Eine zweite Flurbezeichnung in einem Wald heißt "Schatzgrube". Wie ist man auf solche Flurbezeichnungen gekommen? Ich war schon mal an einer "Schatzgrube" Sondeln, gefunden habe ich dort aber nichts....
Flurname "Heiligenbrunn", fundträchtiger Ort?
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Flurname "Heiligenbrunn", fundträchtiger Ort?
Auf einer Topo-Karte habe ich in einem bewaldeten Tal mit vielen Quellen den Flurnamen "Heiligenbrunn" entdeckt. In der Nähe befindet sich nur ein kleines Dorf. Auf/von was könnte der Name herrühren?
Eine zweite Flurbezeichnung in einem Wald heißt "Schatzgrube". Wie ist man auf solche Flurbezeichnungen gekommen? Ich war schon mal an einer "Schatzgrube" Sondeln, gefunden habe ich dort aber nichts....Stichworte: - -
Der Flurname „Heiligenbrunn“ ist fast immer ein Hinweis darauf, dass dieser Ort schon sehr lange als etwas Besonderes wahrgenommen wurde. Gerade ein bewaldetes Tal mit vielen Quellen passt erstaunlich gut zu einem sehr alten Bedeutungszusammenhang. Quellen galten in Mitteleuropa bereits lange vor dem Christentum als heilig. Sie wurden als Orte von Heilung, Reinigung und Kontakt zur „anderen Welt“ verstanden. Wo Wasser aus dem Boden tritt, besonders an mehreren Stellen zugleich, entstand oft das Gefühl, dass hier eine besondere Kraft wirksam ist. Solche Plätze lagen häufig abseits der Siedlungen, im Wald oder in Senken, und wurden über Generationen hinweg aufgesucht, ohne dass dort zwingend ein Dorf oder ein Bauwerk entstand.
Mit der Christianisierung wurden diese Orte selten aufgegeben. Stattdessen wurden sie umgedeutet. Aus einer verehrten Quelle wurde ein „heiliger Brunnen“, manchmal mit einem Kreuz, manchmal mit einer kleinen Kapelle oder einfach nur durch den Namen. Oft verschwand die Erinnerung an einen konkreten Heiligen völlig, während der sakrale Charakter im Flurnamen erhalten blieb. „Heilig“ bedeutete dabei nicht nur religiös geweiht, sondern auch heilend, segensreich oder schützend. In vielen Gegenden holten Menschen noch bis in die Neuzeit Wasser aus solchen Quellen gegen Krankheiten, für Kinder oder für das Vieh.
Ebenso möglich ist, dass der Ort eine rechtliche oder soziale Sonderstellung hatte. Heilige Quellen waren häufig tabuisiert, durften nicht verschmutzt oder wirtschaftlich genutzt werden und lagen außerhalb der alltäglichen Nutzung. Auch das konnte sich im Namen niederschlagen. Wichtig ist dabei, dass Flurnamen oft deutlich älter sind als schriftliche Überlieferungen. Dass sich heute nur ein kleines Dorf in der Nähe befindet oder gar nichts Schriftliches bekannt ist, spricht nicht gegen eine lange Bedeutungsgeschichte.
In der Summe deutet ein „Heiligenbrunn“ in einem quellenreichen Waldtal sehr häufig auf einen alten Kult- oder Heilort hin, der wahrscheinlich vorchristliche Wurzeln hatte und später in christlicher Zeit sprachlich und symbolisch überformt wurde. Der Name ist dann weniger eine fromme Benennung als ein fossilisiertes Erinnerungsstück an eine besondere Landschaftsstelle.
Solche Namen sind in der Landschaft tatsächlich erstaunlich ehrlich – sie sind fast nie zufällig entstanden. Eine Flurbezeichnung wie „Schatzgrube“ ist in der Regel kein poetischer Fantasiename, sondern das Ergebnis von Beobachtung, Erzählung und Erinnerung, die sich über Generationen verfestigt hat.
Sehr häufig steckt dahinter zunächst einmal etwas ganz Reales: eine auffällige Grube, ein alter Schacht, ein Einsturz oder eine Vertiefung, deren Ursprung den späteren Nutzern nicht mehr klar war. In Wäldern sind das oft alte Abbauplätze für Lehm, Raseneisenstein, Ton, Sand oder sogar frühe Erzgewinnung. Wenn der eigentliche Zweck in Vergessenheit geriet, blieb nur noch die Form in der Landschaft – und mit ihr die Frage, warum hier „ein Loch“ ist. In der volkstümlichen Deutung wurde daraus nicht selten eine Schatzgrube. Wo niemand mehr wusste, was einst gefördert wurde, musste es eben etwas Wertvolles gewesen sein.
Hinzu kommt die Rolle von Sagen und Erzählungen. In vielen Gegenden kursierten Geschichten von vergrabenen Schätzen, die mit Kriegen, Pestzeiten, Raubrittern oder untergegangenen Höfen verbunden wurden. Solche Erzählungen waren keineswegs bloß Märchen, sondern dienten auch als Erklärung für ungewöhnliche Geländeformen. Wenn Menschen über Generationen hinweg hörten, dass „dort im Wald ein Schatz liegen soll“, verfestigte sich diese Vorstellung irgendwann im Flurnamen. Der Name wurde zur Kurzform einer ganzen Geschichte, selbst wenn niemand mehr wusste, wer sie zuerst erzählt hatte.
Ein weiterer Aspekt ist die Bedeutung des Wortes „Schatz“ selbst. Im älteren Sprachgebrauch meinte es nicht nur Gold oder Silber, sondern ganz allgemein etwas Wertvolles oder Besonderes. Das konnte auch gutes Material sein – etwa hochwertiger Lehm, brauchbarer Stein oder ergiebiger Boden. Eine „Schatzgrube“ konnte also schlicht ein Ort sein, an dem man etwas gewann, das für die Gemeinschaft von großem Nutzen war. Erst später wurde daraus im kollektiven Gedächtnis der Gedanke an einen vergrabenen Reichtum.
Nicht zuletzt spielen verborgene oder aufgegebene Siedlungsreste eine Rolle. In Waldlagen finden sich immer wieder Wüstungen, alte Kellergruben, Brunnen oder Speicher, die nach dem Auflassen der Höfe langsam einbrachen. Solche Stellen wirkten geheimnisvoll und wurden gerne mit verborgenen Schätzen in Verbindung gebracht. Besonders in Kombination mit anderen „sprechenden“ Namen in der Nähe – wie alten Wegen, Quellen oder Kultorten – sind solche Flurnamen oft Hinweise auf eine vielschichtige Nutzungsgeschichte.
Kurz gesagt: Flurnamen wie „Schatzgrube“ entstanden nicht aus Leichtsinn, sondern aus dem Zusammenspiel von sichtbarer Landschaft, verlorener Funktion und erzählter Bedeutung. Sie markieren Orte, an denen etwas war, etwas gewonnen wurde oder etwas vermutet wurde – und sie sind oft weniger übertrieben, als sie auf den ersten Blick klingen.
Wenn man tot ist, ist das für einen selber nicht schlimm, weil man ja tot ist, nur die anderen müssen leiden. Genauso ist das, wenn man dumm ist.👍 7 -
boah.
da hatter sich jetzt aber angestrengt ...
Danke!
wiederwasdazugelernt
JörgDie Berühmtheit mancher Zeitgenossen hat
zu tun mit der Blödheit ihrer Bewunderer ...
(Heiner Geißler)😘 1Kommentar
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Vielen Dank für deine ausführliche und hilfreiche Antwort! Habe mir schon irgendwie gedacht, das die Flurbezeichnung "Heiligenbrunn" evtl. etwas mit Heilwasser zu tun haben könnte oder zumindest an den Glauben einer heilenden Wirkung.Der Flurname „Heiligenbrunn“ ist fast immer ein Hinweis darauf, dass dieser Ort schon sehr lange als etwas Besonderes wahrgenommen wurde. Gerade ein bewaldetes Tal mit vielen Quellen passt erstaunlich gut zu einem sehr alten Bedeutungszusammenhang. Quellen galten in Mitteleuropa bereits lange vor dem Christentum als heilig. Sie wurden als Orte von Heilung, Reinigung und Kontakt zur „anderen Welt“ verstanden. Wo Wasser aus dem Boden tritt, besonders an mehreren Stellen zugleich, entstand oft das Gefühl, dass hier eine besondere Kraft wirksam ist. Solche Plätze lagen häufig abseits der Siedlungen, im Wald oder in Senken, und wurden über Generationen hinweg aufgesucht, ohne dass dort zwingend ein Dorf oder ein Bauwerk entstand.
Mit der Christianisierung wurden diese Orte selten aufgegeben. Stattdessen wurden sie umgedeutet. Aus einer verehrten Quelle wurde ein „heiliger Brunnen“, manchmal mit einem Kreuz, manchmal mit einer kleinen Kapelle oder einfach nur durch den Namen. Oft verschwand die Erinnerung an einen konkreten Heiligen völlig, während der sakrale Charakter im Flurnamen erhalten blieb. „Heilig“ bedeutete dabei nicht nur religiös geweiht, sondern auch heilend, segensreich oder schützend. In vielen Gegenden holten Menschen noch bis in die Neuzeit Wasser aus solchen Quellen gegen Krankheiten, für Kinder oder für das Vieh.
Ebenso möglich ist, dass der Ort eine rechtliche oder soziale Sonderstellung hatte. Heilige Quellen waren häufig tabuisiert, durften nicht verschmutzt oder wirtschaftlich genutzt werden und lagen außerhalb der alltäglichen Nutzung. Auch das konnte sich im Namen niederschlagen. Wichtig ist dabei, dass Flurnamen oft deutlich älter sind als schriftliche Überlieferungen. Dass sich heute nur ein kleines Dorf in der Nähe befindet oder gar nichts Schriftliches bekannt ist, spricht nicht gegen eine lange Bedeutungsgeschichte.
In der Summe deutet ein „Heiligenbrunn“ in einem quellenreichen Waldtal sehr häufig auf einen alten Kult- oder Heilort hin, der wahrscheinlich vorchristliche Wurzeln hatte und später in christlicher Zeit sprachlich und symbolisch überformt wurde. Der Name ist dann weniger eine fromme Benennung als ein fossilisiertes Erinnerungsstück an eine besondere Landschaftsstelle.
Solche Namen sind in der Landschaft tatsächlich erstaunlich ehrlich – sie sind fast nie zufällig entstanden. Eine Flurbezeichnung wie „Schatzgrube“ ist in der Regel kein poetischer Fantasiename, sondern das Ergebnis von Beobachtung, Erzählung und Erinnerung, die sich über Generationen verfestigt hat.
Sehr häufig steckt dahinter zunächst einmal etwas ganz Reales: eine auffällige Grube, ein alter Schacht, ein Einsturz oder eine Vertiefung, deren Ursprung den späteren Nutzern nicht mehr klar war. In Wäldern sind das oft alte Abbauplätze für Lehm, Raseneisenstein, Ton, Sand oder sogar frühe Erzgewinnung. Wenn der eigentliche Zweck in Vergessenheit geriet, blieb nur noch die Form in der Landschaft – und mit ihr die Frage, warum hier „ein Loch“ ist. In der volkstümlichen Deutung wurde daraus nicht selten eine Schatzgrube. Wo niemand mehr wusste, was einst gefördert wurde, musste es eben etwas Wertvolles gewesen sein.
Hinzu kommt die Rolle von Sagen und Erzählungen. In vielen Gegenden kursierten Geschichten von vergrabenen Schätzen, die mit Kriegen, Pestzeiten, Raubrittern oder untergegangenen Höfen verbunden wurden. Solche Erzählungen waren keineswegs bloß Märchen, sondern dienten auch als Erklärung für ungewöhnliche Geländeformen. Wenn Menschen über Generationen hinweg hörten, dass „dort im Wald ein Schatz liegen soll“, verfestigte sich diese Vorstellung irgendwann im Flurnamen. Der Name wurde zur Kurzform einer ganzen Geschichte, selbst wenn niemand mehr wusste, wer sie zuerst erzählt hatte.
Ein weiterer Aspekt ist die Bedeutung des Wortes „Schatz“ selbst. Im älteren Sprachgebrauch meinte es nicht nur Gold oder Silber, sondern ganz allgemein etwas Wertvolles oder Besonderes. Das konnte auch gutes Material sein – etwa hochwertiger Lehm, brauchbarer Stein oder ergiebiger Boden. Eine „Schatzgrube“ konnte also schlicht ein Ort sein, an dem man etwas gewann, das für die Gemeinschaft von großem Nutzen war. Erst später wurde daraus im kollektiven Gedächtnis der Gedanke an einen vergrabenen Reichtum.
Nicht zuletzt spielen verborgene oder aufgegebene Siedlungsreste eine Rolle. In Waldlagen finden sich immer wieder Wüstungen, alte Kellergruben, Brunnen oder Speicher, die nach dem Auflassen der Höfe langsam einbrachen. Solche Stellen wirkten geheimnisvoll und wurden gerne mit verborgenen Schätzen in Verbindung gebracht. Besonders in Kombination mit anderen „sprechenden“ Namen in der Nähe – wie alten Wegen, Quellen oder Kultorten – sind solche Flurnamen oft Hinweise auf eine vielschichtige Nutzungsgeschichte.
Kurz gesagt: Flurnamen wie „Schatzgrube“ entstanden nicht aus Leichtsinn, sondern aus dem Zusammenspiel von sichtbarer Landschaft, verlorener Funktion und erzählter Bedeutung. Sie markieren Orte, an denen etwas war, etwas gewonnen wurde oder etwas vermutet wurde – und sie sind oft weniger übertrieben, als sie auf den ersten Blick klingen.
Vielleicht war eine Quelle in frühen Zeiten mal nach einem Heiligen benannt oder wurde geweiht.
Da werde ich mich auf jeden Fall mal umsehen (gefasste Quelle?) und werde dann hier wieder berichten....Kommentar
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Bitte nicht den Fehler machen das "Heil(ige) gleichzusetzten mit der Jesussekte, das ist weitaus älter und hat mit dieser Wüstenreligion nichts zu tun. Das Wort „Heil“ ist sehr alt und reicht bis ins Urgermanische zurück. Das rekonstruierte "hailaz" bedeutete „ganz“, „gesund“ oder „unversehrt“. Entsprechende Formen finden sich im Althochdeutschen als heil, im Altenglischen als hāl, woraus die heutigen Wörter whole und health entstanden sind, sowie im Altnordischen als heill. Heil bezeichnete ursprünglich keinen moralischen Zustand, sondern körperliche, soziale und kosmische Ganzheit zugleich. Genau in diesem Sinn war das Königsheil zu verstehen: Der König garantierte durch seine Person die Ordnung der Welt, er war Mittler zwischen Menschen und göttlicher Sphäre und zugleich sichtbarer Ausdruck des kollektiven Glücks seines Volkes.
Vielen Dank für deine ausführliche und hilfreiche Antwort! Habe mir schon irgendwie gedacht, das die Flurbezeichnung "Heiligenbrunn" evtl. etwas mit Heilwasser zu tun haben könnte oder zumindest an den Glauben einer heilenden Wirkung.
Vielleicht war eine Quelle in frühen Zeiten mal nach einem Heiligen benannt oder wurde geweiht.
Da werde ich mich auf jeden Fall mal umsehen (gefasste Quelle?) und werde dann hier wieder berichten....
Diese Vorstellung ist deutlich älter als das Christentum. In germanischen, keltischen und auch römischen Traditionen erscheint der Herrscher als Träger von Weltkraft, sei es im germanischen Königsheil, in den keltischen Vorstellungen von der Souveränität des Landes oder in der römischen Fortuna des Herrschers. Das Christentum hat diese Konzepte nicht abgeschafft, sondern nur umgedeutet. Aus einer kosmischen, teilweise magischen Kraft wurde die Gnade Gottes, die dem König bei der Krönung übertragen wurde. Die Salbung des Herrschers, das feierliche Krönungsritual und der Anspruch, von Gottes Gnaden zu regieren, stehen in dieser Traditionslinie.
Besonders anschaulich wird dies in der Vorstellung, dass Könige heilend wirken könnten. In Frankreich und England glaubte man über Jahrhunderte, der rechtmäßige König könne durch Berührung bestimmte Krankheiten heilen. Solche Rituale sind kein mittelalterlicher Aberglaube im engeren Sinn, sondern späte Ausläufer der alten Idee, dass im Körper des Herrschers das Heil des Gemeinwesens konzentriert sei. Der König war damit nicht nur eine Person, die herrschte, sondern ein Zustand: Solange er heil war, war auch das Land heil.
In diesem Sinne, Petri.....
))
Wenn man tot ist, ist das für einen selber nicht schlimm, weil man ja tot ist, nur die anderen müssen leiden. Genauso ist das, wenn man dumm ist.👍 2Kommentar
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Petri Heil halt ;-)
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Rest des "Beitrages" fehlt
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Da war er wieder - der übliche Abendbeitrag nach dem Feierabendbier ...
Als er Petri Heil schrieb, hab ich das noch gelesen und gegrübelt ...
JETZT lese ich, daß unser Experte danach noch editiert und 4 politisch angehauchte Sätze
dazugedichtet hat.
Sorry, aber das ist der erneute Nachweis der Lernunfähigkeit.
Raus - bis auf weiteres. Fertig.
Ich bin es leid, mir das wieder und wieder antun lassen zu müssen ...
Jörg
10.02.2026 - 19:11 UhrZuletzt geändert von Sorgnix; 10.02.2026, 19:14.„Denn nicht durch Worte, aber durch Handlungen, zeigt sich wahre Treue und wahre Liebe.“ — Heinrich Von Kleist👍 1Kommentar



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