Wracktauchen
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Teil 5
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Meine Freundin holt noch mit dem City-Roller Frühstück vom Bäcker, aber
gegessen soll später werden; ich halte es nicht mehr aus und möchte zum
Achterschiff der "Togo".
Alles ist fertig, sogar den Halbtrocki habe ich bereits an. Stolz schleicht
das Boot durch den Hafen, das Basecap ist tief in die Stirn gezogen, obenauf
tront die coole Sonnenbrille (so wie der Wüstenfuchs sie einst trug), im
Winkel der großen Klappe lümmelt ein qualmender Kippen - das letzte
Abendmal - , jedoch achte ich peinlichst darauf, nicht _in_ das Boot zu
aschen. Es geht zum Achterschiff der "Togo" - ich fühle mich blendend, und
alle sollen es sehen. Leider ist das franz. Mädel aus dem Blumenladen nicht
an der Pier, bettelte sie doch damals vor 5 Wochen, ich solle wiederkommen
und einen sauberen tiefen Preßluft-TG hinlegen. Nochnichteinmal in die
Capitanerie kann ich reinschauen, ob die mich bewundern; die Fenster sind
bräunlich und verspiegelt. Nur ein Angler holt hastig seine Wurfangel mit
geballter Faust ein, da ich scheinbar zu dicht die Mole passiere. Na
immerhin wenigstens _ein_ Gruß vom Festland.
Etwas Welle steht doch an und büschen Wind haben wir auch. Der Gashebel
fliegt nach vorne und ab dafür. Die Brille wandert von oben etwas tiefer ..
auf die Augen, ..ist ihr wohl zu windig on top.
Augenblicke später macht es wutschsch und das Basecap verabschiedet sich
achteraus in`s Kielwasser. Die Möwen lachen sich hörbar tot; mein Gott - wie
peinlich! Aprupt fliegt der Gashebel auf Stop, sodaß meine Freundin
sitzenderweise vor dem Fahrstand, vornüber zum Tauchgerät purzelt.
"Brauchst`e nicht festhalten, liiiecht gut." werfe ich ihr zu und wende
bereits mit kleiner Fahrt.
"Hier übernimm du, Käpt`ns Hut bergen!" erteile ich die Anweisung.
Der Deckel ist dermaßen versüfft, daß er sich kaum über Wasser hält und mehr
und mehr gewichtsneutral dem verdrängtem Wasser in den Schwebezustand
wechselt. Nur noch die Spitze vom Schirm lukt noch einen Millimeter über
Wasser. Der Deckel beginnt über das Achterschiff zu Sinken! Mein Gott - was
für ein Traucherspiel! Läuse, Flöhe , Wanzen machen gemeinsam die
Rettungsboote klar, drängeln sich um einen Platz im Boot. Die ersten Schüsse
fallen! Laus Mördock richtet die Waffe gegen sich selbst und stürzt tödlich
getroffen über Bord. Es ist soweit, Panik an Bord der SS "Mütze" bricht aus!
"Scheiße hiaa .. mein Hut säuft ab! Gib Gaaas man!" Der sinkende Hut wir
anvisiert und beherzt springe ich mit einem Köpper über Bord. Die
vorgestreckten Hände erwischen beim einditschen in`s Wasser den so wichtigen
Hut und krallen in fest.
Stolz erscheint erst die Mütze in den Händen an der Wasseroberfläche, dann
ich. Die Besatzung jubelt. Mir jedoch ist jetzt schon arsch-kalt!
(...)
Ich traue meinen Augen nicht: Da kurvt der Fischer von gestern in der Nähe
des Achterschiffes rum. Ich gebe noch mehr Gas, will die Sache sichtlich
klären.
"Neinn!! Verdammte Scheiße hiaa! Dat kann doch nicht waaah saain! So`ne
Scheiße hiaa! .. Der legt Netze - genau am Wrack! Dieses Arschlooch!" ..bin
ich doch keineswegs cholerisch veranlagt, doch mir platz der Kragen - ich
explodiere! "Ich geh`da jetzt runner! Das ist mir scheißßßegal! Der(!)
versaut mia nich`die Touaa! ...Dat kann doch nich` waaah saain!"
Meine Freundin sagt nix.
Totenstille nunmehr .. an Bord.
Nur die Maschine surrt leise im Leerlauf.
Wie angewurzelt stehe ich hinter dem Fahrstand und schaue schockiert auf das
sich entfernende offene Holzboot mit den langen beflaggten Stangen und den
darauf rödelndem Männchen, welches lustig weiter Netze legt.
"Los! Peilung vornehmen! Da .. und da! Die beiden Boje da! Wo ist die scheiß
Wasserflasche (Abtauchmarkierung der Tekki`s) ?" frage ich an.
"Guck, ..dort .. dort ist die Flasche!" entgegnet meine Freundin, die jetzt
ebenfalls aufgestanden ist.
Ich umkreise die Wasserflasche um auf dem Fishfinder die genaue Lage des
Wracks zu kriegen.
Der Fischer hat ganze Arbeit geleistet. Sein Netz liegt genau auf der
Mittelachse des Achterschiffes .. der Länge nach .. von vorne bis hinten!
Wieder nun stehe ich wie angewurzelt da. Hmm .. habe ich doch gerade erst
diesen Fall an der "Prophete" trainiert, und heute ist Freitag! Das Netz
liegt auch morgen noch hier, und morgen Nachmittag reisen wir ab. - arbeitet
es in meinem Kopf.
(...)
Meine Freundin sagt nix. Sie wird den Teufel tun ..und mich ggf. belehren
wollen.. sie weiß, ich werde meine Entscheidung durchdacht so oder so
treffen und sie dann durchziehen.
Eine geschlagenen viertel Stunde ohne Worte und des Dümpelns in den Wogen
ist vergangen. Ich stehe immernoch wie angewurzelt hinter dem Fahrstand, nur
; es arbeitet in meinem Kopf. Alle Eventualitäten meines Erfahrungsschatzes
laufen im Kopf durch...
"Okay .. Abruch! Wir faah`n nach Hause! werfe ich in den `Raum`.
Meine Freundin sackt sichtlich etwas zusammen. Dabei bläßt sie ihre Wangen
leicht auf , und die gestaute Luft entweicht leise-hörbar durch ihren
hübschen Mund.
"Geh doch an das Vorschiff." entgegnet sie halblaut etwas später.
"Vooorschiff .. Vooorschiff! Man, sieh! Da sind drei Dampfer dran! Da hätte
ich doch gleich mit den Heinis tauchen können! Die karren sich da unten
üba`n Haufen! ..Ich hab` da mal gewohnt auf `m Voo..oorschiff ! Es gibt
nicht einen Nagel mehr, wo meine Fingerabdrücke _nicht_ d`rauf sind!" sicher
weiß ich, daß meine Freundin für die Sachlage hier am Spot nichts kann, und
sie weiß, daß ich das nicht persönlich meine. Die Luft muß eben rauß - gibt
sonst Magengeschwüre.
"Nu` komm. Du hast alles fertig. Wir warten bis die weg sind und dann gehst
du rein." beschwichtigt sie meine Enttäuschung "besser als gar nicht im
Wasser, oder?" lächelt sie mich liebevoll an.
Ja .. richtig erwartet - ich liebe sie .. diese Frau ist das Beste, was mir
in meinem Leben begegnet ist! Ein goldener Engel .. in jeder Lebenslage.. zu
jeder Zeit!
"Kommst`e mit? Deine Ausrüstung ist an Bord. Ich rödel sie zusammen und du
entspannst dich derweilen." frage ich sie (nunmehr) freundlich.
"Nein, schon gut, geh nur!"
"Okay, dann gehe ich an das Vorschiff. Hast ja Recht .. besser als gar nicht
im Wasser. Ich bleibe nicht lange. Wird eh arschkalt werden." sage ich im
ruhigen und friedlichen Ton zu ihr.
Wir wechseln und sie nimmt langsam Fahrt Richtung Vorschiff der "Togo" auf.
Ich reiße mir fast dabei den Arm ab, als ich dem Fischer die geballte Faust
hinterherwerfe. Damit ist dann auch der Sache genüge getan und ich finde
mich mit den Gegebenheiten - mit der Enttäuschung ab.
Mache ich doch beim Setzen der Markierungsboje (-Leine) und des Ausbringens
des Ankers ein riesen Heckmeck d`rum, vom Wrack fern zu bleiben, und der
legt freiwillig sein Netz genau auf den Wracks aus. Wie der dat wohl wieder
in seine Nußschale kriegt? Volltrottel oder Vollprofi (?) - Wahnsinn und
Genialität liegen eben dicht beeinander...
Fortsetzung weiter unten

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