Cavalaire 06-2006, Bericht Teil 2

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  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #1

    Cavalaire 06-2006, Bericht Teil 2

    Reise vom 10.06. - 18.06.2006, Cavalaire-Marseille

    Wracktauchen
    ________________________________________

    Teil 2
    ________________________________________

    Der Wind hat abgeflaut, die Welle steht zwar noch, doch liegt die "Espingole"
    noch gerade so in der Bucht, so daß ein Nachmittagstauchgang hier möglich
    ist. Das Torpedoboot aus 1903 liegt auf freundlichen 34 m, ist schon stark
    zerfallen doch lohnt ein TG nach 4 Jahren mal wieder. Der Anspruch ist nicht
    doll und für alle Beteiligten zumutbar.

    Ich hatte meiner Freundin die Wahl gelassen, und sie hat sich eben dafür
    entschieden. Der Anker ist schnell ausgebracht. Die gesteckte Ankerleine
    beläuft sich auf die knapp 2-fache Wassertiefe.

    Auch dieser Platz ist markiert, sodaß ein Ausbringen einer(weiteren)
    Markierungs- und Abtauchboje (-Leine) nicht erforderlich ist. Diese
    Gelegenheit verrät unschwer, dass auch dieser Spot stark frequentiert ist.
    Heute am Nachmittag ist hier aber keiner.

    Wir verschwinden diesmal recht unproblematisch und schnell in der Tiefe. Das
    Wasser ist nicht so klar wie sonst in Cavalaire gewohnt, doch genügt es um
    Spaß zu haben.

    Hier in dem Kriegsblech verstecken sich oft riesige Konger-Aale, nur dass
    konkret ich mich für Fisch wenig interressiere. Es ist ein (weiterer)
    Check-TG. Mal sehen, ob die Heerscharen von Tauchern doch noch was übersehen
    haben... an Buntmetall.

    Unten ist es recht frisch, man hätte das Gerödel an Mitnahmeartikeln um
    einen (zwei) Trocki(s) erhöhen sollen.

    Naja, was soll ich sagen; wir sind mal hier rum und mal da`rum getaucht,
    alles funzt, gefunden habe ich nichts, ..immerhin war ich mal wieder vor
    Ort. Meine Freundin macht einige Foto`s, sodaß ich dann mal auch was zum
    "Zeigen" habe. Nach 16 min. Grundzeit gehen wir nach oben.

    Gott sei Dank steht für heute Nacht die Weiterreise nach Marseille auf dem
    Programm; das bewahrt mich vor einer ernstzunehmenden Kriese!

    Bevor der Hafenmeister uns weitere 10 Euro Liegegebühr abnehmen wird
    (Stichzeit ist 13 Uhr), slippen wir das Boot am Nachmittag und verstauen
    alles reiseferig. Meine blaue Mütze mir dem weißen "R" und meine
    Boot-Fahr-Sonnenbrille bleiben auf einem Poller liegen. Die speckig-fettige,
    dreckige, ausgeblichene und für jedermann viel zu große Mütze finde 180°
    gewendet nach einer Stunde wieder, doch die coole Brille konnte jemand
    brauchen... Gott sei Dank hat das Schicksal andersherum entschieden!

    Boot ist auf dem Trailer und die Zugmaschine in Form eines brandneuen Audi
    A4 angekuppelt. Der Föhrer hat zu Eintopf(Erbseneintopf) "wie immer" geladen
    .. das Standartgericht bei Empfängen von erfolglosen U-Boot-Fahrern. Das
    Essen wird oben auf dem trockenliegendem Boot eingenommen. Staunend und
    raunend werden wir bei Schmatz, Pups und Rülps wahrgenommen - ist eben
    Werftliegezeit. Als Nachtisch gibt es Softeis. Ich sehe aus wie ein Schwein
    und bekleckert habe ich mich auch noch.

    Der Wecker wird auf 2 Uhr Nachts gestellt, und als es dämmert legen wir uns
    in das Vorschiff zur Nachtruhe. Ein gemütlicher Tag neigt sich dem Ende;
    keinen Geleitzug/ keinen Einzelfahrer erwischt. Der BlöDeUh wird sich auf
    die Hinterfüße stelle...wenn dat so weiterjeht.

    Die U-Boote-Schnarre ertönt; Aufgestanden heißt die Stunde, weg hier vom
    Orte des Versagens und glückloser Jagd! Eine Sekunde später drehe ich den
    Zündschlüssel um und der Diesel springt an. Meine Freundin läßt sogleich den
    Kopf auf die Brust sinken .. und schläft ein.. es waren ja auch nur
    zweieinhalb Stunden Halbschlaf.




    Dienstag

    Kurz vor 5 Uhr erreichen wir unseren gewohnten Platz am Vieux Port an der
    Slipanlage. Parkplätze sind für das Gespann ausreichend vorhanden, kein
    Mensch ist zu sehen - halt, doch, die kleine relativ attraktive "Obdachlose"
    schleicht wie immer über den Platz. Ich sehe sie zu jeder Tages- und
    Nachtzeit hier am Orte. Schade; dat junge , hübsche Ding .. lächelt sie doch
    immer so freundlich und sagt meist irgend etwas auf Französisch.

    Wir fahren raus nach Callelongue und lassen uns in der Morgenflaute auf dem
    Meer treiben, die Sonne müßte jeden Augenblick über die weißen Felsen luken.
    Ein traumhaftes Fleckchen Erde hier. Nur ist es etwas frisch. Wir müssen uns
    (vorerst) unsere Wetterjacken anziehen. Meiner Freundin gebe ich eine kleine
    Angel. Allerdings ist auf dem Fishfinder weit und breit kein Fisch zu sehen.
    Doch in wenigen Ausnahmen hat Spaß nicht immer etwas mit Erfolg zu tun.

    Ein alter Schlepper macht ordentlich Dampf auf, hat er doch einen
    Schwimmkran kleinerer Bauart am Haken. Alte Zeiten werden wach. Er fährt
    Richtung Osten, und das konkret heißt, daß der Mistral oder der Marin heute
    sicher auf sich warten läßt, bzw. nicht sonderlich stark ausfallen wird. Ich
    plane einen TG an einem meiner Lieblingsschiffe, der "Liban".

    Bei dieser Wetterlage befürchte ich, daß die Rudeltaucher bei Zeiten
    einschneien werden und mich bei meinen archiologisch-wissenschaftlichen
    UW-Grabungsarbeiten behindern könnten. Das hat zur Folge, daß ich an meinen
    Fingernägeln zu kauen beginne, diese mit meinen Zähnen schäle und die Frucht
    meiner Arbeit mit den Backenzähnen zermale .. ich muß in`s Wasser, bevor ich
    satt oder erstickt bin - ist mein Gedanke der Zeit!

    Bis alles angerödelt ist, frischt auch schon langsam der Wind auf. Er kommt
    diesmal aus Richtung Ost-Süd-Ost und bringt übelen Güllegestank mit. Ich
    weiß, daß zwischen Callelongue und Sormiou die Abwässer von Marseille
    UNGEKLÄRT in die See fließen. Doch hat die Strömung und die Windrichtung in
    den Jahren meiner Reisen nach Marseille "immer gestimmt" und wir sind von
    einer Katastrophe verschont geblieben. Doch heute stimmt etwas nicht; das
    Wasser wird minutiös trüber, allerhand Unrat schwimmt an der Oberfläche...

    Ich sehe zu, daß ich abtauche.

    "Bring einen Suppenlöffel mit!" sagt meine Freundin scherzhaft zu mir, kurz
    bevor ich rücklings in die See abkippe.

    "Ja-ja.." nuschel ich halbverständlich durch den Regler ".. du vergißt, der
    Dampfer ist zu 99.9% ausgeweidet. Aber dein Wunsch ist mir Befehl."

    Vor exakt einem Jahr hatte ich an der "Liban" die bis dahin beste
    Sichtweite; einfach ein Traum! Heute jedoch artet die Angelegenheit in eine
    zunehmende Katastrophe aus. Die Vertikalsicht ist sehr schlecht. Unten am
    Wrack geht es so. Ich bin zudem hier zu Hause und setze meinen TG dennoch
    fort. Ich bin wieder an der Bruchstelle gelandet und grabe heute nur
    oberflächlich im Sand neben dem Wrack. Ich möchte nochmal die Aufbauten
    untersuchen. Leider ist hier auf die "Rasche" nichts zu finden und so tauche
    ich wieder zur Bruchkante. In der Nähe eines Kessels blitzt etwas weißes.
    Sofort nähere ich mich ihm und berge ein Tellerbruchstück. Doch erfassen
    meine geschulten Augen etwas anderes: Aus dem Sand ragt neben anderen Dingen
    in einer Ecke eine Auffälligkeit, unscheinbar aber auffällig eben. Einen
    halben Finger lang, einen Finger in der Breite und flach erstreckt sich
    etwas, das sich in Richtung Sand verjüngt. " Dat is`doch nicht etwa eine
    Gabel...oder!(?)" denke ich mir bei dem Versuch, dat jute Stück aus dem Sand
    zu ziehen. Behutsam muß ich vorgehen. Der Sand möchte das Stück nicht ohne
    Fleiß preisgeben. Das Sediment wird im Umfeld mit der Hand weggewedelt, die
    Grundzeit verrint. Ich traue meinen Augen nicht: Ein silberner Suppenlöffel
    kommt ans Licht der Unterwasserwelt. Er ist verkrustet und leicht
    beschädigt. Ich könnte keine Suppe mehr löffeln, im Boden ist ein kleines
    Loch korridiert - das ist aber auch schon alles. Der Rest ist 1A! Der Löffel
    muß an irgendetwas gelegen haben, sonst wäre er an besagter Stelle mit
    keinem Lochfraß versehen. Schade, aber dennoch.... Die Freude ist riesig!
    Offengestanden; so etwas habe ich noch nicht!

    Gerade entferne ich mich von der Fundstelle, die ich mir zudem peinlichst
    genau für spätere TG`s eingeprägt habe, da sehe ich auch schon 2 Hanseln in
    meine Richtung tauchen. Zuvor hatte ich ein manövrierendes Boot an der
    Oberfläche vernommen und bin somit vorbereitet. Jedoch ziehen die beiden
    geruhsam an mir vorbei, gefolgt von weiteren Tauchern. Die Staubwolke hinter
    mir fällt bei der gülleartigen Konsistenz des Wassers nicht sonderlich ins
    Gewicht. Und außerdem; wat soll`s? Dat Leben is` eben so.

    Ich verspüre wenig Lust auf einen Reglerwechsel, habe Angst- ich könnte bei
    der Brühe hier krank werden und qualvoll sterben.

    An der Oberfläche angekommen ist die Katastrophe perfekt. Der Wind hat
    ordentlich aufgefrischt, doch sind keine Schaumkämme zu sehen. Wie Sirup ist
    die Wasseroberfläche; schnell Anker bergen und weg hier! Der Gestank ist
    zudem grauenhaft. Mein Gott - das schöne Meer.. und das im Jahre 2006.. ind
    innerhalb der EU!


    ( weiter unten geht`s weiter)
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!
  • diverhans
    Ridderkreuzträger &
    Ritter


    • 03.11.2005
    • 444
    • BW

    #2
    (...)


    Der Tag ist für uns beide dahingehend gelaufen. Wir entfernen uns vom Orte
    der Sünden- nicht etwa wegen des mitgebrachten Löffels! Ich werde mich wohl
    zukünftig über das Verbot des Tragens von Handschuhen bei Tauchern mehr denn
    je amüsieren.....

    Wir nutzen den Tag um die "Fjorde" bis Cassis an- und abzufahren. Das Wasser
    ist hier etwas hübscher und der Gestank fehlt gänzlich. In einer Bucht legen
    wir uns vor Anker und werfen die Angel aus. Ein Goldstrieme zappelt nach
    wenigen Minuten in respektabeler Grösse am Haken. Sie wird sogleich
    weidgerecht geschlachtet und in den kühlen Topf der Kühlbox gelegt.

    Gegen frühen Abend fahren in Richtung Hafen Frioul, nördlich die Rede"Süd"
    entlang. Tauchen hat sich hier wohl erledigt. Selbst die Rede"Süd" ist
    mittlerweile zunehmen verschmutzt; ich werde auf alle geplanten Wrack-TG`s
    im Raum Marseille verzichten müssen. Keine "Kehr-Bihan", keine "Drome",
    keine "Miquelon", keine "San Domenico", keine Chilton", ... alles wird
    ausfallen.

    Über den Schleier aus Entsetzen legt sich Traurigkeit. "Laß uns doch
    wenigstens noch Wracks suchen." schlage ich meiner Freundin vor.! Ist das
    okay für dich? Ist kein Umweg nach Frioul." Sie nickt wohlwollend ein und
    streckt sich auf dem Vorschiff zum Sonnenbaden aus .. mit dem Buch in der
    Hand.

    Ich habe einiges vorbereitet, gilt es doch, bestimmte Wracks zu finden. Wir
    bewegen uns weiter in Richtung Norden. Die Wassertiefe liegt hier bei ca.
    45m. Jedoch muß ich ein Gebiet von 53 m finden, möchte ich doch zuerst die
    "Drome" lokalisieren. Ich hatte dort schon mal mit der Basis von Jean-Michel
    einen TG ( ich berichtete seinerzeit davon). Das Ergebnis stand damals
    schnell fest; ich muß hier nochmal - mehrmals her. Die Möglichkeit, etwas zu
    finden ist an der"Drome" um ein vielfaches größer.

    Der Fischfinder läuft mit, und die Bootsgeschwindigkeit ist eine deutlichen
    Signalgebung angepasst. Unerläßlich starren meine Augen auf den kleinen
    Bildschirm, jeden Augenblick könnte eine Erhebung ivm. einer dicken"Weißlinie"
    darauf erscheinen. Dieser kleine Bildschirm ist für einen Wracktaucher
    deutlich spannender als der beste "Krimi" in der Glotze.

    Nach einiger Zeit trifft genau das(!) ein: Ein gewaltiger Ausschlag auf dem
    Fischfinder. Der Meeresgrund ist hier weit und breit platt wie eine Flunder,
    also keine UW-Felsen. Sofort springt der Zeigefinger auf die "Mark-Taste"
    des GPS-Gerätes, gefolgt von harter Ruderlage. Es folgt eine Gitternetzfahrt
    um das Terrain abzulichten. Deutlich länger als breit stellt sich das
    Ergebnis dar, ein Wrack - ganz klar. Tiefenausschlag bis 39 m und das bei
    knapp 50 m Wassertiefe! Die Nord- und Südrede ist voll von Wracks. Viele
    sind in einschlägiger Literatur erwähnt, einige davon betaucht und einige
    auch in Seekarten verzeichnet. Doch diese Position finde ich nirgendwo!
    Flammen schlagen nunmehr aus den Fingerkuppen; es brennt nicht unter den
    Nägeln, es ist ein Feuersturm entfacht. Doch ich kann bei dem Dreck hier
    nicht Abtauchen. Ich kneife meine Augen bis zur völligen Erblindung
    zusammen. Die daraus entstehenden Falten werde ich wohl mein Lebtag behalten
    .. ich altere um Jahre!

    Ich lokalisier in den 2 Stunden Suchfahrt noch 2 weitere Wracks, welche sich
    doch näherungsweise auf der Seekarte wiederfinden und sich im Ansatz mit
    meinen Recherchen decken. Doch die erste Position ist und bleibt mit
    rätselhaft. Hier muß ich "irgendwann-demnächst" mal runter; alles andere muß
    warten.

    Die Gegebenheit stellt sich in etwa wie folgt dar: Liegen in einem
    defeniertem Seegebiet 2 Wracks, so sind diese recht schnell gefunden. Liegen
    in dem selben Seegebiet 50 Wracks, besteht eher die Möglichkeit, daß eins
    nicht vermerkt wurde, da es für ein anderes gehalten wurde, welches bereits
    (vielleicht) verzeichnet ist. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar immernoch mehr
    als gering, ein unberührtes Wrack hier im Seegebiet gefunden zu haben, aber
    .. und immerhin besitze ich für die Ecke um Marseille schon recht
    ordentliche Literatur. Wir werden ja zu gegebener Zeit sehen, in welchem
    Zustand die Kombüse und /oder der Salon und /oder die Quartiere sind. 2- 3
    TG`s reichen dazu völlig aus. Natürlich könnte man ja auch gleich den Ort
    der Anbringung der Schiffsglocke untersuchen .. wir wollen ja nicht gleich
    übermütig werden und den Teppich verlassen... Dennoch sind nunmehr die
    Fingerkuppen hoffnungslos verkohlt!

    Wir laufen nun recht spät in Frioul ein. Der Hafenmeister weist uns lustlos
    einen Liegeplatz an einem Schwimmsteg zu .. ohne Frischwasseranbindung. Auf
    meine Frage diesbzgl. rückt er widerwillig einen Adapter raus mit der
    Bemerkung, ich müsse das Boot zum Abspritzen verholen. Mir vergeht die Lust
    bei dem bevorstehenden Sackgang.

    Die Pfanne wird herausgeholt und der geangelte Fisch gebraten. Im Nu ist
    eraufgegessen. Ich bekomme das, was runtergefallen ist .. wie immer.

    Es kühlt sich schnell ab und obwohl es keinen Nebel gibt, überzieht sich der
    Dampfer schnell mit einer feuchetn Schicht. Das Prinzip des Salzstreuers.
    Sogar die Klamotten beginnen mehr als klamm zu werden. Wir schauen uns in
    die Augen und haben nach geraumer Zeit (es ist bereits und mittlerweile
    nahezu Mitternnacht) den gleichen Gedanken; laß uns von hier verschwinden!
    Weg hier .. schnell, bevor uns "The Fog - der Nebel des Grauens" mit
    scharfen Schwert eines Untoten köpft und uns ein weiterer mit einem Eimer
    voll "Güllemeer" verätzt. Er reicht, und es bedarf keiner Worte; die Vor-
    und Achterleinen sind losgeworfen, der Maschinentelegraph macht RingRing.
    Das Voll Voraus - Mamöver wird unten im MR entsprechend bestätigt. RingRing
    kommt zurück. Ich scheiß auf Nachtruhe und gemäßigte Fahrt im Hafen.

    (...)

    Marseille leuchtet unschuldig-friedlich im Lichterglanz; die Nacht ist
    pechschwarz. Nur einige besonders helle Sterne funkeln über dem Güllemeer.
    Die Bugwelle ist grau. Bedauerlich .. sehr bedauerlich. Das wundervolle Blau
    ist gestorben, die See ist totengrau .. der Mensch hat ihr den Atem
    genommen. Ich bemerke Tränen in meinen Augen.

    Traurig nehmen wir Abschied von unserem geliebten anarchistischen Marseille
    und den atemberaubenden Wrack-Tauchspot`s vor seiner Tür. Etwas zu viel
    Anarchie .. finde ich.

    Das Boot ist wieder geslipt und auf dem Trailer arretiert .. und versteht
    die Welt nicht mehr. Ich muß es beruhigen und verweise darauf, daß es in
    einigen wenigen Stunden wieder in Cavalaire in seinem Element sein wird.

    Der Tunnel, welcher Marseille Richtung Toulon unerführt, ist genial. Doch
    was nützt es, wenn die "Anschlußautobahn" wegen nächtlicher Bauarbeiten
    gesperrt ist. Ich bin physisch restlos fertig. Kann ich doch eine Menge ab,
    auch Schlafdefizite. Doch das hier geht büschen weit. Unkonzentriert irre
    ich durch Marseille, um einen anderen Anschluß an die Autobahn nach Toulon
    zu finden; nichts!

    Ich finde die Bergstrasse nach Cassis und entscheide, mit 1,7 Tonnen am
    Arsch diesen "schmalen Weg" zu nehmen, bevor der Tank in Marseille
    leergefahren ist. Für die Serpentinen aufwärts brauche ich die ganze
    Strassenbreite. Gut daß es jetzt keinen Gegenverkehr gibt. Es geht steil
    abwärts .. so rechter Hand. Leitplanken sind selten. Meine Freundin schläft
    den Schlaf der Gerechten. Die Reisegeschwindigkeit ist meinem Zustand des
    Befindens entsprechend gering gewählt. Hier anzuhalten und zu pennen ist
    selbstmörderisch: Entfernte Bekannte sind hier mit einem Baseballschläger
    schwerst verdroschen worden , und das wegen ein paar Mark.

    Die Autobahn ist nunmehr gefunden, kenne ich doch den Weg nahezu blind aus
    meinen vergangenen Reisen. Ich schaffe genau Einsneunzig (Maut), dann fahre
    ich auf den dahinterliegenden Parkplatz und schlafe. Fünf-uhr-dreißig wache
    ich auf, setze mich nach knapp 3 Stunden Schlafkoma an`s Lenkrad und schaffe
    genau weitere Einsneunzig - die nächste Mautstation. Nach weiteren 3 Stunden
    Schlaf und 2 Zigaretten in 20 Minuten fühle ich mich dem nunmehr stark
    angewachsenem Verkehrsaufkommen wieder gewachsen. Um 10 Uhr erreichen wir
    die Slipanlage in Cavalaire Sur Mer und lassen /wiedereinmal) das gequälte
    Boot zu Wasser...



    Fortsetzung folgt ...


    (c) Rene Heese 2006


    Rechtlicher Hinweis:
    Die hier beschriebenen Tauchgänge sind grundsätzlich lebensgefährlich! Ich
    rate von Tauchgängen dieser Art ab, sie sind nicht zur Nachahmung empfohlen.
    Dieser Bericht hat lediglich unterhaltenden Charakter.
    Keiner dieser Tauchgänge hat in Wirklichkeit jemals und so stattgefunden.
    Ich lehne jeglich Verantwortung bzgl. Nachahmer ab!

    Nicht auf Rechtschreibung geprüft (Entwurf)
    ..man kann nicht alle Wracks dieser Welt betauchen, aber .. man kann`s versuchen!

    Kommentar

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