Teil 9:
Die 21 Meter Deco – was mache ich hier eigentlich? Grundsätzlich nach tieferen, anspruchsvolleren Solo-Tauchgängen komme ich auf dieser Stufe erst einmal zur Ruhe. Hier schaue ich auf meine Systeme wie Finimeter, Zeit, Tauchtiefe. Dann schaue ich auf meine Tabelle und rechne mir die erforderliche Deco aus. Sollte die Tabelle mal beim Tauchgang abhanden gekommen sein, rufe ich die im Kopf gespeicherten Stopps ab oder ich habe nun die Möglichkeit ab 21 Meter die Zeiten auf den jeweiligen Stufen einfach zu verdoppeln als „Notfallverfahren“ beginnend mit einer Minute. Und selbst wenn ich zwei oder 3 Minuten auf der 21er Stufe verweilen sollte, so schadet es nicht wirklich. Allerdings lasse ich dazu den 18 Meter Stopp aus. Und so komme ich auf 60 Minuten Deco – gerundet und habe gut die doppelte Decozeit als sie in irgendeiner Form auf meiner Tabelle erscheint.
Ich habe Zeit meine Leine zu sortieren – sehe zu, dass ich mich eher „schwer“ mache als zu „leicht“. Das bringt viele Vorteile: Bei Gefahr kann ich recht schnell tiefer; die Leine ist zum Grund hin lose so dass das Bleilot keinen unerwünschten Auftrieb erfährt; mein Freundin sieht an der Oberfläche – dass der große Zylinder in einer anderen Lage ist – ich dranhänge; ich kann Signale über die Leine an den orangefarbenen Zylinder weitergeben; an einer ungestückelten straffen Markierungsleine kann ich unter Umständen den Hebesack mit seiner Ladung eingeschäkelt nach oben gleiten lassen, sodass dieser nicht abtreibt und alles zusammen geborgen werden kann; ich habe „Reserveabtrieb“ falls ich eingeschlafen bin und mich jemand heraufholt – zwar bin ich nie an der Leine arretiert, fahre sie immer aus der Hand, aber man kann nicht wissen.
Nachteile bezüglich dem „zu schwer sein“ sind mir nicht viele bekannt. Sollte der Schwimmkörper sich mal lösen oder an Auftrieb verlieren, so ist in das Wing schneller Luft eingelassen als herausgelassen – der Inflator-Einlassknopf ist stets und ständig griffbereit, und wenn einmal nicht – komme ich mit gekonnt eingesetzten Flossenschlägen schneller rauf, als mich zu wenden um runter zu kommen. Hinzu kommen, dass die „21“ eine magische Zahl ist; eben eine sinnvolle erste Stufe, sowie eine Gaswechselstufe hinsichtlich Nitrox50 – oder TMX50/25. Das dazu und am Rande.
Doch lausche ich nun angestrengt. Dabei atme ich teilweise nicht einmal. Wo sind die Schraubengeräusche? Ich müsste sie bereits deutlich hören können. Und wo bleiben weitere Klopfzeichen? Ich interpretiere daraus, dass meine Freundin – wie besprochen – Signale gegeben hat und der Dampfer keine der Fähren gewesen ist und einen „anderen“ Hafen anläuft. Marseille besitzt in der Umgebung mehrere davon. Der Dampfer hat sich an Ile Maire gezeigt und läuft einen anderen Kurs. So muss es sein, doch ist weiterhin größte Aufmerksamkeit geboten.
Nach geraumer Zeit höre ich nun doch Motoren- / Schraubengeräusche. Meine Erfahrung sagt mir, dass es sich hierbei allerhöchstens um eine Yacht handeln kann und diese hat auszuweichen und ist dazu auch in der Lage. Etwas später noch die Akustik eines Gleit-Ausflugbootes – welche gerne die Fjorde östlich von Marseille anfahren, genanntes gilt auch hier. Und dann wohl noch ein früher Tauchdampfer. Das war`s!
Ich trödele nicht rum, bleibe aber auch nicht zu kurz auf den Stufen – denn so kann ich mir heute Nachmittag noch einen Tauchgang erlauben.

Kommentar