5400 km Frankreich, Reisebericht (3)

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  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #1

    5400 km Frankreich, Reisebericht (3)

    Teil 3



    Aufbruch Richtung Marseille

    Ich habe nun das Maß eines Reiseberichtes schon übervoll und es ist vieles schon durch mich weggelassen worden. Es gibt noch eine weitere Woche zu berichten, nunmehr viele TG´s (Mittelmeer), u.a. einen besonderen TG zum Wrack der "le drome" auf 51m vor Marseille. Eine Rettungsaktion einer ganzen "Ringelpietz" - Tauchtruppe, bei der meine Freundin und ich ebenfalls dabei waren.

    Weiterhin besuchte ich Europas größte Düne (117m hoch!), die "Dune de Pilat" - zählt für mich zu den Weltwundern dieser Erde! La Rochelle, Bordeaux und Biarritz sind eigentlich eine ausführliche (Stadt-) Beschreibung wert .. traumhafte Städte!

    Nachdem ich nun den TG zu U171 als einen Erfolg verbuchen konnte und mit der TB "Blue Live" www.bluelive.net (F) 56260 Lamor-Plage, Port Maria sehr zufrieden war, nahm ich weiterführende Gespräche mit der TB - Leitung auf. Ich hatte noch einige konkrete Positionsangaben von diversen Frachtschiffen. Ich erhielt auch promt einige Hinweise (Bootscharter) die es anzufahren galt. Allerdings wurden einige Wrackpositionen von Mickael "gestrichen", mit den Worten: "..Zustand nicht sehenswert..". So hatte sich dann einiges erledigt.

    Wir sind dann weiter nach Carnac gefahren, um uns eine (uralte) Steinanordnung anzusehen. Gut - für mich nicht sonderlich interessant; ich vermutete eher eine super Panzersperre aus dem II. Weltkrieg dahinter, als eine Kultstätte vor unsere Zeitrechnung. Die Freundin war begeistert! Dannach weiter nach Quiberon, um die "Kansan" (11500 t), "Lancastria" ein 16243 t - Passagierdampfer bei Sain Gildas, "Goathland" (5300 t) auf 46 - 60m Tiefe, u.a. zu betauchen (..übrigens liegt südlich und unweit Lorient ein I. WK - Schlachtschiff auf nur 8m in Strandnähe, bei Ebbe leicht zu finden und es soll sich lohnen einen TG dort zu tätigen).

    Wie nicht anders zu erwarten war Quiberon wiedereinmal ein Reinfall; der "Laden" war zu, und ich wählte die von Mickael erhaltene Rufnummer: Nix! Es stand noch eine zweite Nummer an der Tür: "Hällo, eiäm Rene, a dschömen deiver, du ju spiek inglisch?" ..Aufgelegt! ..Frechheit! ..Neuer Versuch: " plongschör, zentre de plongscheeh?"

    Aaaaahhh! Da schnatterte plötzlich die Dame drauf los, in sauberem französich. Gut, dies`mal legte ich auf, ich verstand ja nix! ..Dann noch ein bisschen den hübschen Hafen angeschaut, nach Charterbooten Ausschau gehalten und tschüss verregnetes Quiberon!

    In einer Sause fuhren wir nach la Rochelle durch. Hier bestätigte man mir, die Sichtweiten liegen üblicherweise bei ca. 2 Metern, so dass wir uns darauf beschränkten, den wunderhübschen alten Hafen mit seiner Wehranlage anzusehen. Ich unternahm nichts hinsichtlich eines mir bekannten weiteren Deutschen U-Bootes (sichtlich deprimiert).

    Am späten Nachmittag fuhren wir nach Royan, um mit der Fähre über den Gironde für ca. 25 Euro überzusetzen. Man kürzt ordentlich ab, wenn an der Cote des Landes gezeltet werden soll,.. und einen gigantischer Ausblick (auch auf das imposante Seezeichen Phare de Cordouan) gab es inklusive; hier schien plötzlich die Sonne!

    Wir fanden einen schönen Zeltplatz (fest in Deutscher und Österreichischer Hand), direkt am Atlantik! Rasch das Zelt aufgebaut und ohne Waschen in den gemütlichen Schlafsack (Sanitärtrackt bereits geschlossen). Am nächsten (frühen) Morgen keine U-Boot - Schnarre, kein Alarmtauchen, einfach in aller Ruhe vom Lärm der Österreicher neben mir aufgewacht. Wir waren somit quitt, denn abends zuvor hatten sie mir zum Zeltaufbau eine niedliche kleine Axt geliehen; meinen Hammer hatte ich irgendwo im Fahrzeug untergemöhlt. Beherzt sprangen meine Freundin und ich in den von der kürzlichen Ölpest des gesunkenen Tankers gebeutelten Atlantik.

    Eine Bande Außerirdische in weißer, schlecht sitzender Kleidung, völlig vermummt gruben im Sand nach Bodenschätzen, wahrscheinlich um ihr Raumschiff wieder flott zu machen! Die sammelten so schwarzes Zeug ein. Viel hatten sie jedoch nicht in ihren Eimerchen, sodass ich Mitleid empfand und nicht die Polizei benachrichtigte. Geglaubt hätte mir das sicher eh keiner! Wir waren sonst allein am Strand und im Wasser.

    Zeltabbau und Stadtbesichtigung in Bordeaux:

    Eine wunderschöne Stadt, sage ich euch! Es ist wohl kein nennenswerter Schaden im Krieg entstanden; jedenfalls ist nicht nur ein Altstadtzentrum zu bewundern, sondern die ganze Stadt. Anfangs dachte ich, da könnte man schön zu Fuss sich alles ansehen. Wir schafften es nicht, eine komplette Rundfahrt im PKW zu tätigen. Ein absolutes Muss diese Stadt! Alles komplett erhaltener Altbau. Äußerst selten in Baulücken ist die Moderne anzutreffen. Ich denke, ähnlich Paris, ..oder besser!

    Es ist noch Montag, der 28.07.03

    Wir verlassen (rechtzeitig) Bordeaux um dem Wunsch meiner Freundin nachzukommen, die Dune de Pilat anzusehen. "Äähh, Käse .. extra wegen `nem Sandhaufen so`n Umweg zu machen." maulte ich. Aber gut, ..warum nicht; die Urlaubskasse ging durch zwei!

    Dort angekommen verschlug es mir förmlich die Sprache; welch ein gigantischer Sandhaufen (117m hoch!, Europas größte Düne). Es ist dazu zu sagen, dass das Gebiet zwischen Bordeaux und dem Atlantik vor Jahrhunderten ein riesiger Sumpf war und urbar gemacht wurde. Dort wird nun bester Wein angebaut.

    Der Düne ist ein weitgestecktes Waldgebiet vorgelagert, eine gut ausgebaute Strasse führt zu dieser Sehenswürdigkeit. Es kann am Fusse der Düne allerhand Schnickschnack käuflich erworben werden. Eine Treppe aus Plastik führt hinauf zum "Sandhügel". Oben angelangt und völlig außer Atem geniesst man bei klarem Wetter und herrlichsten Sonnenschein eine traumhaft Aussicht auf den weiten Atlantik mit den vorgelagerten Sandbänken.

    Die Düne fällt seeseitig in kleineren Buckeln in einem Winkel von ca. 45° ab. Es macht Riesen - Laune auf dem "Puder - Sand", die Strecke runter zu rennen, doch sollte man u.a. wegen der gegenwärtigen Temperatur an den Wiederaufstieg denken. Nach einem Drittel der Strecke besann ich mich darauf, und um zu vermeiden, meine Freundin ggf. rauftragen zu müssen, ließ ich mich in den Sand fallen, zog meine Klamotten aus und holte mir nach knapp 2h einen mittleren Sonnenbrand.

    Wir wollten abends in Biaritz sein und verabschiedeten uns von diesem Naturtraum.

    Am späten Nachmittag dort angekommen ging ich an (einem) wunderschönen Strand noch im Atlantik toben; große Wellen aber kein Wind (und kein Öl). Der kleine unmittelbar am Meer liegende Altstadtkern (ob woanders noch `was war, weiß ich nicht) ist traumhaft malerisch. Wir hielten uns nicht zu lange auf,; ich lockte meine Freundin noch nach Spanien (S. Sebastian), denn dort war sie noch nicht gewesen, ..also in Spanien. Gerade als die Sonne das Meer tuschierte, setzten wir uns in S. Sebastian auf die Mauer der Uferbefestigung.

    Ich schmiedete den Plan, weiter nach Portugal (Ecke Aveiro) von hier aus zu fahren. Wir hatten noch knapp 14 Tage Zeit, das Auto war fit und die Urlaubskasse ... ...noch da.

    Während meiner liebevoll verpackten Äußerung meines Anliegens hielt sie mir plötzlich ein Kruzifix und Knoblauchzehen vor`s Gesicht, sie zog einen Revolver der mit Silberkugeln bestückt war und bespritzte mich mit Weihwasser und sagte dabei biblische Sprüche auf. Hmm , .. scheinbar wollte sie lästige Mücken von mir vertreiben - ich weiß es bis heute nicht!

    Verwirrt von ihrem Gehabe schlug ich dann vor, sie solle sich doch im Auto schlafen legen, und ich fahre die Nacht nach Marseille durch. Jetzt steckte sie wenigstens den Revolver wieder ein, und biblische Sprüche murmelnd schlief sie dann auch sehr schnell. Unterweg machte auch ich in stock finsterer Nacht ein Nickerchen. Zwischendurch musste ich leider mal pinkölln, stieg dazu folgerichtig aus dem Wagen, ..hinaus in die absolute Stille und Dunkelheit bei sterneklarem Himmel und versuchte zwei Dinge gleichzeitig zu geniessen.

    Fast fertig mit dem "Notwendigen", raschelte etwas den bewaldeten Berg zügig hinunter. Alles hängenlassend, stürzte ich in Panik in den Wagen, verriegelte ihn und ... ... suchte den Revolver mit den Silberkugeln. Ich sollte daraus schlussfolgernd mich nicht so sehr auf die Stressbewältigung beim Tauchen konzentrieren, sondern Waldspaziergänge wenigstens in der Dämmerung tätigen! Frühmorgens kamen wir dann in Narbonne - Beziers an. Gerädert legten wir uns der aufgehenden Sonne entgegen noch zu einem Nickerchen in die Schlafsäcke gemuschelt an den menschenleeren Strand .. und schliefen sogleich ein. Ein aufkommender, heftiger (Sand-) Sturm weckte uns; alles voller Sand: Mund, Augen, Haare, Schlafsack, .. ! Uuhhaaa.. wie ungemütlich und unwohl! Also auf zum frühstücken in den Ort Beziers.

    (..bevor ich in Marseille wieder zu "lebhaften" Tauchhighlights komme, an dieser Stelle noch büschen was Belangloses):

    Wieder im maritimen Stil geschildert trug sich folgendes zu: Großer Ort (Beziers), viele Strassen, viele Parkplätze, aber auch viele Autos!

    "Da ist eine" sagte ich und fuhr auf die Lücke drauf zu. In dem Moment kommt ein Franzmann um die Ecke gedampft. Ein Rennen begann! Gigantische Bugwellen taten sich auf, und die Gischt stürzte über die Back! Flupps, parallel voraus zur Lücke, Umsteuern und rückwärts fuhr ich rein! Franzmann lässt schon mal die Schiffspfeife dauerhaft ertönen, zückt sein Megaphon und brüllt und brabbelt!

    Abgelenkt durch dieses wirre Verhalten, passiert ein kampfentscheidener Fehler: Bei voller Fahrt zurück nehme ich plötzlich ein ohrenbetäubendes kreischen/scharren war, armdicker verbiegender Panzerplatten gleich! Das Heck erhebt sich bedrohlich. "Mist, wir sind aufgelaufen! Lasst Anker fallen" Sofort legte ich den Maschinentelegraphen auf Stopp und augenblicklich war Ruhe im Schiff! ..Ich hatte beim Lösen der Kupplung außerdem den Gang nicht rausgenommen..

    Wutentbrannt steigt Franzmann aus und brüllt französisch. Ich erinnere mich rach an meinen vor Urlaubsbeginn für 1 Euro gekauften Französisch - Schnellkurs und entgegne ihm: "le trüüh.. trooohtruüüh. zieh-du-pläääh" und legte dabei meine platte Hand lotrecht mit gepreizten Fingern vor´s Gesicht und den Daumen an die Nase. Für eine Sekunde erreichte ich damit wohl absolute Stille, dann bildete ich mir ein, Mickymouse zu sehen, die ein sauber einstudiertes Tänzchen für mich aufführte mit Gesang. Ich verschränkte meine Arme und genoss! Augenblicke später zückte ich meine Brieftasche und wollte die Straßentänzer - Maus für die Uraufführung mit zwei Euro entlohnen. Es zog mich was von hinten am Arm mit den Worten:" Lass den Blödsinn, komm!"

    Da tat sich eine Sprechblase über mir auf: Was würde Lammsdorf tun, ...kämpfen? ...Lammsdorf, Lammsdorf ? ..??.. Aahh! Die Addmiral Graf Spääh! Ich wischte die Blase vom Himmel, bevor der Gegner noch was merkte und fasste meine aussichtslose Lage zusammen.

    Konnte ich wissen, ob Franzmann`s Kumpanen auf der unweit entfernten Reede waffenstarrend und übermächtig lauerten? ..Ich hatte einen durch die Grundberührung schwer angeschlagenen (Straßen-) Kreuzer und zudem noch eine kampfesmüde, demotivierte Mannschaft. Weiterhin war(en) Frau(en) an Bord. --> aussichtslos! Zackig die rechte Hand (zum militärischen Gruss) an die Stirn, Zeigefinger tuschiert ...und zurück in den Wagen. Hauptmaschine an und mit langsamer Fahrt voraus entfernte ich mich vom Geschehen. Ich bat um die goldene Kugel aus dem Handschuhfach, nach altem Brauch und ehrhalber! Ich hatte zwar kein Bock auf überlagertes matschiges Konfekt, ..musste aber wohl so sein!

    Der Stoßfänger hing achtern wieder auf halb acht und wiederum in 15 min. war der Schaden (später dann) behoben. Abends bekam ich das in mühevoller Kleinarbeit aus Pappe gebastelte Riddergreuz von meiner Freundin schmerzhaft an die Brust getackert; somit war der Gerechtigkeit genüge getan und sinnloses Blutvergiessen verhindert worden!



    Fortsetzung folgt


    (c) Rene Heese, 2003

    rechtlicher Hinweis:
    (nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
    übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
    Bericht soll
    lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
    Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
    grundsätzlich
    gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!
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