(...)
Mit etwas hier-noch-und-da-noch sind wir gegen 10.30 Uhr vorm Tor 1 des
Marseiller Hafens und begehren Einlaß.
Ich spuhle meinen Spruch mit Fähre und Tunesien und eilig und so ab .. doch
der Junge verweist mich an seinen Kollegen am Tor 2 ; von konkret hier aus
sei es (heute) nicht möglich zur Drehbrücke zu gelangen, welche auf die Mole
führt. Die Schranke Nullacht-fuffzehn sei zu, er habe keinen Schlüssel.
Kollege am Tor 2 ist nicht deutschfreundlich, sagt gar nichts, zeigt 180° in
die andere Richtung, was wohl subjektiv übersetzt heißen soll(te): `Verpißt
euch!`
Da stehe ich wieder bei dem freundlichen jungen Mann. Er lächelt
dauer-freundlich, greift zum Dienst-Handy , und danach weist er mich an,
Kollege XY läßt mich durch .. an der Zahlbox zur Fähre nach Tunesien und ich
könne so die besagte geschlossene Schranke umgehen.
Zuvor teilte ich ihm selbstverständlich mit, daß ich gar nicht mit der Fähre
nach Tunesien möchte, sondern den Bus mit Tauchzeug beladen hätte, zuzüglich
Sprengstoff und Haftminengehäusen, da ich im Hafenbecken tauchen und diese
kleinen Biester anbringen muß .. an diversen Fähren .. hätte mein Boss mir
aufgetragen und er wisse doch wie es um einen steht, wenn man seine Arbeit
nicht termingerecht macht und u.U. vielleicht sogar unverrichtetetr Dinge
vor die Augen seines Bosses tritt.
Er hat scheinbar Mitgefühl .. ein sehr ausgeprägtes sogar und so gelange ich
bei einem dritten Anlauf, eskortiert von seiner hübschen jungen Assistentin
(im Opel Corsa) bis fast vor die Brücke.
Beim Losfahren drücke ich ihm noch einen deutschen Kugelschreiber großzügig
in die Hand .. er ist sichtlich erfreut.
Mein Gott .. es hat wiedereinmal geklappt in diesen "Hochsicherheitstrakt" :
>Hafengelände Marseille< reinzukommen.
Und das Wetter ist klasse, blauer Himmel, die Sonne brennt ..und was am
wichtigsten ist .. es ist nahezu windstill. Denn das ist (ohne Boot)
zwingend erforderlich bei einem Landtauchgang zum alten Briten, der
"Chilton"!
Ich habe mal wieder (wie zuvor im Frühjahr auch) meinen plan zu Hause liegen
gelassen, welcher die genaue Einstiegsposition aufzeigt.
Ich muß mein Hirn einschalten und ein Jahr zurückdenken....
Egal ... ich laufe oben auf der Mauer und zähle die in Betracht kommenden
Scheißhäuser, besser die Fundamente. Dann immer wieder Blickrichtung
Hafenbecken .. welches war es nochmal .. verdammt!
Ich glaube nunmehr die mögliche Einstiegstelle eingeschränkt zu haben.
Leichter Wind kommt auf. Noch überlege ich bei der Suche nach einem
geeigneten Einstieg in das Wasser, ob ich heute mal meine Freundin mitnehme.
Ich finde einen Einstieg, der sich augenscheinlich etwas leichter gestaltet,
als der im Frühjahr an der falschen Stelle. Der Wind frischt weiter auf, es
ist nun Eile geboten, denn die Ausrüstung ist noch nicht zusammengerödelt
und meine Freundin "soll" mit. Sie freut sich!
Der Weg über die riesigen Felsblöcke ist zwar diesmal etwas leichter , doch
noch hinreichend beschwerlich, zumal ich erst die Ausrüstung meiner Freundin
an`s Wasser bringe... vollständig.
Jetzt mache ich vor (ohne Ausrüstung), wie sie mit Ausrüstung die letzten 2
Meter bewältigen soll. Danach helfe ich ihr beim Anlegen und gehe jeweils
gebückt (ohne Ausrüstung, aber mit 7mm HT bekleidet) einen Schritt voraus
und fordere sie auf, sie möge sich beim Abrutschen und/oder Stolpern einfach
auf mich werfen .. ich überlebe das schon .. hoffe ich zumindest mal!
Es geht gut, sie soll abknien und sich bäuchlings ins Wasser gleiten lassen,
was auch wiederum gut geht.
Danach hüpfe ich wie ein junger Gott über die Spitzen Felsen, rödel mich an
und krabbel ebenfalls ins Wasser.
Die See ist erstaunlich klar .. glasklar! Kaum zu glauben.
Die Felsblöcke UW fallen 45° bis auf nahezu 30m ab. Die Sicht ist
fantastisch! Herrlich einfach! Oben minimal eingetrübt, aber nach knapp 10m
Tiefe ist eine Horizontalsicht von ca. 25 Metern und eine Vertikalsicht von
mindestens 30m zu verzeichnen! Traumhaft.
Beim Abtauchen sehe ich eine Unregelmäßigkeit am Sandboden, welche nicht im
Zusammenhang mit Gestein steht, und gleich darauf kann ich feststellen, daß
es sich dabei um ein Wrackteil handeln muß.
Begeistert gebe ich meiner Fraundin ein Zeichen, daß wir scheinbar an der
richtigen Stelle sind. Sie taucht leicht hinter mir, oberhalb versetzt.
Rechts sehe ich bei dieser traumhaften Sicht einen Schatten, sofort schwenke
ich ein: Es ist die "Chilton"! Ich habe den Briten nun endlich vor mir ..
endlich!
Der Zustand ist recht traurig; die Back (Oberdeck Vorschiff) liegt östlich
etwa 50m entfernt vom Hauptteil. Das Vorschiff als solches fehlt gänzlich;
nur etwa 2/3 des Schiffes (achtern) liegen hier. Wo ist der Rest?
Auch sind keinerlei Aufbauten , geschweigedenn Trümmer zu finden.
Alles sieht danach aus, als ob ein Teil des Dampfers UW abgewrackt worden
ist.
Das Achterschiff ist in seiner Struktur in soweit erhalten, auch befindet
sich die Schraube noch an ihren Platz. Die Schraubenwelle ist zu sehen,
jedoch keine massive Dampfmaschine. Die welle hört einfach auf! Wo ist das
alles nur hin?
Mitschiffs entdecke ich zu meiner Freude einen verfangenen recht großen ,
fast neuen Faltanker mit 4 Flunken und die noch daran angeschäkelte Kette
(Vorfach) mit der Schwimmleine... ja Schwimmleine... welche scheinbar
absichtlich letztendlich mal durchtrennt wurde.
Hier hat ein Angler wohl versucht die Fische am Wrack zu angeln und mußte
den Anker aufgeben. Wohl kein Profi in Seemannschaft, gemessen allein an der
Tatsache, daß er Schwimmleine als Ankerleine verwendet hat.
In Betracht der Tatsache, daß beim Einstieg ins Wasser schon nennenswerte
Wellen gegen die Felsen schlugen, verstaue ich den Anker unter einem
Wrackteil und versuche erst gar nicht ihn zu bergen. Das hebe ich mir für
nächstes Jahr auf, denn hier taucht keiner!
Den TG gestalte ich in weiser Voraussicht äußerst kurz; nach 31 min. und
30,5m Tauchtiefe sind wir in der nahezu tobenden See... an der Oberfläche.
Ich weise meine Freundin an, das Wing ordentlich anzublasen und sich
deutlich entfernt von den Felsen treibend in der See aufzuhalten.
Ich derweilen kletter mit meiner Ausrüstung an Land , lege diese ab und
kehre mit Flossen und ohne Blei zu ihr zurück, dabei lasse ich sie nicht aus
den Augen.
Kopfsprung ins Wasser, Maske auf und Flossen angelegt!
Sofort schwimme ich zu meiner Freundin, lege ihr Jacket mit den Bleitaschen
an.
Kurz vor erreichen der Felsen soll sie sich wenden, auf den Rücken legen und
mit den Füssen voran einen eventuellen Wellenschlag gegen die Felsblöcke
somit abwehren. Das klappt hervorragend und sie ist im nu aus dem Wasser.
Jetzt ich noch zum wiederholten male mit einer Ausrüstung. Meine Freundin
ist in Sicherheit, und somit sind 99% der Anlandung als geglückt zu
verbuchen.
Wohlbehalten wird das Gerödel vorm Bus zum Trocknen abgelegt. Der Fööhrer
hat zum Eintopp geladen .. wiedereinmal.. hmm.
Der Rest des Nachmittages wird zum Einkaufsbummel.
Am folgenden Tag verschlafen wir den Termin mit Jean-Michel zur
Tauch-Ausfahrt mit seinem neuen Schiff.. egal.. es ist eh beinahe Sturm.
(...)
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*** E N D E ***
(c) Rene Heese, 2005
rechtlicher Hinweis:
(nicht auf Rechtschreibung geprüft. Die Schilderungen sind grundsätzlich
übertrieben und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, dieser
Bericht soll
lediglich unterhaltenden Charakter tragen und zur Belustigung dienen- kein
Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Tauchgänge sind
grundsätzlich
gefährlich und sind nicht zur Nachahmung empfohlen)




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