Trotz beleidigter Leberwurst
Hab ich was wichtiges übersehen? Ich schaue in letzter Zeit mal öfter wieder rein, aber da das Forum nicht mehr so "kompakt" ist wie früher, hab ich tatsächlich manches auch erst spät entdeckt - und entsprechend spät reagiert.Sei es drum - zurück zum Thema:
Die Filme von Dieter Wieland sind ganz ganz großes Kino und ich schaue mir die regelmäßig an - wie Recht der gute Mann doch hat und wie man trotz aller Öko-Bewegungen und Nachhaltigkeit dahingehend immer noch weit hinter den Altvorderen unterwegs ist. Aber, und das wird in einem der Filme auch konkret benannt: es gibt eben Faktoren, auf die hat man heutzutage wenig Einfluss bzw. muss man da eben manche Kompromisse mitgehen.
Mir ist völlig klar: So einen hervorragenden Kalkputz, wie er sich an manchen Stellen noch von 1875 erhalten hat, bekomme ich heute nicht mehr - bzw. kann ich mir definitiv nicht leisten. Historisch war ja ein Kalkspatzenputz dran - enorm, was der mitgemacht hat und trotzdem noch tadellos an der Wand klebt. Aber mein Stuckateur wird definitiv nicht mit der Kelle putzen und Kalkspatzenputz geht nunmal nicht durch eine Maschine. Selbst reiner Kalkputz, der heute als Maschinenputz auch erhähtlich ist, hat da seine Einschränkungen, weshalb mir der Entwickler von Sakret auch gesagt hat, dass unbedingt ein Ortstermin nötig wäre. Bei mehr als 25m Putzschlauch wird´s da nämlich auch problematisch.
Insofern: Es kommt ein reiner Kalkputz ran - als Zugeständnis muss ich aber auf die Kalkspatzen verzichten und wohl auch mit einem (leicht) hydrophob eingestellten Putz leben.Letzteres könnte ich verhindern, wenn ich überall für eine gleichmäßige Putzstärke sorgen könnte, aber das wäre ein großer zusätzlicher Aufwand, da ich größere Wandflächen beischleifen müsste. Dafür bleibts aber (wie historisch vorhanden) bei einem abgeriebenen Putz - es kommt also kein Feinputz drauf, sondern es wird in Kornstärke abgezogen und verrieben.
Tja - und was die Farbe angeht.... Klar - ein eingefärbter Putz hat schon Vorteile, aber eigentlich auch nur, wenn man das ganze Haus damit in einem Zuge putzen würde. Das geht allerdings nicht. Selbst beim Treppenturm können nur Teilbereiche verputzt werden, weil sich bestimmte Anschlussbereiche noch verändern werden bzw. manche Bereiche derzeit wegen des Gerüstes gar nicht erreichbar sind. Historisch war ja auch offensichtlich eine Farbe gestrichen worden, zumindest ging das aus der Untersuchung der Denkmalbehörde hervor.
Mir persönlich ist das auch gar nicht so wichtig, ob die Fassade später mal an der ein oder anderen Stelle ein bisschen fleckig ist oder verschmutzt. Das gehört irgendwo auch dazu und ich finde das auch gar nicht schlimm.
Mit den Häusern in den Filmen ist meine Bude jedenfalls nicht zu vergleichen und so sehr ich diese simplen Putzoberflächen in ihrer Wirkung auch mag, sie passen einfach nicht zu meinem Haus. Putzleisten kommen keine rein - und finde heute mal einen Putzer, der das mitmacht. Meiner wird klassisch gegen eine Latte putzen - so wie das historisch auch am Haus belegt werden kann. Gewebe wird auch nicht verbaut - ich kann mit eventuell auftretenden Rissen leben und sehe gerade bei Kalkputzen auch eher selten, dass es dadurch zu schlimmeren Problemen kommt. Da hab ich keine Bedenken.
Ansonsten lieber Jörg: Seit Jahren heulst du über die Zustände und beschwörst deine herrlichen Kellen - dann mach doch endlich das, was dir wirklich Freude in der Arbeit bringt. Im Handwerk mangelt es eh immer mehr an guten Leuten und gerade solche Nischen sind derzeit extrem unterbesetzt. Ich merke das in diesem Jahr erstmals so richtig deutlich, da auf mich immer mehr Auftraggeber zukommen, die den hiesigen Porphyr wieder haben wollen und nicht irgendeinen Ersatz-Sandstein aus weiter Ferne. Hat sicherlich auch damit zu tun, dass man mit den Jahren für seine Beklopptheiten auch bekannter wird, aber ich meine da auch einen Trend sehen zu können. Ich mache mein Handwerk ja auch nur, weil ich selber darüber bestimmen kann WIE ich das mache. Wäre ich in einer normalen Firma angestellt, müsste ich Tätigkeiten machen, die mir null Spaß bringen und auch wenn die Selbstständigkeit oft ein wirklich hartes Brot ist - das ist einer der Hauptgründe, warum ich davon nicht lassen kann. Unterm Strich würde ich als Angestellter zwar sehr wahrscheinlich deutlich besser dastehen (wird bei dir auch ein Grund sein, weshalb du nicht loslassen kannst), aber naja... Leidenschaft halt



Ich bin mal gespannt, wie sich das mit dem Tag des offenen Denkmals angehen wird und wie viele Besucher sich da anmelden werden. Hab jetzt wochenlang die Bude auf Vordermann gebracht, aktuell kann man da fast schon vom Boden essen


@Sven: Du hast mir das ja bei FB schon geschrieben - aber wer ist eigentlich mit "Wir" gemeint gewesen? Deine Family oder wart ihr forenmäßig mal wieder unterwegs und ich hab´s nicht mitgeschnitten?

bei "Konditorputz" hatte ich Tränen in den Augen

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