Pressemeldungen in Polen 1939

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    • 05.02.2005
    • 1999
    • Dortmund / Bielefeld
    • Hab ein Detector gebaut

    #1

    Pressemeldungen in Polen 1939

    Berlin in Trümmern

    Eines der Lieblingsthemen der Medien waren schwere Angriffe polnischer Flugzeuge auf die deutsche Hauptstadt. Nach Angaben der Krakauer Zeitung gab es diese täglich. Regelmäßig kehrten die "Bomber" ohne eigene Verluste nach Polen zurück, obwohl einzelne Piloten sich später auch schon mal beklagten von Scheinwerfern deutscher Flaggeschütze geblendet worden zu sein. Die Standardmeldung sah in etwa so aus: "Unsere Piloten kehrten gesund und mit heiler Haut zu ihren Basen zurück, nur ein Korporal wurde am Bein verletzt". Gleichartige Meldungen über deutsche Verluste lasen sich so: "Die Deutschen waren wie gewöhnlich überrascht vom plötzlichen Auftauchen unserer Flugzeuge und schossen ziellos durch die Gegend. Neben der Reichshauptstadt bombardierten unsere Flugzeuge heute auch Frankfurt/Oder, Danzig und vernichteten einen Stützpunkt der deutschen Luftwaffe in Posen sowie einen Flughafen in Breslau" - schrieb die "Krakauer Zeitung" am 11.9.1939. Die Zeitung "Morgen-Express" berichtete am 8.9.39, dass polnische Bomber nun auch den Briten zur Hilfe geeilt seien in ihrem Kampf um die Zerstörung deutscher Industrieanlagen. Der bedeutende Teil Berliner Industrieanlagen sei vernichtet worden, hierunter auch diese von Krupp nach zwei schweren Angriffen.

    Schlachtschiff "Gneisenau" versenkt

    Das "Lodscher Echo" meldete schon am 4 September die erste große Niederlage der deutschen Luftwaffe in Polen: "64 allerneuste Flugzeuge des Eindringlings wurden abgeschossen, über 180 Piloten werden nicht mehr nach Deutschland zurückkommen". Deutsche Bomber sind ein leichtes Ziel sowohl für die Flugzeugabwehrartillerie, als auch für unsere Jagdflugzeuge die mit einer Geschwindigkeit von über 450 km/h den Feind stellen und dann vernichten" - schrieb ein Journalist "des Echos". Am 14. September liess auch der "Morgenexpress" seiner Einbildungskraft freien Lauf und behauptete, dass die deutsche Luftwaffe nun wegen Mangels am Benzin garnicht mehr angreife, denn den notwendigen Kraftstoff habe man irrtümlich an die Westfront geschickt. Viele historische Indizien weisen daraufhin, dass sogar Regierungsmitglieder den Lügen der Medien und anderer Politiker auf den Leim gingen. Der damalige Vize- Ausenminister Polens an der Seite von Józef Beck, Jan Szembek, trug in seinem Tagebuch am 4. September 1939 ein: "In der Kaserne behaupten Offiziere, dass die Engländer Hamburg bombardieren, und die Franzosen in Deutschland einmarschiert sind. Eine Reihe von Nachrichten sind diesbezüglich auch im Ministerium eingegangen, so sollen 60 polnische Flugzeuge Berlin bombardiert haben und alle unversehrt zurückgekehrt sein. Auch Kiel wurde angegriffen und das Schlachtschiff "Gneisenau" versenkt".

    Hunderte polnische Jagd- Geschwader bereit

    Die polnischen Luftstreitkräfte und die Kavallerie wurden damals von fast allen Medien besonders verherrlicht. Das Flugwesen nahm sogar schon vor dem Beginn des Krieges den wichtigen Platz in der Großmachtkampagne Warschaus ein. Die Polen glaubten den Lügen der Politiker und wähnten gleich Hunderte von Geschwadern der polnischen Luftstreitkräfte zum Einsatz gegen Deutschland bereit (1.9.1939 Krakauer Zeitung IKC). Effekte der Handlungen solcher Masse von Flugzeugen mussten natürlich zumindest dann auch in der Presse erscheinen. Am 19. September versicherte die Tageszeitung "Morgenexpress", dass die Deutschen in Polen schon über 300 Flugzeuge verloren haben, wobei über tausend Mann Besatzung den Tod fanden. Diese Informationen, obgleich stark übertrieben, waren allerdings dann nicht so ganz abstrakt im Verhältnis zur Kriegswirklichkeit. Im ganzen September soll die deutsche Luftwaffe in Polen 285 Flugzeuge verloren haben, 279 wurden beschädigt und 400 Piloten wurden getötet oder vermisst. Nach Medienberichten fuhr die polnische Armee aber auch zu Lande und Wasser nur bedeutsame Erfolge ein. "Die Deutschen können dem Tempo des polnischen Angriffes nichts entgegensetzen" - Schrieb "ABC" am 5. September 1939, also zu einem Zeitpunkt als große Teile der polnischen Armee bereits an der Weichsel von der Wehrmacht in die Zange genommen worden und floh.

    Betrunkene Kinder in deutschen Panzern

    Die Redakteure der Warschauer Zeitung "ABC" waren besonders einfallsreich in ihren Erfindungen. Deutsche Soldaten stellten sie oft lächerlich wie z.B. in viel zu kleinen Uniformen dar. "Beim Anblick polnischer Ulanen mit ihren Bajonetten sind die Deutschen in Panik geflohen" - hiess es regelmäßig. Die Zeitung nahm in ihren Berichten jeweils Bezug auf Kriegsberichterstatter, die es aber im September 1939 überhaupt nicht gab. Auch verbreitete man das Gerücht, dass in deutschen Panzern nur Kinder saßen, was die rasenden Angriffe dieser "Monster" unterstrich, denn man hatte ihnen Alkohol verabreicht. Schon am 8. September waren deutsche Flugzeuge ständig über Warschau zu sehen. ABC beruhigte ihre Leser mit dem Hinweis, dass dies selbstmörderische Manöver der Deutschen seien. Die Maschinen hätten kaum noch Benzin und keine Munition mehr an Bord und seien damit wehrlose Opfer. Am 12.9.1939 meldete man sensationell dass die deutschen Panzer sogar schutzlos gegen Gewehrkugeln seien, da die Schützentürme nicht aus Stahl, sondern Blech produziert worden seien. Erst ab dem 19. September gaben einige polnische Zeitungen zu, dass die polnischen Heere bei Kutno, Lodsch und Łowicz müde seien und verzweifelt gegen ihre Einkreisung durch die Wehrmacht kämpften.

    Ritterliche Polen

    Nicht schlimmer als polnische Reiter und Piloten taten sich die Matrosen hervor. Die erste Geige spielte hierbei der polnische Zerstörer "Wicher", der am 18. September 1939 mit der Vernichtung des deutschen U-Bootes U-37 den Untergang der deutschen Kriegsmarine eingeleitet haben soll. Nach jedem erfolgreichen Angriff auf deutsche Schiffe verhielten sich die Polen ritterlich und nahmen die Besatzungen versenkter Schiffe des Gegners an Bord. Die Heldentaten der "Wicher" waren unerhört, besonders wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass dieses Schiff bereits seit dem 3. September auf dem Grund der Ostsee im Hafen von Hel lag, nachdem es durch drei deutsche Fliegerbomben versenkt worden war. Weniger mediales Glück hatten die Verteidiger der Danziger Westerplatte, deren letzter Mann laut "Dziennik Nowy" am 10. September sein Leben verloren haben soll, nachdem er und sein Kommandant sich selbst und die Westerplatte in die Luft gesprengt hatten. In Wahrheit waren aber kaum 16 von 182 Beschützern der Westerplatte umgekommen. Die gleiche Zeitung berichtete auch vom Einmarsch der Sowjets in Ostpolen am 17. September 1939: "Die rote Armee hat einen Teil des polnischen Gebietes an des Grenze liegend eingenommen. Die polnische Armee führt keine Kriegshandlungen gegen die sowjetische Armee aus".

    Frankreich patrouilliert an den Grenzen

    Auch über die Ereignisse im Ausland während der ersten Tage des zweiten Weltkrieges berichten polnische Medien in ähnlicher Manier. Das "Lodscher Echo" druckte am 4. September 1939 sogar einen angeblich amtlichenen Bericht ab, in dem vom Beginn eines Angriffes der französischen Streitkräfte zu Land, Wasser und in der Luft gegen Deutschland zu lesen war. Man versah dieses Kommunique mit dem suggestiven Titel: "Frankreich hat alle seine Streitkräfte in den Kampf gegen die Deutschen geworfen". Von einem orkanartigen Angriff auf die Siegfried-Linie und der Bombardierung deutscher Städte wird berichtet. Mit Bezug auf den "Pariser Rundfunk" meldeten auch andere polnische Zeitungen von siegenden französischen Truppen an Fronten zwischen Mosel und Rhein. Bekanntlich beschränkten die Franzosen aber ihren Beistand zu Polen damals auf das Patrouillieren an den eigenen Grenzen. Berichtet wurde durch polnische Medien auch über die Aktivitäten deutscher Kriegsgegner in Berlin und andererorts. Von Großdemonstrationen ("wir wollen keinen Krieg, wir wollen Brot") ist zu lesen, Strassenschlachten mit der Polizei und unzähligen explodierten Bomben die Hitler gewidmet gewesen seien. "Pazifistische Flugblätter wurden sogar durch Bomber der Luftwaffe über großen Städten abgeworfen" - meldete "ABC" Warschau.
    Der ganze Artikel findet sich hier:

    Als Polen den Krieg gewann
    Wir leben im Zeitalter grenzdebiler Wissenschafts- und Expertengläubigkeit.
  • hemiotti
    Heerführer


    • 14.02.2009
    • 2817
    • Berlin Lichtenberg
    • Teknetics Omega 8000 & Garrett PP

    #2
    ohne kommentar

    danke für den link
    no Risk no Fund

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    • Deistergeist
      Moderator

      • 24.11.2002
      • 19734
      • Barsinghausen am Deister

      #3
      Interessant, hatte ich noch nichts von gehört. Finden sich noch andere Quellen zu diesem Thema?



      Und ich muss es bestimmt nicht extra betonen: Es handelt sich hier um ein Thema im Grenzbereich...


      MfG Grosseaugengeist
      "The Man Who Saved the World" -S. J. Petrow-

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      • Kunstpro
        Banned
        • 05.02.2005
        • 1999
        • Dortmund / Bielefeld
        • Hab ein Detector gebaut

        #4
        Polenfeldzug

        Zitat von Deistergeist
        Interessant, hatte ich noch nichts von gehört. Finden sich noch andere Quellen zu diesem Thema?



        Und ich muss es bestimmt nicht extra betonen: Es handelt sich hier um ein Thema im Grenzbereich...


        MfG Grosseaugengeist


        Ich fand es so bemerkenswert, dass ich darüber berichtet habe.

        Einerseits finde ich diese Pressemeldungen unglaublich, deshalb kommt jetzt eigendlich nur die Archiv-Arbeit und das Lesen von polnischen Zeitungen aus 1939 in Frage.
        Anderseits frage ich mich, ob Polskaweb ein Interesse hatte diese Zeitungsberichte zu fälschen.

        Ich bin eigendlich nach allen Seiten offen, glauben muß ich erstmal gar nix.

        Viele Grüße

        Bernd


        Nachtrag:


        Mit dem Polenfeldzug begann das nationalsozialistische Deutsche Reich den Zweiten Weltkrieg in Europa. Dieser völkerrechtswidrige Angriffskrieg[1] wird in Deutschland oft als Überfall auf Polen, in Polen als Septemberkampagne (Kampania wrześniowa) oder Verteidigungskrieg von 1939 (Wojna obronna 1939 roku) bezeichnet.

        ...meinte der Kriegsminister Tadeusz Kasprzycki:[27]

        Man rät uns zum Bau von Festungen und zur Vorbereitung eines Verteidigungskrieges, empfiehlt uns Rückzugsmanöver und Widerstand an unseren Flussläufen. Nichts davon werden wir tun. Wir kennen nur die Offensive, und im Angriff werden wir siegen.
        Die Devise lautete Marsz na Berlin! Marsz na Berlin! (Auf, gegen Berlin)[28]
        Wikipedia reference-linkPolenfeldzug


        Kampania wrześniowa

        Wojna obronna 1939 roku
        Zuletzt geändert von Kunstpro; 18.09.2009, 21:52. Grund: Nachtrag
        Wir leben im Zeitalter grenzdebiler Wissenschafts- und Expertengläubigkeit.

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        • nilo85
          Landesfürst


          • 31.05.2008
          • 776
          • Ostdeutschland

          #5
          ach ja die Polen aber danke für diesen Artikel

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          • Spassvogel
            Heerführer


            • 26.10.2006
            • 1254
            • xxxx

            #6
            Na ja, man nennt so etwas halt Kriegspropganda.

            Die gab es in jedem Krieg, egal von welcher Seite!

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            • deproe
              Ritter


              • 07.07.2007
              • 497
              • Brandenburg an der Havel

              #7
              das bringt nichts - würde den beitrag schliessen - nichts für ungut
              bis dann gruß deproe

              "Nicht kleckern, klotzen!"

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              • Kunstpro
                Banned
                • 05.02.2005
                • 1999
                • Dortmund / Bielefeld
                • Hab ein Detector gebaut

                #8
                Zitat von Spassvogel
                Na ja, man nennt so etwas halt Kriegspropganda.

                Die gab es in jedem Krieg, egal von welcher Seite!

                Wir reden hier von polnischer Kriegspropaganda.

                Dies liegt völlig außerhalb meines Erfahrungsbereiches, da ich weder polnisch kann, noch deutsche Presse jemals irgendetwas davon mitgeteilt hat.

                Verzichten möchte ich hier im Beitrag einen Vergleich mit der Propaganda der Nazionalsozialisten.

                Ebenso unwichtig sind mir die polnischen Erfolgsmeldungen aus dem Gespräch mit Angela Merkel.


                Bitte beachtet meine Absicht, damit aus diesen Gründen der Beitrag nicht geschlossen wird.


                Kann jemand mit dem Google Übesetzer etwas anfangen?

                www.1939.pl

                www.kampaniawrzesniowa.pl

                Beispiel einer Google Übersetzung:

                Französisch General Louis Marin hat im Jahr 1939, dass der polnische Soldat ist erste Klasse, zäh, begabt mit einem Sinn für Initiative, die weder in der russischen Soldaten oder einem Deutschen zu finden sind.
                Wir leben im Zeitalter grenzdebiler Wissenschafts- und Expertengläubigkeit.

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