Befahrung der Grube "Volkmar" mit Sorgnix und HarryG

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  • Hartmut
    Landesfürst


    • 09.03.2004
    • 835
    • Wernigerode

    #16
    Das "Sprengstoff-Verbrechen am Volkmarskeller"

    Folgendes kann man einem alten Harz-Wanderführer entnehmen:

    Am 16. März 1893 explodierte eine Dynamitladung in dem kleinen Zechenhaus eines Eisenerzbergwerkes im Klostergrund, namens Volkmar. Alle acht Bergarbeiter, die sich vor Arbeitsbegin dort aufgehalten hatten, fanden dabei den Tod. Von der kleinen Belegschaft überlebten nur drei. Einer von ihnen, ein Hüttenröder, hatte sich an diesem Tag verspätet und die Detonation auf seinem Weg dorthin wie einen Spuk erlebt.

    Die beiden anderen stammten aus Heimburg und hatten nach ihrer Ankunft gleich die Arbeit aufgenommen, ohne vorher erst in das Zechenhaus gegangen zu sein.

    Die Aussagen der Überlebenden belasteten den Aufseher und Sprengstoffverwalter Alois Böhme. Allgemein als aufmüpfig bekannt und durch entsprechende angebliche Äußerungen und Drohungen verdächtig geworden, erklärten auch die Untersuchungsbeamten den Aufseher schuldig des Verbrechens und zum Mörder. Der Fall schien klar zu sein, so dass die Untersuchung bereits nach wenigen Tagen eingestellt wurde und eine Gerichtsverhandlung gar nicht erst stattfand. Entsprechend blieb sein Sarg, denn er war ja ebenfalls mit ums Leben gekommen, auf dem Marktplatz in Elbingerode zunächst stehen, als seine ehemaligen Arbeitskollegen aus diesem Ort feierlich (bei leichtem Schneefall) zu Grabe getragen wurden. Seine Beisetzung fand erst eine Stunde später und, wie für "Mörder" üblich, außerhalb des Gottesackers an der Friedhofsmauer statt.

    Über dieses Ereignis stellte Herr Lothar Tomaszewski [...] in den zurückliegenden Jahren umfangreiche Nachforschungen an. Dabei kam er zu der Feststellung, dass es sich nicht um ein Verbrechen, sondern um einen Unglücksfall als Folge unsachgemäßen Umgangs mit Dynamit gehandelt hat. [...]

    Der Betrieb des Bergwerkes wurde nach dem Vorfall sofort eingestellt. Das ehemalige Abbaugelände ist wegen Absturzgefahr abgesperrt. Man gelangt dorthin, indem man [...] weitergeht. Es befindet sich dort, wo ein Weg [...] nach rechts [...] abzweigt.

    Weiter in Richtung Michaelstein durchwandert den wohl wildromantischsten Teil des Klostergrundes, der hier schluchtenartigen Charakter annimmt. Mit etwas Mühe erkennt man jenseits des Baches auf der rechten Seite eine ausgearbeitete Vertiefung im Fels. Dies war die ehemalige Sprengstoffkammer. Noch ein Stück des Weges, wo das Tal schon wieder an Breite zugenommen hat, befand sich das Zechenhaus. Seine von Tomaszewski freigelegten Grundmauern sind vor allem durch den Pflanzenwuchs nur schwerlich zu finden.
    Sorry für die sinn-entstellende Kürzung "...wo ein Weg ... nach rechts ... abzweigt."

    Gruß, Hartmut

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    • HarryG († 2009)
      Moderator

      Heerführer

      • 10.12.2000
      • 2566
      • Bad Sachsa, Niedersachsen (Südharz)
      • Meine Augen

      #17
      Weils so schön war, will ichs noch mal aufleben lassen.
      Glückauf
      Harry
      Glück Auf!
      Harry

      Nur die Harten kommen in den Garten!
      Und ich bin der Gärtner

      Harry hat uns am 4.2.2009
      nach schwerer Krankheit für immer verlassen.
      In stillem Gedenken,
      das SDE-Team

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      • Oelfuss
        Heerführer

        • 11.07.2003
        • 7794
        • Nds.
        • whites 3900 D pro plus

        #18
        Immer wieder nett anzuschauen. Ich hätte auch mal wieder Lust auf eine "Bergwanderung"
        bang your head \m/

        Kommentar

        • Hartmut
          Landesfürst


          • 09.03.2004
          • 835
          • Wernigerode

          #19
          Zitat von Oelfuss
          Immer wieder nett anzuschauen. Ich hätte auch mal wieder Lust auf eine "Bergwanderung"
          Das hat nun endlich geklappt Das SDE-Forum trifft sich so nach und nach in der Grube "Volkmar". Es ist ja auch wirklich eine sehr fotogene Grube, überhaupt eines der schönsten Bergwerke, welches ich kenne.

          Bilder 1 und 2: Oelfuss beim Fotografieren
          Bilder 3 und 4: Versinterungen

          Gruß, Hartmut
          Angehängte Dateien

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          • Oelfuss
            Heerführer

            • 11.07.2003
            • 7794
            • Nds.
            • whites 3900 D pro plus

            #20
            Zitat von Sorgnix
            ... NIEDER mit der Digital-Fraktion!

            Hier meldet sich die Digital-Fraktion zu Wort
            Angehängte Dateien
            bang your head \m/

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            • Hartmut
              Landesfürst


              • 09.03.2004
              • 835
              • Wernigerode

              #21
              Gedenkveranstaltung

              Gestern, am 16. 03. 2006, gab es in der Naturhöhle "Volkmars Keller" eine Gedenkveranstaltung zu Ehren der bei dem Sprengstoffunglück getöteten Bergleute. Ausrichter war der Bergverein Hüttenrode.

              In der Tagespresse wurde zu dieser Veranstaltung eingeladen. Darin wurde ausdrücklich der Waldweg für PKW's freigegeben, was dazu führte, dass zahlreiche Autos wegen des tiefen Schnees nicht wenden konnten, sich fest fuhren, und so in der Mausefalle festsaßen.

              Die Naturhöhle war vom Bergverein mit Kerzen stimmungsvoll beleuchtet, welche auch das Bergmannszeichen, die gekreuzten Symbole für Schlägel und Eisen zeigten. Referent war Herr Lothar Thomaszewki, welcher sich über lange Zeit hinweg speziell mit der Grube "Volkmar" beschäftigt hat. Er konnte inzwischen beweiskräftig belegen, dass es sich nicht um einen Mordanschlag gehandelt hat, sondern dass es wegen Fahrlässigkeit auf allen Ebenen zu einem Unfall kam. Beispielsweise hatte das Bergwerk keinen Sprengstoffkeller. Dieser wurde erst nach dem Unglück angelegt, aber kaum noch genutzt, weil die Grube sehr bald nach dem Unfall geschlossen wurde, im Jahre 1894.

              Der Sprengstoff wurde entgegen der Vorschriften im Zechenhaus gelagert. Zum Unfallzeitpunkt herrschten etwa Plus 8 Grad Celsius Außentemperatur, was das verwendete Dynamit nicht handhabungssicher werden ließ. Man hat es im Wasserbad über einem Kanonenofen erwärmt und wollte es den Kumpels in die Grube mit geben. Dann gab es den großen Knall.

              Wäre es ein Mord gewesen, müßte der Kanonenofen weit weg geschleudert worden sein. Statt dessen hat es ihn wie eine Granate in tausende Splitter zerlegt (die Herr Thomaszewski in langer, sehr aufwändiger Suche wieder zusammengetragen hat). Weiter geben die heute noch zu findenden Grundmauern Anlass zu der Vermutung, dass die Explosion in einer gewissen Höhe stattgefunden haben muss. Unten rum blieb alles erkennbar heil, aber weiter oben wurde das gesamte Zechenhaus zerstört und die Leute zerfetzt.

              Es soll sich nach Lage der Akten um 5 kg Dynamit gehandelt haben, nicht gedämmt, als Stangen in Fettpapier eingewickelt und so im Wasserbad auf den Kanonenofen aufgestellt.

              Es wurden die Namen aller dort getöteten Bergleute verlesen und in einer Schweigeminute ihrer gedacht. Bedrückend erschien mir, dass die Familien der Nachkommen noch heute unter dem "Mord" zu leiden haben, der ja keiner war. Insbesondere die Nachkommen der Familie des Aufsehers Böhm (nicht Böhme, wie weiter oben geschrieben), werden noch heute mit der "Schuld" des Aufseheres konfrontiert und weigerten sich lange Zeit, mit Herrn Thomaszewski ins Gespräch zu kommen.

              Es war ein beredtes Beispiel dafür, dass Altbergbau noch lange kein vergessenes Detail unseres heutigen Lebens ist.

              Die Bilder:
              1. Alte Bergleute in Uniform nahmen teil.
              2. Die Autos in der "Mausefalle"
              3. Zahlreiche Leute auf dem Weg zur Höhle
              4. Vereinsfahne vom Bergverein Hüttenrode
              5. Kerzenlicht im "Volkmars Keller"
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              • Hartmut
                Landesfürst


                • 09.03.2004
                • 835
                • Wernigerode

                #22
                Zwei Bilder habe ich noch.

                1. Gedenkminute zu Ehren der toten Bergleute
                2. Herr Thomaszewki, dem die Aufarbeitung dieses Unglücks zu verdanken ist.


                Gruß, Hartmut
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                • HarryG († 2009)
                  Moderator

                  Heerführer

                  • 10.12.2000
                  • 2566
                  • Bad Sachsa, Niedersachsen (Südharz)
                  • Meine Augen

                  #23
                  Geschichte live.
                  Danke an Hartmut für diesen ausfürlichen Bericht.
                  Glück Auf!
                  Harry

                  Nur die Harten kommen in den Garten!
                  Und ich bin der Gärtner

                  Harry hat uns am 4.2.2009
                  nach schwerer Krankheit für immer verlassen.
                  In stillem Gedenken,
                  das SDE-Team

                  Kommentar

                  • Deistergeist
                    Moderator

                    • 24.11.2002
                    • 19698
                    • Barsinghausen am Deister

                    #24


                    Glückauf! Thomas
                    "The Man Who Saved the World" -S. J. Petrow-

                    Kommentar

                    • GerhardR
                      Einwanderer


                      • 20.12.2004
                      • 8
                      • Wernigerode

                      #25
                      Gedenkveranstaltung Volkmarskeller

                      Hartmut, für Deine sachbezogene Schilderung über die Gedenkveranstaltung
                      auch im Namen des Wernigeröder Geschichts- und Heimatvereines herzlichen
                      Dank.
                      Die Ausführungen des Referenten waren m.E. mit ca. 1 Stunde unter
                      Berücksichtigung der Witterungsverhältnisse etwas zu lang.
                      Die sehr umfangreich durchgeführten Recherchen zur Thematik, dies belegen
                      auch eine Reihe von angefertigten Skizzen ( im Vortrag nicht gezeigt ),
                      sollten in einer gesonderten Gesprächsrunde für Interessenten verdichtet
                      werden.
                      Ich werde Herrn Thomaszewski daraufhin ansprechen.

                      Glück auf!
                      Gerhard

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