JF / Marseille, Reisebericht, Teil 2

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  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #1

    JF / Marseille, Reisebericht, Teil 2

    Jungfernfahrt in Frankreich, Reisebericht

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    Teil 2
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    Ich habe wohl so an die 2 Stunden in nassen Klamotten geschlafen, meine
    Freundin übrigens auch. Die Kälte weckt mich. Leicht dösig wache ich auf,
    fühle mich aber jetzt ausgeruht und bin tatendurstig. Es ist mittags und der
    Tag noch jung, der Fahrriemen juckt.
    Das Wetter ist nicht ideal, doch ist der Himmel strahlend blau, Möwen
    kreischen, kleine Wellen platschen an den GFK-Rumpf, der Wind pfeift, die
    Falle
    klimpern an den Masten der Dickschiffe; meine Klamotten und die Haut sind
    salzverkrustet; ...ich bin zu Hause!

    London : Nebel - die Frisur hält!
    Berlin : Regen - die Frisur hält
    Marseille: Mistral - die Frisur ist hoffnungslos im Arsch!

    Elf-Wetter-Taft hat mal wieder versagt, meine Freundin jammert, betrachtet
    ihre verfilzten langen blonden Haare. Ein Trauerspiel.
    Schnell bringe ich sie mit einem Verholmanöver auf andere Gedanken; Schiff
    klarieren. So kann das nicht bleiben! Wir verholen an eine maximal
    geschützte Ecke des Hafens.
    Ein Aufschrei: "Mist, meine Kreditkarte ist noch im Ascher des Autos!"
    meldet sie sich. Hatte ich doch vor genau 2 Jahren durch so eine Aktion 1300
    Euro und einen Satz Türschlösser verloren.
    Wegen der Mautstellen liegt das Ding im Ascher des Nichtraucherautos um
    griffbereit zu sein. Eine teure finanzielle Falle wenn man nicht
    gewissenhaft daran
    denkt.
    Die Folienfetzen sind bereits entfernt, das Gepäck in soweit ordentlich
    verstaut. Die Maschine wird gestartet, ich lege ab - wieder raus in den
    Sturm. Die Hafenausfahrt wird passiert, ich übergebe das Ruder grinsend an
    meine Freundin: "Hier, fahr du. Es ist zu gleichen Teilen auch dein Boot."
    ..weiß ich doch zugut, daß die See jetzt wieder dwars kommt, verkrümel ich
    mich sogleich in "ihre" Ecke von der Hinfahrt. Sie freut sich .. .. noch.
    Wie ein Profi scheindet sie die Wellen an und gibt ordentlich Gas. Ich bin
    schwer beeindruckt; hat sie doch von Booten so viel Ahnung wie TÜVer von
    Autos. Ähmm .. , schlechter Vergleich! ..Wie mein Chef von
    "Menschenführung" .. ja .. das ist ..treffender!
    Eine Frau, wie geboren für die Sturmfahrt; ich bin beeindruckt. Sie
    entwickelt in kürzester Zeit ein wahres Gefühl dafür.
    Es ändert aber nichts an der Tatsache, daß sie schnell pitschnaß ist. Tut
    ihr aber nix, hat sie doch leichtes Ölzeug an... egal, Frauen sind eben die
    bessere Alternative... !

    Vom Vieux-Port aus geht es nochmal nach Frioul, Hafenmeister sprechen, noch
    büschen Rödeln, dann beschließen wir meinen Traum zu verwirklichen; ich
    möchte mit dem Boot vorbei an Calanque de Callelongue!

    "Hier fahr du!" sage ich zu ihr wieder grinsend. Der Wind hat weiter
    aufgefrischt, die Wellen sind noch höher und kommen 45° von achtern. Hinter
    der Landabdeckung von Frioul ist dann für sie Feierabend. Die See hat hier
    freie Bahn
    und türmt sich gigantisch auf. Als meine Freundin auf einem riesigen
    Wellenkamm mit dem Boot reitet
    und in`s Tal schießt, legt sie den Maschinentelegraphen apprupt auf Stop.
    "Das ist mir zu heftig!" schreit sie in den Sturm, etwas
    blaß um die Nase.
    Darauf habe ich "gewartet"!
    Die Wellen werfen das treibende Gummiboot hin und her - auf und ab, spielen
    mit ihm... denken wohl - sie könnten das Boot und die Besatzung etwas
    einschüchtern. Doch weiß ich zugut, daß mir die See noch nie `was böses
    wollte; sie ist meine Verbündetet, mein zu Hause. Das Meer spielt mit uns,
    begrüßt uns auf seine Art - mehr auch nicht, und das darf es auch....und nun
    bin ich an der Reihe, jetzt darf ich mit dem Meer spielen.
    Die 6 jungen, gute gebauten und vor Kraft und Ausdauer strotzenden Kerle im
    Außenborder warten nur auf den Startschuß. Der V6 läuft sich warm, hat er
    gerade mal erst eine Betriebsstunde zu verbuchen. Jetzt muß er ran...
    Eine recht große Welle hebt das Boot von schräg achtern StB an, der Gashebel
    fliegt nach vorne, die 6 Kerle hinten treten kräftig in Gewinnerlaune an.
    Das Wasser ist achtern nunmehr weiß statt blau. Die Maschine läuft nahezu
    5000 U/min. , überreizen mag ich sie schließlich auch nicht .. ach scheiß
    drauf! Ich lebe jetzt, hier und heute! Nur Leistung wird belohnt .. liegt
    der Caravanspiegel schließlich immernoch achtlos im Kofferraum.
    Die Gleitfahrt ins Wellental ist gigantisch, Gischt spritzt, wir sind
    deutlich schneller als die Welle. Die vorauslaufende Welle wird am Rücken
    flach angeschnitten, um weitesgehend die Geschwindigkeit beizubehalten. Wir
    kommen mit noch mehr Schub am Gashebel super den Wellenberg rauf.
    Etwas Gas weg, damit die Maschine durch die Entlastung jetzt weider bei
    Talfahrt nicht im "Leerlauf" zu sehr hochdreht. Das ist auch schon der
    einzige Unterschied zum Windantrieb. Hier pumpe ich eher das Großsegel
    und/oder Spinnacker um Maximalfahrt ins Tal zu bekommen, bei der Maschine
    muß ich da etwas aufpassen....
    (...)
    Als 6järiger konnte ich weder lesen noch schreiben, aber Wellenaussteuern.
    1972 war es, da kam ein großer, junger und freundlicher Mann in meine erste
    Klasse. Er stellte sich vor: "Mein Name ist Hansi Penovski. Ich bin
    Übungsleiter bei der ASG Segeln in Hohe Düne. Wer will ... ... ...?"
    Er hatte noch gar nicht zu Ende gesprochen, da flitzte seinerzeit mein
    rechter Arm mit erhobenen Zeigefinger in die Luft und zappelte umher: "Ich
    .. ich will mitmachen!" rief ich zeitgleich.... jetzt schwelge ich
    Augenblicke, die zu Stunden werden, in Erinnerungen. Das war vor 34 Jahren.
    Ich werde das kreisrunde mit Lachfalten gezeichnete Gesicht meines ersten
    SegelTrainers nie vergessen. "Mensch Hansi.. " denke ich nun "..was ist
    aus dir geworden..?"
    Jahrelang habe ich an den Küsten Europas stundenlang auf irgendwelchen
    Felsen oder Sandhügeln verbracht und auf das Meer geschaut, mir Schiffe
    angesehen oder einfach nur das Meer betrachtet und von einem eigenen Boot
    geträumt, ...Calabrien, Portofino, Gibraltar, Normandie, Dune de Pilat und
    die Ostsee nicht zu vergessen...
    Jetzt habe ich es unter den Füßen und lasse die Sau raus! Was man als Bengel
    mit Begeisterung gelernt hat, vergißt man auch nicht so schnell; es klappt
    alles vorzüglich.

    Ile Maire liegt südlich am Cap Croisette.
    Zwischen der Insel und dem Cap gibt es eine flache und enge Passage. Diese
    Passage hatte ich vom Plateau des Cap Croisette ständig im Auge wenn ich in
    Marseille (Callelongue) war. Hier habe ich regelmäßig gestanden und hinab
    auf die vorbeiziehenden Sportboote geschaut und mir vorgestellt, wie es wohl
    sein wird, wenn ich eines Tages dortentlag mit meinem Boot fahre und hinauf
    auf das Plateau schaue. Nun ist der Tag gekommen.
    Der Augenblick der Passage wärt nur wenige Minuten, aber das Glücksgefühl
    der grenzenlosen Freiheit auf dem Meer ist unbeschreiblich! An die
    grenzenlose Freiheit des Tauchens, des basenfreien Tauchens, denke ich in
    diesem Moment noch nicht einmal.

    Wir fahren weiter nach Sormiou, hat sich dieses doch meine Freundin so sehr
    gewünscht. Einmal diesen lieblichen Ort von der Wasserseite sehen.
    Sormiou ist mit einem der kleineren norwegischen Fjorde "vergleichbar", nur
    das Wasser hat hier die schönere Farbe, gepaart mit den weißen Felsen und
    dem satten Grün; Postkartenidylle eben.
    Die Wellen sind hier in der Abdeckung durch Ile Maire und der südlichsten
    Spitze von Marseille dem Cap Croisette wesentlich kleiner und der Wind
    flauer.
    Meine Freundin fährt wieder, ich hatte bereits meinen Augenblick der Träume.

    Abends legen wir wieder in Frioul an. Der freundliche Hafenmeister hatte uns
    den Code zum Öffnen der Duschentür gegeben. Scheinbar wollte er der strengen
    Hafenluft , seit unserer Ankunft , ein Ende setzen.
    Das warme Wasser tut gut, ich wärme mich auf, heize für die sicher doch
    frische Nachtruhe ordentlich vor.
    Das Boot wird nicht abgeplant; der Wind hat sich etwas gelegt, wir liegen
    zudem geschützt durch den hohen künslichen Damm, der Himmel ist sternenklar,
    die Luft frisch und noch warm. Schnell sind wir in den Schlafsäcken
    verschwunden und wollen die Nacht unter freiem Himmel auf dem Boot schlafen.

    Fortsetzung folgt....


    (c) Rene Heese 2006


    Hinweis: Entwurf, nicht auf Rechtschreibung geprüft.
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!
  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #2
    Anmerkung...

    Ich hatte heute wenig Zeit (Erst 19.30 Dienstschluß) zum Schreiben und
    letztendlich weniger Muße dazu als heute früh .. das merke ich im 2. Teil
    sogar selbst... und ist auch nur Stückwerk (u.a. zu kurz).

    Soll heißen: Ich besser mich. ;-)

    Gruß Rene
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!

    Kommentar

    • diverhans
      Ridderkreuzträger &
      Ritter


      • 03.11.2005
      • 444
      • BW

      #3
      Achja, ich _muß_ es auch dennoch schnellstmölglich zu Papier bringen , sonst vergesse ich .. die Einzelheiten.
      Auf die Idee, erst alles zu Schreiben und erst dann zu Posten bin ich auch schon gekommen. Aber wer kann schon über seinen Schatten springen..

      Lg. und gute Nacht, Rene
      ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!

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