schilderung meines Anliegens (Tauchen) an diverse TB`s.
Der Landzunge weiter folgend erreichten wir nach 10min. Fahrt Lamor Plage, ein kleines Lorient zugeortnetes Dorf. Nähe der alten Kirche ist eine bescheiden anmutende TB ansässig.
Also rein; kurze Begrüßung beiderseits im verständlichen Englisch; ..und mein Anliegen vorgetragen: "Guckst du hier, dt. U-Boot, U171, Pos. N 47°39.531` W 003°34.776` , Tiefe max. 38m, fährst du oder stirbst du?" "Wir haben schlechtes Wetter und einen steifen Westwind ..und regnen tut es auch schon ewig!" entgegnete er mir. Der Medusa in nichts nachstehend drangen ein Dutzend züngelnde Schlangen aus meinem Kopf, meine Unterlippe zog sich zurück, die Eckzähne mutierten zu Reisszähnen und übelriechender Schaum quoll hervor! Eine Woche war vergangen, und ich hatte noch nicht`mal Wasser berührt! Es war später Nachmittag.
"Hah, Moment, ..mir fällt da folgender Deal ein." entgegnete er mir sichtlich entsetzt, "Morgen früh fahren wir dich zu einem kleinen Trawler (15m Tiefe!), und übermorgen soll`s dann zwar einen steifen aber immerhin einen Nord-Ost Wind geben; ich denke die Welle baut sich bezüglich dieser Positionsangabe für unser Boot in vertretbarem Maße auf. Ich kenne das U-Boot."
Die Schlangen wichen mürrisch in ihr Nest zurück, meine Unterlippe überzog die noch sicherheitshalber vorhandenen Reisszähne und ich genehmigte mir "Fisherman`s". Es ging dann weiter wie auf dem Pferdemarkt; ich tauschte den für mich nicht interessanten Fischdampfer gegen den Speerbrecher "134", Ex "Falke" auf N 47°39.111` W 003°26.521`. Auf der an der Wand hängenden Seekarte zeigt ich ihm, dass bei dem gegenwärtigen Westwind und dem östlich und unter Land unmittelbar an der Insel Groix liegenden "Falke" mit Windstille und spiegelglatter See zu rechnen ist.
"Abgemacht" sagte er "Ggf. machen wir dann nachmittags noch einen flachen (Naturtauchgang)?!" Schon wollten die Schlangen wieder aus meinem Kopf, aber ich pfiff sie zurück! "Morgen früh der Speerbrecher und übermorgen dann U171. Dann sehen wir weiter." Nach Preisen, Regeln u.ä. fragte ich nicht mehr, das war mir schlichtweg egal.
Der Campingplatz ist sehr zu empfehlen und bezahlbar. Es blinzelte nun gerade kurz mal die Sonne (Sonne .. was war das eigentlich?), und in das Stühlchen zurückgelehnt schien nun auch (mein) Tauchurlaub beginnen zu wollen. Was für ein wundervoller Abend!
Fortsetzung folgt
(c) Rene Heese, 2003
rechtlicher Hinweis:
(nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
Bericht soll
lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
grundsätzlich
gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)
