VEB Budenkombinat

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  • Sorgnix
    antwortet


    ... Tja Leute, DAS ist Handwerk!
    Die ganze Welt findet es schön - aber machen will es kaum einer ...

    Büro und Schreibtisch sind für viele halt erstrebenswerter.
    Hand in Hand geht dabei eben auch die Abkehr vom "natürlichen", althergebrachten Leben.
    Das Schnitzel liegt halt in der Kühltheke, Kühe sind lila - und im Streichelzoo wundern sich die
    Eltern, warum der süße Kuschelbär dem Kinde grad den Arm abgerissen hat ... ( )

    Wer´s braucht, soll es haben.
    Andere stehen halt auf "Original" - oder wenden sich diesen langsam zu.


    Lehrlinge? Alte Techniken werden nicht mehr gelehrt?
    Stimmt. Fast. Ausnahmen gibt es immer - kommt halt auch auf die Gegend an.
    In Norddeutschland sind Verklinkerungen von Häusern mit kleinformatigen Steinen noch "in".
    Anderswo werden Fliesen auf die Fassade gepappt. Mit ordentlich Styropor drunter.
    Das machen bei mir aktuell Kollegen (ungelernt, aber handwerklich begabt) aus Slowenien ...

    Auf der Baustelle habe ich auch 3 Altbauten, wo wir Fassaden und Innenleben komplett
    saniert haben. Ziegel im Reichsformat. Massig Abbruch, Neuerstellungen mit den Abbruchziegeln,
    (Heidenarbeit die zu reinigen), Teilw. mit in Ziegeleien extra hergestellten neuen Ziegeln.
    Eine total geile Arbeit, finden die Maurer auch, die das machen dürfen (und noch können)
    im Schnitt immer 3 bis 6 Mann - seit fast einem Jahr.
    ... und ich hab auch schon mit angefaßt - weil sie nicht glauben wollten, daß ich das kann ...
    (seitdem stehe ich höher im Kurs als vorher ... )

    Mein Drängen an den Chef, da doch auch die Lehrlinge mit dran zu setzen: Fehlanzeige.
    Zum einen, sind die Kollegen meist in der Schule, dann, wenn solche Dinge anliegen,
    eben nicht aufzutreiben, zum anderen sind die zu 80% nicht in der Lage, überhaupt die
    nötigen Grundlagen für sorgfältiges Arbeiten an den Tag zu legen ...
    Teilw. taugen die wirklich nur zum Fegen ...
    Das, was für den Bau an Azubis übrig bleibt, ist im Rest des Arbeitsmarktes halt gescheitert.
    Grausam, was da an Pflichtgefühl, Fleiß, Arbeitsbereitschaft und Interesse am eigenen Beruf rumläuft ...
    Aber der Anspruch an den Verdienst, um drei Porsche zu fahren, der ist so ziemlich das einzige, was
    wirklich ausgeprägt ist ...

    Nun, es gibt aber auch Ausnahmen!
    da läuft beim GaLa-Bauer z.B. ein Mädel rum, die steckt mit ihren grad mal 25 ALLE in die Tasche.
    Beim Arbeiten wenn´s um Muskeln geht, bei Technik, Kreativität - und Radlader-Rennen ...
    Hübsch ist sie dazu auch noch. Und wer sie aufgrund dessen anmacht, lernt sie richtig kennen ...
    Und in ihrer Firma hat sie neuerdings 3 weitere junge Kolleginnen bekommen. Weil SIE zieht.
    Und die Jungs sind dadurch ganz schön unter Zugzwang ...
    Unter dem Strich ist die Firma mit ca. 15 Mitarbeitern dadurch GANZ vorn!


    Also: Hopfen und Malz ist bei VIELEN verloren, keine Frage.
    Aber eben nicht bei allen!


    Des Lucius Mauerpfeiler machen wirklicht was her!
    Und wenn der Preis stimmen würde, würde er die vielleicht auch anderen bauen.
    Man nennt das Marktlücke. Wenn es mit der Nachfrage stimmt, wird sich auch was ergeben.
    Sobald mir mein aktueller Job zu sehr auf die Nerven geht, werde ich auch wieder ins
    Handwerk wechseln. So lange man sich die Aufträge aussuchen kann - und das wird künftig
    immer besser - ist das echt verlockend.

    Lucius´ Pfeiler haben übrigens einen Betonkern!
    ... man könnte für Tills Gewände auch ne schöne Schalung bauen und die Dinger in Reihe gießen.
    Das ist sogar auch Handwerk - würde ihm aber sicher (trotz günstigerem Preis) nicht gefallen.


    So macht halt jeder das, was er für richtig hält.
    GUT SO!!


    Gruß
    Jörg

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  • Robbells († 2021)
    antwortet
    Perfekt...danke für den Einblick!

    Gruß Robbells

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  • DericMV
    antwortet
    Zitat von 2augen1nase
    ...
    So. Hoffe der kleine Exkurs war für euch interessant ....
    Spitze

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  • 2augen1nase
    antwortet
    Fertigstellung

    Bild 21: Die vorher nur grob ausgearbeitete Hohlkehle wird jetzt mittels der Lehrschläge durchgezogen. Dabei muss man ständig mit dem Richtscheit und ggf. der Negativschablone kontrollieren, damit man nicht versehentlich zu tief arbeitet.

    Bild 22: Das fertige Stück noch vor der Reinigung

    Bild 23 + 24: Die fertige und gereinigte Vierung / Vorplattung, quasi bereit zum Einbau.

    Das Werkstück ist 84 cm lang, 28 cm hoch und insgesamt 13 cm tief. Die reine Bearbeitung in der Werkstatt dauerte ca. 6,5h. Hinzu kommt die Zeit für Aufmaß + Erstellung der Zeichnungen + Erstellung Profilschablonen (ca. 3 h), Aussuchen + Zuschnitt des Rohstücks (ca. 2 h) sowie der Einbau, der mit den Vorbereitungen ca. 2 h dauern wird. Insgesamt wird man also pro Vorplattung dieser Sorte etwa 11,5 h brauchen. Benötigt werden erstmal 3 Stück, später noch eine etwas größere vierte. So geht fix mal ne Woche weg...


    So. Hoffe der kleine Exkurs war für euch interessant und lässt euch mal ein wenig erahnen was für eine Menge Arbeit in der Herstellung dieser Ersatzstücke steckt - trotz hohem Maschineneinsatz!
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  • 2augen1nase
    antwortet
    ...und weiter geht´s....

    Bild 11: Absetzen der letzten Fläche

    Bild 12-14: Jetzt erst beginnen die eigentlichen Profilierungsarbeiten, d.h. dass nun größere Teile der entstehenden Flächen "erhalten" bleiben. Auf bild 1 sieht man den Bleistiftstrich der von dieser Fläche als einziges erhalten bleibt.

    Bild 15-17: Nun wird der Grund manuell bearbeitet - in diesem Fall scharriert. Der Grund ist ja später sichtbar und da alle Bestandsoberflächen scharriert sind, darf dieser Hieb natürlich nicht fehlen. Ich mache das immer, sobald es möglich ist, da das Stück insgesamt von der Stärke her schon sehr grenzwertig ist für eine manuelle Bearbeitung - jetzt ist es eben noch stabil genug.

    Bild 18: Da ich das Werkstück mit Hilfe von unterfütterten Balken noch aufstellen kann und sich der obere Teil so besser bearbeiten lässt, erfolgt jetzt das Aufarbeiten des Gefälles bzw. die Herstellung des oberen Profilstücks

    Bild 19: Nach dem Ausarbeiten des oberen Bereiches erfolgt die Ausarbeitung der Unterseite - zunächst mit der Herstellung einer weiteren Fase.

    Bild 20: Nun erfolgt das Einarbeiten der Hohlkehle. Da diese die Fase "untersticht", kann diese nicht vorher erstellt werden. Ich habe also die Lehrschläge gezogen und weil ich eh gerade am Fummeln war gleich noch die "äußere Wiederkehr" ausgearbeitet - ein totaler Fummelkram, bei dem es aber sehr darauf ankommt ganz vorsichtig und genau zu arbeiten
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  • 2augen1nase
    antwortet
    Herstellung einer Vierung - Sohlbank -

    So, Freunde der Sonne!

    Heute habe ich mir gedacht, ich zeige euch mal in allen Einzelschritten die Anfertigung einer Vierung. Vierungen sind normalerweise kleine Ersatzstücke, die aus Stein hergestellt und an der Schadstelle eingebaut werden.

    Bei den Sohlbänken im Hinterhaus wurde das vorstehende Profil abgekloppt - und man hätte natürlich auch nur dieses Profilstückchen austauschen können, durch den extrem bunten Stein ist das aber kaum "unsichtbar" hinzubekommen. Um den alten Fugenschnitt beizubehalten und die Optik zu wahren, habe ich mich also dazu entschlossen die Vorderseiten der Sohlbänke als Vorplattung neu herzustellen.

    Bild 1+2: Das Werkstück wird aufgebänkt, alle Maße und die Winkligkeit geprüft und gemäß Zeichnung angerissen. Auf der Flexscheibe habe ich die benötigte Einschnittiefe bereits markiert.

    Bild 3: Mittels der großen Flex wird in mehreren Arbeitsschritten alles nicht benötigte Material grob herausgeschnitten.

    Bild 4: Nach dem Schneiden wird der Grund erstmal bis auf den Riss runtergeschliffen

    Bild 5+6: Anschließend wird mittels Drucklufthammer die erste Fläche sauber und winklig auf das Sollmaß abgesetzt

    Bild 7-9: Hier zeige ich anhand der Köpfe wie man dabei vorgeht: Zuerst werden die sogenannten "Schläge" gezogen. Diese orientieren sich am Riss, werden mittels Winkel ganz genau gearbeitet und geben damit den Grund der Fläche vor. Überschüssiges Material ("Bossen") wird anschließend bis auf den Grund runtergezahnt und zum Schluss mit dem Scharriereisen vollends eingeebnet.

    Bild 10: Anschließend wird die nächste abzusetzende Fläche angerissen.

    Anzumerken ist: Von den jetzt hergestellten Flächen wird später nur ein Bruchteil benötigt. Gerade bei den Kopfseiten bleibt schlussendlich nur eine Kante stehen - dennoch ist es sehr wichtig, die Flächen extrem sauber zu arbeiten - korrigieren ist nicht, was weg ist, ist weg
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  • 2augen1nase
    antwortet
    @Lucius:

    Das mag ja sein - aber wenn der Fachmann dann drauf guggt, findet er bei "selbst gelernt" eben doch sehr häufig Sachen die gar nicht gehen bzw. absolut untypisch sind... Ganz konkret hast du bei deinen Pfeilern schlichtweg den falschen Verband angewendet (zumindest ist mir das neulich bei deiner Terrasse aufgefallen). Es gibt einen Pfeilerverband und einen Schornsteinverband - ein Maurer weiß das halt (hoffe ich). Sieht ja trotzdem schön aus was du da zauberst...

    Zu guter letzt wird sich privat niemand "quälen" und manche Dinge verlangen eben Übung, Übung und wieder Übung. Darauf zu bauen, dass das Wissen privat erhalten bleibt - sicher nicht...

    @Ogri:

    Ich kenne deine Erzählungen ja auch, hatte aber bisher noch keinen einzigen Praktikanten der auch nur halbwegs so doof / drauf war. So gesehen bin ich da dennoch guter Dinge - sollte es irgendwann mal finanziell möglich sein.


    So... und nu widme ich mich wieder dem Thema, aber gesondert, da brauch ich bissl Zeit. Bis gleich!

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  • Lucius
    antwortet
    Zitat von ogrikaze
    in Kurzform: Kollege Bergedienst liegt da schon in Richtung..
    Wer will es ihnen auch verdenken. Ich würde meinen Kindern auch von einem Handwerksberuf abraten. Die "goldener Boden"- Zeiten sind lange vorbei. Und das sage ich als Handwerksmeister.
    Wer alte Künste am Leben erhalten WILL, schafft das auch ohne entsprechende Lehre. Denn im entsprechenden Lehrberuf lernt man sowas nicht und man kann auch später definitiv nicht von leben.
    Bestes Beispiel ist mein Mauerhobby, wo schon Bauunternehmer fragten, welche Firma meinen Zaun gebaut hätte, da sie jemanden mit diesen Fähigkeiten suchten..

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  • ogrikaze
    antwortet
    Zum Thema Lehrlinge könnt ich nach einigen Versuchen hier jetzt voll einsteigen.. in Kurzform: Kollege Bergedienst liegt da schon in Richtung..
    Lass es Till...und bleibe beim Thema Budenkombinat...

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  • 2augen1nase
    antwortet
    Ach... Das weiß ich nicht ob ich da überhaupt jemanden finden würde, ich denke allerdings schon... Hätte Corona keinen Strich durch die Rechnung gemacht, wäre Anfang November eine Praktikantin zwei Wochen bei mir gewesen - und die hatte definitiv Bock auf den Beruf - und das reicht ja aus.

    So uninteressant ist richtiges Handwerk bei den jungen Leuten jedenfalls nicht - nur der Kurs der HWK ist aus meiner Sicht nicht der richtige. Mittlerweile wird ja dazu aufgerufen die Betriebe zu digitalisieren und das ist aus meiner Sicht die "Entfremdung 2.0" im Handwerk. In vielen Gewerken wird dem Grunde nach ja nur noch montiert - mit Handwerk hat das oft nix mehr zu tun.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dankbare Lehrlinge finden würde - einfach weil in meiner Firma auch wirklich viele Dinge gemacht werden, die heutzutage im Steinbereich eher unüblich sind. Die meisten anderen Betriebe schneiden Platten zu, polieren die Kanten und ballern dann hunderte lfdm. Treppenstufen / Fensterbänke und anderen Quatsch raus - oder beschriften Steine aus China und stellen se aufn Friedhof - dafür braucht man das eigentliche Handwerk gar nicht mehr lernen.

    Die Attraktivität ist bei dem was ich zu bieten habe schon hoch - nur wirtschaftlich kann ich mir das wohl einfach nicht erlauben. Was für viele auch abschreckend ist, sind die Berufsschulen zu denen man weit fahren muss (Stichwort "überbetriebliche Ausbildung") - aber das kann ich nicht beeinflussen, das ist halt wie es ist.

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  • Bergedienst
    antwortet
    Zitat von 2augen1nase

    Echt schade, dass ein Lehrling so viel Geld frisst, sonst würd ich da selber gute Steinmetzen "nachzüchten" - Als Soloselbständiger aber ein nahezu unmöglich zu erfüllender Traum...
    Und du glaubst echt du findest jemanden der schwere körperliche Arbeit lernen will? Jutuber, "was mit Medien" oder Ista-Star die die aktuellen Berufswünsche, die etwas helleren "Spieledesigner". Steine stapeln die nur virtuell

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  • 2augen1nase
    antwortet
    In den Löchern sind ganz weiche Einschlüsse drin, Kohlestückchen, Lehmbatzen usw. Die werden entsprechend ausgehackt und dann mit farblich passendem Restauriermörtel geschlossen. Das mache ich dann aber immer erst nach dem Versetzen, da man ohnehin an so einer Fassade immer relativ viel anzutragen hat.

    Macht halt bei dem bunten Stein wirklich viel Aufwand - bei der Hausfassade haben wir mit 13 verschiedenen Farben unzählige Farbnuancen gemischt - mit dem Ergebnis, dass man die wenigsten Atragungen auf den ersten Blick wahrnimmt - was ziemlich gut ist. Aber macht halt schon viel Aufwand, kann man sich ja vorstellen.

    Achso und wegen dem "Können":

    Sowas sollte ein Lehrling bereits ab Mitte zweiten Lehrjahres herstellen können - da sind wir also noch weit weg von wirklich meisterlicher Arbeit. Leider werden aber in den wenigstens Betrieben heutzutage die Lehrlinge so intensiv am Stein ausgebildet, dass die das auch wirklich können - und die Folge ist, dass mancher Geselle sowas schon nicht mehr bringt...

    Was ich da in den letzten Jahren so alles erlebt habe... grausig.

    Echt schade, dass ein Lehrling so viel Geld frisst, sonst würd ich da selber gute Steinmetzen "nachzüchten" - Als Soloselbständiger aber ein nahezu unmöglich zu erfüllender Traum...

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  • Robbells († 2021)
    antwortet
    Zitat von 2augen1nase
    Dafür konnte ich heute die Verdachung schon fertig hauen und bin froh, dass mir das so gelungen ist - denn der Stein ist leider nicht gerade von bester Qualität und hat leider ein paar Stiche.

    Respekt! So etwas muss man erst einmal können. Du bist halt n Handwerker der sein Job beherrscht. 👍

    Was passiert mit den "Löchern" ..ein Tischler würde wahrscheinlich 2K Spachtel nehmen..

    Gruß Robbells

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  • 2augen1nase
    antwortet
    Oli: Ich hab keine Ahnung was du meinst..

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  • oliver.bohm
    antwortet
    Sieht sehr schick aus...

    Ich mal bei rotem Backstein sowas gerne: Hier sieht es etwas übertrieben aus..

    Gibt es einen Namen für diese Art Stil oder Zierputz?


    Quelle : https://www.bauen.de/a/sockelputz-selbst-erneuern.html
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