Ankunft in Marseilles
Mittags dann in Marseille angekommen, ging es gleich zur Tauchbasis im Port de Vieux, am Fusse der ehemaligen Stahlbrücke. Man erkannte mich sogleich wieder, ich war ja schon öfter dort. In französchischer Manier (3 - minütiger Zungenkuss), begrüßte ich die hübsche (neue) spanische ... ja sagen wir Büroangestellte. Ääähh ... Moment ... neeh, 3 mal so auf die Wange mit Schmatzgeräusch war das doch bei den Franzosen?! Ups .. da hatte ich doch `was verwechselt!
Da nun Urlaubstauchen angesagt war ( meine zahlreichen Spots hatte ich ja...) fragte ich nicht großartig, was denn nun morgen auf dem Plan stünde. Lediglich nervte ich gleich den Jean mit der "le drome". Die liegt auf 51m und wird selten angefahren. Ein Dampfer, versenkt im I. Weltkrieg durch eine deutsche U-Boot - Mine. Ich hatte es in den letzten zwo Jahren nicht erreicht, eine entsprechende Tour dorthin zu organisieren. Jean sagte mir, er wolle sehen, was sich (diesmal) machen liesse.
Mittwoch, 30.07.03:
07.00 Uhr aufstehen! Ab zur Basis und 2 schöne Natur-TG`s durchgeführt.
Abends nervte uns ein "Überbleibsel der 70er Jahre". Der junge Mann schien zu bedauern, wesentlich zu spät geboren worden zu sein. Sein mitleidiger Gesichtsausdruck verriet mir das. Mit Zickenbart, Stirnband und Gitarre bewaffnet versaute er uns gnadenlos die Nachtruhe. Er konnte nicht spielen und seine Alte traf keinen Ton! Ein klasse Duo! Sogar die lärmenden Grillen verstummten und protestierten mit Transparenten. Ich sah sie spät nachts mit Hab und Gut beladen von dannen ziehen.
Am nächsten Tag vormittags Tauchen mit der TB und nachmittags Innenstadt von Marseille. Ich kriegte neue Jeans und T-Shirt`s.
Freitag, 01.08.03
Vormittags einen ruhigen TG mit der Basis zum Wrack der "Dalton" an der Il Planier, nachmittags dann einen privaten Natur-TG. Zwischdurch nervte ich immer wieder Jean mit dem Wrack der "le drome" und versprach kurzerhand Pastis für die Belegschaft. Mittags war es dann so weit, Jean (Chef der TB) gab grünes Licht für Samstag früh! Er hatte eine "Interessengemeinschaft für erfahrene Taucher" zusammengestellt, um die Kosten auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren.
TG zur "le drome" (51m)
Samstag, 02.08.03
Die "richtigen" Taucher schifften sich auf Jean`s Privat - Kutter ein. Schnell wurden die Teams diktiert; ich sollte mit 2 anderen eine Dreiergruppe bilden. In dem Zusammenhang klärte ich mit den beiden, dass es unter diesen Umständen sicher kein Problem sein würde, wenn ich in das Wrack einsteige. Okay, kein Problem, der dazu herangezogene Jean segnete mein Vorhaben als "Leiter dieser Expedition" ab und besprach sich dann weiter mit seinem TP.
Wir hatte die Position erreicht, die Markierungsleine wurde geworfen und plötzlich sollten Mr. Teacher (mein TP - dazu komme ich noch) und ich allein voran gehen, um am Wrack die Markierungsleine zu befestigen. Gut, kein Problem, ist ja eine ehrenvolle Aufgabe.
Mr. Teacher war mit uraltem Kram und einer 15er Butz ausgerüstet. Bei mir war zur Mono15 die D4-Frontstage mit 1x4l Air und 1x4l reinO2 zu finden. Der dritte Mann im Bund fehlte plötzlich ganz! Wir sprachen ab, max. 20min. Grundzeit zu veranschlagen. Schade, büschen kurz, aber nicht anders machbar. Kopfüber beide rein und entlang der Markierungsleine. Mr. Teacher tauchte super zügig ab, was mich beeindruckte. Am Dampfer angekommen, benötigte er 2 min. um die Leine zu verholen und fest zu machen.
Knapp über den Aufbauten schwebte ich ziemlich am Heck beginnend über das gut erhaltene Schiff. Mittschiffs entdeckte ich einen relativ schmalen Niedergang zum Maschinenraum. Ich gab Mr. Teacher das Zeichen zum Abtauchen, zeigte auf mich und deutete auf den Niedergang. Genehmigt! Meine Reserve - Kowa leuchtete hell in den Niedergang, er war frei von Hindernissen.
Diese gute Trainingsmöglichkeit wollte ich nutzen, und mit den Füssen voran begann ich langsam im Niedergang zu verschwinden, dabei blieb diesmal die D4 angelegt. Nach vorn und hinten hatte ich ausreichend Platz, seitlich (wie so oft bei Niedergängen) wurd`s eng.
Zu zwei Drittel nun bereits verschwunden merke ich, dass mich jemand mit Gewalt aus dem Loch zerrt! Ein böses Reissen an meinem Jacket, sodass ich um Ausrüstung und letztendlich um mein Leben fürchten muss! Schnell gebe ich das Zeichen für Stopp und O.K. Der Wahnsinninge hört auf zu Zerren, lockert seinen Griff, lässt aber nicht los. Ich steige behutsam aus. Warte Bürschchen, .. bis wir oben sind.. - war mein Gedankengang. Ziemlich sauer folgte ich ihm Richtung Bruchkante und dann weiter zum zerfetzten Vorschiff. Gerade hatte ich mich etwas beruhigt und auch hier etwas interessantes entdeckt, da reisst das Bürschchen, diesmal etwas behutsamer, noch einmal an meinem Jacket und fordert mich wieder auf , hecktisch gestikulierend, zu folgen.
Einen Conger zeigt er mir, "einen blöden, langweiligen Fisch", bei einem Wracktauchgang, auf den ich mich schon seit 2 Jahren freue! Das Maß ist voll; ich gebe ihm ein StoppSignal, zeige auf die Richtung zum intakten Teil des Schiffes, dann auf mich und wieder in die entsprechende Richtung. Ohne auf Antwort zu warten (es war mir schei$-egal) machte ich heftig kehrt und verliess diesen Platz mit Vollgas! Am Hauptteil angekommen und wieder etwas ruhiger, schwimme ich entspannt durch die Arkaden der Aufbauten, vorbei an den Davids in den achteren lichtdurchfluteten Salon. Der Boden ist mit Sediment bedeckt; ich übe das Schwimmen dicht über Grund - ohne Aufwirbeln von Sediment und geniesse so diese zauberhaft Atmosphäre. Der Spass zu Reintauchen ist mir vergangen und zudem die Zeit dazu auch abgelaufen. Plötzlich, Mr. Teacher schien über mir zu schweben, erscheint von oben kommend vor meiner Maske eine Hand mit dem O.K.- Zeichen. Ich erschrecke nicht und reagiere auch nicht, tauche aber durch die offene Deckenstruktur in`s Freiwasser, checke nochmal die Zeit (18min. Grundzeit) und gebe das Auftauch-Zeichen.
Mr. Teacher verschwindet mir zu zügig nach oben, ich tauche absichtlich noch etwas langsamer aus, um mir nochmal das Schiff aus der Vogelperspektive anzusehen und bin dann bei 10m/min. Aufstiegsgeschwindigkeit und lege bei 12m Tiefe die erste Deco freischwebend neben der Markierungsleine ein. Ab 9m geht mir Mr. Teacher permanent auf`s Schwein um (meine) verbleibende Deco-Zeit und den Luftvorrat abzufragen. Auf 6m wechsele ich auf ReinO2, um diesen Chaos-TG schnellstmöglich zu beenden.
An Bord (als letzter - trotz ReinO2- aus dem Wasser kommend) sehe ich schon Mr. Teacher den Jean besabbeln. Der überdeckt nun mit der rechten flachen Hand sein Gesicht, kommt auf mich zu, hilft mir aus dem Jacket mit den Worten: "Sorry for this dive!" und grinst dabei: "Mr. Teacher hat vor einigen (Tagen) gerade seine Prüfung zum Tauchlehrer bestanden." Ich mischte die Plastebecher mit Pastis und Wasser zu einem kräftigen Getränk und reichte "jedem" einen solchen Becher. Mit nun noch einem Becher in der Hand stellte ich mich in Sichtkontakt zum nicht-mit-Pastis-versorgten Mr. Teacher .. und wartete ab! Er kam dann augenblicklich zu mir und erzählte in sauberem Englisch, er sei doch für mich verantwortlich! .. und zu eng .. und nicht reingepasst.. und verantwortlich! .. gefährlich.. Partner ... .. !
Gut soweit, ..ich holte noch einen Becher "für mich" und stellte meine Sichtweise deutlich klar, insbesondere, dass niemand an (meinem) Jacket ohne Aufforderung reisst, ..und ich wiederholte ihm, dass das Eindringen (etc.) vorher geklärt war und ich letztendlich zum Wracktauchen diesen TG tätigen wollte und nicht zum Fischegucken.
Er war für die restliche Zeit des (Tages) sichtlich etwas .. naja, sagen wir nachdenklich.
Mir reicht es diesbezüglich nun endgültig! Ich hoffe mal, dass ich zukünftig meine Tauchgänge anders organisiere; d.h., ich werde vermeiden, mit Fremden und mir dogmatisch auferlegten Tauchpartnern zu tauchen! Ich lehne das nun für die Zukunft grundsätzlich ab!
Alle weiteren TG`s, so auch ein schöner Wk - TG zu der mir gut bekannten "Liban" auf 38m, tätigte ich mit meiner Freundin. Es sollte so sein, dass der "Liban" - TG auch noch (letztendlich) caotisch endete.
Der Kutter schmiss uns über der Liban raus, meine Freundin und ich tauchten sofort wegen der relativ starken Strömung ab. Wir sollten zur Aufnahme auch ungefähr an dieser Stelle wieder hochkommen.
Als letzte taten wir das dann auch so; die anderen verweilten komischerweise an einem relativ weit entfernten Felsen - wie Schiffbrüchige zusammengefercht. Der Kutter hatte scheinbar, weit entfernt, irgendwelche Schwierigkeiten .. und kam nicht näher, um uns aufzunehmen. Die Strömung trieb uns in entgegengesetzte Richtung, also weg vom Kutter und Taucherpulk am Felsen.
Naja, kurzgefasst; wir strampelten uns ganz schön ab, um zur Truppe zu kommen. Dort war wegen der aus dem Wasser ragenden kleineren Felsen ein Strömungsschatten. Nach einer halben Stunde kam ein anderes Taucherboot dem Kutter zu Hilfe, machte längsseits an ihm fest und liess nach weiteren Minuten nun endlich ein Seil mit Boje achteraus, welches von einer "Schwimmerin" zu uns herangeführt wurde. An diesem Tau hangelten/zogen sich alle Taucher zu dem Kutter und wurden aufgenommen.
Was war geschehen? Der Kutter hatte beim Manöver "Anker auf" - aber zu Beginn des Tauchganges schon - gemerkt, dass die Ankerwinde versagt. An der Ankerposition ist es max. 40m tief. Die Maschine des Kutters war i.O.! Die Jungs hatten nix besseres zu tun, als sich die ganze Zeit am Basteln der Winch aufzuschiessen. Letztendlich, als wir dann an Bord waren, wurde erst der Anker gekappt. Eine lange, an Bord befindliche Sicherungsleine, so wie sie vom anderen Tauchboot für unsere "Rettung" zur Verfügung gestellt wurde, ist für Hebeversuche für den Anker vergeudet worden! Naja, in Seemanschaft war diese Besatzung nicht gerade profihaft. Diese Situation könnte man ja mal diskutieren.
Es folgten noch einige nette TG`s, so auch zu der mir bekannten "Chaouen", ein Wrack, 1970 aufgelaufen und gesunken an der Il Planier.
Wir verließen Marseille in Richtung Heimat am Dienstag, den 05.08.03 und kamen (in der Summe) nach 5.383km am Mittwoch-Morgen gesund und "munter" zu Hause an, um Stunden später nochmal knapp 900 km nach HRO zu fahren. Ich hatte vornehmlich diese Frankreich-Reise geplant, um Wracktauchgänge im Atlantik, zu recherchierten Schiffen zu unternehmen. Ich bin letztendlich auf ZWEI Atlantiktauchgänge gekommen. Dennoch war es eine wundervolle Reise mit vielen Erlebnissen und Eindrücken.
Fortsetzung folgt
(c) Rene Heese, 2003
rechtlicher Hinweis:
(nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
Bericht soll
lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
grundsätzlich
gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)


War dieses Jahr auch in F ,genauer gesagt in der Normandy.Dir tun sicher vom vielen schreiben die Finger weh,oder musste des deine Freundin machen und du hast diktiert.

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