Karl Hammer - The Hunt for the Nazi Gold

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  • mun_depot
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    • 04.09.2004
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    #1

    Karl Hammer - The Hunt for the Nazi Gold

    Karl Hammer - "The Hunt for the Nazi Gold",
    Segen oder Fluch eines zweifelhaften Buchs

    wenn Karl Hammer um die Ecke kommt, ist eines klar: Nichts ist, wie es scheint, und man weiß nie, mit wem man es zu tun hat (Zitat Patrick Bernauw)
    Hier im Forum ist die jahrelange Erforschung der Entschlüsselungsmöglichkeiten des sogenannten Pastor's Letter allseits gut bekannt.


    Da ich ja auch das Thema verfolgt habe, interessierte mich die mit dem Notenblatt ursprünglich wiedergegebene Geschichte. Für die Geschichte des Notenblatts gibt es ausschließlich eine bekannte Quelle, nämlich Karl Hammers Buch. Wenn man in dieser Geschichte und in dem nebulösen Dunstkreis des Autors herumstochert, dann fallen einige Ungereimtheiten auf, auf die ich später noch im Detail eingehen werde. In manchen dunklen Tiefen des Dunstes hilft leider bis heute das Herumstochern auch nicht, der Dunst wird nur noch undurchsichtiger. Alleine die zur Verfügung stehenden Fakten und Erkenntnisse lassen für mich aber nur einen Schluss zu: Die erzählte Story besteht zum Großteil aus der Fantasie Karl Hammers oder anderer uns unbekannter beteiligter Personen.

    Wie soll man eine in Buchform gedruckte Geschichte und deren vorgegebene Glaubwürdigkeit beschreiben, die einem dann während des Lesens doch recht fragwürdig vorkommt und die (soweit mir bekannt ist) noch nie in der deutschen Öffentlichkeit derart kritisch betrachtet wurde? Neben dem Überblick für die Leser hier im Forum, die das Buch nicht kennen, die Darstellungen im Buch von Karl Hammer möglichst neutral und objektiv zu beschreiben, habe ich auch einige Online-Recherchen betrieben und Original-Dokumente aus dem 3.Reich, sowie verschiedene Bücher gesichtet. Dabei treten gewichtige Unterschiede zwischen dem literarischen Erzeugnis Hammers und der tatsächlichen Geschichtslage zutage.

    Neben den Fakten, die hier im Weiteren durch mich beschrieben werden, gibt es zudem auch unbestätigte und deshalb nicht vollständig nachvollziehbare Hinweise auf eine geplante und vorsätzliche Fälschung der von Karl Hammer getätigten Behauptungen. Karl Hammer erzählt in seinem Buch eine spannende Geschichte - eine gar fantastische Geschichte, die sich derart eigentlich nicht zugetragen haben kann. Eine derartige Geschichtenerzählung kann man nicht einfach mit wenigen Worten kritisieren und widerlegen, deshalb bleibt nichts anderes übrig, als etwas weiter auszuholen.

    In diesem Thema hier soll es nicht um eine mögliche Entschlüsselung der verschlüsselten Botschaft auf dem Notenblatt gehen, sondern um die Hintergrundgeschichte des Notenblatts, wie sie von Karl Hammer beschrieben wird.
    Zuletzt geändert von mun_depot; 26.01.2026, 16:13.
    Grüße,
    Rainer
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    • 04.09.2004
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    #2
    Die Veröffentlichung des Notenblatts mit den darauf befindlichen hand- und maschinengeschriebenen Zusätzen als verschlüsselte Botschaft geht auf das Buch von Karl Hammer "The Hunt for the Nazi Gold" zurück, das 2013 vor allem in den Niederlanden, aber auch im restlichen Europa und auch vermutlich weltweit für einiges mediales Aufsehen gesorgt hatte. Der Inhalt des Buchs beschreibt die Geschichte eines wertvollen versteckten Schatzes zur Finanzierung der sogenannten Werwolf-Organisation und die damit verbundenen Erlebnisse eines Priesters mit dem Namen Otto, der mit dem Überbringen dieser geheimen Botschaft von einer Nazi-Größe zu einer anderen Nazi-Größe in den letzten Kriegstagen beauftragt worden war, aber seinen Auftrag nicht erfolgreich zum Abschluss bringen konnte. Dabei spielen NSDAP-Spitzenfunktionäre, SS-Führer im Generalsrang, ein versteckter Nazi-Schatz aus Gold und Diamanten und eine verschlüsselte Botschaft auf einem Notenblatt eine entscheidende Rolle. Hauptsächlich werden die damit verbundenen Ereignisse während der letzten Kriegswochen im umkämpften Berlin des Jahres 1945 geschildert.

    Diese Geschichte soll sich, der Beschreibung des Autors entsprechend, tatsächlich wie geschildert ereignet haben. Unter dem Buchtitel "De Tranen Van De Wolf" hatte er unter dem Namen Karl Hammer-Kaatee bereits 2007 diese Geschichte veröffentlicht, aber vermutlich damit nicht die beabsichtigte Resonanz gefunden. Zudem hat er weitere Bücher geschrieben, die Realität und Fantasie wirkungsvoll verknüpfen, vergleichbar mit Pseudo-Dokumentationen. Übersicht über Karl Hammers Publikationen:
    Bücher (Auswahl) - Karl Hammer.pdf

    Wer ist der Autor des Buchs und wie hat er – nach eigener Aussage – Kenntnis von dieser Geschichte erhalten?
    Auf Karl Hammer kam eines Tages ca. Mitte der 2000er-Jahre ein Mann namens Schulz zu, der ihm von einem versteckten Nazi-Schatz berichtet. Dabei zeigt er Hammer eine Kopie des Notenblatts mit der geheimen Botschaft, welche nach ihrer Entschlüsselung den genauen Schatzort benennen würde. Schulz erzählt Hammer, dass er schon seit Jahren versucht hätte, die Botschaft zu entschlüsseln, aber dass es ihm nicht gelungen wäre. Beide kommen überein, dass Hammer die Geschichte des Notenblatts mit seiner verschlüsselten Botschaft veröffentlicht und dass Hammer vorher ein Jahr Zeit hätte, auf eigene Faust die Botschaft zu entschlüsseln, den Schatz zu finden und zu bergen. Der Erlös würde unter beiden geteilt werden. Falls das Jahr erfolglos verlaufen würde, müsste Hammer die Geschichte und das Notenblatt dennoch in einem Buch veröffentlichen (S.8-10).

    Zuerst einmal ein kurzer Überblick über die wesentlichen Personen und Inhalte des Buchs. Im Nachfolgenden beziehe ich mich auf die englischsprachige Ausgabe, Elmar Publishers 2013, jeweils mit Angabe der dortigen Seitennummern.

    Wer ist der Hinweisgeber Peter Schulz?
    Für einen Investigativjounalisten hat Karl Hammer doch recht wenig Informationen über seinen Informanten veröffentlicht. Klar, man sollte als Autor seine Informanten – sofern erforderlich – weitgehend schützen, aber noch nicht mal das ungefähre Alter oder sein Erscheinungsbild wurde von Karl Hammer beschrieben.
    Was im Buch über Peter Schulz beschrieben wurde:
    Name: Peter Schulz (S.125), Verwandte in Polen (S.125)
    Vater: Aaron (Gustav) Schulz, in seiner Jugend mit dem Priester Otto befreundet
    Peters Geschwister: Sara & Anna (S.125)

    Wie hat Peter Schulz von der ganzen Geschichte erfahren?
    Die Story wurde ihm nach eigener Aussage zur Kenntnis gebracht und den Rest hat er selbst rekonstruiert (S.125). Als Peter dann ein junger Mann geworden war, hatte sein Vater mit ihm über seine Kriegserlebnisse und die Bekanntschaft mit dem Priester Otto gesprochen (S.180).
    Viele Jahre nach dem Krieg hatte der Vater den Priester Otto in einem Kloster erfolgreich ausfindig gemacht und besucht zusammen mit seiner Familie den Mönch Otto im Kloster (S.125).
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von mun_depot; 26.01.2026, 16:28.
    Grüße,
    Rainer

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      #3
      Wer war Priester Otto und wie wird sein Leben in dem Buch beschrieben?
      Obwohl in dem Buch viel über Otto geschrieben wird, ist näheres über seine Person nicht bekannt. Otto wird zur Jahreswende 1944/45 als über 50-jährig beschrieben (S.83).

      Schulz beschreibt Ottos Leben, seine sozialpolitische, religiöse und nationalistische Einstellung und die Ereignisse, die zum Ausbruch des 1.Weltkiregs geführt hatten. Otto erlebt als katholischer Militärgeistlicher den Krieg an der Front. Ottos religiöse Einstellung, Abkehr vom Katholizismus und Hinwendung zum Evangelismus wird beschrieben und auch seine Sichtweise auf das Christentum und die Juden. Die politischen Ereignisse des Nachkriegsdeutschlands der 1920er-Jahre prägen Otto und er lernt Mitglieder der NSDAP kennen, unter anderem auch Franz Xaver Schwarz (FXS) (S.11-44).

      Welche Ereignisse haben dazu geführt, dass Priester Otto in Besitz des Notenblatts mit der verschlüsselten Botschaft gelangte?
      Im Dezember 1944 lebt Otto in Berlin und lernt durch Zufall einige Jugendliche (Trümmerbande "die Ratten") in der Stadt kennen, die sich durch die Ruinen schlagen. Er betreut als Priester nebenher auch Wehrmachtssoldaten, die Berlin verteidigen. In der zweiten Januarwoche 1945 wird er durch einen Wehrmachtsoffizier zu einer Kabarettveranstaltung in den Admiralspalast eingeladen, an der auch Nazi-Größen teilnehmen, wie z.B. FXS, Hermann Fegelein, Gerhard Klöpfer [*1], Helmut Friedrichs [*2], wobei es dann im Verlauf der Veranstaltung zu einem Fliegeralarm kommt und die Teilnehmer sich in Sicherheit bringen müssen. FXS und Otto verlassen gemeinsam den Admiralspalast, wobei Otto von FXS bei ihrer Verabschiedung zu einem späteren Treffen eingeladen wird (S.82-92).

      Otto lernt auf seinem Heimweg den ca. 13-jährigen Gustav (Aaron) Schulz kennen, den er aus den Trümmern zu sich mit nach Hause nimmt und dort mit seinen anderen jugendlichen Schützlingen bekannt macht. Später erfahren sie, dass Gustav in Wirklichkeit ein versprengter Jude mit dem echten Vornamen Aaron ist (S.103).

      Otto wird von FXS in einem Berliner Regierungsgebäude (Anmerkung: nach der Beschreibung kann es sich eigentlich nur um die Reichskanzlei handeln) herzlich empfangen und erhält eine kleine Besichtigungsführung (S.95). FXS bittet Otto in sein Büro und bei einem Gläschen Weinbrand sprechen sie über die aktuelle angespannte Lage. Otto erfährt, dass Hitler bald in Berlin sein wird. FXS lässt Otto wissen, dass neben dem mittlerweile im Einsatz befindlichen Volkssturm auch ein verdeckt operierendes Widerstandsnetzwerk gegen feindliche Besatzungskräfte im Aufbau wäre (Anmerkung: gemeint ist die SS-Organisation Werwolf). Die Aufgabe von FXS wäre die sachgerechten Bereitstellung von Wert- oder Finanzmitteln für die zukünftigen Aufgaben dieser Organisation. FXS führt Otto durch den Vorbunker der Reichkanzlei. Wieder draußen treffen sie auf General Burgdorf, dem Otto vorgestellt wird. Burgdorf beschäftigt sich gerade mit den Vorbereitungen für Hitlers Ankunft. Burgdorf "bittet" Otto, die eingesetzten Soldaten im Regierungsviertel als Priester zu betreuen. Otto kann sich dieser Aufforderung nicht entziehen und geht davon aus, dass er bei dieser Gelegenheit in nächster Zeit den dortigen Klavierflügel zum Musizieren benutzen könne und er bei seinen Besuchen im Regierungsgebäude auch wieder z.B. auf FXS und Burgdorf treffen würde und sie bei ihren regelmäßigen Sauna-Gängen begleiten könne (S.95-98).

      Wieder in seinem Zuhause ist Otto von der Situation und der unmittelbaren Nähe zu den Nazi-Größen nicht gerade begeistert, aber ergibt sich seinem Schicksal. Nachdem er mehrmals in den nächsten Tagen die Soldaten im Vorbunker besucht hatte, durfte er FXS in die Sauna begleiten. Otto erfährt von FXS, dass Hitler nunmehr im Führerbunker der Reichskanzlei eingetroffen sei (Anmerkung: tatsächlich war Hitler ab dem 15. Januar abends wieder in Berlin). Ein weiterer Mann gesellt sich zu ihnen in die Sauna, Hermann Fegelein. Nach dem Saunagang sitzen sie zu dritt entspannt bei einem Gläschen noch ein wenig zusammen und unterhalten sich u.a. über die Schönheit Bayerns. Otto empfindet diesen Moment als angenehm und Saunagänge mit FXS werden von nun an zu einer regelmäßigen Beschäftigung (S.98-102).

      Im März 1945 wird Otto, der von FXS zum Mittagessen eingeladen ist, kurz dem zufällig vorbeigehenden Martin Bormann vorgestellt. FXS ist vorbereitend dabei, Berlin in Richtung München zu verlassen (S.105). FXS und Otto besuchen ein letztes Mal gemeinsam die Sauna und treffen dort wieder auf Bormann. Sie sprechen über verschiedene Dinge und dann verlagert sich das Gespräch auf das Thema SS-Werwolf-Organisation und ihre Finanzierung durch versteckte Gold-Horte. Nach diesem Gespräch sieht Otto den Reichsschatzmeister FXS nie mehr wieder (S.106-110).

      Es ist nun Mitte April '45. Otto ist weiterhin oftmals in der Reichskanzlei und im Vorbunker und sieht dort manchmal General Burgdorf und Martin Bormann, die sich keine Illusion mehr um den Ausgang des Krieges machen. Gegen Ende April lässt Bormann den Priester Otto zu sich kommen und übergibt ihm das Notenblatt mit der wichtigen verschlüsselten Botschaft über die Lagerstätten der Gold- und Diamanten-Horte, mit dem Auftrag das Notenblatt zu FXS nach München zu bringen. Zu diesem Zweck erhält Otto genaue Anweisungen, wie er seine Flucht aus dem belagerten Berlin zu organisieren hat. Zusätzlich erhält er noch ein paar Nahrungsmittel und Fremdwährungen für seinen Weg (S.113-115). Vereinbarungsgemäß wartet Otto in Stahnsdorf bei Berlin auf dem Südwestkirchhof (Friedhof) tagelang auf Bormann, der angekündigt hatte, dort auftauchen zu wollen. Durch Passanten erfährt Otto, dass Hitler inzwischen Selbstmord begangen hat und das es eine neue Reichsregierung gibt. Die Reichsregierung unter Admiral Dönitz hätte unter anderem auch die Werwolf-Organisation zur Niederlegung der Waffen aufgefordert. Mit dieser neuen Situation konfrontiert, sieht Otto keine Veranlassung mehr, den Auftrag von Bormann weiter auszuführen (S.120-124).

      Nach dem Krieg tritt Otto als Mönch unter anderer Identität in ein Kloster ein. Viele Jahre später besucht ein Mann mit seiner Frau und seinen drei Kindern das Kloster und findet dort Otto, nun ein Mönch, der in dem Mann sogleich Aaron wiedererkennt. Dieser bedankt sich bei Otto für seine Fürsorge während der verzweifelten Kriegstage in Berlin (S.125).
      Grüße,
      Rainer

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        #4
        Wie gelangte Karl Hammer an das Notenblatt?
        Gemäß Karl Hammer war das Notenblatt im Besitz von Peter Schulz, der das Original dann im Laufe ihrer Bekanntschaft an Karl Hammer übergab (S.171): "A little while later, Schulz gave me the original 'priest's letter' so that I could make a digital scan of it and subject it to further investigation". Übersetzung: "Wenig später gab mir Schulz das Original des „Priesterbriefs“, damit ich ihn digitalisieren und weiteren Untersuchungen unterziehen konnte". Über den weiteren Verbleib des Notenblatts wird in Hammers Buch nichts erwähnt.

        Wie kam denn - nach seiner eigener Aussage - Peter Schulz in den Besitz des Notenblatts mit der verschlüsselten Botschaft und seiner Herkunftsgeschichte?
        Unter den Papieren aus der Hinterlassenschaft seines Vaters Aaron Schulz fand Peter zusammen mit anderen Dokumenten das Notenblatt . Wie seine Vater an das Notenblatt geraten ist, konnte Peter nicht klären. Es wird vermutet, dass es Otto als Andenken noch im Kloster aufgehoben hatte. Als Peter dann ein junger Mann geworden war, hatte sein Vater mit ihm über seine Kriegserlebnisse und die Bekanntschaft mit dem Priester Otto gesprochen. Peter weiß aber nicht mehr, in welchem Kloster Otto gelebt hatte. Er vermutet, dass es das Kloster Ettal in Bayern gewesen sein könnte (S.180-181).

        Welche Art von Schatz ist durch die verschlüsselte Botschaft im Notenblatt beschrieben und wo ist der ungefähre Schatzort?
        Der Schatz besteht aus Gold (S.114) und Hitlers persönlicher Diamantensammlung vom Obersalzberg (S.115). Der Schatzort wird als geheimer Ort beschrieben (S.115).

        Welchem Zweck sollte der Inhalt des versteckten Schatzes dienen?
        Das Gold und die Diamanten sollten über die Nachkriegszeit der SS-Werwolf-Organisation zur Finanzierung ihrer Aktionen dienen.

        Wer ist der Absender der verschlüsselten Botschaft?
        Martin Bormann, Leiter der Partei-Kanzlei der NSDAP und "Sekretär des Führers" (S.113).

        Wen sollte die verschlüsselte Botschaft im Notenblatt im Notenblatt ereichen?
        Franz Xaver Schwarz, Reichsschatzmeister, Dienstort München (S.114).

        Warum sollte die Botschaft überhaupt gerade zu FXS gelangen?
        Durch die Information über den Schatzort und die theoretische Zugriffsmöglichkeit auf den wertvollen Schatz sollte es FXS ermöglicht werden, der Organisation Werwolf die Ausübung ihres Auftrags finanziell zu gewährleisten.

        Wer war Franz Xaver Schwarz (FXS)?
        In der Hauptsache war FXS der langjährige Reichsschatzmeister der NSDAP und damit einer der insgesamt 18 Reichsleiter unter Hitler. In dieser Funktion per Verfügung Hitlers ausschließlich ihm unterstellt (und nicht etwa, wie andere Reichsleiter, dem Stellvertreter des Führers), was seine herausgehobene Stellung in der Parteihierachie wiedergibt. Für Hitler und die NSDAP war FXS ein wichtiger Funktionär und Bürokrat für alle Fälle der parteilichen Geldbeschaffung und Finanzverwaltung. In seiner Amtsausführung genoss FXS das uneingeschränkte Vertrauen Hitlers. Er erhielt sogar später in den Kriegsjahren die Ernennung zum höchstmöglichen SS-Generalsrang, SS-Oberst-Gruppenführer (einer von insgesamt nur vieren) ehrenhalber. Dabei war FXS eigentlich nur ein - wenn auch wichtiger - unmilitärischer Bürokrat.



        https://de.wikipedia.org/wiki/Struktur_der_NSDAP

        Biographie über Franz Xaver Schwarz (1875-1947), deutscher Politiker (NSDAP), Reichsschatzmeister der NSDAP, Mitglied der SS.


        Franz Xaver Schwarz 27.11.1875-02.12.1947:
        Franz Xaver Schwarz 27.11.1875-02.12.1947.jpg
        Franz Xaver Schwarz 1933:
        Franz Xaver Schwarz 1933 Braunes Haus -02.jpg
        Franz Xaver Schwarz bei einer Besprechung 1935:
        Franz Xaver Schwarz 1935.jpg
        Hitlers Besichtigung Braunes Haus München:
        FXS - Hitler 193x Besichtigung Braunes Haus München.jpg
        Franz Xaver Schwarz auf dem Berghof 1938:
        Franz Xaver Schwarz 1938 -02.jpg
        Franz Xaver Schwarz 1938 -01.jpg
        Franz Xaver Schwarz Mai 1945, mit seinem Sohn bei der Verhaftung:
        Franz Xaver Schwarz 1945 Mai, mit Sohn -02.jpg
        Franz Xaver Schwarz 1945 U.S. Camp Ashcan / Palace Hotel in Mondorf:
        Franz Xaver Schwarz 1945 Camp Ashcan im Palace Hotel in Mondorf -02.jpg
        Zuletzt geändert von mun_depot; 26.01.2026, 16:35.
        Grüße,
        Rainer

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          #5
          Was steht noch in dem Buch?
          Auf vielen langatmigen Seiten werden einige manchmal vom eigentlichen Kern der Geschichte abschweifende Themen behandelt z.B.:

          S.11-44:
          Leben, Wirken, Einstellung und Motivation des Priesters Otto im 1. Weltkrieg; Versailler Vertrag und die Folgen für Deutschland; Ottos Abkehr vom Katholizismus und Hinwendung zum Evangelismus

          S.46-80:
          Verbindung FXS / Bormann / Goebbels; Rolle der Juden; die "Protokolle der Weisen von Zion" und ihr Einfluss; der Weg in den 2.Weltkrieg

          S.82-100:
          Ottos Kriegstage in Berlin ab Ende 1944; seine Entrüstung über Nazi-Euthernasie-Aktionen; Freundschaft u.a. mit Constantin (katholischer Priester)

          S.128-167:
          Hammer stellt sich die Frage, wo der Goldschatz herkommt und wer die heutigen rechtmäßigen Eigentümer wären; Hammer vermutet, dass die Diamanten Hitlers legal von Hitler erworben wurden; Hammer forscht nach den Hintergründen des damaligen Nazi-Umgangs mit Diamanten in den Niederlanden und Belgien; die Herkunft des Goldes könne nicht eindeutig bestimmt werden; Herkunft als Totengold wäre eventuell möglich; Holocaust - die Leugner; Holocaust - Rolle der Allierten

          S.180-209:
          Hammer versucht den Code unter Mithilfe der Vorarbeit von Schulz weiter zu entschlüsseln und führt die bisherigen Ergebnisse auf; Hammer erforscht Mittenwald und Umgebung; Besuch im Kloster Ettal; Suche nach dem Verbleib Ottos ist ohne Erfolg

          S.210-211:
          Hammer ist sich über seine Ziele und Handlungen nicht mehr so sicher; er sinniert nochmals über die geschichtliche Ungerechtikeit, die Deutschland ereignet hat und die Mitschuld der internationalen Akteure, die Deutschland in den politischen Extremismus getrieben haben

          Bei manchen Textpassagen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass von Karl Hammer versucht wird, eventuell gedanklich vorhandene revisonistische Äußerungen krampfhaft zu unterdrücken oder aber zumindest sprachlich zu verschleiern - dies aber nur mit mäßigem Erfolg. Es ergibt sich jedenfalls bei mir das Bild eines Autors, der vielleicht nicht ganz sicher ist, ob und wie er seine persönliche Meinung und Standpunkt klar zum Ausdruck geben soll und dabei dann hart an der Grenze zu einer Rechtfertigungsmeinung agiert. "I decided to leave the subject of the Holocaust behind me for the time being. If Schulz did not believe the Werewolf hideaway contained looted diamonds or gold taken from dead bodies, there was no reason why I should hold back. Besides, my foremost interest was the hunt, not the quarry." (S.167). Übersetzung: "Ich beschloss, das Thema Holocaust vorerst ruhen zu lassen. Wenn Schulz nicht glaubte, dass sich im Versteck der Werwölfe geplünderte Diamanten oder von Leichen stammendes Gold befand, gab es für mich keinen Grund, mich zurückzuhalten. Außerdem interessierte mich vor allem die Jagd, nicht die Beute."

          Wie wurde die ganze Geschichte nach Veröffentlichung des Buchs durch die Medien, Geschichtsexperten und die Öffentlichkeit aufgenommen?
          Selbstverständlich haben sich weltweit die verschiedensten Medien wie Bluthunde auf die Buchveröffentlichung und die Geschichte gestürzt. So etwas ist in der Medienwelt vollkommen normal. Der Autor des Buchs hat damals vermutlich auch ein breit angelegtes erfolgreiches Marketing betrieben (siehe dazu unter Randbemerkungen). Leider haben es fast alle Medien versäumt, der erzählten Geschichte näher auf den Grund zu gehen und die Angelegenheit kritisch zu begleiten. Eher das Gegenteil war üblicherweise der Fall [*6].

          Letztendlich lässt mich die nicht erfolgte fachliche Kritik der von Karl Hammer wiedergegebene Geschichte in Bezug auf die relativ verblüfft zurück. Es stellt sich mir die Frage, warum die Presse, bzw. Geschichts-Expertinnen und -Experten in den Niederlanden und im Rest der Welt diese vermeintlich wahre Geschichte nicht sachgerecht kritisch, bzw. gar nicht in irgendwelchen Werken behandelt haben. Vielleicht auch weil ernsthafte Journalisten und Geschichtsexperten sich mit so einer fragwürdigen Geschichte überhaupt nicht beschäftigen wollten, um ihre Reputation nicht aufs Spiel zu setzen. Jedenfalls ist mir kein Fachartikel oder Fachbuch mit einer kritischen Betrachtung bekannt.

          Warum schreibt man als selbstbenannter Investigativjounalist ein derart absurdes Buch?
          Entweder man ist als Autor total naiv, oder man möchte seine Leser einfach nur an der Nase herumführen. Alles in allem doch ein seltsames Buch, da durch seinen Autor vorgegeben wird, im Wesentlichen ein journalistisch recherchiertes Sachbuch zu sein. Dabei wird aber tatsächlich eine Fantasiegeschichte präsentiert, die der Autor derart in eine Realitätsumgebung einbindet, dass unbedarfte Leser diese Konstruktion für eine tatsächlich derart zugetragene Zeitgeschichte halten können. Mit investigativem Jounalismus hat das Buch jedenfalls nichts zu tun. Und als Investigativjounalist kann Karl Hammer gewiss nicht bezeichnet werden - er selbst sollte dies auch nicht zulassen.
          Grüße,
          Rainer

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            #6
            Die Ergebnisse und Interpretationen meiner Nachforschungen:

            Die von Hammer wiedergegebene Geschichte enthält einige seltsame Begebenheiten, die nicht zur tatsächlichen Geschichte der letzten Kriegstage im umkämpften Berlin passen, oder wenigstens nicht zu passen scheinen. Manche Textpassagen des Buchs lassen den Leser ob der Detailfülle der Beschreibungen über die Erlebnisse des Priesters Otto verblüfft zurück. Das alles an Details kann nicht durch mündliche Überlieferung über mehrere Personen bis ins Buch gefunden haben. Es wurde vermutlich (wenn das überhaupt ausreicht) mit einer ordentlichen Prise Fantasie nachgewürzt. Mein Eindruck ist allerdings, dass die erzählte Geschichte gänzlich erfunden ist - aus welcher Motivation auch immer.

            Was stimmt nun gar nicht an der Geschichte?
            Ich möchte hierbei auf nur ganz wenige Punkte eingehen, die aber schon alleine für sich genommen bereits die ganze erzählte Geschichte in ihre Einzelteile zerlegen. Die fehlende Glaubwürdigkeit einzelner Zusammenhänge wirkt sich nicht gerade vertrauensfördernd auf den Rest der Geschichte aus. "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht", lautet eine Devise, die auch hierbei uneingeschränkt Anwendung findet.

            1. Die Sauna und ihre Unmöglichkeit
            Das Vorhandensein einer Sauna im Berliner Regierungsviertel und den dortigen Regierungsgebäuden, wie z.B. der Reichskanzlei, ist ziemlich unwahrscheinlich. Es gibt dafür zum einen keinerlei Belege und eine Sauna in der Reichskanzlei würde allem was wir heute über die Berliner-Regierungsbauten des 3.Reichs wissen, zuwider laufen. Das Saunen war in der damaligen Zeit in Deutschland zwar in manchen Kreisen bereits bekannt und es gab im Reich vereinzelte öffentliche Saunen, aber dennoch war Saunen damals allgemein absolut untypisch. Ein Beleg für eine Sauna in einem Berliner Regierungsgebäude oder gar der Reichskanzlei müsste erst noch erbracht werden. Auch war Anfang Februar '45 das Regierungsviertel durch einen Bombenangriff stark beschädigt worden. In der Zeit fiel die Strom- und Wasserversorgung aus und die Heizung funktionierte tagelang nicht [*5].

            Dass es sich Martin Bormann, Hermann Fegelein und FXS in den letzten Kriegstagen im umkämpften Berlin mit allen vorhandenen Beschränkungen in einer Regierungssauna bequem gemacht hätten und dabei noch die Gesellschaft eines Priesters (der nun wirklich nicht zum inneren Zirkel gehörte) in der geschilderten Wohlfühlathmosphäre bevorzugt hätten, ist an Absurdität und Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten. Welcher Leser sollte denn so etwas nachvollziehen können oder gar glauben wollen? Wie kommt man als Autor auf den abwegigen Gedanken, dass Leser diese Geschichte glauben könnten?

            2. Die Person Franz Xaver Schwarz und dessen langjähriger angespannter Gesundheitszustand
            Der Reichsschatzmeister FXS war ein älterer kranker Mann (Anfang 1945, 69 Jahre). Wie Dokumente belegen, hatte er bereits seit vielen Jahren mit gesundheitlichen Problemen (Magenleiden, Herzkrankheiten) zu kämpfen.

            Aus online verfügbaren Dokumenten/Informationen:
            • 1916: aufgrund eines schweren Magenleidens wird FXS von der Feldtruppe zu einem Ersatzbataillon versetzt
            • 1937, 20. Februar: in einem Schreiben an Hitler in anderer Sache erwähnt er auch seinen angegriffenen Gesundheitszustand
            • 1943, 28. Mai: Hitler lässt FXS durch Bormann Genesungswünsche übermitteln
            • 1943, 2. Juni: Hitler sendet FXS ein Telegramm mit Genesungswünschen
            • 1944, 21. Juli: FXS unterrichtet Bormann im Begleitschreiben einer Symphatienote an Hitler über sein derzeitiges Herzleiden
            • 1945, 24. Februar: in einem Antwortschreiben an Bormann sagt FXS die Teilnahme an einem einberufenen Reichsleitertreffen in Berlin ab, aufgrund seines akut schlechten Gesundheitszustands (Herzbeschwerden, Angina Pektoris, Bronchitis)
            • 1947, 2. Dezember: FXS verstirbt in US-Gefangenschaft an den Folgen seiner chronischen Gastritis
            Mit einer derartigen Krankheitsgeschichte kann sich FXS im Jahr 1945 unmöglich (dazu noch mehrfach und vor allem mit Freude an der Sache) in einer Sauna aufgehalten haben. Das wäre ihm körperlich auf keinen Fall möglich gewesen. Es wäre am 24. Februar 1945 im Falle einer besseren gesundheitlichen Verfassung anlässlich des Reichsleiter-/Gauleitertreffens zu einer Begegnung mit Hitler gekommen. Es gibt aber einen Beleg (US-Vernehmungsprotokoll) darüber, wann er nach eigener Aussage tatsächlich das letzte Mal Hitler getroffen hat, nämlich im April 1944, anlässlich der Beerdigung des Gauleiters Wagner. Gemäß dieser Datenlage ist davon auszugehen, dass FXS im Jahr 1945 nicht in Berlin anwesend war. Es hat auch (außer dem abgesagten Termin) dafür keinen Anlass gegeben. Der Dienstort des Reichsschatzmeisters war München, an dem FXS bis gegen Kriegsende, zuletzt auch als verantwortlicher Volkssturm-Kommandeur, anwesend war. Nach meiner Einschätzung der Person FXS wird dieser Dienst allerdings nur organisatorischer Art gewesen sein. Sein Verständnis für die Ausführung parteipolitischer und parteipropagandistischer Maßnahmen war auf interne Verwaltungsangelegenheiten konzentriert und Veranstaltungs- und Medienauftritte eher die Ausnahme, auch wenn er sich im Laufe seiner Amtsausführung dessen nicht immer entziehen konnte [*3]. Die Finanzbücher der NSDAP blieben nach dem Krieg verschollen und FXS konnte sich in den Vernehmungen seiner Gefangenschaft an viele Details angeblich nicht mehr erinnern.

            1937-02-20 Reichsschatzmeister - Adolf Hitler:
            1937-02-20 Reichsschatzmeister - Adolf Hitler 15-15.jpg
            1943-05-28 Reichsleiter Bormann - Reichsschatzmeister:
            1943-05-28 Reichsleiter Bormann - Reichsschatzmeister 01-01.jpg
            1943-06-02 Hitler - Reichsschatzmeister:
            1943-06-02 Hitler - Reichsschatzmeister 01-01.jpg
            1944-07-21 Reichsschatzmeister - Reichsleiter Bormann:
            1944-07-21 Reichsschatzmeister - Reichsleiter Bormann 01-01.jpg
            1945-02-24 Reichsschatzmeister - Reichsleiter Bormann 02-02.jpg
            1945-02-22 Reichsleiter Bormann - alle Reichsleiter:
            1945-02-22 Reichsleiter Bormann - alle Reichsleiter 01-01.jpg
            1945-02-24 Reichsschatzmeister - Reichsleiter Bormann:
            1945-02-24 Reichsschatzmeister - Reichsleiter Bormann 01-02.jpg
            1945-02-24 Reichsschatzmeister - Reichsleiter Bormann 02-02.jpg
            1945-07-21 FXS U.S.-Verhör (Datum letztes Treffen mit Hitler):
            1945-07-21 FXS Verhör (Datum letztes Treffen mit Hitler).jpg
            Zuletzt geändert von mun_depot; 26.01.2026, 16:22.
            Grüße,
            Rainer

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            • mun_depot
              Heerführer


              • 04.09.2004
              • 1584
              • 3rd stone from the sun
              • brain 2.0

              #7
              Es gab nach der Veröffentlichung des Buchs in den Niederlanden unbestätigte und mysteriöse Hinweise auf einen deutschen Neonazi mit dem gleichlautenden Namen Peter S., der tatsächlich heute noch in bestimmter Weise in der Szene aktiv ist und aus seinem Interesse keinen Hehl macht (siehe Facebook). Die Hinweise über eine Verbindung von Karl Hammer zu Peter S. wurden über einen Autor (Patrick Bernauw) von einer ominösen Quelle ("Autorenkollektiv Ysa Pastora") ausgehend verbreitet. Dieser Peter S. solle nach deren Meinung die im Buch genannte Person gewesen sein. Da mir aber die dortigen Zusammenhänge zwischen Quelle und Autor etwas obskur erscheinen, kann ich die dort verbreiteten Informationen nicht richtig einordnen und lasse dies nur mal als unbestätigte Information in diesem Zusammenhang hier einfließen.

              Dieser Peter S. war laut einem Artikel aus "Der Spiegel, 18/1996" [*9] zu der Zeit 23 Jahre alt, ebenso laut einer damaligen Fernsehsendung, in der er als Diskussionsgast anwesend war [*4]. Dies lässt sein Geburtsjahr auf 1973 schließen. Zum Zeitpunkt der Bekanntschaft mit Karl Hammer in 2007 wäre dieser Peter S. dann ungefähr 34 Jahre alt gewesen. Karl Hammer gibt übrigens an, selbst in 1969 geboren zu sein, also wäre er vier Jahre älter als dieser Peter S., wobei o.g. Patrick Bernauw davon ausgeht, dass das veröffentlichtes Geburtsjahr durch Karl Hammer verfälscht wurde und das richtige Geburtsjahr Hammers 1959 wäre. Ein Nachweis darüber wird nicht erbracht [*7] [*8].

              Wenn man annimmt, dass der Vater von Peter, nämlich Gustav (Aaron) Schulz – wie von Karl Hammer angedeutet – in 1945 ca. 13 Jahre alt war (S.92), dann wäre sein Geburtsjahr 1932 gewesen. Dieser Gustav (Aaron) Schulz wäre also bei der Geburt seines vermeintlichen Sohns, des Neonazi Peter S., dann ca. 41 Jahre alt gewesen. Diese zeitlichen Zusammenhänge wären also durchaus im Bereich des Möglichen.
              Im o.g. Spiegel-Artikel über Peter S. wird auch eine Person unter dem Pseudonym "Karl Hammer" in einem anderen (tatsächlich nicht ganz korrektem) Zusammenhang erwähnt. Sind dies alles nur unbedeutende Zufälle oder doch ziemlich zutreffende Merkwürdigkeiten? Der im Buch genannte Name Peter Schulz könnte letztendlich auch nur ein von Hammer verwendetes Pseudonym sein. Diese Randerscheinungen tragen leider auch nicht zu einer Aufklärung der Geschichte bei. Dieser Aspekt bleibt genau so myteriös, wie Karl Hammers erzählte Geschichte.
              Grüße,
              Rainer

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              • mun_depot
                Heerführer


                • 04.09.2004
                • 1584
                • 3rd stone from the sun
                • brain 2.0

                #8
                Welche Bedeutung haben die Erkenntnisse über die tatsächlichen geschichtlichen Zusammenhänge und die erfundenen Erzählungen in Karl Hammers Buch in Bezug auf die Botschaft auf dem Notenblatt und deren Glaubwürdigkeit oder Echtheitsbeweis?

                Das Notenblatt mit seiner verschlüsselten Botschaft sollte immer im Zusammenhang und mit dem Wissen seiner erzählten Geschichte und den hier von mir dargelegten Erkenntnissen betrachtet werden. Das Notenblatt mag in seiner Ausprägung als verschlüsselte Botschaft sicherlich außergewöhnlich, einzigartig und teilweise schlüssig sein, aber ein bisschen jedenfalls steht und fällt seine heutige Einordnung als echtes geschichtliches Artefakt auch eben mit seiner fragwürdigen Geschichte.

                Es kann jetzt leider nicht mehr vorbehaltlos davon ausgegangen werden, dass es sich bei dieser irgendwie verschlüsselten Botschaft auf dem Notenblatt um ein echtes zeitgenössisches Dokument handelt, sondern es sich durchaus auch um ein neuzeitlich konstruiertes Schriftstück mit dem Ziel eines Betrugs handeln könnte. Über eine irgendwie geartete Motivationslage kann man nur spekulieren. Wurde Karl Hammer selbst zum ahnungslosen Betrugsopfer oder hat er dabei wissentlich mitgewirkt oder gar alles selbst konstruiert und der unkritischen Öffentlichkeit erfolgreich vermarktet?

                Was mich etwas wundert, ist die vollkommen fehlende Kritik an Karl Hammers Buch durch Geschichtswissenschaftler und Geschichtsexperten des 3.Reichs. Ich habe im Internet jedenfalls nichts dazu finden können. Es könnte damit zusammenhängen, dass die glaubwürdigen Experten sich gar nicht mit einer derartig fragwürdigen Geschichte abgeben möchten, um ihr eigenes Image nicht selbst einem Schädigungsrisiko auszusetzen, oder dass ihnen diese Geschichte derart abstrus erscheint, dass sie sich in keinster Weise aus geschichtswissenschaftlicher Sicht bemüßigt fühlen, überhaupt darauf einzugehen.

                Karl Hammers Buch ist bei der Aufklärung der ganzen Angelegenheit in keinster Weise hilfreich - im Gegenteil, durch seine allgemeinen und hier in seinem Buch speziell fragwürdigen journalistischen Methoden hat er diese undurchsichtige Geschichte im Endeffekt noch mit zusätzlichem Dunst umgeben. Ein wirklich investigativ angelegtes Buch hätte ganz andere Ergebnisse zutage gefördert. Der in weiten Teilen unglaubwürdige und erwiesenermaßen nicht den Tatsachen entsprechende Inhalt des Buchs und Karl Hammers fehlende eingehendere Nachforschungsarbeit lassen erkennen, dass es sich bei dem Buch in keinster Weise um ein investigativjournalistisches Werk handelt.

                Bei allen bisherigen Erfolgen der Entschlüsselungsversuche (auch hier im Forum), besteht dennoch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die vermeintliche Botschaft (oder mehrere Einzelbotschaften) auf dem Notenblatt in Verbindung mit ihrer komplexen mehrschichtigen Ausprägung der Verschlüsselungsbestandteile (Textzeilen, Runen, Kästchen, Ziffernfolge, Einzelbuchstabe) nur eine intelligente Täuschung ist, die mit einem bestimmten aber unbekannten Ziel in Szene gesetzt wurde. Wenn man das Notenblatt ausschließlich mit seiner verschlüsselten Botschaft und ohne seine angebliche Geschichte betrachtet, dann fällt jedenfalls eine gewisse Originalität in Bezug auf die vielfältigen verwendeten Verschlüsselungsbestandteile auf, die - jedenfalls nach meiner Kenntnis - unter allen bekannten verschlüsselten Nachrichtenarten einzigartig ist. Das allein spricht aber nicht unbedingt für einen Originalitätsbeweis, sondern erstmal nur für eine gewisse Kreativität des Erstellers, ob geschichtlich echt oder neuzeitlich gefälscht. Es gibt derzeit auch keinen konkreten Hinweis oder gar Beweis auf eine tatsächliche Fälschung. Das Notenblatt mit seiner Botschaft bleibt also weiterhin rätselhaft. Falls es aber tatsächlich eine Fälschung wäre, könnten alle weiteren Entschlüsselungsversuche folglich ins Leere laufen, bzw. entsprechende Geolokalisierungen zu keinem Fund oder generell zu keiner weiteren Erkenntnis führen.

                Karl Hammers Entschlüsselungsversuche in seinem Buch könnten, aufbauend auf seine dargestellten Entschlüsselungs-Versuche des Peter Schulz, wenn man eine Fälschung und die Kenntnis der beiden Personen darüber voraussetzt, ebenso eine Fälschung sein, welche eben auf einer Kenntnis der tatsächlichen Entstehung der gefälschten Botschaft aufbaut. In diesem Fall wäre es Karl Hammer leicht gefallen, seine vermeintlichen Entschlüsselungsversuche in seinem Sinne gut darzustellen.

                Solange die geschichtliche Originalität der Botschaft auf dem Notenblatt nicht gesichert ist, kann selbst ein vermeintliches Entschlüsselungsergebnis nicht uneingeschränkt als ein tatsächliches Bild einer historischen Dokumentation betrachtet werden. Das Notenblatt mit seiner verschlüsselten Botschaft kann durch durch seine geschickte Aufmachung und den Lösungsansätzen der Entschlüsselungsversuche durchaus das Bild eines tatsächlichen historischen Dokuments ergeben. Es sollte aber bedacht werden, dass es sich ebenso um ein geschickt konstruiertes neuzeitliches Falsifikat handeln könnte, dessen Entstehung an seine konstruierte Geschichte geknüpft ist.

                Im Prinzip kann zum Originalitätsbeweis der Botschaft nur eine nachvollziehbar beweisbare historische Herkunft beitragen, oder aber an der dem Entschlüsselungsergebnis entsprechenden Ort ein der Botschaft und ihrer vermeintlichen Geschichte entsprechendes Fundergebnis.

                Das alles ist jetzt nur meine Meinung unter meinem derzeitigen Kenntnisstand. Ich freue mich auf eure individuelle Sicht der Dinge - und vielleicht ergeben sich hier auch noch weitere wichtige Erkenntnisse in der Diskussion.
                Grüße,
                Rainer

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                • mun_depot
                  Heerführer


                  • 04.09.2004
                  • 1584
                  • 3rd stone from the sun
                  • brain 2.0

                  #9
                  Zu guter Letzt einige weniger bedeutende Randbemerkungen:

                  A.
                  Nach meiner Ansicht hätte sich Bormann vermutlich in dieser wichtigen Angelegenheit und der allgemeinen Kriegslage nicht auf nur einen Boten (Otto) verlassen, sondern als vielschichtige Redundanz auch weitere alternative Kuriere mit weiteren Ausfertigungen des Notenblatts auf den Weg gebracht. Kuriere (z.B. Offiziere bei der Übermittlung geheimer Reichssachen) wussten meist nicht, was der genaue Inhalt der Sendung war. Vermutlich wäre dieses Kurierstück versiegelt gewesen. Ein (unberechtigtes) Betrachten des Notenblatts durch einen Kurier hätte für ihn sowieso keine unmittelbare nähere inhaltliche Erkenntnis bedeutet, was einer unkontrollierten Verselbständigung dieses wichtigen Kurierstücks entgegen gestanden hätte. Falls letztendlich mehrere der eingesetzten Kuriere FXS in München erreicht hätten, um so besser.

                  B.
                  Hammer schreibt, Schulz war überzeugt, dass Otto am vereinbarten Treffpunkt Friedhof Stahnsdorf bei einem Auftauchen Bormanns in Lebensgefahr gewesen wäre. Bormann hätte ja den Priester, auch ohne den zeitlich verzögenden und mit allgemeinem Kriegsrisiko behafteten Treffpunkt bei Berlin, einfacher direkt nach München senden können. Bormann hätte sich dann an dem Treffpunkt des Priesters als Mitwisser entledigen können, der ja dann für ihn nicht mehr nützlich gewesen wäre (S.124). Eine derartige Annahme wäre durchaus im Bereich des Möglichen, wenn man irgendwie von einer wahren Geschichte ausgeht. Ich finde es schon erstaunlich, mit welchen Nuancen der Autor in seiner Fantasie aufwartet.

                  C.
                  Ein spaßiger (provokanter) Gedanke von mir: Bei dem Werk von Karl Hammer könnte es sich, aufgrund seiner Aufmachung, um eine Art von Rätsel-Mitmach-Buch als Möglichkeit zur Freizeitbeschäftigung handeln.

                  D.
                  Kleiner Fun zum Schluss: Im Forum hier ist vermutlich Karl Hammer in 2008 auch mal kurz persönlich in eigener Sache erschienen - wer sollte es denn sonst gewesen sein:


                  Fußnoten
                  [*1] Gerhard Klöpfer (richtig: Klopfer), https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Klopfer
                  [*2] Helmut Friedrichs (richtig: Helmuth), https://de.wikipedia.org/wiki/Helmuth_Friedrichs
                  [*3] Franz Xaver Schwarz zum Richtfest der NSDAP-Parteibauten 1935: https://www.ardaudiothek.de/episode/...45a97e326f4ed/
                  [*4] Youtube: Vera am Mittag, "Terror von Rechts 1996", https://www.youtube.com/watch?v=CUPbw3cCvC0
                  [*5] Die neue Reichskanzlei (Dietmar Arnold, 2005)
                  [*6] Youtube: Interview Karl Hammer en Leon Giessen (2013), https://www.youtube.com/watch?v=GpYqIgQKbdE
                  [*7] https://stadsspelen-blogspot-com.tra...x_tr_hl=en&_x_ tr_pto=wapp
                  [*8] https://www.s-f-n.org/blogs/recherch...-v-mann-fraga/
                  [*9] https://www.spiegel.de/politik/deckn...0-000038729261
                  Zuletzt geändert von mun_depot; 26.01.2026, 16:25.
                  Grüße,
                  Rainer

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                  • Sorgnix
                    Admin

                    • 30.05.2000
                    • 26296
                    • Pöhlde - (=> Süd-Nds.)
                    • Große Nase, Augen, Ohren, Merlin, Whites XLT, Tesoro, Nokta Impact, Rutus, Minelab XTerra, OGF-L, UW 720C, Mariscope Spy, Chasing M2 Pro ...

                    #10


                    Hast Du Zeit??
                    ... ich muß die erstmal suchen, um das alles zu lesen ...
                    Auf den ersten Blick muß ich da wohl durch ...
                    Hut ab!
                    Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hat
                    zu tun mit der Blödheit ihrer Bewunderer ...

                    (Heiner Geißler)

                    Kommentar

                    • elexx
                      Ritter


                      • 13.01.2007
                      • 352
                      • Werdau / Westsachsen

                      #11
                      WOW!! Was für ein Aufsatz!

                      Kommentar

                      • ogrikaze
                        Moderator

                        • 31.10.2005
                        • 11375
                        • Leipzig
                        • Aktuell: DEUS, ORX, CZ21, MI 4, Garrett THD, Abgelegt: Blisstool,ACE250, Minelab Excalibur, Minelab Terra 70, Goldmaxx Power, Rutus Solaris

                        #12
                        Zitat von Sorgnix


                        Hast Du Zeit??
                        ... ich muß die erstmal suchen, um das alles zu lesen ...
                        Auf den ersten Blick muß ich da wohl durch ...
                        Hut ab!
                        Dito
                        Gruß Sven

                        Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.
                        Eventuell vorhandene Rechtschreibfehler sind beabsichtigt und dienen der Unterhaltung.

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                        • Columbo
                          Heerführer


                          • 12.07.2020
                          • 1396
                          • Bayern

                          #13
                          Beide Daumen hoch, Rainer, eine sehr gute Ausarbeitung und top Recherche. Bei der Weihnachtsfeier hast du ja schon erzählt, dass du „ein bisschen was“ zu den Hintergründen des Buches schreiben willst.
                          Dass das Buch mit Informationen geizt und die, die darin stehen eigentlich nicht überprüft werden können ist bekannt. Die Ungereimtheiten darin hast du wirklich gut hinterfragt und zusammengefasst. Würde man nur das Buch und deine Analyse dazu kennen, fiele es tatsächlich schwer sich ernsthaft mit dem Notenblatt zu befassen. Erscheint der MI nun weniger authentisch? Möglich. Doch keine Ahnung wie Hammer tatsächlich an das Blatt gekommen ist, u.U. war die wahre Geschichte unspektakulär und wurde etwas künstlerisch ausgekleidet. Oder die Geschichte wurde schon falsch weitererzählt.

                          Wenn man sich nämlich, ohne die Geschichte im Buch, nur mit dem Notenblatt beschäftigt und rausfindet wie man vorgehen muss, kommt man halt zu Ergebnissen, die nicht zufällig entstehen können. Dann ergeben sich überprüfbare Details, aufbauend auf eine gewisse Logik und Methodik die eben nicht in dem Buch stehen.

                          Dass Hammer den MI für sein Buch erfunden hat, schließe ich durch diese gewonnenen Erkenntnisse aus. Denn nur mit dem Buch als Grundlage, ist der MI nicht zu verstehen, teilweise ist das Buch sogar kontraproduktiv.

                          Eigentlich hatte ich schon länger vor eine Zusammenfassung dieser Erkenntnise zu schreiben (ein paar Details hab ich noch) nur fehlt mir momentan die Zeit und der Antrieb. Vielleicht sind aber diese Beitäge hier der Ansporn, den ich brauche.

                          Nochmals Hut ab vor deinen Leistungen.



                          Zitat von mun_depot
                          Aus online verfügbaren Dokumenten/Informationen:
                          Hast du dazu noch die Links parat?

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                          • mun_depot
                            Heerführer


                            • 04.09.2004
                            • 1584
                            • 3rd stone from the sun
                            • brain 2.0

                            #14
                            Sehr gerne - für FXS-Dokus jeweils dem grünen Pfeil folgen:


                            https://www.deutsche-digitale-biblio...MKSEHGJZ2ABFRIFXS Bundesarchiv.png


                            (hierbei handelt es sich meist um sehr große Dateien)FXS WW2 Archives.png

                            http://archiv.ifz-muenchen.de/zeig.FAU?sid=7361ECDE21&dm=1&ind=1&ipos=Schwarz%2C +Franz+Xaver
                            FXS ifz.png
                            Grüße,
                            Rainer

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