------------------------------
Teil 1
------------------------------
"Nein, heute keine Eintragungen." sage ich zum Kunden, "Es ist Samstag, da
machen mein Kollege und ich nur HU und AU, wir haben nur 3 Stunden geöffnet.
Ich bitte da um Verständnis. Lassen sie sich bitte einen Termin geben. Ich
bin gerne am Montag wieder für sie da!" ...grins...
Der liebe Chef hat mir aus lauter Herzensgüte noch den Samstag-Dienst
reingedrück, mit den Worten: "Ging (leider) nicht anders."
Und nach 12.00 Uhr muß ich zudem noch zu ATU, Außendienst. Danach das Boot
packen und abfahren.
"Nein, heute keine Eintragungen." sage ich zu einem weiteren Kunden.
Später dann nochmal:
"Och nöö.. , jetzt doch nicht mehr! Es ist 11.40 Uhr, ich muß in 20min.
pünktlich zum Außendienst. Ich kann die Räder/Reifen heute leider nicht mehr
eintragen. Da hätten sie mal am Samstag büschen eher aufstehen müssen."
..wieder-grins..
..das war der letzte Kunde. Ich habe nunmehr Zeit für ein Zigarettchen mit
meinem Kollegen und mache mich kurz vor 12 auf zu ATU.
Die haben auch nur 1,5 Autos; ich bin gegen 14 Uhr zu Hause: Urlaub!
Endlich! ..Die letzte März-Woche in Ägypten ist schließlich auch schon
"Jahre" her.
Meine Freundin hat laut Liste schon alles gepackt. Nur paar spezielle Sachen
habe ich ausschließlich für mich gelassen: die Tauchausrüstung
beispielsweise und bootspezifisches.
Der Dampfer ist in soweit trailerklar. Es gilt, alles rutsch-/schlagfest zu
verstauen.
Die Caravanspiegel hatte ich zuerst als Variante zum Aufsetzen auf die
äußeren Rückspiegel gewählt. Gott sei Dank hatte ich eine Probefahrt damit
bereits in der vergangenen Woche getätigt und bin zu dem Ergebnis gekommen,
daß das so große Scheiße ist, oder auf deutsch: daß es sein Jeld nüsch weat
is!
Flups hatte ich sie gegen das Prinzip Kotflügelmontage ausgetauscht, und die
Probefahrt stimmte mich recht zufrieden.
Also werden die Affenarme auf die Kotflügel geklemmt. Ritschsch .. der
schöne Lack vom brandneuen Auto .. ich verziehe häßlich die Stirn!
Ich sehe nun deutlich mehr... zwar nicht nach vorne, aber nach hinten. Hat
das Boot doch eine Breite von gut 2,5m. , und ich möchte 130 fahren, was
u.U.
beinhaltet, auch mal zu überholen.
Mit büschen Hinlegen vor der Fahrt klappt es nicht mehr. Als alles fertig
ist, zeigt die Uhr bereits 18.30 an, und wir "müssen" gegen 7.00 Uhr in
Marseille am alten Hafen an der Slippanlage sein, sonst sieht es verdammt
schlecht aus mit Parkplatz für Auto _und_ Trailer! Etwa wo anders parken?
Nein! Nicht in Marseille! Das Risiko ist einfach zu groß mal Glück zu haben
und morgens 3 Trailer und kaputte Türschlösser vorzufinden.
Das Scheunentor wird geöffnet, und ich höre den Dampfer laut ausatmen:
Endlich raus hier.
Nach wenigen Kilometern sind wir auf der Autobahn Richtung Lindau. Die
Fahrstabilität vom Gespann soll nunmehr getestet werden; 120 km/h.
Es dauert nicht lange, da verabschiedet sich der rechte Caravan-Spiegel. Ich
sehe das gute Stück auf den Standstreifen fliegen .. mit Getöse. Meine
rechte Hand gleitet über mein Gesicht; der schöne Lack vom brandneuen Auto
.. denke ich.
Bis die Horror-Sprechblase zerplatzt und ich beginne zu Bremsen, vergehen
einige wertvolle Sekunden. Der Warnblinker spricht an, meine Freundin auch
.. mit den Worten: "Ich laufe schnell zurück und hole ihn!"
Ich verzichte heute mal darauf .. sie zu bremsen. Weiß ich doch, wie weit
der jute Spiegel jetzt wech ist.
Da sprintet sie auch schon los, bevor mich mein schlechtes Gewissen doch
noch gepackt .. hätte.
Ich hole ein Päckchen Zigaretten aus der Ablage - eine
Zigarettenlänge wird hier wohl sicher nicht reichen - steige aus und lehne
mich an die Leitplanke.
Nach der 2. Zigarette habe ich auf das Kraut keinen Bock mehr und fange an
zu popeln. Einer von den grünen Jungs springt an den Lack... Ääähm ...
Lack? Da war doch noch was! Ich habe Zeit und schaue mir den rechten
vorderen Kotflügel an: Ein kleiner Kratzer und im Knick zur Motorhaube ist
etwas abgeplatz, genauso groß wie der Popel, der an der Beifahrertür
immernoch klebt.
Ein Blick nach hinten; die Freundin ist noch nicht zu sehen. Also bleibt
hinreichend Zeit, den Kotflügel zu konservieren .. mit dem Popel.
Der Lack ist schwarz, und der Popel grün. Ich gehe einen Meter zurück; ein
Fremder würde die Reparaturstelle wohl eher nicht bemerken, doch _ich_ sehe
sie. Ab 2m Abstand sehe auch ich sie nicht mehr und gebe mich mit dem
Ergebnis zufrieden. Not macht eben erfinderisch!
Da kommt meine Freundin angelaufen .. besser .. angelahmt; von Laufen keine
Spur mehr. In der Rechten den Rückspiegel. Wie ich damals an der
geplünderten "Liban" den 99 Jahre alten Messing-Kleiderhaken, so hebt sie
triumpfierend den Spiegel hoch. Soll wohl heißen, er ist noch ganz.
Schnell ist ein Widerhaken mittels Polygripzange gerichtet und der Spiegel
wieder an Ort und Stelle, natürlich das Gummiband deutlich straffer
gespannt... der schöne Lack am brandneuen Auto .. denke ich mir.
Irgendwo vor Chur knickt der linke Spiegel ab, hält sich aber noch geradeso
auf halbacht,
sodaß ich anhalten kann, ohne daß er langhinschlägt.. auf die Strasse und
sich u.U. sich die Knie aufschrammt .. der Kleine .. der!
Die Gummis werden noch straffer gespannt.
Vor Mailand fliegt mit Getöse der linke Spiegel ganz ab, das Rad vom Trailer
erwischt ihn und zermalmt ihm ordentlich Beine und Brust; Blut spritzt!
Noch ein kurzer Aufschrei vom Spiegel: "Please, hälp mie! Please! Let me not
allone tu dai, take mie wiss you!" Dann sackt er leblos in sich zusammen ..
und .. ist mause-tot!
Ich hab die Schnautze gestrichen voll vom ewigen Spiegelfummeln, Anhalten,
etc.
Beim nächsten Tankstop reiße ich den rechten Caravan-Spiegel .. der sich
nunmehr(!) tapfer dagegen wehrt, einfach runter und trete ihm zum Abschied
noch gehörig in den Arsch.
Minuten Später bemerke ich im Augenwinkel, wie sich der Spiegel heftigst
gegen eine Horde Polen wehrt. Ein Pole sackt zusammen, aber die anderen vier
überwältigen ihn schließlich. Und wiedereinmal vernehme ich ein "Help me!".
Er tut mir nun doch Leid , ist doch sein Bruder kürzlich verstorben und ich
befreie ihn, er landet im Kofferraum .. ohne Gute-Nacht-Kuß!
Anfangs gucke ich noch stolz in jedes Autofenster, welches mich überholt, ob
die da drinnen auch ja mein schönes neues Boot gesehen haben. Nach Stunden
wird auch das langweilig ... es gucken nahezu alle.
Die Müdigkeit übermannt mich, trotz der 120 Sachen. Ich halte an, rauche mal
eine, Tanke sinnlos und versau meine trainierte Blase.
Es wird hell .. ein gutes Zeichen.
Kurz vor Aix wird es es mulmig im Darm; das Ziel ist nahe. Eine ordentliche
Portion Aufregung ist nicht schlimm, sich zu freuen auch nicht. Aber beides
zusammen schlägt mir gewaltig auf den Darm .. ich muß mal.
Die 2. Tanke kommt in Sicht, ich muß schon wieder. Ziemlich breitbeinig
komme ich zurück und überlege mir , was wohl besser ist: Stuhldrang oder
eine wunde Rosette.
An der 3. Tanke entscheide ich mich für die wunde Rosette. Meine Freundin
grinst und meint: " So kommen wir sicher gar nicht an. Übrigens, es ist
bereits 7 Uhr!"
Es ist wie beim Kotzen nach übermäßigem Alkoholgenuß; es würgt, aber es
kommt nur noch Galle. Was bei mir hinten rauskommt kann ich nicht deuten ..
bin kein Mediziner.
Sonntag, 29.04.2006, 7.30 Uhr
..Ankunft in Marseille an der Slippanlage.
Unterwegs hatte ich mich schon über die 8°C und die Windstille gefreut.
Jetzt ist heftiger Wind aber relativ warm. Wat is nu besser! (?)
Es ist Eile geboten, noch sind hinreichend Parkplätze vorhanden , und die
Slippanlage ist auch noch frei. Welch ein Wunder!
Es wird sogleich der Rückwärtsgang eingelegt und an das Wasser
herangefahren. An Kacken ist jetzt bei Gott nicht mehr zu denken; Slippen
ist angesagt.
Leuchtenträger weg, Verzurrgurte weg, alles restlos ausgeladen um die
Belastung auf den Kiel des Dampfers beim Slippen so gering wie möglich zu
halten. Es gibt einen Augenblick, da liegt der Dampfer nur auf "2 Punkten"
auf: am Heck (im Wasser) und auf der achteren Kielrolle des Trailers.
Mit dem Sprit, den wir noch in Österreich getankt hatten (120 Liter) ist der
Tank etwas über die Hälfte gefüllt. Volltanken wollte ich mir hinsichtlich
der Schweizer Grenze nicht leisten, ggf. Erklärungsbedarf.
Die Räder des Trailers sind bis Felgenrand im Wasser, ich möchte keine feste
Bremse riskieren.
Eine Tante nimmt an der Kaimauer Platz mit allerhand Gerödel. Sie sieht aus
wie eine Trödlerin, nicht im Hinblick auf Geschwindigkeit, eher bzg. Handel
mit Geprätze. Ich denke mir nichts dabei, bis irgendwann ein kurzbeiniger
Franzmann auf einem Würfel-Boot (Länge=Breite=Höhe) mich zur Eile treibt,
mit den Worten: Es sei Mistral, auffrischend, ich möge Gas geben, er möchte
aus dem Wasser! Da erst bemerke ich den wartenden kurzbeinigen Franzmann und
seinem Würfel-Boot, der an der Fähre vorübergehend festgemacht hat. Als ich
aus dem Auto noch eine letzte Fuhre Geprätze mit den Worten: "Ja-ja!" hole,
rastet er nahezu aus, zappelt umher und trillert auf französisch. Gut, daß
ich der Sprache nicht mächtig bin .. so ein Ausland hat auch Vorteile .. man
versteht zuweilen den anderen nicht .. und die Laune ist _nicht_ dahin!
Ich habe Verständnis für das Weichei und gehe zügiger.
Doch etwas genervt von der Hektik und der leichten Übermüdung will ich hier
erstmal weg.
Schnell ist die Windrichtug gepeilt und der Kurs bestimmt: Port du Frioul!
Was anderes kommt hinsichtlich Wetterlage nicht in Frage.
Die Maschine ist schnell gestartet; ein Klick und der Motor spring nach 6
Monaten astrein an.
Eine ordentliche Welle erwartet uns draußen und heftiger Wind; Mistral eben.
Sagte doch der Franzmann, daß es auffrischt. Hmmm .. kein gutes Zeichen. Die
Wahrscheinlichkeit, daß der Mistral kürzer als 3 Tage bläst liegt bei 1%.
Schöne Aussichten!
In Jeans und lediglich obenrum mit T-Shirt bekleidet nehme ich Kurs auf
Frioul.
Frioul besteht eigentlich aus 2 Inseln, welche durch einen künstlichen Damm
miteinander verbunden sind. Dieser Damm beinhaltet östlich den Sportboot-
und SpeedFährhafen. Der gute alte Mistral kommt (wie sonst auch) aus
Nordwest.
Es dauert nur wenige Minuten und ich bin klitschnaß. Meine Freundin kauert
in einer geschützten Ecke des Bootes, die Fetzen von der Insekten-Folie
hängen noch am Navi-Bügel. Wir sehen aus wie ein Seelenverkäufer.
Ein altes kleines Fischerboot dümpelt an der Pier, die Dickschiffe nehmen
mir die Sicht und blockieren alles. Keine Lust auf Bitten und Bettel, in`s
Päckchen gehen zu dürfen, machen wir an der Nußschale fest.
Das Feuerzeug flammt auf , stolz auf das Erreichte gönne ich mir 3 Züge am
Kippen, dann schnippe ich den Tabak in die hier ruhige See, falle auf`s
Vordeck ... und schlafe sogleich ein....
Fortsetzung folgt....
(c) Rene Heese 2006
Hinweis: Entwurf, nicht auf Rechtschreibung geprüft.


, und in buchform verkaufen. die sind wirklich so klasse. 
Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.


Kommentar