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Teil 2
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Abends sinne ich noch über "meinen Tauchgang".
Es gibt zum Abendessen zähes, totes Rindfleich und Reis (für mich). Mein
Zahnfleisch scheuert sich mit jedem Bissen immer mehr auf .. wenn`s dabei
bleibt - damit kann ich leben.
Blos nicht die Scheißerei. Und dann kurz vor`m TG an Bord noch womöglich
kacken müssen; das Klopapier ist mehr als naß und/oder nicht ausreichend
vorhanden, der Dampfer schaukelt , das Becken ist lose. Ehe man sich
versieht, kippt man mit dem ganzen Top um, stößt sich die Birne und wälst
sich in dem braunen Sud!
Nein! Keine "offenen" und zudem kalte Speisen - sieht lecker aus, schmeckt
aber eh nicht, ..klingt komisch - ist aber so!
Den Russen ist das egal. Das Buffett wird in windeseile regelrecht zerfetzt;
immer schööön aus der Mitte, das gilt auch für die Sahnetorte. Traurig steht
sie da .. vergewaltigt und dem Tode nahe, der Lippenstift über das ganze
Gesicht verteilt, die schönen Kleider vom Leib gerissen. Arme Torte!
81,1m ! Das sind genaugenommen 30cm tiefer als mein tiefste Tiefe! Nicht
viel .. aber immerhin! Wegen 30cm kann einer Olympiasieger werden, ein
anderer eine Frau zum verzweifeln bringen. Also .. immerhin!
Hübsche Mensche sind auch nicht zahlreich zum Abendessen versammelt, also
sinne ich weiter über meinen TG und lasse alles noch`mal revuepassieren.
Ergebnis: Gut verlaufen, Stickstoffnarkose vertretbar, ruhig geblieben - das
könnte man noch toppen! Schau`n wa mal.
Wir schreiten die Prachttreppe des "Grand Hotels" eine Etage höher; mein
Lieblingsinstrument höre ich erklingen: einen Flügel.
Oxana (Name nicht geändert) spielt zauberhaft und aus dem "eFeF" so
allerhand.
Hübsch sieht er aus und ist gut gestimmt .. der Flügel. "Samick" steht
drauf. Der Fiat unter den Karossen? Ich weiß es nicht - klingt aber akurat.
"Für die Freundin ein Stella und für mich einen Kaffee, bitte" bestelle ich.
Das laue Bier teilen wir uns letztendlich.
Oxana ist hübsch angezogen und bedankt sich nach jedem Stück lächelnd und
erhoben, während wir dezent applaudieren.
Mein Freundin wünscht sich "Für Elise", ich übermittel es der jungen
attraktiven Dame in russisch, in der Annahme, daß sie es heute eh schon 3mal
gespielt hat.
Die obere Etage läßt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten erwachen; so
vielleicht die 30er / 40er Jahre .. hübsches Ambiente. Ich fühle mich wohl
und stelle mir Angehörige der Kriechmarine in schneidigen Uniformen vor. Ich
schaue an meinen Hals und sehe doch tatsächlich ein Ridderkreuz baumeln,
..an der Brust die UBoot-Frontspange, auf den Schultern blitzen auf der
Silberplatte 2 Sterne (Kapitänleutnant).
Meine Dame gegenüber , also meine Freundin, in einem schwarzen Abendkleid
mit unterarmlangen schwarzen Handschuhen (natürlich im letzten Sommer in
Lorient gekauf, Werftliegezeit - ein Tribal-Zerstörer hatte uns ganz schön
zugesetzt), .... als meine Traumblase mit einem riesen Knall zerplatzte:
Eine Ratte rannte diagonal hakenschlagend durch den Saal. Oxana störte das
aber nicht, andere Gäste amüsierten sich zuerst, ein Kellner versuchte die
Angelegenheit herunterzuspielen, danach waren wir die einzigen Gäste am
Platze. Auch nicht schlecht.
Nachts springe ich auf, knipse das Licht an und kratze mich unentwegt:
Mücken!
"Verdammte Scheiße!" denke ich "Habe ich doch die Schotte dicht gelassen,
wie kommt die Bande rein und zudem; warum sind die noch nicht erstunken?"
"Lieber gleich zwei Flower-Korvetten als eine Mücke am Arsch!" Eine gute
Stunde später ist ein weiterer roter Fleck an der Zimmerdecke ..und in
meinem Schlüpfer. Ein Trinkglas ist zubruch gegangen und die Freundin
(ebenfalls) wach. Sie kennt die Schlachten bereits und mault auch nicht
mehr.
3. TAUCHTAG, Dienstag, 29.03.2006
Monika teilt mir morgens mit, das es zum neuen und künstlich versenkten
Wrack, der "Hebat Allah" geht.
Der Frachter von der Beschaffenheit und Größe eines Kümo`s
(Küstenmotorschiffes) ist versehentlich auf 46m, statt auf der geplanten
Tiefe von 30m versenkt worden, nachdem er nach einem Brand in Sichtweite vor
Hurghada vor 12 Jahren auf ein Riff getrieben ist.
Dummerweise stehe ich zum Zeitpukt des Briefings im Raum und muß auch mich
belehren lassen .. mit Augenzwinkern seites Monika - was mich besänftigt.
Keine Deco-TG`s und nach Möglichkeit oben am Mast (auf 27m) bleiben, nicht
dafür ausgebildete(!) Taucher bitte _nicht_ in das Wrack eindringen, und
bitte die Tauchzeit von 40min. nicht überschreiten - wir haben starken
Seegang - das Wrack liegt ungeschützt.
Mir konkret sagt Monika, ich möge doch den Hinweis mit der
Tauchzeitbeschränkung _bitte_ beherzigen. Das kann ich in soweit
nachvollziehen und bestätige ihr das auch verbal.
Das Wetter ist wie die Tage zuvor; starker Wind und eine ordentliche Portion
Seegang und recht kühl.
Der Tauchdampfer macht an der Ankerboje fest und ab geht`s! Wir müssen uns
an einer längs der Außenhaut gespannten Leine bis zur Ankerboje vorhangeln.
Der Abyss bläst wie immer leicht ab.
Bis zur Abtauchleine ist ein Stück Freiwasser zu überwinden, bei
nennenswerter Strömung - zumindest bzgl. meiner Freundin.
Auf 10m warte ich auf sie (an der Leine) und muß umkehren, sie holen. Sie
steht kurz vor der Leine und kommt nun nicht mehr ran. Danach geht es
abwärts; ich überhole im freien Fall die sich an der Leine abwärts
hangelnden anderen Taucher - macht Spaß .. so!
Direkt am Achterschiff angekommen schaue ich nach ihr, dann verschwinde ich
im Deckshaus.
Hier haben eifrige Wrackspezialisten für das Schpeschel-Brevet
"Wracktauchen" wohl etwas überreagiert:
Der Kahn ist zwar bis auf vereinzelt anzutreffende Müllhalden restlos
entkernt; Fenster, Gerätschaften, eben alles was nicht niet und nagelfest
ist und/oder mal an der Wand hing um nach deppigen Wracktauchern zu greifen
, ist abmontiert. Dafür ist aber ein Wirrwar von Leinen mit spitzen Pfeilen
verlegt worden, welche scheinbar den Ausweg aus dem lichtdurchfluteten
Aufbau weisen sollen. Dem unten im Gang liegenden Netz (wat soll dat hier ..
eigentlich?) kann ich mühelos gewohnheitsmäßig ausweichen. Doch die
arglistig verlegten Austauchleinen verheddern sich an mir (oder ich mich an
ihnen) - ich bin eben nicht für künstliche Wracks erschaffen worden. Und
zudem habe ich kein Schpeschel-Brevet "Wracktauchen" bei Pappi gemacht ..
das rächt sich jetzt bitter!
Schon sehe ich aus einer lichtdurchfluteten Ecke eine riesige Spinne auf
mich zukrabbeln, welche mich sicher gleich noch mehr einspinnen möchte. Ich
muß hier schnell weg!
So stöber ich hier noch und da noch rum; zu sehen jibbt es nix, alles
restlos geplündert! Und ich meine (bis auf den Müll) restlos! Da ist an der
"Liban" vor Marseille ja noch mehr dran. Egal - ein weiteres Wrack in meiner
Liste.
Ich tauche (den Pfeilen folgend) "sicher" aus dem Ausbau wieder aus ,
umschiffe den Aufbau außen und stoße unten auf 44m im Laderaum zu meiner
Freundin, die eifrig knippst.
Es geht noch zum Bug, zurück oberhalb der LR`s , über den Aufbau hinweg zur
Leine.
Bewachsen ist der Dampfer noch nirgends.. das blanke Blech!
Die anderen streiten sich bereits um die besten Plätze auf der "Pappi - 5m -
Sicherheitsstop-Stufe für 3min. (oder sitzen dort den tillenden TC ab).
Dabei kann ich den Sprint einiger weniger nach oben beobachten.
Lediglich Klau (Name geändert) macht mit Monika etwas langsamer.
Hmm .. wer ist eigentlich Klau?
Klau, Dörk und Frankfurter (Namen geändert) sind von Userdomm, also echte
Meckelbörger! Man .. was für ein Hochgenuß!
Das Trio ivm. dem am Fluchhafen (von ihnen)aufgegabelten Leipscher Rogan
(Name geändert) bilden sie nahezu ein Quartett. Ich beschränke mich aber mal
auf das Trio.
Die Drei machen so oben im hohen Nordosten so büschen Ruhiger und haben auch
nocht nicht soo viele TG`s und wohnen recht dicht beieinander ..aber nicht
zusammen. Die Frage folgte doch auf dem Fuße .. man weiß ja nie.
Eine ganz entspannte Truppe, es macht riesen Spaß denen zuzuhören bzw. auch
mal wat zu vertellen. Abends schnasseln `se gemütlich an der TB ein Bierchen
und überhaupt .. erfahre ich so einiges (weitere) Interessante von der "M14"
auf 12m. Schnell docken die Rezeptoren "beiderseits" an und man verspricht
sich zu besuchen .. mit Tauchzeug und Boot.
Ich gestalte meinen Aufstieg freischwebend, will ich doch zeigen was ich
kann. Meine Freundin läßt wegen der Strömung sicherheitshalber das Seil
durch die hole Hand gleiten.
Wie immer jibbs oben beim "Sicherheitsstop" auf die Fresse, es gestaltet
sich aber vertretbar. Wir bleiben etwas unterhalb.
Der TG ist für uns nach 51min. zu Ende.
13.44 Uhr ist Abtauchen am "Gotha Abu Ramada Est" angesagt. Wir erreichen
13,1m Tiefe. Das Wasser mißt hier 22°C. Der Korallengarten mit teilw.
Sandboden ist recht hübsch, die Tiefe im Umfeld max. 14m.
Der S600 atmet sich schwerer denn je, ich kompensiere mit der Munddusche was
mir fürchterlich auf den Sack geht. Ich beschließe, ihn nach diesem TG
auszurangieren und max. als "mitgebrachte Reserve" zu verwenden, falls
jemand mir an Bord mal einen meiner Hauptregler zerlatscht.
Zur Truppe gehört noch ein (weiteres) Trio: Pappa mit Tochter und Sohn,
welche den Pappi-Reskju-Schein machen (Vater + Tochter).
Im Nachherein erfahre ich von einer Sache, die ich für (...) halte und _an
dieser Stelle_ nicht zum Betsten geben möchte.
(c) Rene Heese 2006
Fortsetzung folgt!
Rechtlicher Hinweis:
Die hier beschriebenen Tauchgänge sind grundsätzlich lebensgefährlich! Ich
rate von Tauchgängen dieser Art ab, sie sind nicht zur Nachahmung empfohlen.
Dieser Bericht hat lediglich unterhaltenden Charakter.
Keiner dieser Tauchgänge hat in Wirklichkeit jemals und so stattgefunden.
Ich lehne jeglich Verantwortung bzgl. Nachahmer ab!
Nicht auf Rechtschreibung geprüft (Entwurf).





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